Hyundai Tucson & VW Tiguan im Test: Darum siegt das VW-SUV

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Der VW Tiguan fährt dem Hyundai Tucson hinterher.
VW Tiguan/Hyundai Tucson Foto: Frank Ratering

Neuer Tiguan gegen gelifteten Tucson: Der Vergleichstest geht den Stärken und Schwächen der beiden beliebten Kompakt-SUV auf den Grund.

Der Hyundai Tucson fährt durch eine Rechtskurve, von vorne fotografiert
Hyundai Tucson Foto: Frank Ratering

Der Hyundai bringt gutmütige, aber wenig motivierte Handlingeigenschaften mit.

Der Hyundai Tucson fährt durch eine Rechtskurve, von hinten fotografiert
Hyundai Tucson Foto: Frank Ratering

Auch wenn der Motor auf dem Papier stärker ist, wirkt er in der Praxis schwerfälliger.

Der VW Tiguan fährt durch eine Rechtskurve, von vorne fotografiert
VW Tiguan Foto: Frank Ratering

Der Tiguan fährt agiler als der Tucson. Das ESP spielt jedoch oft den Spaßverderber.

Der VW Tiguan fährt durch eine Linkskurve, von hinten fotografiert
VW Tiguan Foto: Frank Ratering

Mit 7,5 l Testverbrauch ist der Tiguan einen Liter sparsamer als der Tucson.

Das Cockpit des Hyundai Tucson vom Fahrersitz aus fotografiert
Hyundai Tucson Foto: Frank Ratering

In Sachen Konnektivität braucht man sich beim Kauf eines Tucson keine Gedanken zu machen – es ist schlichtweg alles Wichtige serien­mäßig an Bord. Weder die Navigation, noch die Smartphone-An­bindung (Apple CarPlay und Android Auto) oder Online-Inhalte, bei­spielsweise Wetter- und Verkehrsinforma­tionen kosten bei dem Koreaner Aufpreis. Up­dates erhält das Multi­media-Modul over the air aufgespielt. Für die Navigationsdaten verspricht Hyundai so­gar Gratis-Updates bis zu zehn Jahre nach Produktionsende der Baureihe. Die einzige kostenpflichtige Option ist eine Krell-Audioan­lage mit sieben Laut­sprechern, Subwoofer und Verstärker. Sie kostet faire 550 Euro.

Das Cockpit des VW Tiguan vom Fahrersitz aus fotografiert
VW Tiguan Foto: Frank Ratering

Auch wenn der Tiguan serienmäßig bereits recht umfangreich aus­gestattet ist, gehört ein Navisystem bei ihm keineswegs zum Aus­lieferungsstandard. Die entsprechende Hard­ware ist zwar installiert, die Lotsenfunktion muss aber erst gegen Auf­preis freigeschaltet werden. Am günstigsten ist dies im Rahmen des Infotainmentpakets Discover, das für 1360 Euro im Online-Konfigurator (klassische Preislisten gibt es bei VW nicht mehr) zu fin­den ist. Darin enthalten ist auch die induktive Ladefläche fürs Smart­phone. Dessen Integra­tion ins Bordinfotain­ment ist derweil ebenso Serie wie digitaler Ra­dioempfang oder eine App, mit der diverse Fahrzeugfunktionen fernsteuerbar sind.

Die vorderen Sitze des Hyundai Tucson durch die linke Tür fotografiert
Hyundai Tucson Foto: Frank Ratering

Die Sitze sind bequem gepolstert, die Sitzfläche dürfte aber gern länger sein.

Die vorderen Sitze des VW Tiguan durch die linke Tür fotografiert
VW Tiguan Foto: Frank Ratering

Top Optionssitze mit viel Seitenhalt und stressvorbeugender Massagefunktion.

Die Rückbank des Hyundai Tucson, besetzt mit einer Person, durch die linke Tür fotografiert
Hyundai Tucson Foto: Frank Ratering

Wenn auch weniger geräumig als der Tiguan, kann man sich im Tucson nicht über mangelnden Platz beschweren.

Die Rückbank des VW Tiguan, besetzt mit einer Person, durch die linke Tür fotografiert
VW Tiguan Foto: Frank Ratering

Im Fond bietet der Tiguan deutlich mehr Knieraum und eine verschiebbare Rückbank.

Der Kofferraum des Hyundai Tucson durch die geöffnete Heckklappe fotografiert
Hyundai Tucson Foto: Frank Ratering

Mit 1756 l maximalem Stauvolumen ist der Hyundai dem VW um rund 100 l überlegen.

