Vergleich

V10 oder V8? BMW M5 Touring & Mercedes E 63 AMG T im Vergleich

Mit jeweils mehr als 500 PS sind M5 Touring und E 63 AMG T Lust-Laster für Fortgeschrittene. Welcher der beiden Premium-Power-Kombis bot anno 2010 mehr? Der AUTO ZEITUNG-Vergleich von damals.

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BMW M5 Touring/Mercedes E 63 AMG T-Modell fahrend von schräg vorne fotografiert.
Tage des Donners: 2010 lud die AUTO ZEITUNG die wohl schärfsten Powerkombis zu einem Stelldichein.  Foto: Frank Ratering
BMW M5 Touring fahrend von schräg vorne fotografiert.
Der M5 liefert eine traumhaft präzise Lenkung und gut kontrollierbares Übersteuern.  Foto: Frank Ratering
BMW M5 Touring fahrend von schräg hinten fotografiert.
Die 19-Zöller sind im M5-Grundpreis enthalten.  Foto: Frank Ratering
Das Cockpit des BMW M5 Touring.
Im M5-Cockpit dominiert kühle Nüchternheit, das M-Lenkrad ist serienmäßig.  Foto: Frank Ratering
Der Innenraum des BMW M5 Touring.
Die exzellenten M-Multifunktionssitze kosteten 1800 Euro.  Foto: Frank Ratering
Der Kofferraum des BMW M5 Touring.
Das Frachtabteil des M5 Touring fasst maximal 1650 l.  Foto: Frank Ratering
Der Motor des BMW M5 Touring.
Drehfreudiger, aber trinkfester V10 im M5 Touring.  Foto: Frank Ratering
Mercedes E 63 AMG T-Modell fahrend von schräg vorne fotografiert.
Der E 63 T war anno 2010 das bis dahin sportlichste T-Modell. Foto: Frank Ratering
Mercedes E 63 AMG T-Modell fahrend von schräg hinten fotografiert.
Die im Testwagen vorhandene Keramik-Bremsanlage kommt auf stolze 11.305 Euro.  Foto: Frank Ratering
Das Cockpit des Mercedes E 63 AMG T-Modell.
Alu, Sichtcarbon und der Speedshift-Wählhebel prägen das E 63 AMG-Cockpit.  Foto: Frank Ratering
Der Innenraum des Mercedes E 63 AMG T-Modell.
Für 1523 Euro Aufpreis gabs bei Mercedes die Aktiv-Sitze.  Foto: Frank Ratering
Der Kofferraum des Mercedes E 63 AMG T-Modell.
1950 l Ladegut schluckt der geräumige Mercedes-Kombi.  Foto: Frank Ratering
Der Motor des Mercedes E 63 AMG T-Modell.
Bäriges Drehmoment und sonoren V8-Sound liefert das 6,3 l große Triebwerk.  Foto: Frank Ratering
Mercedes E 63 AMG T-Modell/BMW M5 Touring fahrend von schräg hinten fotografiert.
Der Mercedes gewinnt gegen den in die Jahre gekommenen BMW – dennoch begeistern der Hochdrehzahl-V10 und das sauber abgestimmte Fahrwerk des M5. Foto: Frank Ratering

Sagen wir es, wie es ist: Kein Mensch braucht, um eiliges Ladegut von A nach B zu transportieren, einen BMW M5 Touring oder einen Mercedes E 63 AMG T. Das geht mit einem kräftigen Diesel aus deutscher Premium-Produktion kaum langsamer, aber nur halb so teuer. Es ist die Lust an feiner Technik, der Spaß an großer Ingenieurskunst und auch die Freude am Understatement, die die solvente Kombi-Kundschaft dazu bewegt, rund 100.000 Euro in einen über 500 PS (368 kW) starken Kombinationskraftwagen zu investieren.

Wobei man im Falle des M5 anmerken sollte, dass er zum einen mit einem Grundpreis von 97.600 Euro noch vergleichsweise preiswert ist und zum anderen der kurz vor der Ablösung stehenden Baureihe E61 angehört. Der Mercedes ist ein taufrisches T-Modell der Reihe W 212. Er ist die teuerste Möglichkeit, eine E-Klasse zu fahren. Für den Einstandspreis von 108.409 Euro bietet der E 63 einen 525 PS (386 kW) starken V8 samt der neuen Speedshift-Automatik. Dagegen nimmt sich der BMW M5 mit seinem 507 PS (373 kW) starken V10 und der SMG-Schaltbox fast schon bescheiden aus.

