OBD2-Diagnosegeräte im Test: Billigheimer bringen wenig
Es gibt viele Möglichkeiten, den Fehlerspeicher eines Autos auszulesen. Wir haben sie getestet und die dazu genutzten OBD2-Diagnosegeräte genau unter die Lupe genommen. Der Sieg geht klar an Topdon.
- Die getesteten OBD2-Diagnosegeräte in der Übersicht
- Testsieger: Topdon ArtiDiag 500
- Nexzcheck K89 im Test
- Foxwell NT 201 im Test
- Ergebnisse der Top-3 (Tabelle)
- Weitere OBD2-Diagnosegeräte im Test
- So haben wir getestet und bepunktet
- Welches OBD2-Diagnosegerät ist für wen das beste?
- FAQ: Die wichtigsten Fragen und Antworten zu OBD2-Diagnosegeräten
- Fazit
Die getesteten OBD2-Diagnosegeräte in der Übersicht
Bevor Profis die Motorhaube aufmachen, zapfen sie die OBD2-Schnittstelle an. Dieser Anschluss, häufig auch Diagnosestecker genannt, erlaubt es, die verschiedenen Steuergeräte an Bord auszulesen und insbesondere den Fehlerspeicher anzuzapfen. Dort gibt es potenziell wertvolle Informationen über die Ursache einer Störung oder eines Defekts. Nach der Reparatur kann man die Fehler löschen und prüfen, ob sie wiederkommen.
Werkzeuge für diese Onboard-Diagnose gibt es viele. Vertragswerkstätten nutzen spezifische Diagnosesysteme mit direkter Anbindung an den Hersteller. Für Hobbyschrauber:innen sind diese Tools nicht zugänglich oder zu teuer. Es gibt aber schon OBD2-Scanner zu erschwinglichen Preisen. Kleine Standalone-Scanner passen locker ins Handschuhfach. Noch kompakter sind OBD2-Dongles, die per Bluetooth mit dem Smartphone oder einem Tablet kommunizieren. Aber auch ambitionierte Geräte mit Touchscreen und weitgehenden Wartungsfunktionen bieten sich an. Wir haben die OBD2-Scanner zum Hausgebrauch geprüft und erklären, was sie taugen.
Testsieger: Topdon ArtiDiag 500
Das Topdon ArtiDiag 500 zeigt in diesem Vergleich von OBD2-Diagnosegeräten, was mit dem Budget ambitionierter Hobbyschrauber:innen möglich ist und setzt sich nicht nur preislich klar vom Rest des Testfeldes ab. Das Tablet-ähnliche Gerät mit solidem Gehäuse verbindet sich per WLAN mit dem Topdon-Server, was Updates ungemein erleichtert. Dank integriertem Akku funktioniert es auch ohne Stromzufuhr über den OBD2-Stecker. Neben dem Motormanagement überwacht es auch das Getriebe, das Bremssystem oder andere sicherheitsrelevante Komponenten. Sein großes, übersichtliches Touchdisplay macht die ebenfalls gut nutzbaren Tasten eigentlich überflüssig, kann aber naturgemäß nicht mit Handschuhen bedient werden.
Die umfangreichen Update-Möglichkeiten gehen einher mit einer sehr guten Marken- und Modellabdeckung und die Fehlererkennungsrate kommt der von Profi-Tools relativ nahe. Wer sein Auto in Eigenregie wartet und repariert, kann mit dem ArtiDiag 500 die Serviceintervall-Anzeige nullen, eine neue Batterie oder Reifendrucksensoren anlernen oder die Nullpunktposition der Lenkung kalibrieren. Außer dem Auslösen einer Dieselfilter-Regenerierung oder dem Codieren ausgetauschter Injektoren bleiben da wenig Wünsche offen.