Der Kofferraum des VW Tiguan durch die geöffnete Heckklappe fotografiert
VW Tiguan Foto: Frank Ratering

Die verschiebbare Rückbank kommt dem Tiguan gegebenenfalls auch beim Laden zugute.

VW Tiguan und Hyundai Tucson fahren nebeneinander auf einer Straße.
VW Tiguan/Hyundai Tucson Foto: Frank Ratering

Der Tiguan setzt zum Überholmanöver an – klarer Testsieg für VWs Verkaufsschlager.

Es nötigt nicht nur Fachleuten Respekt ab, wie konkurrenzfähig koreanische Autos mittlerweile sind. Das jüngste Hyundai Tucson Facelift ist ein gutes Beispiel dafür. Doch reichen umfangreiche Modellpflegemaßnahmen aus, um den neuen VW Tiguan im Vergleichstest zu besiegen?

Hyundai Tucson & VW Tiguan im Vergleichstest

Der Branchenprimus VW steht unter Druck. Anders als in vielen Medien behauptet, sind es indes nicht nur der zäh anlaufende Verkauf von E-Autos und die Rivalen aus China, die dem Wolfsburger Autobauer das Leben schwer machen. Neben vielen weiteren Gründen sorgt sicher auch die Konkurrenz aus Südkorea dafür, dass viele Käufer:innen eben nicht wie früher selbstverständlich die VW-Autohäuser stürmen.

Allen voran hat sich Hyundai bereits für viele Neuwageninteressierten zu einer ernsthaften Alternative entwickelt. Die Gründe liegen auf der Hand: Die Autos sind günstiger, häufig dennoch besser ausgestattet und bieten eine erheblich längere Garantie. Das gilt auch für das erfolgreiche Kompakt-SUV Hyundai Tucson, das 2024 umfangreich modernisiert wurde. Doch reichen dessen Qualitäten für den Sieg im Vergleichstest mit dem neuen VW Tiguan?
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Leslie & Cars fährt den VW Tiguan (2024) im Video:

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Video: AUTO ZEITUNG

Karosserie: VW Tiguan auf anderem Level

Was den VW Tiguan schon immer ausgezeichnet hat, ist sein großzügiges Platzangebot auf einer vertretbar bemessenen Verkehrsfläche. Trotz der nach heutigen Maßstäben kompakten Außenlänge von 4,54 m und einer Breite von 1,84 m wirkt der VW innen eine Klasse größer – mindestens. Mit seinem luftigen Raumangebot, das vor allem durch die enorme Innenbreite, die üppige Kopffreiheit, aber auch die immense Kniefreiheit im Fond geprägt wird, holt er im Vergleichstest bereits einen kleinen Punktevorsprung auf seinen ebenfalls geräumigen Widersacher heraus.

Das reisetaugliche Gepäckraumvolumen von 652 l und die gehobene Variabilität, zu der eine serienmäßig verschiebbare Rückbank gehört, sichern dem VW weitere Zähler. Der Hyundai Tucson lädt 577 l ins Heck und lässt eine verschiebbare Rückbank gänzlich vermissen. In einer Disziplin ist der Koreaner seinem Widersacher aber dann doch überlegen: Mit 1756 l maximalem Stauvolumen eignet er sich mehr noch als der Tiguan mit 1650 l als nützlicher Umzugshelfer.

Hyundai Tucson und VW Tiguan stehen mit geöffnetem Kofferraum vor einer Wiese. Von der linken Seite fotografiert
Foto: Frank Ratering

Außerdem müssen wir wieder einmal auf die fragile Software-Architektur des VW eingehen. Nach einigen Testwagen diverser Baureihen, die problemlos funktionierten, hatten wir bei "unserem" Tiguan nun erneut Systemausfälle zu verzeichnen. So meldete das Display während einer gemächlichen Autobahnfahrt bei bestem Wetter und kaum Verkehr plötzlich 13 verschiedene Fehler – darunter ein Motorproblem, das zur Folge hatte, dass die Elektronik das Triebwerk nicht höher als 3000 Touren drehen ließ.

Das kurzzeitige Abstellen des VW Tiguan sorgte anschließend dafür, dass alle Fehlermeldungen wie von Geisterhand wieder verschwanden. Dennoch strafen wir diesen Vorfall in der Vergleichstest-Disziplin Bedienung/Funktion mit deutlichem Punktabzug ab.

