Vorstellung

Selbstzünder-Sakrileg: BMW 3er E30 mit Mercedes-Fünfzylinder

Ein Mercedes-Motor in einem BMW? Was klingt, wie die achte Todsünde, ist aber in den USA längst Realität: Dort stand kürzlich ein BMW 325i Coupé (E30) zum Verkauf, das einen Diesel-Fünfzylinder aus der C-Klasse (W202) unter der Haube trägt. Damit hören die Modifikationen aber längst nicht auf.

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Der BMW 325i stehend von schräg vorne mit Motor-Collage
Das Beste oder nichts für die Freude am Fahren? In diesem BMW 325i treffen automobile Gegensätze aufeinander. Genauer gesagt ein Mercedes-Diesel auf den leichtfüßigen E30. Foto: Cars & Bids
Der BMW 325i stehend von schräg hinten
Äußerlich wirkt der Bimmer wie ein zeittypisch modifiziertes Coupé. Also eigentlich nichts Besonderes. Foto: Cars & Bids
Der BMW 325i stehend von vorne
Wenn da nicht der fehlende Scheinwerfer wäre, der Platz für den Turbolader machen musste. Foto: Cars & Bids
Der BMW 325i stehend seitlich
Ende der 80er brauchte es nur etwas Tieferlegung, und die 16-Zöller sahen auf einmal aus wie 20-Zöller. Foto: Cars & Bids
Der BMW 325i stehend von hinten
Aus der Heckschürze ragt eine Titan-Abgasanlage. Foto: Cars & Bids
Das Cockpit des BMW 325i
Das Fahrer-zentrierte Cockpit ergänzen Zusatzanzeigen auf der Lenksäule, ein ziemlich langer Shortshifter sowie das Sportlenkrad. Foto: Cars & Bids
Die Sitze des BMW 325i
Obwohl die Recaros aus einem VW Jetta GLI stammen, sitzen sie auch im E30 gut. Foto: Cars & Bids
Der Motor des BMW 325i
Der umfangreich modifizierte Fünfzylinder dürfte weit mehr leisten als die serienmäßigen 150 PS (110 kW) und 280 Nm Drehmoment. Foto: Cars & Bids

Teutonisches Teufelswerk: Der BMW 3er mit Mercedes-Diesel als Gegenstück zum Hartge F1

Haben Sie schonmal etwas vom Hartge F1 gehört? Der selige Veredler aus dem Saarland pflanzte Ende der 80er den Sechszylinder des BMW M1 in eine Mercedes W124 Limousine und schrieb damit Tuning-Geschichte. Nun, der hier gezeigte BMW 325i (E30) stellt so etwas wie das Gegenstück zu Hartges Bimmer-Benz dar. Denn vor der Spritzwand des 89er 3ers haust doch tatsächlich ein Mercedes-Triebwerk.

An diesem Punkt hinkt der Vergleich mit dem Hartge F1 zugegebenermaßen etwas. Mit den begrenzteren Möglichkeiten eines privaten Umbaus kam nämlich nicht etwa ein Rennmotor vom Schlage eines CLK GTR unter die Haube, sondern ein Fünfzylinder-Diesel aus der ersten C-Klasse W202. Der OM 605 mag mit Vierventiltechnik und Turbo zwar für die 90er einer der am weitesten entwickelten und dynamischsten Selbstzünder gewesen sein, aber als Ersatz für den sahnigen Sechszylinder aus München mutet diese Wahl doch schon wie ein Sakrileg der Stufe „unverzeihlich“ an.

Der BMW M2 CS im Fahrbericht (Video)

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Video: AUTO ZEITUNG

Dank Turbo-Tuning schneller als seine Kritiker

Damit das schwarz lackierte Frankensteinwesen schneller ist als seine Kritiker:innen, verpasste der verantwortliche Tüftler dem serienmäßig 150 PS (110 kW) starken Fünfender einen mächtigen Turbolader inklusive Ladeluftkühler, einen modifizierten Ansaugkrümmer, eine Titan-Abgasanlage, frisierte Motor-Innereien sowie ein Sperrdifferential. Die leider nicht genau bezifferte Leistungsausbeute portioniert ein Sechsgang-Getriebe an die Hinterräder, das ein 335i der E90-Generation beisteuerte. Die Bedienung erfolgt über einen Schaltweg-verkürzten Hebel, der sich nah an das tief geschüsselte Sportlenkrad schmiegt.

Ansonsten ergänzen Zusatzanzeigen für die Turbo-Vitalwerte das gnadenlos Fahrer-zentrierte Cockpit. Sitzen tut man übrigens auf Recaros, die ursprünglich mal in einem VW Jetta GLI für Seitenhalt sorgten. Eigentlich würden jetzt nur noch ein Audi-Quattro-Antrieb sowie Porsche-Felgen für das ultimativ teutonische Teufelswerk fehlen. Stattdessen drehen sich unter der auf die Schnauze gelegte Karosserie 16-Zöller von Brock.

17.000 Euro waren nicht genug

Von vorne sieht der 325i mit seinem Dreiaugengesicht inklusive M-Schürze aus, als hätte er sich mit einem C 30 CDI AMG um Ersatzteile geprügelt. Tatsächlich erfüllt das Loch links neben der Doppelniere aber den Zweck eines Lufteinlasses für den Turbolader. Wer wissen möchte, wieviel Power die Turbine tatsächlich in den denkwürdigen Selbstzünder-Umbau presst, kommt wohl kaum darum herum, sich den in den USA stehenden 3er nach Hause verschiffen zu lassen. Zuletzt blieb das Coupé im Oktober 2025 bei einer Online-Auktion von „Cars & Bids“ beim Höchstgebot von umgerechnet 17.000 Euro stehen.