Mercedes C 200/Mercedes 190 E 2.0: Kaufberatung Für kleines Geld Mercedes fahren

von Thomas Pfahl 31.10.2018
Inhalt
  1. Kaufberatung für Mercedes 190 E und C 200
  2. Unterhaltskosten bei beiden Benz überschaubar
  3. Technische Daten: Mercedes 190 E und C 200

Für kleines Geld einen Mercedes fahren? Das ist möglich! Aber kann der Mercedes C 200 (W202) auch eine echte Alternative zum Baby-Benz Mercedes 190 E 2.0 (W201) sein? In unserer Kaufberatung rechnen wir nach.

Die Offerten sind verführerisch: In den bekannten Gebrauchtwagenbörsen finden sich zahllose Limousinen – etwa der Mercedes C 200 oder derMercedes 190 E 2.0 – der Mercedes-Baureihen W201 und W202 für wenige tausend Euro: Kilometerfresser, Rostlauben, Tuningobjekte. Die Glückstreffer sind selten, mit etwas Geduld aber durchaus zu finden. Es muss ja nicht gleich das Topmodell Evo II oder der C36 AMG sein. Wir beleuchten die 2,0-Liter-Modelle, die damals wie heute das bezahlbare Mercedes-Erlebnis bieten. Der Übergang zwischen Baby-Benz und C-Klasse erfolgte quasi nahtlos im Jahr 1993. Nach elf Jahren war der einst so moderne 190 überholt, die Mitbewerber rückten ihm auf die Pelle. Doch das Konzept hatte sich bewährt: Die C-Klasse wuchs nur minimal gegenüber ihrem Vorgänger. Für das Design zeichnete abermals das Team um Bruno Sacco verantwortlich. Die Karosserie wurde verstärkt, zahlreiche Sicherheits-Features gab es nun ab Werk, und die niedrige Ladekante erleichterte das Beladen des Kofferraums. Erstmals setzte Mercedes in der Großserie auf Vierventil-Technik. Darüber hinaus war der M111-Motor kompakter als der M102 des Vorgängers, der 1980 schon im W123 zum Einsatz kam. Verfügte der Mercedes 190 E 2.0 bei zwei Litern Hubraum über mindestens 90 (Vergaser) bis 122 PS, leistete der Mercedes C 200 bei seinem Debüt schon 136 PS. Dem gegenüber steht natürlich das um gut 180 Kilogramm höhere Gewicht. Die Differenz bei der Höchstgeschwindigkeit ist mit 197 zu 203 km/h hingegen zu vernachlässigen.

Mercedes-Modellpalette im Video:

 
 

Kaufberatung für Mercedes 190 E und C 200

Spannender wird für den Mercedes-Interessierten der Verbrauch: Der wurde 1992 im Test des Mercedes 190 E 2.0 der Auto Zeitung mit 10,0 Litern ermittelt, während der Mercedes C 200 sich 10,5 Liter genehmigte. Der laufende Unterhalt erfordert beim W201 alle 10.000 Kilometer einen Ölwechsel, bei jedem zweiten Service sollten auch die Zündkerzen ersetzt werden. Dem W202 reichen etwas längere Intervalle: 15.000 Kilometer für das Öl, 30.000 Kilometer für die Zündkerzen. Beide Motoren verfügen über eine wartungsfreie Steuerkette – ein kurzer Check kann trotzdem nicht schaden: Kettenspanner oder Gleitschienen können im Laufe der Zeit schwächeln. Es empfiehlt sich, auf Geräusche zu achten. Ein glaubhaft und vollständig geführtes Wartungsheft schützt vor bösen Überraschungen. Im Großen und Ganzen gilt die Technik als robust. Spurstangenköpfe und Traggelenke gelten beim W201 ebenso als potenzielle Schwachstellen wie ein undichter Lenkungsdämpfer. Das hat sich beim W202 nur unwesentlich verbessert. Neue Spurstangen sind für den Mercedes 190 E 2.0 einzeln für rund 60 Euro zu bekommen, während beim Mercedes 190 E 2.0 die komplette Lenkstange für knapp 280 Euro ersetzt werden muss. Auch beim Endschalldämpfer hat der Baby-Benz die Nase preislich vorne, während sich das Bild beim Scheinwerfer dreht: 470 Euro kostet der Ersatz für den älteren Mercedes, die C-Klasse liegt mit 285 Euro deutlich darunter. Nachfertigungen unterschiedlicher Qualität sind natürlich wesentlich günstiger zu haben.

