Nissan Wave: Japanischer Twingo-Zwilling auf Testfahrt erwischt
Wie man einen Elektro-Kleinstwagen nicht nur günstig, sondern auch emotional baut, zeigt aktuell kaum ein Auto besser als der Renault Twingo. Dessen Plattform wird nun im Konzern weitergereicht: Neben einem neuen Spring, den Dacia selbst anteasert, fuhr unserem Erlkönig-Fotografen der Prototyp des Nissan-Pendants vor die Linse. Der potenzielle Name des Mikro-Stromers: Wave.
Die stromernde Kleinstwagen-Welle kommt allmählich ins Rollen. Ein erstes Highlight der Klasse dürfte die Neuauflage des putzigen Renault Twingo mit 1990er-Jahre-Retro-Design sein. Kaum ein anderer Neuwagen der letzten Monate dürfte so viel Aufmerksamkeit bekommen haben wie der französische Cityflitzer. Davon sollen nun auch die Allianzpartner aus dem Renault-Nissan-Mitsubishi-Bündnis profitieren: Dacia teasert bereits einen neuen Spring an, der technisch mit dem Twingo verwandt sein dürfte. Zudem ist unserem Erlkönig-Fotografen ein noch stark getarnter, weiterer Twingo-Abkömmling vor die Linse gerollt. Vorläufiger Name des Kleinen: Nissan Wave.
Mit dem Kleinstwagen ergänzt der japanische Autobauer seine europäische Modellpalette nach unten: Optisch dürfte das Vehikel bis auf eine geänderte Front- und Heckmaske sowie Nissan-typische Felgen dem Twingo entsprechen. Daher liegt auch eine Länge von 3,79 m wie beim Franzosen nahe. Damit positioniert sich der Wave unterhalb des Nissan Micra, ebenfalls ein Renault-Zwilling, als günstiges Einstiegsmodell. Ob Nissan den Wave ebenfalls für unter 20.000 Euro anbieten kann, bleibt aber abzuwarten. Zum Vergleich: Der minimal teurere Micra hält einen Anstandsabstand von lediglich 91 Euro zum baugleichen R5 E-Tech (Stand: September 2026).
Der Renault Twingo im Fahrbericht (Video)

Twingo mit Gesichtsmaske: Im Nissan Wave arbeitet Renault-Technik
Wie bereits angesprochen zeigen die Erlkönig-Bilder einen Kleinstwagen, der insbesondere in der Silhouette dem Twingo entspricht. Türen wie Fensterausschnitte sind praktisch identisch. Was die Tarnfolie dagegen noch verbirgt, ist die Front- und Heckgestaltung. Die Abklebung lässt dennoch erste Schlüsse zum Design zu: Während der Twingo voll und ganz auf Retro setzt und der Teaser des kommenden Dacia Spring – dritter im Bunde der Konzern-Kleinstwagen – harte Kanten zeigt, dürfte der Nissan wohl eher die sachliche Mitte bilden.
In einem Interview mit dem britischen Magazin Autocar verrät Nissans Europa-Chefdesigner Giovanny Arroba, dass sich auch der Wave in Richtung Retro-Design bewegen solle. Als direkte Inspiration nennt der Designer die „Pike Cars“, eine Reihe von vier Kleinwagen auf Micra-Basis, die in den späten 1980er und frühen 90er-Jahren ausschließlich in Japan angeboten wurden. Genauer: Figaro, Be-1, Pao und S-Cargo (siehe unten).

Auch wenn diese Vorbilder für niedliche Kulleraugen wie am Twingo sprechen würde, weichen sie am Nissan Wave augenscheinlich rechteckigen Scheinwerfern. Eine ähnliche Beobachtung machen wir am Heck: Auch hier sind weniger prominente Rundungen in der Leuchtengrafik auszumachen, zudem scheint die Position des Bremslichts aus den äußeren unteren Ecken des Bauteils nach oben zu wandern. Was aber bleibt, ist das ausgestellte Heckfenster. Ob es auch den schwarzen Kunststoffrahmen des Twingo behält, bleibt dagegen abzuwarten.
Antriebsseitig sind keine großen Überraschungen zu erwarten. Renault bietet den Twingo auf AmpR-Small-Plattform aktuell nur mit einer Motorisierung an. Daher dürfte auch der Nissan Wave auf ebendiesen Elektromotor an der Vorderachse mit 60 kW (82 PS) setzen, der von einer 27,5-kWh-LFP-Batterie gespeist wird. Die Reichweite liegt beim Renault bei 261 km nach WLTP-Messung.
Gesetzt ist auch die Produktionsstätte: Der Nissan Wave läuft wohl parallel zum Twingo im Renault-Werk im slowenischen Novo Mesto vom Band. Damit würde sich der Elektro-Nissan auch für die von der EU erdachten „M1E-Klasse“ für elektrische Kleinst- und Kleinwagen bis 4,20 m Länge prädestinieren. Denn um als M1E-Auto zu gelten, muss die Produktion in der EU stattfinden, gleichzeitig sollen aber alle Pkw-Sicherheitsanforderungen sowie die Euro-7-Norm erfüllt werden. Um die Autos günstig zu halten, tritt auch eine „Freeze“-Regelung in Kraft: Nachdem die Typengenehmigung erteilt wurde, muss das Modell für zehn Jahre keine neuen Vorschriften zu Assistenzsystem-Pflichten und anderen Regularien übernehmen, um Entwicklungs- und Verkaufskosten niedrig zu halten. Mit einer offiziellen Präsentation des Nissan Wave rechnen wir noch im Jahr 2026, der Marktstart dürfte im ersten Halbjahr 2027 erfolgen.
SH Proshots
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