Fahrkomfort: Beide mit adaptiven Fahrwerken

Eine weitere Paradedisziplin aller bisherigen VW Tiguan-Generationen ist der stets hohe Fahrkomfort. Grundsätzlich trifft das auch auf den aktuellen Wolfsburger Kraxler zu. So verfügt der VW über die bequemeren Sitzgelegenheiten – wenngleich die im Vergleichstest gefahrenen ergoActive-Sitze teuer bezahlt werden müssen. Dafür bieten sie jedoch mehr Seitenhalt und eine verlängerbare Beinauflage, die Langbeinige auf den eher kurzen Sitzen des Hyundai Tucson vermissen dürften.

Darüber hinaus verwöhnt der VW seine Mitfahrenden sowohl bei Kurztrips in die Stadt als auch auf langen Autobahnetappen mit dem besseren Federungskomfort. Das optionale DCC-Fahrwerk mit adaptiven Dämpfern gleicht in allen Geschwindigkeitsbereichen mehr Unebenheiten aus als das Pendant des Hyundai, das ebenfalls mit kostenpflichtigen Adaptivdämpfern bestückt ist.

Hinzu kommt, dass der Koreaner unsensibler anfedert und seine Hinterachse merklich straffer als die Vorderachse abgestimmt ist. Dafür fällt es den Fahrgästen an Bord des Hyundai leichter, sich auch bei höheren Geschwindigkeiten zu unterhalten. Hierfür sorgt seine wirkungsvolle Geräuschdämmung, die speziell die Arbeitsgeräusche des Motors und das Abrollen der Reifen besser ausblendet als die akustische Isolierung des VW.

Motor/Getriebe: Gleiches Konzept, unterschiedliches Fahrgefühl

Bei den Antriebseinheiten sind sich die beiden Wettstreiter des Vergleichstests weitgehend einig: Hier wie dort sorgt ein Vierzylinder-Turbobenziner mit kleinem Hubraum und Mildhybridtechnik, bestehend aus einem Riemen-Startergenerator mit ergänzendem 48-V-Bordnetz, für Vortrieb. Die marginalen Unterschiede: Der 1,6-l-GDI des Hyundai Tucson leistet 160 PS (118 kW) und produziert ein maximales Drehmoment von 265 Nm, während es der 1,5-l-TSI des VW Tiguan auf 150 PS (110 kW) und 250 Nm bringt. Die Kraftübertragung auf die Vorderräder erfolgt bei beiden SUV über ein Doppelkupplungsgetriebe mit sieben Vorwärtsgängen.

Der Motor des VW Tiguan ist bei geöffneter Motorhaube von oben fotografiert. Die Kunststoffabdeckung des Motors ist entfernt.
VW Tiguan Foto: Frank Ratering

In der Praxis sind die Unterschiede zwischen beiden Antriebspaketen unterdessen größer, als die Fakten vermuten lassen. So wirkt der Hyundai Tucson 1.6 T-GDI 48V trotz der geringen Mehrleistungen weniger spritzig als der Hybrid & VW Tiguan 1.5 eTSI, was die Messwerte belegen. Vor allem die ausgeprägte Anfahrträgheit des Hyundai sorgt zuweilen für Verdruss. Dafür stören beim DSG des VW die nicht immer sauberen Gangwechsel bei Halblast sowie die mechanischen Geräusche, die im Innenraum recht deutlich zu hören sind. Die Verbrauchswertung geht derweil klar an das SUV aus Niedersachsen, das unsere Vergleichstest-Runde mit 7,5 l je 100 km absolviert. Der Asiate genehmigt sich einen ganzen Liter mehr und somit zu viel Kraftstoff.

Fahrdynamik: VW Tiguan mit mehr Kurvengeschwindigkeit

Auf der Handlingstrecke des Contidroms bei Hannover zieht der Hyundai Tucson unaufgeregt und im Grenzbereich unkritisch, aber kräftig untersteuernd seine Bahnen. Zwar zeigt der Koreaner deutliche Karosseriebewegungen, lenkt dennoch recht agil ein und baut in der Folge brauchbare Kurvengeschwindigkeiten auf. Sein ESP greift trotz augenscheinlicher Deaktivierung situationsgerecht ins Geschehen ein.

Umstieg in den VW Tiguan: Mit Blick auf das im Vergleich zur Tucson-Bereifung sportivere Reifenprofil des Testwagens erwarten wir von ihm mehr querdynamischen Tatendrang. Und tatsächlich: Der Wolfsburger lenkt zackiger und mit geringen Aufbaubewegungen ein, umrundet im Vergleichstest alle Kurven mit höherem Tempo und weist am Ausgang von engeren Kurven eine bessere Traktion auf.