Dem stehen ein paar Nachteile gegenüber, die man in Kauf nehmen muss oder mit aufpreispflichtigen Updates beseitigen kann. Datensätze für neue Modelle werden ein Jahr nach der Registrierung des Geräts nämlich kostenpflichtig, für bis zu dreistellige Beträge. Außerdem sind die Datenpakete bestimmter Marken sehr groß; das Laden und Installieren kann entsprechend länger dauern. Darüber hinaus lässt sich mit dem Gerät auch der Tachostand manipulieren, was Punkte im Kapitel Sicherheit kostet. Am meisten nervte im Testbetrieb die künstliche Login-Hürde vor der Nutzung: Das Topdon-Diagnosegerät fragt nämlich nach dem Anschalten regelmäßig einen Zahlencode ab, der per Mail übertragen wird. Bedienungsfreundlich ist das nicht. Trotzdem ist das ArtiDiag 500 ein sehr dienliches Werkzeug und kann sich bei entsprechender Nutzung schnell rentieren.
Nexzcheck K89 im Test
Das Nexzcheck K89 fällt etwas groß aus, lässt sich dank gut erreichbarer Tasten aber auch mit Handschuhen gut bedienen. Auch der Farbbildschirm gefällt mit klarer Darstellung, auch wenn das Menü mit mehr Übersetzungsfehlern aufwartet als die gute Bedienungsanleitung. Das Diagnosegerät hat alle Testwagen mit der Funktion Auto-VIN automatisch und zügig identifiziert. Im Live-Datenstrom werden simultan zwölf Parameter überwacht. Insgesamt bleibt der Funktionsumfang jedoch überschaubar. Das Nexzcheck überwacht das Motormanagement, liest Fehlercodes und löscht sie bei Bedarf, mehr nicht. Wer etwa die Serviceintervall-Anzeige nach einem hausgemachten Ölwechsel nullen möchte oder eine ausgetauschte Batterie anlernen muss, kommt damit nicht ans erwünschte Ziel.

Foxwell NT 201 im Test
Als einziger Proband im Test besitzt das Foxwell NT 201 nicht nur das Kabel zum Anschluss an den 16poligen Diagnosestecker. Auch ein mittlerweile exotisch anmutendes Mini-USB-Kabel wird mitgeliefert, um Updates der Firmware zu ermöglichen. Diese sind zwar lebenslang kostenfrei, erfordern aber einen Windows-Rechner. Die Prozedur ging im Test leicht von der Hand, änderte aber nichts Grundlegendes am beschränkten Funktionsumfang des Foxwell-Geräts. Das NT 201 liest und entschlüsselt Codes aus dem Motorsteuergerät. Bei Bedarf kann man diese DTCs auch löschen. Das funktioniert über die flachen, aber mit einem spürbaren Druckpunkt versehenen Tasten schnell und einfach. Das Farbdisplay ist scharf, wenngleich die Schriftgröße bescheiden ausfällt. Beinahe schon obligatorisch bei China-Ware: Die teils lausige Übersetzung, die hier noch eine Stufe lausiger ausfällt als bei den ohnehin nicht gerade verwöhnten Konkurrenzgeräten.

Ergebnisse der Top-3 (Tabelle)
Topdon ArtiDiag 500 | Nexzcheck K89 | Foxwell NT 201 | |
|---|---|---|---|
Funktionalität (50) | 45 | 24 | 25 |
Qualität (20) | 15 | 10 | 7 |
Sicherheit (20) | 10 | 20 | 20 |
Nachhaltigkeit (10) | 10 | 10 | 10 |
Gesamtpunkte (100) | 80 | 64 | 62 |
Bewertung | Gut | Befriedigend | Befriedigend |
Prädikat | Testsieger |
Weitere OBD2-Diagnosegeräte im Test
Ancel AD310 im Test
Handlich, griffig und trotz einfacher Materialien gut verarbeitet. Auf den ersten Blick kann das Ancel AD310 durchaus gefallen. Doch nach dem Anstöpseln verdunkelt sich der Horizont wie der kleine Schwarz-Weiß-Bildschirm des Diagnosegeräts. Mit einem unserer Test-Renault des Baujahres 2013 will es gar nicht erst anbandeln. Der Verbindungsaufbau zu den anderen Probanden geht dank Auto-VIN zwar automatisch über die Bühne, ist im Vergleich aber langsam. Da das Ancel nur das Motorsteuergerät überwacht, bleibt auch der abgestöpselte Raddrehzahlsensor unerkannt. Anlern- oder Resetfunktionen sind leider auch nicht an Bord. Insgesamt ist das nicht wirklich hilfreich und keine Kaufempfehlung wert.

Veepeak OBDCheck BLE im Test
Das Veepeak OBDCheck BLE fällt etwas aus dem Rahmen des Testfelds, denn es ist kein Standalone-Gerät, sondern ein kompakter Dongle, der über Bluetooth mit einem Smartphone oder Tablet verbunden werden muss. Das gestaltet die Erstnutzung komplizierter, denn die VIN wird nicht mehr automatisch erkannt, eröffnet aber größere Möglichkeiten, denn der Dongle arbeitet auch mit Apps von Drittanbietern zusammen. Wer damit herumexperimentieren möchte, findet vielfältige Wege, den Diagnosestecker aufzurüsten, bis hin zu (meist kostenpflichtigen) Apps mit tiefergehenden Analyse-Funktionen. Auch der Spieltrieb lässt sich so befriedigen: Mit der entsprechenden Live-App kann man sein Smartphone oder Tablet zum Zusatzinstrument adeln, das am Armaturenbrett intime Details über den Ladedruck, die Öltemperatur oder das Befinden der Bremse hinten links preisgibt. Dazu muss der Dongle permanent angesteckt bleiben.

