Renault Captur/Ford Puma//VW T-Cross: Vergleichstest Puma im Vergleich mit Captur und T-Cross

von Marcel Kühler 09.07.2020
Inhalt
  1. Ford Puma, Renault Captur und VW T-Cross im Vergleichstest
  2. Fahrkomfort: Renault Captur mit erwachsenem Federungskomfort.
  3. Motor/Getriebe: Ford Puma mit dem niedrigsten Verbrauch
  4. Fahrdynamik: VW T-Cross patzt beim Bremsen
  5. Kosten/Umwelt: Renault Captur entscheidet das Kosten-Kapitel für sich
  6. Messwerte & technische Daten Ford Puma 1.0 EcoBoost Hybrid, Renault Captur TCe 130 & VW T-Cross

Ford hat mit seiner kleinen Raubkatze Großes vor. Ob der neue Puma jedoch wirklich das Zeug dazu hat, die Klasse der City-SUV durcheinanderzuwirbeln, klärt der Vergleichstest gegen den ebenfalls neuen Renault Captur und den VW T-Cross.

Gesamtbewertung (max. Punkte)Ford Puma 1.0 EcoBoost HybridRenault Captur TCe 130VW T-Cross 1.0 TSI
Karosserie (1000)572576588
Fahrkomfort (1000)644654654
Motor/Getriebe (1000)593592585
Fahrdynamik (1000)649613628
Eigenschaftswertung (4000)245824352455
Kosten/Umwelt (1000)450464444
Gesamtwertung (5000)290828992899
Platzierung122

Beim Ford Puma, hier im Vergleichstest mit dem Renault Captur und dem VW T-Cross, klingelt doch was!? Richtig, in den späten 90er-Jahren gab es bereits ein kleines Sportcoupé, das unter diesem Namen Karriere machte und aufgrund seiner quirligen Fahreigenschaften für gute Laune sorgte. Und auch wenn die Neuauflage nun als stylisches City-SUV auftritt, sollen die wesentlichen Merkmale des Urahnen, nämlich große Fahrfreude zu volksnahen Preisen, in ihr weiterleben. Bestückt mit modernster Hybrid-Technik und vielen pfiffigen Details stellt sich der Puma in seinem ersten Vergleichstest direkt zwei hochkarätigen Wettbewerbern – zum einen dem Renault Captur TCe 130. Der französische Charmeur hat ebenfalls gerade erst einen Generationenwechsel hinter sich und soll mit stark verbesserter Praktikabilität auf Kundenfang gehen. Der zweite Kontrahent kommt aus Wolfsburg: Der VW T-Cross gehört hierzulande zu den meistverkauften Fahrzeugen im Segment und empfiehlt sich deshalb als Benchmark für die beiden Neulinge.

Der Ford Puma im Video:

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Ford Puma, Renault Captur und VW T-Cross im Vergleichstest

Der neue Ford Puma basiert – übrigens eine weitere Parallele zum damaligen Sportcoupé – im Wesentlichen auf dem Fiesta. Und genau wie der enorm erfolgreiche Kleinwagen gehört auch das City-SUV nicht unbedingt zu den geräumigsten Autos in seinem Segment. Die hier versammelten Kontrahenten haben jedenfalls vorn wie hinten mehr Platz für ihre Passagiere zu bieten – was unter anderem daran liegt, das Ford seine Raubkatze mit einem Panorama-Schiebedach ins Rennen schickt. Dies kostet wertvolle Kopffreiheit. Das gebotene Kofferraumvolumen von 401 Litern ist zwar guter Durchschnitt, aber in diesem Vergleichstest auch nicht mehr. Der Renault Captur (422 Liter) und der VW (455 Liter) lassen jeweils etwas mehr Raum für Gepäck. Eine echte Besonderheit verbirgt sich jedoch unter dem Ladeboden des Ford: die sogenannte MegaBox. Dabei handelt es sich um ein 68 Liter großes, mit  robustem Kunststoff ausgekleidetes Staufach, das sich ganz einfach mit reichlich Wasser ausspülen lässt. Über eine Ablassöffnung kann die Flüssigkeit anschließend auf die Straße abfließen. Daher eignet sich dieses Fach prima für stark verschmutztes Staugut, das man ansonsten wohl nur umständlich verpackt transportieren würde. Darüber hinaus beeindruckt der Puma mit zahlreichen Assistenzsystemen, die vor noch nicht allzu langer Zeit allenfalls höherklassigen Fahrzeugen vorbehalten waren. Zum Auslieferungsstandard gehören bei der von uns getesteten Motorvariante – wie übrigens auch beim VW T-Cross – eine Multikollisionsbremse und ein Notbremsassistent, der den Puma selbstständig bis zum Stillstand verzögern kann und auch Fußgänger erkennt. Ebenfalls Serie sind helle LED-Scheinwerfer, ein Spurhalteassistent sowie eine Verkehrszeichenerkennung samt intelligentem Tempomaten, der die zulässige Höchstgeschwindigkeit automatisch übernimmt. Komplettieren lässt sich das Ganze mit einem 1200 Euro teuren Paket, das weitere Funktionen wie eine Falschfahrerwarnung, eine Spurwechselhilfe oder einen Ausweichassistenten enthält. Doch auch der Captur hat im Vergleich zu seinem Vorgänger, was die Anzahl an Assistenzsystemen angeht, reichlich zugelegt und ist beispielsweise mit einer Staufolgeautomatik, 360-Grad-Kameras und einem Parkassistenten zu haben. Diese Features kosten allerdings – wie auch die meisten anderen der vielen verfügbaren Assistenten – Aufpreis. Daher erhält der Franzose weniger Zähler für seine Sicherheitsausstattung als der Ford.