Der BMW M5 (2024) im Fahrbericht (Video)

Video Platzhalter
Video: AUTO ZEITUNG

Test von 2010: BMW M5 Touring und Mercedes E 63 AMG T-Modell im Nutzwert-Kampf

Neben dem reinen Nutzwert liefern die Frachtabteile der beiden Schnelllaster zudem willkommene Argumentationshilfen: "Ja Schatz, der hat 525 PS, aber sieh nur, was da alles reinpasst." Wobei man der Gattin natürlich nicht auf die Nase zu binden braucht, dass die Zuladung, gemessen an der Größe der beiden Kombis, nur durchschnittlich ist (BMW 455 kg, Mercedes 508 kg). Zudem ist im Falle des E 63 der integrierte Kindersitz – ansonsten für die E-Klasse erhältlich – nicht lieferbar. Ebenso fehlt dem Mercedes die Option auf eine Anhängevorrichtung, was ihn bei der Bewertung der Zuladung ein paar Pünktchen kostet.

Mehr Platz bietet der Stuttgarter dennoch. Fast zwei Kubikmeter maximales Ladevolumen machen ihn zum echten Lademeister, und sowohl vorn als auch hinten sitzen die Fahrgäste luftiger als im spürbar enger geschnittenen Münchener. So sammelt die E-Klasse in beinahe allen Karosserie-Kriterien ein paar Zähler mehr als der Fünfer. Im Übrigen sind die Aufpreislisten der beiden Kombis bestens bestückt, auch was die aktive und passive Sicherheit angeht. Mehr Punkte erreicht hier beinahe schon traditionell der Mercedes, doch auch der BMW ist mit fast allen modernen Sicherheitsfeatures aufrüstbar. Den Kapitelsieg zementiert der Schwaben-Kombi mit seiner detailverliebten Verarbeitung und der hochwertigen Materialqualität im Interieur.

Komfort bieten beide Powerkombis

Plus-500-PS-Autos sind selten Komfort-Musterknaben. Umso erfreulicher, dass die beiden Kombis in dieser Hinsicht nur wenige Wünsche offen lassen. Das beginnt schon bei den Sitzen in der ersten Reihe. Zwar kommen in BMW und Mercedes aufpreispflichtige Fauteuils zum Einsatz, die jedoch zählen zum Besten, was man sich in einem Auto gönnen kann. Die Aufpreise für die BMW-Multifunktionssitze (1800 Euro) und die Aktiv-Multikontursitze (1523 Euro) von Mercedes sollte man sich in keinem Fall sparen.

Der Federungskomfort zeigt sich im bayerischen Kombi einen Hauch gediegener. Der M5 federt Unebenheiten sanfter an, schwebt feinfühliger über Querfugen und ist insgesamt etwas konzilianter als der Mercedes. Die maximale Zuladung verkraften beide Premiumkombis mühelos, penetrantes Nachschwingen oder gar Durchschlagen bleibt völlig aus. Ein Satz noch zur Geräuschkulisse des E 63 AMG: Ja, der V8 klingt sensationell, aber auf die Dauer kann der laute Achtzylinder-Sound im Innenraum auch gehörig nerven.

Mercedes E 63 AMG T-Modell fahrend von schräg hinten fotografiert.
Foto: Frank Ratering

Der BMW-V10 ist Rennsport pur

Der 5,0-l-V10 des M5 mit knapp über 100 PS (74 kW) Literleistung setzt auch gegen den Mercedes-Hochdrehzahl-V8 mit gut 85 PS (63 kW) aus einem Liter Hubraum Zeichen. Der Treibsatz ist Rennsport pur. Ohne Drehzahlen jenseits der 6000 Umdrehungen ist man schwächeren Fahrzeugen ausgeliefert. Darüber hat kaum ein Sportwagen eine Chance gegen den M5. Treibt man den V10 in jedem Gang ans Drehzahllimit von 8250 Umdrehungen, steht nach nur 13,8 s – eine Sekunde schneller als der E 63 – Tempo 200 auf der Anzeige. Jeder Schaltvorgang des automatisierten Siebenganggetriebes gleicht dabei einem Tritt ins Kreuz. Brachte das SMG-Getriebe anfangs ein Hauch Rennsport in die Serie, wirkt es heute mit harten Schaltvorgängen und langen Pausen etwas veraltet.

Ganz im Gegensatz zur Automatik des E 63. Der verfügt über das Speedshift-MCT-7-Gang-Sportgetriebe. MCT steht dabei für Multi-Clutch-Technology. Dabei ersetzt eine im Ölbad laufende nasse Mehrscheibenkupplung den herkömmlichen Drehmomentwandler. Schaltvorgänge, ob automatisch von der Elektronik gesteuert oder manuell eingeleitet, vollziehen sich deutlich schneller und sanfter als beim BMW. Zudem sorgt die Rücknahme der Zündung beim Hochschalten für ein atemberaubendes, peitschendes Schnalzen. Auch die Zwischengasstöße beim Wechsel in eine niedrigere Gangstufe lösen ein unter die Haut gehendes Grummeln des ohnehin sehr klangvollen Achtzylinders aus.

Das in Handarbeit zusammengesetzte, über sechs Liter große Triebwerk liebt zwar ebenfalls hohe Drehzahlen, beherrscht jedoch im Gegensatz zum Zehnzylinder des M5 den bulligen Antritt von unten. Im Alltag muss der:die M5-Pilot:in daher öfter mit den Schaltpaddels schnipsen, um das niedrigere Drehmoment mit Drehzahlen auszugleichen. Teure Nebenwirkung: Der M5 benötigt im Schnitt 17,6 l Kraftstoff – 2,5 l mehr als der V8 des E 63.

