Wohnmobil-Fahrbericht

Modular gedacht: Erste Testfahrt mit dem Kompanja Zwei

Kompanja kennt man bislang eher für Aufstelldach-Campingbusse mit DIY-Charme und hoher Modularität. Das Konzept möchte die Brühler Manufaktur nun auch eine Camperklasse höher umsetzen. Wie sich das in der Praxis anfühlt, haben wir auf einer ersten Testfahrt im Kompanja Zwei herausgefunden!

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Der Kompanja Zwei auf einer Landstraße fahrend von schräg vorne rechts.
Streich zwei heißt: Zwei. Während der kleine Bruder Eins Alltag und Camping unter einen Hut bringen möchte, richtet sich der Zwei an Vollblut-Camper:innen. Foto: Jarno Schwarze
Der Kompanja Zwei auf einer Landstraße fahrend von schräg hinten links.
Mit 5,4 m Außenlänge ist auch der vollwertige Campervan kein wirklicher Riese. Lediglich einen Grundriss führen die Brühler:innen. Foto: Jarno Schwarze
Der Kompanja Zwei von rechts im Profil mit geöffnetem Aufstelldach.
Trotz kurzem Radstand nimmt er mit dem optionalen Aufstelldach ausgestattet dennoch bis zu fünf Personen auf. Foto: Jarno Schwarze
Die Sitzgruppe des Kompanja Zwei.
Und auch die Halbdinette im Bug ist auf bis zu fünf Personen ausgelegt. Foto: Jarno Schwarze
Die Vordersitze des Kompanja Zwei im Detail.
Optional lässt sich der drehbare Einzelsitz auf der Beifahrerseite durch eine drehbare Doppelsitzbank eintauschen – diese kommt serienmäßig sogar mit zwei Isofix-Sitzplätzen. Foto: Jarno Schwarze
Die Rücksitzbank des Kompanja Zwei im Detail.
Zwei weitere Isofix-Plätze gibt es auf der Zweier-Rückbank. Diese bietet jedoch deutlich mehr Funktionalität: Sie ist neigbar und … Foto: Jarno Schwarze
Der Schiebemechanismus der Rücksitzbank des Kompanja Zwei im Detail.
… lässt sich auch in der Breite anpassen. Die beiden Sitzplätze rutschen bis zu zehn Zentimeter auseinander, ein Einleger schließt die entstandene Lücke. Foto: Jarno Schwarze
Der Dachstauschrank des Kompanja Zwei im Detail.
Stauraum gibt es optional in Dachstauschränken. Doch abgesehen von der recht üblichen Einbauposition sind auch diese sehr clever aufgebaut. Foto: Jarno Schwarze
Der Befestigungsmechanismus des Dachstauschranks des Kompanja Zwei im Detail.
Oder besser: clever eingebaut. Die Schränke lassen sich ohne Werkzeug zügig abnehmen und an anderer Stelle im Wohnraum wieder anbringen. Möglich machen das neben einer identischen Länge vor und nach dem Bad … Foto: Jarno Schwarze
Eine Airlineschiene an der Decke im Innenraum des Kompanja Zwei im Detail.
… auch Airlineschienen in der Decke. Praktisch: So lässt sich auch sonstiges Zubehör einfach montieren – vom Küchenrollenhalter bis zur Falttasche liefern Campingzubehör-Märkte so gut wie alles. Foto: Jarno Schwarze
Eine Person verschiebt den Boden des Ablagefachs über der Fahrerkabine des Kompanja Zwei.
Cleveren Stauraum gibt es auch über dem Fahrerhaus: Zwei verschiebbare Bretter schaffen entweder Platz für Kleinkram oder mehr Kopffreiheit zum Aufstehen aus dem Fahrersitz. Foto: Jarno Schwarze
Die Küche des Kompanja Zwei im Detail.
Womit gekocht wird, ist Geschmackssache. Serienmäßig ist ein Induktionsherd mit zwei Platten, optional sind auch Zweiflammen-Gaskocher sowie ein Hybridkochfeld vorhanden. Foto: Jarno Schwarze
Die Schubladen der Küche des Kompanja Zwei im Detail.
Drei Vollauszüge finden im Küchenblock Platz. Die unterste Schublade reicht in der Höhe sogar genau für den stehenden Transport von Weinflaschen aus – darauf wurde bei der Entwicklung geachtet! Foto: Jarno Schwarze
Eine Person vergrößert das Badezimmer des Kompanja Zwei durch ziehen an zwei Laschen.
Damit Bett, Sitzgruppe und Vollauszüge in der Küche (inklusive Bewegungsfreiraum) ausreichend Platz, ist das Bad sehr kompakt geblieben. Bei Bedarf wird es einfach in den Gang hinein vergrößert. Ein Schienensystem macht es möglich. Foto: Jarno Schwarze
Der Sicherungsmechanismus des Badezimmers im Kompanja Zwei im Detail.
Praktisch wie simpel: Das verschiebbare Bad wird lediglich von einem Holzstift gehalten. Die Konstruktion hält auch in Kurvenfahrten und auf holprigen Seitenstraßen gut und erstaunlich geräuscharm. Foto: Jarno Schwarze
Das Badezimmer des Kompanja Zwei im Detail.
Wird das Bad erweitert, taucht unter dem WC ein Bambus-Lattenrost samt Abfluss auf. Die kleine Nasszelle ist übrigens vollkommen optional. Sollte sie nicht benötigt werden, lässt sich hier auch eine Kommode platzieren. Foto: Jarno Schwarze
Die Heckgarage des Kompanja Zwei mit Auszug links durch die geöffneten Hecktüren fotografiert.
Die Heckgarage profitiert vom kleinen Gaskasten mit nur einer 2,75-kg-Flasche. Ein Auszug mit Euroboxen hilft, Ordnung zu halten. Foto: Jarno Schwarze

