Fahrbericht

Ineos Grenadier: Mit LeTech-Umbau auf Testfahrt unbezwingbar

Wer den Ineos Grenadier bisher zu soft findet, darf hoffen: Die offizielle Kooperation mit dem schwäbischen Offroad-Experten LeTech sorgt für Portalachsen und saftige 45 cm Bodenfreiheit. Kiesgruben-Spaß oder Welt retten – der ersten Testfahrt im umgebauten Trialmaster X nach zu urteilen, sollte beides drin sein!

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Ineos Grenadier Trialmaster X LeTech steht mit dem linken Vorderrad steil auf einem Felsbrocken.
Superkompetenter Charakter zwischen einem Schicksal als Lifestyle-Tool und klarem Rettungsdienst-Aufgabenprofil. Foto: Ineos
Ineos Grenadier Trialmaster X LeTech dynamisch auf einer Schotterpiste, Ansicht von vorne links.
550 nm Drehmoment – das staubt dann doch ganz ordentlich. Foto: Ineos
Ineos Grenadier Trialmaster X LeTech von vorne durch einen Spalt im Fels fotografiert.
Auf Beadlock-Felgen geschraubte BFGoodrich-Grobstöller, taghelle LED-Suchscheinwerferleiste – im urbanen Schönheits-Einsatz ist das einfach zu viel. Foto: Ineos
Ineos Grenadier Trialmaster X LeTech mit geöffneter Heckklappe von hinten fotografiert.
Deckung! Das Steinbruch-Personal war von der Trialmaster X LeTech-Kompetenz ziemlich angetan. Foto: Ineos
Detailansicht des linken Hinterrads des Ineos Grenadier Trialmaster X LeTech.
45 cm Bodenfreiheit, aber ... Foto: Ineos
Blich unter das Heck des Ineos Grenadier Trialmaster X LeTech.
... die Portalachsen verursachen auch 150 kg Zusatzgewicht. Foto: Ineos
Das Cockpit im Ineos Grenadier Trialmaster X LeTech.
Am Wählhebel erkennt man den BMW-Motor, das Instrumentenkombi-freie Cockpit ist typisch Ineos. Foto: Ineos
Schaltereinheit im Dach des Ineos Grenadier Trialmaster X LeTech.
Von wegen Touch-Display und Software: Die Knöpfe im Grenadier lassen sich sogar mit Handschuhen bedienen. Foto: Ineos

Testfahrt im Ineos Grenadier Trialmaster: Mit LeTech-Umbau durchs Gelände

Sein natürliches Habitat hat der Ineos Grenadier längst erobert: In den Triple-Garagen urbaner Villen-Gebiete und auf den Mitarbeiterparkplätzen von Werbeagenturen ist der britische Hardcore-Offroader ein gerne gesehenes Mobilitäts-Accessoire. Um den hier zu erwartenden Ausnahmesituationen mit aller Konsequenz begegnen zu können, ordern „Grenadiere“ ihren Ineos gerne auch mit Klappspaten, Seilwinde, Scheinwerfer-Batterie, Ansaugschnorchel und robustem Dachträger.

Aber natürlich schreien Extrem-Einsätze vor der Eisdiele und am Waldorf-Kindergarten durchaus nach noch härterem Material – und LeTech hat die Lösung. Die Offroad-Expert:innen aus dem schwäbischen Welzheim haben sich über 16 Jahre hinweg als „Lennartz Technik“ rund um die Mercedes G-Klasse einen Ruf wie Donnerhall erworben und sind mit den G-Klasse Spin-Offs AMG G 63 6x6, Maybach G 650 Landaulet und G-Klasse 4x4² in den Status eines Werks-Insiders aufgerückt.

Rough-Paket für das Life und Smooth-Paket für den Style

Wie es nun von der G-Klasse zum Ineos Grenadier geht? Ganz einfach: Bei der Gründung seiner Automobil-Division musste Ineos-CEO (und Teilhaber des AMG Petronas F1-Teams) Sir Jim Ratcliffe automotives Know-How aufbauen und hat hierzu G-Klasse-Expert:innen aus dem österreichischen Graz und aus Stuttgart angeheuert. Von hier ist es nicht mehr weit nach Welzheim, ein martialischer Portalachsen-Umbau dürfte also auf der Hand gelegen haben.

Der Ineos Grenadier Quartermaster im Video

Video Platzhalter
Video: AUTO ZEITUNG

Das in der Herleitung etwas boshaft angedeutete Schicksal als Lifestyle-Tool wird Ineos natürlich nicht verhindern wollen, ein optional angebotenes „Smooth-Paket“ mit kamerabasierter Einparkhilfe und anderen Komfort-Features zeigt, wie pragmatisch man auf die Fans zugeht. Der eigentliche Charakter des Grenadier Trialmaster X LeTech ist aber spürbar nicht auf Show ausgerichtet.