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Fahrkomfort: Renault Captur mit erwachsenem Federungskomfort.

Der Renault Captur besinnt sich in diesem Vergleichstest auf eine alte französische Tugend und verwöhnt seine Fahrgäste mit einem durchaus erwachsenen Federungskomfort. Er steckt selbst grobe Unebenheiten relativ klaglos weg und liegt bei hohem Tempo merklich ruhiger als die Wettstreiter. Der Ford Puma 1.0 EcoBoost Hybrid mit 125 PS enthält serienmäßig ein Sportfahrwerk, das naturgemäß deutlich straffer da herkommt als die Feder-Dämpfer-Elemente des Captur und deshalb stärkere vertikale Karosseriebewegungen zulässt. Das Anfedern auf Kanten oder Querfugen geht aber in Ordnung. Gleiches gilt im Fall des VW T-Cross nur für die Vorderachse. Die Hinterachse des Wolfsburgers reagiert auf diese Art Anregungen eher trampelig. Dafür bietet der T-Cross in Summe die bequemsten Sitze. Sie schmeicheln nicht nur Rückengeplagten mit einer hochkomfortablen Polsterung, sondern sind auch für breitere Staturen ausreichend groß geschnitten. Am Ende teilt sich der VW deshalb den Kapitelsieg mit dem Renault Captur.

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Motor/Getriebe: Ford Puma mit dem niedrigsten Verbrauch

Im neuen Ford Puma erhält der bekannte, vielfach gelobte 1,0-Liter-Dreizylinder eine elektrische Unterstützung in Form eines Mildhybrid-Systems. Dabei handelt es sich um einen Riemen-Starter-Generator samt 48-Volt-Bordnetz, der dafür sorgt, dass sich der Motor beim Ausrollen frühzeitig abstellt und das Triebwerk beim Anfahren spontan und nahezu unmerklich wieder anspringt. Rein elektrisches Fahren ist damit allerdings nicht möglich. Dennoch erweist sich der Puma in diesem Testfeld als Sparsamster – wenngleich der Verbrauchsvorteil gering ausfällt. Mit 6,7 Litern verbraucht er in diesem Vergleichstest 0,1 Liter weniger Sprit als der VW T-Cross und einen halben Liter weniger als der Renault Captur. Eine weitere Aufgabe des Hybridsystems des Ford ist, dem 125-PS-EcoBoost das Leben mittels sanfter elektrischer Kraftspritze etwas leichter zu machen. Dennoch entpuppt sich der 131 PS starke Vierzylinder-Turbo des Renault als das spritzigste Triebwerk. Der Franzose sprintet in 9,1 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und lässt seine Rivalen damit um 0,8 respektive 0,9 Sekunden hinter sich. Bis 150 km/h enteilt der Captur seinen Wettbewerbern noch deutlicher. Der Renault verteilt seine Kraft in diesem Test über ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe an die Vorderräder, da das ebenfalls erhältliche Schaltgetriebe herstellerseitig nicht zur Verfügung stand. Dies schaltet sanft agiert jedoch in manchen Situationen recht zögerlich, sodass gerade das exakt schaltbare Sechsgang-Getriebe des Ford nicht unbedingt eine schlechtere Alternative ist.

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Fahrdynamik: VW T-Cross patzt beim Bremsen

Agiles, weitgehend neutrales Einlenkverhalten, präzise, äußerst direkte Lenkung: Der Puma ist ein typischer Ford, der auf kurviger Strecke durch sein lebendiges Wesen enorm viel Fahrfreude vermittelt. Auf dem Handlingkurs krallt sich die Raubkatze zudem am Ausgang von engen Kehren in den Asphalt und beweist damit eine für einen Fronttriebler sehr gute Traktion. Die ausgeprägte Fahrsicherheit und die gefühlvoll dosierbare Bremse runden den guten fahrdynamischen Eindruck ab. Doch der Ford Puma hat mit dem VW T-Cross einen ernst zu nehmenden Gegner. Der Wolfsburger liegt auf der Rundstrecke wie das sprichwörtliche Brett und erreicht gleichfalls hohe Querkräfte. Allerdings patzt der T-Cross in diesem Vergleichstest beim Bremsen: Mit kalter Anlage benötigt er für eine Vollbremsung aus 100 km/h 37,2 Meter – das geht auch besser – das beweisen der Ford und auch der Renault Captur. Ansonsten hat der Franzose seinen dynamischen Wettbewerbern auf der Strecke mit seinem eher unwilligen Einlenken, den großen Lenkwinkeln und der restriktiven ESP-Abstimmung aber nur wenig entgegenzusetzen.