Die vom Hersteller primär empfohlene App war zum Testzeitpunkt nicht erhältlich. Mit dem ebenfalls empfohlenen Car Scanner ELM OBD2 erlaubte der Dongle aber den Zugriff auf die Motorsteuerung, die Fehlerdiagnose sowie das Löschen der DTCs. Ein kompletter Scan nahm bis zu sechs Minuten in Anspruch. Überhaupt nicht gut: Beim Einsatz im Kia provozierte der Dongle plötzlich (falsche) Fehlermeldungen am Armaturenbrett, die nach dem Abziehen des Steckers aber wieder verschwanden. Das sollte nicht passieren und kostet wertvolle Punkte.
Die kostenlose Version der App wird von Werbung begleitet. Wer das nicht ertragen will und versteckte Funktionen codieren oder die wählbaren Dashboards auch via CarPlay oder Android Auto auf einem größeren Bildschirm anzeigen möchte, muss in die Tasche greifen. Der Dongle arbeitet sowohl mit iPhones als auch mit Android Smartphones zusammen. Ein Profi-Diagnosegerät ersetzt er nicht, aber er spielt seine Stärken besonders beim Live-Screening von zahlreichen Parametern aus, was bei der Suche nach komplexen Problemen sehr hilfreich sein kann.
Ergebnisse der Plätze 4 bis 5 (Tabelle)
Ancel AD310 | Veepeak OBDCheck BLE | |
|---|---|---|
Funktionalität (50) | 20 | 29 |
Qualität (20) | 11 | 11 |
Sicherheit (20) | 20 | 10 |
Nachhaltigkeit (10) | 10 | 10 |
Gesamtpunkte (100) | 61 | 60 |
Bewertung | Befriedigend | Befriedigend |
Porfoyo V529 im Test
Das Porfoyo V529 gibt es zum Kampfpreis. Es ähnelt in Format, Aufbau und Tastenlayout stark dem Gerät von Nexzcheck. Die Knöpfe sind fast identisch angeordnet und fallen noch eine Nummer größer aus. Selbst die Menüführung samt Übersetzungsfehlern ist in wesentlichen Teilen identisch. In unserem Test zeigte sich das Porfoyo-Gerät aber weniger kommunikativ. Das begann mit der sehr kurzen, im Grunde nutzlosen Bedienungsanleitung und zeigte sich auch bei der mangelnden Modellabdeckung. Während das Diagnosegerät anstandslos mit dem Test-Kia Sportage und dem Renault Clio 5 kommunizierte, blieb es im Dialog mit dem älteren Espace 4 stumm.
Auch hier beschränken sich die Diagnosekompetenzen aufs Motormanagement und die Funktionen aufs Lesen und Löschen von Fehlercodes. Für einen ersten Überblick über mögliche Fehlerursachen kann das genügen, für mehr nicht.

Xtool AD 20 im Test
Das Xtool erwies sich im Test als Nixtool. Offensichtlich war das anonym gekaufte Testgerät defekt, denn der Bluetooth-Dongle verweigerte rigoros die Übermittlung von Daten aller drei Testwagen, produzierte dafür irrlichternd Fehlermeldungen am Armaturenbrett. Dies ist also genau das Gegenteil dessen, was man gemeinhin mit einem Diagnosegerät zu erreichen sucht. Zu allem Überfluss zeigt sich der Stecker auch noch als zu anhänglich: Er steckte so fest in der Diagnosesteckdose, dass er sich nur mit Mühe wieder herausoperieren ließ. Eine völlig verhagelte Vorstellung eines nicht einmal besonders günstigen Geräts.