Ineos denkt sich das Fahrzeug eher als superkompetente Lösung für Rettungsdienste, und dieses Aufgabenprofil kommt bei den Betroffenen durchaus an. So hat beispielsweise die Feuerwehr Mülheim/Ruhr drei Trialmaster X LeTech geordert, um auch unter Flut-Bedingungen mobil zu bleiben. Die Technik-Plattform ist eben beeindruckend humorlos: Die bewährten Grenadier-Elemente mit von BMW zugekauftem 3,0-l-Reihensechszylinder, Leiterrahmen und Kugelumlauflenkung bleiben, als Ausstattungsbasis nutzt Ineos das Trialmaster-Modell mit erhöhtem Lufteinlass, Sperrdifferentialen und anderen Vollstrecker-Zutaten.

Portalachsen wie beim Unimog – für kompromissloses Offroad-Talent

Der Trialmaster X LeTech ist sowohl als Station Wagon wie als Quartermaster-Pickup erhältlich. Komplettiert wird er mit einem Technikpaket, das keine Fragen offen lässt. Spezialitäten aus dem Expeditions- und Anpacker-Sortiment gehören selbstverständlich dazu. Wichtigstes Element sind aber die Portalachsen, bei denen die Räder durch kleine Übertragungsgetriebe an den Achsenden nach unten gesetzt werden. Auf diese Weise entsteht zwischen den Rädern ein achsfreier Raum, die Bodenfreiheit nimmt dramatisch zu. Fast ein halber Meter wird unter dem Fahrzeug frei – damit lässt sich klettern und kraxeln, dass die Heide wackelt, selbst dicke Felsbrocken werden lässig zwischen die Räder genommen.

Wer nun immer noch auf größte Finesse in Sachen Handling und Komfort spekuliert, sollte an seinem Erwartungsmanagement feilen: Satte 150 kg ungefederte Massen landen durch den Umbau im Fahrwerk – und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Die an den Enden der Starrachsen montierten Portalgetriebe verbreitern die Spur gewaltig. Entsprechend sind mächtige Radlaufverbreiterungen erforderlich, um die 94 cm hohen BFGoodrich Mud-Terrain-Reifen abzudecken.

Über 3,5 t leer: der Führerschein für leichte Lkw hilft weiter

Ein Blick auf die bis in die Seitenwände hineinreichenden Profilblöcke stellt sofort klar, dass geschmeidiges Asphalt-Handling hier nicht im Lastenheft stand. Beadlock-Felgen in 18-Zoll-Größe fixieren die Reifen mittels eines Schraubrings, was deutlich niedrigere Reifendrücke ermöglicht, ohne dass sich das Gummi von der Felge löst. Optional ist ein integrierter Kompressor erhältlich, mit dem sich der Reifendruck per Knopfdruck anpassen lässt – so kann man für weichen Untergrund einfach Luft ablassen und die Reifen für die Straße wieder aufpumpen. Zudem ist eine neue, robustere Frontstoßstange bereits für die Montage einer Seilwinde vorbereitet, um sich am eigenen Schopf aus dem Schlamassel ziehen zu können.

Wir sprechen hier allerdings über eine ausgesprochen leistungsstarke Winde: Nach Berücksichtigung aller technischen Modifikationen bringt das Fahrzeug mehr als 3660 kg auf die Waage. Selbst bei einer Erhöhung des zulässigen Gesamtgewichts auf 4,2 t sinkt die Nutzlast auf 642 kg beim Quartermaster und 540 kg beim Station Wagon, zudem ist eine Anhängelast von 3,5 t möglich. Aufgrund dieser Masse wurde die Bremsanlage aufgerüstet – mit größeren, gelochten Bremsscheiben und fetten Bremssätteln. Hinzu kommen verstärkte Federn sowie vierfach verstellbare Stoßdämpfer, die für sich schon ein Plus von 40 mm Bodenfreiheit ausmachen.