Erste Testfahrt mit dem neuen Kompanja Zwei

Selbstausbau zieht nicht ohne Grund in den Bann. Der Einfachheit der Ausbauten, den zahllosen Individuallösungen und dem klaren Fokus auf das, was man wirklich braucht, wohnt ein unbestreitbarer Charme inne. Doch hierfür braucht es oft zwei Dinge: Zeit und Know-how – oder Geld und Vertrauen in einen Betrieb, der den Ausbau übernimmt. Einfacher ist natürlich der Kauf eines Campers „von der Stange“, doch gerade bei Großserien-Campervans geht der DIY-Zauber verloren. Ein Glück gibt es aber auch einen Mittelweg zwischen den Extremen.

Auf diesem findet sich auch Kompanja. Der Name ist abgeleitet vom französischen „compagnon“ – zu Deutsch „Gefährte“ –, und genau diese entstehen weitestgehend in Handarbeit in einer Werkhalle, knappe 15 km südlich des Kölner Stadtzentrums. Seit 2016 produziert das ebenso junge Camping-Start-up den Aufstelldach-Campingbus Kompanja Eins auf Renault Trafic genau so, wie sich Firmengründer Ulrich Diefenbach diesen auch selbst vor die Türe stellen würde.

Über Kundenfeedback und – so erzählt uns Firmengründer Ulrich Diefenbach – im Selbstversuch mit Frau und Kindern wurde bereits viel am Konzept gefeilt, um den perfekten Urban-Camper-Grundriss für Alltag sowie Campingurlaub zu schaffen. Eines blieb aber immer gleich: Optisch wie ausstattungstechnisch bleibt es schlicht, holzig und modular. Und genau hier knüpft der neue Kompanja Zwei, den wir auf eine erste Testfahrt mitnehmen, an. Nur diesmal eben in Form eines vollwertigen Campervans auf Citroën Jumper-Basis, wenngleich zunächst nur in der 5,4-m-Längenversion. Die gängigen Wohnmobil-Bauarten erklären wir hier im Detail.

Möbel mit Selbstausbau-Charme, aber nur gegen Aufpreis

Schon der Erstkontakt zeigt: Der „Große“ aus Brühl steht dem kleinen Geschwister-Van in puncto Charme in nichts nach. Auch er bekommt Airlineschienen an der Wohnraumdecke, auch er setzt auf Möbelmodule und eine einfache Basisausstattung ohne Bad. Dass sich so jeder Van zum Konfigurations-Unikat zusammenstellen lässt, beginnt bereits bei den schicken Möbeln: 13 Farben stehen für die modularen Schränke zur Auswahl, hinzu kommen je drei Optionen für Polster und Bodenbelag. Unser Testwagen kommt im schicken Grünton „Bonsai“ mit Sitzbezügen und Bodenbelag in Beige – und wirkt dadurch sehr warm und einladend.