Der schnellere E 63 überzeugt auf dem Handlingkurs

Der M5 steht seit seinem Debüt 2005 (Touring 2007) für feinste Fahrdynamik. Und das gilt auch immer noch. Extrem leichtfüßig spult er seine Runden am Limit ab. Seine Lenkung verrichtet ihren Dienst dabei äußerst gefühlvoll und exakt. Hinzu kommt, dass der V10 extrem sensibel am Gas hängt. Im Grenzbereich bedeutet das chirurgische Präzision ohne Kraftaufwand. Der Bayer kommuniziert sein Limit durch leichtes Untersteuern. Ein wohldosierter Gasbefehl, und das Heck drängt bei abgeschaltetem DSC (ESP) leicht nach außen. Die serienmäßige Differentialsperre mit einem Sperrmoment von bis zu 100 Prozent sorgt für den notwendigen mechanischen Grip. Traumhaft, wie präzise und kontrolliert sich der M5 so über Lenkung und Gaspedal dirigieren lässt.

Dennoch, der E 63 umrundet trotz geringfügig schlechterer Fahrleistungen den Kurs schneller. Das für den AMG überarbeitete Fahrwerk der E-Klasse mit unter anderem einer deutlich breiteren Spur sorgt für Sportwagen-Feeling vom Feinsten. Die Untersteuertendenz beim Einlenken im Renntempo ist minimal, die Querbeschleunigung im Kurvenverlauf extrem hoch. Lenkverhalten, Ansprechverhalten des Motors, Schaltung: Beim E 63 passt alles. Die Bevormundung durch stark regelnde ESP-Systeme älterer AMG-Baureihen gibt es beim neuen Modell nicht. Über jeden Zweifel erhaben ist die Grundeinstellung, die selbst den unbedarftesten Vollgasfan auf Kurs hält. Der Sportmodus ist so perfekt abgestimmt, dass schon hier die schnellste Rundenzeit erreicht wird.

Die ganze Pracht des AMG-Mercedes eröffnet sich bei vollständig ausgeschaltetem System. Dank Sperrdifferential (2975 Euro) mit 40-Prozent-Sperrwirkung baut der AMG auch noch mit leicht nach außen drängendem Heck extrem viel Grip und damit Vortrieb auf. Hinzu kommen die sehr standfesten und bestens dosierbaren Carbon-Keramik-Bremsen (11.305 Euro). Allerdings erreicht der BMW die besseren Verzögerungswerte mit seiner serienmäßigen Bremsanlage.

Der BMW M5 Touring ist der etwas preiswertere Sportkombi

Obwohl der E 63 über 10.000 Euro mehr kostet, entscheidet der M5 die Kostenbilanz mit nur einem Punkt für sich. Mit zurückhaltenden Garantieversprechen, hohen Kraftstoffkosten und schlechteren Emissionswerten verspielt BMW einen deutlicheren Kapitelsieg.

BMW M5 Touring fahrend von schräg hinten fotografiert.
Foto: Frank Ratering

Fazit

Der Mercedes E 63 AMG T ist der beste, sportlichste Mercedes mit mehr als zwei Türen, den wir bisher gefahren haben. Punkt. Der kraftvolle V8, das schnelle Speedshift-Getriebe, das agile Fahrwerk und die brachialen Bremsen lassen kaum Wünsche offen. Dagegen hat es der etwas in die Jahre gekommene BMW M5 Touring schon ein wenig schwer. Dennoch: Sein Hochdrehzahl-V10, die feinfühlige Lenkung und das sauber abgestimmte Fahrwerk begeistern immer noch.

Technische Daten von BMW M5 Touring und Mercedes E 63 AMG T-Modell

AUTO ZEITUNG 08/2010

BMW M5 Touring

Mercedes E 63 AMG T-Modell

Zylinder/Ventile pro Zylin.

V10/4

V8/4

Hubraum

4999 cm³

6208 cm³

Leistung

373 kW/507 PS bei 7750/min

378 kW/514 PS bei 6800/min

Max. Gesamtdrehmoment bei

520 Nm bei 6100/min

630 Nm bei 5200/min

Getriebe/Antrieb

7-Gang, sequentiell / Hinterrad

7-Stufen-Automatik / Hinterrad

L/B/H

4855/1846/1512 mm

4918/1872/1499 mm

Leergewicht

1870 kg

2032 kg

Bauzeit

2007-2010

2010-2013

Stückzahl

1025

1403

Beschleunigung null auf 100 km/h

4,8 s

4,6 s

Höchstgeschwindigkeit

250 km/h (abgeregelt)

250 km/h (abgeregelt)

Verbrauch auf 100 km

17,9 l S

16,6 l S

Grundpreis (Jahr)

97.600 € (2007)

108.469 € (2007)