Ineos Grenadier Trialmaster X LeTech dynamisch auf einer Schotterpiste, Ansicht von vorne links.
Foto: Ineos

Beim Einsteigen sind Schwindelfreiheit und Geschick erforderlich, im Cockpit angekommen staunen die Freiwilligen von der Feuerwehr oder vom Technischem Hilfsdienst dann doch: Der Innenraum ist luxuriöser als man es bei einem Rettungsfahrzeug erwarten würde. Beheizte Ledersitze, optionale Premium-Stereoanlage, Fußmatten, abgedunkelte Heckscheiben – alles mehr Königsallee als Apocalypse Now. Und dann: was für eine Aussicht nach draußen, mehr Lkw als SUV. Dieser Eindruck wird durch den Sechszylinder-Turbodiesel von BMW und seinem rauen Leerlauf noch verstärkt. Offenbar wollen Grenadier-Besitzende spüren, dass unter der Motorhaube ein kräftiger Sechszylinder arbeitet, passend zum hemdsärmeligen Charakter des Fahrzeugs.

Konkret statt schwammig, trotz der überlangen Federwege

Vielleicht hätte man angesichts der vielen zusätzlichen Zahnräder eine gewisse Verzögerung im Antriebsstrang oder mehr Geräusche aus dem Souterrain erwartet, doch der LeTech wirkt in dieser Hinsicht überraschend unspektakulär. Ein Dreh am Lenkrad offenbart eine etwas schwammigere Rückmeldung, aber nicht das Wanken, das man aufgrund der größeren Höhe vermuten könnte. Er fühlt sich sogar eher straffer an als der normale Quartermaster.

Der Steinbruch-Slalom zwischen Kieshaufen und Baggern wird trotzdem zum Workout, da die Kugelumlauflenkung träge reagiert und mit Kraft in die Mittellage zurückbefördert werden muss. Genau wie beim normalen Grenadier – der LeTech fühlt sich weder schwerfälliger noch unhandlicher an als das Standardmodell. Zudem liegt er bemerkenswert stabil auf der Straße, die stark verbreiterte Spur und das zusätzliche Fahrwerksgewicht am tiefen Schwerpunkt gleichen den Höhenzuwachs von 250 mm mehr als aus.

Bis auf die staubigen Steinbruchrampen wäre man allerdings auch im normalen Grenadier gekommen, und deshalb geht es nun ins wirklich bitterböse Terrain: absurd steile Kiesrampen mit stetig nachrutschendem Material, in denen garstige Felsbrocken treiben, tiefe Wassertümpel mit saugendem Schlammboden und am Ende mächtige Steinstufen ... In einem normalen Offroader wäre hier nach Sekunden Schluss und zwar nicht von der „Nichts-geht-mehr“-Sorte, sondern in der Grobzerspanungs-Variante.

Unser erschüttertes Resümee nach einer unerschrockenen Radikal-Querung des Geländes: Im LeTech-Trialmaster fährst Du einfach drüber. Zupackend, stetig, gelassen. Wo der stoppt, ist ein Abgrund, eine senkrechte Wand oder ein richtiger See. Bei der Gegenprobe auf Asphalt fährt der LeTech-Grenadier tatsächlich nur geringfügig unpräziser als das Serienmodell.

Fazit

Wenn ein LeTech unterwegs zu Dir ist, weißt Du: Der kommt an! Natürlich sind die XXL-Abmessungen spürbar, Hubschrauberfliegen im Wohnzimmer dürfte sich ähnlich anfühlen – aber auch daran kann man sich gewöhnen. Und jetzt: Alarm! Rettungseinsatz voraus! Mit rauschenden Reifen und sanft polterndem Fahrwerk schippert der Ineos dahin, bei 120 km/h rasten wir Reisetempo ein. Eine AMG G-Klasse dürfte das nicht wirklich schocken, aber darum geht es dem LeTech-Trialmaster auch nicht. Er ist eben ein Arbeitstier, kein Showmobil. Auf den letzten Metern eines Ausnahmezustands läuft er zu Höchstform auf, fährt kompromisslos auf Ankommen. Ganz egal, was noch kommt.

Technische Daten des Ineos Grenadier Trialmaster X

AUTO ZEITUNG 14/2026

Ineos Grenadier Trialmaster X

Technische Daten

Motor

6-Zylinder, 4-Ventiler, Turbodiesel, 2993 cm³

Antrieb

8-Stufen-Automatik, Allradantrieb

Leistung

183 kW / 249 PS bei 3250 U/min

Max. Drehmoment

550 Nm bei 1250 U/min

Karosserie

Außenmaße (L / B / H)

5440/2146/2019 mm

Leergewicht

3660 kg

Fahrleistungen

Beschleunigung (0 – 100 km/h)

11,0 s

Höchstgeschwindigkeit

160 km/h

Verbrauch auf 100 km

12,4 l D

Kaufinformationen

Grundpreis

203.000 €

Marktstart

Im Handel

Werksangaben f. Quartermaster Turbodiesel, L/B/H ohne LeTech-Umbau