Der Fokus auf das Wesentliche fordert aber auch seinen Tribut: Möbel gibt es serienmäßig bis auf Küchenzeile, Sitzgruppe und Heckbett kaum. Angesichts des doch recht hohen Basispreises dürfte der Wohnraum wohl ungewohnt karg aussehen, aber das gehört zum Konzept. Die Dachstauschränke sind dafür so simpel wie genial: Die Kästen werden einfach an den Airlineschienen angebracht und lassen sich so ohne Werkzeug umhängen. Dem System kommt zugute, dass die Hängeschränke über Sitzgruppe, Küche und Bett identische Abmessungen haben. Nachbestellen ist natürlich auch kein Problem, erzählt uns Ulrich Diefenbach. Die Möbel werden schließlich auch in der eigenen Schreinerei nach eigenem Qualitätsstandard direkt in der Halle gebaut.

Das variable Bad wächst mit

Eine Person vergrößert das Badezimmer des Kompanja Zwei durch ziehen an zwei Laschen.
Foto: Jarno Schwarze

Ebenso optional wie die Hängeschränke ist auch die kompakte Nasszelle. Wer 3900 Euro investiert, bekommt den ausziehbaren Waschraum zwischen Sitzgruppe und Bett eingebaut. Und der kleine Raum hat es in sich! Weniger in puncto Ausstattung, denn ab Werk ist lediglich die Dusche inklusive, aber beim Wow-Effekt. Eine kleine Holzsicherung hinter der Rückenlehne der Sitzbank gelöst, die zwei Metallgriffe gepackt und mit einem beherzten Ruck gleitet der Raum samt Duschtasse und Bambus-Duschrost nach vorn in den Gang zur Küche.

Trotz Holzkonstruktion ist der ausgekleidete kleine Raum komplett spritzwassergeschützt und kommt daher ohne Duschvorhang aus. Optional gibt es noch eine Trocken-Trenntoilette, das Waschbecken befindet sich in der Küche. Wer keine Nasszelle braucht, lässt sie weg und kann stattdessen einen halbhohen Schrank anstelle des Waschraums einbauen lassen. Zu noch mehr Stauraum im Camper verhelfen hier unsere Tipps.

Clevere Küche mit integriertem Tisch und Schublade im Weinflaschen-Format

Kommen wir zu etwas Serienmäßigem: der Küche. Diese steht im neuen Kompanja Zwei genau dort, wo man sie erwartet. Denn der Aufbau des Zweiers orientiert sich weitestgehend am Branchenstandard für 5,4-m-Vans. Bedeutet: Gekocht wird auf der rechten Fahrzeugseite. In der Basis ist der Van mit einem Zweiplatten-Induktionskochfeld ausgestattet, unser Testmodell kommt mit dem hochwertigen, zweiflammigen Gaskocher inklusive Festgasinstallation und Gassteckdose für 1800 Euro Aufpreis. Für Unentschlossene: Kompanja bietet auch ein Hybridkochfeld an.

Die Küche des Kompanja Zwei im Detail.
Foto: Jarno Schwarze

Dank Schneidebrett-Abdeckung über der Spüle genügt die gebotene Arbeitsfläche, eine Erweiterung gibt es oberhalb des stirnseitig eingelassenen 70-l-Kompressor-Kühlschranks – womit Kompanja beweist: Es geht doch! Die Küche hat allerdings auch andere Talente. Auf der nach außen gewandten Rückseite fällt direkt ein Ausschnitt mit Metallrahmen ins Auge. Hier verbirgt sich der Klapptisch, der Rahmen verwandelt sich mit einer Drehung in den Stützfuß, und der Einstieg damit in einen Sitzbereich für den morgendlichen Kaffee – wo ihn die Frau des Firmengründers gerne trinkt, wie er uns erzählt.

Die Vollauszüge im Küchenkorpus fallen ungewohnt groß aus, auch weil das variable Bad genug Flur lässt, um diese vollständig herauszuziehen. Fun Fact: Weinliebhaber:innen dürften sich darüber freuen, dass die unterste Schublade selbst für den stehenden Transport von Weinflaschen geeignet ist. Wohl bekomms!

Bis zu 1200 l Stauraum in der Heckgarage bei 5,4 m Außenlänge

Gut schmeckt der wohl gelagerte Wein nicht nur unter der optionalen Markise, sondern auch in der Halbdinette mit optional bis zu fünf Sitzplätzen. Denn hier lässt sich der Kompanja gegen einen Aufpreis von 3200 Euro durch eine in der Branche nur selten genutzte Option des Basisfahrzeugs Citroën Jumper ausrüsten: die drehbare Doppelsitzbank auf der Beifahrerseite. Sie macht selbst den 5,4-m-Kastenwagen zum Fünfsitzer – inklusive viermal Isofix. Denn selbstverständlich hat man in Brühl auch daran gedacht, der neig- wie ausziehbaren Rückbank Kindersitz-Haltehaken zu verpassen.

