Ford Focus FR200: Fords 308-PS-Antwort auf den Tuning-Hype
Nicht nur in Europa war der erste Ford Focus einst beliebtes Tuningobjekt. Um die Jahrtausendwende wollte Ford Performance auf den Import-Tuning-Hype aufspringen. Das Ergebnis war der aufsehenerregende Ford Focus FR200, der es sogar zu Fast & Furious schaffte!
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Ford Focus FR200: Ford fordert die amerikanische Tuning-Szene heraus
Als Ford Racing Technology im Jahr 2000 auf der SEMA Show den Ford Focus FR200 enthüllte, war das im Grunde Fords offizieller Eintritt in eine amerikanische Tuning-Szene, die damals von Neonlichtern, polierten Ladeluftkühlern und dem Hype um „The Fast and the Furious“ lebte. Die Sport-Compact-Welle schwappte aus Kalifornien über die USA, Honda Civics mit Bodykits parkten Stoßstange an Stoßstange neben Eclipse Turbos, Nissan Skylines und Toyota Supras. Plötzlich war Turbodruck statt Hubraum angesagt, American Muscle schien Schnee von gestern. Ford schaute sich das Treiben an – und beschloss, nicht länger nur zuzusehen.
Nach dem Mustang FR500 von 1999 war der FR200 das zweite große Performance-Parts-Projekt von Ford Racing. Doch während der FR500 die traditionelle V8-Fraktion bediente, zielte der FR200 direkt ins Herz der importgeprägten Tuning-Szene. Basis war der amerikanische Focus-Ableger namens Focus ZX3. Das Serienauto war hier eher Formsache. Die Mission formulierte Ford-Racing-Direktor Dan Davis in der damaligen Pressemitteilung selbstbewusst: Man wolle, dass die Leute sagen, das sei das best fahrende, stärkste Frontantriebsauto, das sie je gesehen hätten. Und dann kamen die Zahlen.
Der Toyota Supra Mk4 im Fahrbericht (Video)

Turbo-Power: 308 PS aus zwei Litern Hubraum
Unter der – natürlich aus Carbon gefertigten – Haube arbeitete ein massiv überarbeiteter 2,0‑l-Zetec-Vierzylinder mit IHI-Turbolader, Ford-Racing-Prototyp-Ladeluftkühler, 70‑mm-Drosselklappe und High-Flow-Ansaugbrücke. Der Zylinderkopf bekam größere Ventile (33 mm Einlass, 29,8 mm Auslass), geschmiedete Kolben senkten die Verdichtung auf 8,0:1, spezielle Injektoren sorgten für ausreichend Kraftstoff, und eine extra kalibrierte Software hielt alles zusammen. Ergebnis: 308 PS (227 kW) bei 6.750 U/min und 386 Nm Drehmoment – mehr als doppelt so viel Leistung wie ein Serien-Focus. Anfang der 2000er war das in einem Fronttriebler eine Ansage, die wohl selbst eingefleischte Supra-Fans kurz innehalten ließ.
Die Kraft verteilte ein europäisches MTX75-Getriebe mit Prototyp-Zahnrädern und Torsen-Sperrdifferenzial an die Vorderräder. Eine Centerforce-Prototyp-Kupplung und spezielle Antriebswellen sorgten dafür, dass das Ganze nicht in Rauch aufging. Die Bremsanlage stammte vom 1999er Mustang Cobra: vorne 330‑mm-Bremsscheiben mit Zweikolben-Sätteln, hinten 296‑mm-Scheiben mit Einkolben-Sätteln – innenbelüftet, gelocht und mit Luftkanälen zur Kühlung. Auf 18x8‑Zoll-Ford-Racing-Felgen saßen Michelin Pilot Sport in der Dimension 235/35 ZR18. Ein verstellbares Fahrwerk und stärkere Stabis verwandelten den Focus FR200 in ein echtes Tracktool. Null auf 100 km/h in 5,5 s, die Viertelmeile in 13,5 s bei 173 km/h – trotz des gigantischen Heckflügels nicht nur Show & Shine, sondern echte Performance.

Eine Riesenflügel für mehr Aufmerksamkeit
Optisch ließ der FR200 keinen Zweifel daran, aus welchem Jahrzehnt er stammt. Don Johnson, der schon den Mustang FR500 gezeichnet hatte, verpasste dem Focus eine vollständige Carbon-Widebody-Kur: Haube, Kotflügel, Schürzen, Seitenschweller, Heckpartie – alles neu, alles breiter, alles auffälliger. Dazu kam besagter Heckflügel, der so selbstbewusst war, dass er „SEMA“ nur so schrie. Dafür dürften auch die Rückleuchten des Focus-Stufenheck gesorgt haben. FR200-Badges rundeten das Paket ab. Man wollte und musste um jeden Preis gesehen werden!

Innen traf Performance auf Millennium-Hightech. Leder-Sportsitze, ein zweifarbiges Lenkrad, ein Instrumententräger mit 180‑mph-Tacho und 8.000 U/min-Drehzahlmesser (Redline bei 7.200) sowie Zusatzanzeigen für Ladedruck, Öl- und Wassertemperatur machten klar, dass hier nicht nur geblendet werden sollte. Gleichzeitig verbaute Ford ein JBL-System mit elf Lautsprechern, Navigation und 570 W Leistung – gut für 111 dB Schalldruck. Man wusste eben, was die Szene wollte: Turbozischen draußen, Bassdruck drinnen. So entstanden insgesamt drei Focus FR200: ein silbernes, ein rotes (mit regulären Focus-Rückleuchten) und ein gelbes Exemplar. Für die Serie entpuppte er sich allerdings als zu extrem und zu teuer. Es ging Ford jedoch viel mehr darstellen zu können, mit welchen Teilen man Tuning-Begeisterte von Werk aus hätte versorgen können. In gewisser Weise fand sich die Idee des FR200 später in Form des Focus SVT, ST und schließlich RS wieder.
Vom SEMA-Showcar zum Film-Cameo in "2 Fast 2 Furious"
Ein kleiner Popkultur-Moment wurde dem silbernen FR200 2003 zuteil – mittlerweile mit schriller Stars & Stripes Flammenlackierung –, als er kurz im Film „2 Fast 2 Furious“ zu sehen war. Er wurde zwar nicht zum Hauptdarsteller wie Brians Mitsubishi Lancer Evo oder Sukis pinker Honda S2000, aber der Cameo-Auftritt im Umfeld der Tuning-Elite verankerte in ihm Gedächtnis von Fans der 2000er-Import-Generation. Zwischen Bodykits, Chromfelgen und NOS-Flaschen wirkte der Focus wie ein ernstzunehmender Player. Jener flammengezeichnete Focus FR200 tauchte 2015 bei einem amerikanischen Händler auf, der ihn für stolze 78.900 Dollar anbot. Auch der zwischenzeitlich äußerlich angepasste rote FR200 tauchte im Inventar jenes Händlers auf, sollte allerdings nur 14.900 Dollar kosten. Ein Schnäppchen – soll sich der Neupreis eines FR200 im Jahr 2000 auf sagenhafte 225.000 Dollar belaufen haben.





