Ergebnisse der Plätze 6 bis 7 (Tabelle)
Porfoyo V529 | Xtool AD 20 | |
|---|---|---|
Funktionalität (50) | 21 | 28 |
Qualität (20) | 8 | 5 |
Sicherheit (20) | 20 | 0 |
Nachhaltigkeit (10) | 10 | 1 |
Gesamtpunkte (100) | 59 | 34 |
Bewertung | Ausreichend | Mangelhaft |
So haben wir getestet und bepunktet
Wir haben alle OBD2-Diagnosegeräte an drei verschiedene Testfahrzeuge angeschlossen, zwei Renault (ein Diesel-Verbrenner und ein Benzin-Hybrid) und einen Kia als Plug-in-Hybrid. Die Fahrzeuge stammten aus den Baujahren 2013 bis 2022. Die Testwagen waren mit eigens abgeklemmten Sensoren präpariert. Somit mussten die OBD2-Scanner einen „defekten“ Raddrehzahlsensor und eine funktionsuntaugliche Lambdasonde aufspüren. Neben der Erkennungsrate von Fehlern wurde auch bewertet, wie viele Steuergeräte von dem jeweiligen Scanner überwacht werden konnten. Auch für spezifische Anlern- und Resetfunktionen gab es im Kapitel Funktionalität Punkte zu verteilen.
Neben der Materialgüte und -verarbeitung spielen in der Disziplin Qualität auch die Menüführung und die Bedienungsanleitung in der Bewertung eine wichtige Rolle. Ein leidiges Kapitel bei den häufig aus China stammenden Diagnosegeräten. Bei der Sicherheit ließ der Testsieger Punkte liegen, denn mit ihm kann man auch den Kilometerstand verändern. Die beiden getesteten Dongles wiederum produzierten irreführende Fehlermeldungen. Der Bluetooth-Stecker von Xtool streikte ansonsten im Test wegen eines Defekts. Folglich wurde er als nicht nachhaltig abgewertet.
Punkte | Sterne | Note |
|---|---|---|
100 | 5 | Sehr gut |
90 – 99 | 4 – 4,9 | Sehr gut |
75 - 89 | 3 – 3,9 | Gut |
61 - 74 | 2 – 2,9 | Befriedigend |
51 - 60 | 1,1 – 1,9 | Ausreichend |
0 – 50 | 1 | Mangelhaft |
Welches OBD2-Diagnosegerät ist für wen das beste?
Ambitionierte Hobbyschrauber:innen sollten am ehesten das Topdon ArtiDiag 500 ins Auge fassen. Es bot im Test die einfachste Handhabung, Funktionsvielfalt und tiefe Analysefähigkeiten.
Preisbewusste mit Motorproblemen könnten eventuell mit dem Porfoyo V529 glücklich werden. Das Gerät beschränkt sich allerdings auf die Ansteuerung des Motormanagements und war auch nicht mit allen Testwagen kompatibel.
Wer mit dem OBD2-Diagnosegerät auch Spaß haben will und experimentieren möchte, könnte sich für den Bluetooth-Dongle von Veepeak interessieren. Den kann man zum Beispiel zum Zusatzinstrument für das Armaturenbrett umfunktionieren.
FAQ: Die wichtigsten Fragen und Antworten zu OBD2-Diagnosegeräten
Welches OBD2-Diagnosegerät ist gut?
In unserem Vergleichstest von OBD2-Diagnosegeräten verdient sich nur der Topdon ArtiDiag 500 die Bewertung „gut“. Das Tablet-ähnliche Gerät überzeugte mit einfacher Bedienung, großer Markenabdeckung, Analysetiefe und profitiert ein Jahr lang von kostenlosen Updates.
Was ist der Unterschied zwischen OBD und OBD2?
Der Hauptunterschied zwischen OBD und OBD2 liegt in der Standardisierung. OBD2 nutzt einen einheitlichen, 16-poligen Stecker, an dem man alle gängigen OBD2-Diagnosegeräte anschließen kann, während die Steckverbindung bei der Vorgängernorm OBD noch herstellerspezifisch war. Auch die DTC genannten Fehlercodes wurden bei OBD2 weitgehend vereinheitlicht.
Welche Baujahre kann ein OBD2 Scanner auslesen?
Ein Standard-OBD2-Scanner kann in Europa Benziner ab Baujahr 2001 und Diesel ab Baujahr 2004 auslesen. Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder OBD2-Scanner die volle Bandbreite an Funktionen aller kompatiblen Autos abdeckt. Viele herstellerspezifische Funktionen erfordern ein spezielles Diagnosegerät und/oder Software.
Fazit
Fast hätten wir’s geahnt: Für richtig kleines Geld bekommt man kein richtig gutes OBD2-Diagnosegerät. Allein der mit Abstand teuerste Proband von Topdon bekommt unsere Kaufempfehlung. Die anderen OBD2-Scanner mögen zwar deutlich billiger sein, haben aber auch einen stark eingegrenzten Funktionsumfang und waren nicht immer mit allen unseren Testautos kompatibel.
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