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Kosten/Umwelt: Renault Captur entscheidet das Kosten-Kapitel für sich

Der Blick auf den Preis des neuen Ford Puma mag auf den ersten Blick verwundern. Schließlich ist der kleiner Kölner ausgehend vom Grundpreis satte 6750 Euro teurer als der VW T-Cross und 5800 Euro als der Renault Captur. Bei näherer Betrachtung wird jedoch deutlich, dass Ford ein äußerst ansprechendes Gesamtpaket auf die Räder gestellt hat. Denn zu der für den 1.0 EcoBoost Hybrid derzeit einzig verfügbaren Ausstattungslinie ST-Line X gehören nicht nur schmucke 18-Zoll-Räder und die erwähnte Armada an Assistenten, sondern auch eine komplette Infotainment-Ausrüstung. Vor diesem Hintergrund ist es eine fast logische Konsequenz, dass der bewertete Preis dem Basispreis entspricht. Anders sieht es beim VW aus, der in der Basis deutlich weniger umfangreich ausgestattet ist. Beim Testwagen aus diesem Vergleichstest kommen 4885 Euro an wertungsrelevanten Extras hinzu, sodass der ursprüngliche Preisvorteil gegenüber dem Ford auf nur noch 1865 Euro schmilzt. Als lachender Gewinner geht aus der Preisschlacht derweil der Renault hervor, der trotz des Aufpreises für das Doppelkupplungsgetriebe mit 22.800 Euro immerhin 4100 Euro günstiger als der Ford ist. Und da er sich auch bei den laufenden Kosten – abgesehen von den etwas höheren Versicherungsaufwendungen – keine Patzer erlaubt, gewinnt der Captur das Kostenkapitel.

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Messwerte & technische Daten Ford Puma 1.0 EcoBoost Hybrid, Renault Captur TCe 130 & VW T-Cross

AUTO ZEITUNG
09/2020
Ford Puma 1.0 EcoBoost HybridRenault Captur TCe 130VW T-Cross 1.0 TSI
Technik 
Zylinder/Ventile pro Zylin.3/4; Turbo; Mild-Hybrid4/4; Turbo3/4; Turbo
Hubraum998 cm³1333 cm³999 cm³
Leistung92 kW/125 PS96 kW/131 PS85 kW/115 PS
Max. Drehmoment210 Nm240 Nm200 Nm
Getriebe/Antrieb6-Gang, manuell/ Vorderrad7-Gang, Doppelkupplung (opt.)/ Vorderrad6-Gang, manuell/ Vorderrad
Messwerte 
Leergewicht (Werk/Test)1205/1296 kg1259/1310 kg1180/1257 kg
Beschleunigung (Test)   
0 - 100 km/h9,9 s9,1 s10,0 s
0 - 150 km/h23,3 s21,3 s23,8 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)191 km/h193 km/h193 km/h
Bremsweg aus 100 km/h
kalt/warm (Test)
35,2/35,4 m35,4/34,4 m37,2/35,1 m
Verbrauch (Test/WLTP)6,7/5,4 l S/100 km7,2/k.A. l S/100 km6,9/5,9 l S/100 km
CO2-Ausstoß (Test/WLTP)159/124 g/km171/143 g/km161/135 g/km
Preise 
Grundpreis26.900 Euro21.100 Euro20.150 Euro
Testwagenpreis26.900 Euro22.800 Euro25.035 Euro

 

von Marcel Kühler von Marcel Kühler
Unser Fazit

Einstand nach Maß: Die kleine Raubkatze beißt sich vom Start weg an der Spitze des Segments fest: Der Ford Puma 1.0 EcoBoost Hybrid beeindruckt mit seiner umfassenden Sicherheitsausstattung, bereitet markentypisch hohen Fahrspaß und geht verantwortungsvoll mit dem Kraftstoff um. Diese Eigenschaften bescheren ihm den ersten Testsieg. Der deutlich geräumigere VW T-Cross 1.0 TSI erreicht in der Eigenschaftswertung trotz des zu langen Kaltbremswegs mit denkbar knappem Rückstand den zweiten Platz, muss sich die Silbermedaille im Gesamtklassement aber mit dem ebenfalls ganz neuen Renault Captur TCe 130 teilen. Der charmante Franzose macht mit erwachsenem Federungskomfort, kraftvollem Antrieb und vergleichsweise günstiger Preisgestaltung auf sich aufmerksam.

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