Der Vorsprung auf seinen Widersacher wäre sicher noch größer, wenn das ESC genannte Stabilitätsprogramm den VW am Kurvenausgang nicht unnötig lange einbremsen würde. Erst bei weitem Öffnen der recht gefühlskalten Lenkung gibt das System den Vortrieb wieder frei. Darüber hinaus nervt im Alltag der grobschlächtige Spurhalteassistent des Tiguan, der einem häufig das Lenkrad aus der Hand ruckt, wenn man nicht penibel in der Mitte der Fahrspur fährt.

Kosten/Umwelt: Hyundai Tucson ist wesentlich günstiger

Wie schon erwähnt, betont die häufig zufriedene Hyundai-Kundschaft gern, was ihr Auto für ein tolles Preis-Leistungs-Verhältnis bietet. Ein Umstand, den man auch für den überarbeiteten Tucson bereitwillig bestätigen darf, schließlich kostet der Koreaner sowohl in der Basis als auch unter Berücksichtigung der für den Vergleichstest wertungsrelevanten Extras circa 5000 Euro weniger als sein Widersacher.

Das ist aber nicht der einzige Grund, warum der Hyundai Tucson dieses Kapitel gewinnt. Absolut gesehen geht bei vierjähriger Haltedauer weniger Geld beim Wiederverkauf verloren, und die Garantieleistungen des Herstellers liegen deutlich über der knauserigen zweijährigen VW-Werksgarantie. Der VW Tiguan ist dafür günstiger in der Versicherung und verschlingt weniger Geld an der Zapfsäule.

Technische Daten & Messwerte von Hyundai Tucson 1.6 T-GDI 48V Hybrid & VW Tiguan 1.5 eTSI

AUTO ZEITUNG 22/2024Hyundai Tucson 1.6 T-GDI 48V HybridVW Tiguan 1.5 eTSI
Technik
Motor4-Zylinder, 4-Ventiler, Turbo; 1598 cm³; 48-V-Mildhybrid4-Zylinder, 4-Ventiler, Turbo; 1498 cm³; 48-V-Mildhybrid
Antrieb7-Gang, Doppelkupplung; Vorderradantrieb7-Gang, Doppelkupplung; Vorderradantrieb
Leistung118 kW/160 PS, 5500 U/min110 kW/150 PS, 5000 U/min
Max. Drehmoment265 Nm, 1500 U/min250 Nm, 1500–3500 U/min
Karosserie
Außenmaße (L/B/H)4510/1865 (2133)*/1650 mm4539/1842 (2146)*/1656 mm
Leergewicht (Werk/Test)1506/1589 kg1541/1637 kg
Kofferraumvolumen577-1756 l652-1650 l
Fahrleistungen
Beschleunigung 0-100 km/h (Test)9,4 s8,7 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)192 km/h210 km/h
Bremsweg aus 100 km/h
kalt/warm (Test)
35,8/34,9 m35,0/33,5 m
Verbrauch auf 100 km (Test/WLTP)8,5/6,2 l S7,5/6,1 l S
Preise
Grundpreis37.500 €42.880 €
Testwagenpreis45.890 €50.345 €
*Breite mit Außenspiegel

Ergebnis in Punkten

Gesamtbewertung (max. Punkte)Hyundai Tucson 1.6 T-GDI 48V HybridVW Tiguan 1.5 eTSI
Karosserie (1000)671685
Fahrkomfort (1000)708750
Motor/Getriebe (1000)611654
Fahrdynamik (1000)612655
Eigenschaftswertung (4000)26022744
Kosten/Umwelt (1000)352330
Gesamtwertung (5000)29543074
Platzierung21

Fazit

Keine Frage, der modellgepflegte Hyundai Tucson ist ein überaus empfehlenswerter Alltagsbegleiter mit reichlich Nutzwert und umfangreicher Ausstattung für vergleichsweise überschaubares Geld. Für den Testsieg über den VW Tiguan reicht es trotzdem nicht. Der Wolfsburger sichert sich mit den für viele Volkswagen-Modelle typischen Allroundeigenschaften die Pole Position. Er ist das noch geräumigere und komfortablere Auto. Außerdem verbraucht er weniger Kraftstoff. Auf der anderen Seite trübt die fehleranfällige Bordsoftware das Vertrauen in den praktischen Bestseller …