Damit die Familie auch zusammen im neuen Kompanja Zwei unterwegs sein kann, lässt sich die Schlafplatzanzahl mit einem Aufstelldach auf vier erweitern. Serienmäßig an Bord sind zwei Schlafplätze im Doppelbett mit einer Liegefläche von 130 x 196 cm. Optional ließe sich das Bett mit einem Gfk-Anbau auf 206 cm Länge erweitern, für durchschnittlich große Campingfans dürften die Bettenmaße so aber genügen. Welche unterschiedlichen Bettenlösungen es bei Wohnmobilen gibt, erklären wir hier.

Unter dem Bett lässt sich einiges unterbringen – insbesondere, wenn der Schwerlastauszug für Euroboxen ausgewählt wurde, wie in unserem Testwagen der Fall. So lässt sich Ordnung halten. Platz für den Auszug ist ohnehin genug vorhanden, denn der platzsparende Gaskasten nimmt lediglich eine 2,75-kg-Flasche auf. Laut Kompanja kommt der Zwei so auf 1200 l Stauraum in der niedrigsten Bettposition. Ist der Lattenrost aufgestellt, reicht die Heckgarage bis unter die Decke. Zu noch mehr Stauraum im Camper verhelfen hier unsere Tipps.

Die Heckgarage des Kompanja Zwei mit Auszug links durch die geöffneten Hecktüren fotografiert.
Foto: Jarno Schwarze

Der Top-Motor macht den kompakten Campervan zur Rakete

Das recht beliebte Basisfahrzeug Citroën Jumper fährt, wie man es kennt: solide. Seit dem letzten Facelift arbeitet Fiat-Technik unter dem bereits zuvor baugleichen Blechkleid und unser Testwagen weiß mit der stärksten Leistungsstufe des 2,2-l-Turbodiesels mit 180 PS (132 kW) mit viel Fahrkultur zu verwöhnen. Den Motor gibt es wie üblich nur in Verbindung mit dem einfach zu bedienenden Achtstufen-Automatikgetriebe. Im Zusammenspiel ergibt das einen sehr flotten Van, der die Langstrecke nicht scheut.

Passend dazu präsentiert sich auch das Cockpit des französischen Vans mit italienischen Wurzeln voll ausgestattet: Techno-Cockpit, Touchscreen, Digitaltacho und selbst ein digitaler Rückspiegel machen das Zusammenleben mit dem Kastenwagen sehr angenehm, wenngleich teuer. Wer also sparen möchte, verzichtet auf das Citroën-Infotainmentsystem, das Automatikgetriebe oder den Kamera-Rückspiegel – dank großer Seitenfenster ist die Rundumsicht selbst vom Fahrersitz aus ohnehin kein Problem! Und zudem ist das so gesparte Geld ohnehin besser in den cleveren Möbelmodulen investiert.

Fazit

Das Konzept geht auf: Der Kompanja Zwei kann modular mindestens so gut wie sein kleiner Bruder. Günstig ist er zwar nicht, doch das hat seinen Grund: In ihm stecken viel Handwerkskunst und ebenso viel Erfahrung. Und das alles auch noch in famoser Vanlife-Optik verpackt.

Technische Daten des Kompanja Zwei

AUTO ZEITUNG

Kompanja Zwei

Technische Daten

Motor

4-Zylinder, 4-Ventiler, Turbodiesel (Euro 6 e); 2184 cm³

Antrieb

8-Stufen-Automatik; Vorderradantrieb

Leistung

132 kW / 180 PS bei 3500 U/min

Max. Drehmoment

450 Nm bei 1500 U/min

Karosserie

Außenmaße (L / B / H)

5413 / 2050 / 2524 mm

Leergewicht / Zuladung

2750 / 750 kg

Zulässige Gesamtmasse

3500 kg (opt. 4250 kg)

Ausstattung

Sitz-/Schlafplätze

4 – 5 / 2 – 5

Herd/Heizung

Serie: Indutkion / –

Gas

2,75 kg

Frisch-/Abwasser

90 / 75 l

Kaufinformationen

Grundpreis

66.300 €

Marktstart

im Handel

Alle Daten Werksangaben