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Unterhaltskosten bei beiden Benz überschaubar

Große Unterschiede gibt es auch, wenn es ums Blech geht: Die Ersatzteile für den Mercedes C 200 sind deutlich teurer. Hinzu gerechnet werden muss ein eventueller Arbeitslohn. Rost ist nicht zuletzt aufgrund des Alters bei beiden Autos ein Thema, wobei er beim Mercedes 190 E 2.0 deutlich subtiler zu Werke geht. Versagt etwa die Dichtung der Heckscheibe, sucht sich das Wasser seinen Weg bis in die äußeren Mulden im Fahrzeugheck, von wo aus sich die Korrosion von innen nach außen durchfrisst. Die C-Klasse ist da ehrlicher: Die braune Pest rund um Schlösser und Griffleisten warnt unübersehbar vor dem Kauf. Mit 1,9 Millionen produzierten W201 und der gleichen Zahl an W202-Varianten (Limousine und T-Modell) sind noch jede Menge Autos unterwegs – Neueinsteiger müssen nicht gleich zum erstbesten Fahrzeug greifen. Die Preistendenz ist bei dem Mercedes C 200 zudem momentan eher fallend, während sie beim 190 stagniert. Der Mercedes 190 E 2.0 hat auch den Vorteil, dass die ersten Modelle bereits mit H-Kennzeichen unterwegs sind und günstig versichert werden können. Hier lohnt es, verschiedene Szenarien durchzuspielen: Auch wenn der reguläre Steuersatz für Kat-Modelle niedriger ist als die einheitlichen 191,73 Euro, kann in Verbindung mit der Oldtimer-Versicherung eine H-Zulassung billiger sein. Bis die C-Klasse soweit ist, dauert es noch – W202-Fahrer müssen sich solange mit der teureren Versicherung abfinden.

Classic Cars Mercedes 190 E 2.3-16V von Niki Lauda
Mercedes 190 E 2.3-16V von Niki Lauda Legendärer Lauda-190er (E 2.3-16V)

 

Technische Daten: Mercedes 190 E und C 200

Technische DatenMercedes-Benz 190 E 2.0 (W201)Mercedes-Benz C 200 (W202)
MotorR4R4
Hubraum1997 ccm1998 ccm
Leistung122 PS136 PS
Maximales Drehmoment178 Nm190 Nm
GetriebeViergangFünfgang
AntriebHinterradHinterrad
0-100 km/h10,5 s11,0 s
Höchstgeschwindigkeit197 km/h203 km/h
Leergewicht1180 kg1365 kg
L/B/H in mm4448/1690/13534487/1720/1418
Bauzeit1982-1993 (W201 gesamt)1993-2001 (W202 gesamt)
Preis45.770 Mark (1993)47.495 Mark (1994)
KostenvergleichMercedes-Benz 190 E 2.0 (W201)Mercedes-Benz C 200 (W202)
Ersatzteile
Kotflügel191,94 Euro815,15 Euro
Bremsscheiben39,51 Euro52,42 Euro
Spurstange59,33 Euro276,35 Euro
Endschalldämpfer187,70 Euro489,19 Euro
Verbrauch10,0 l/100 km10,5 l/100 km
Steuer (Euro 2)147 Euro147 Euro
Versicherung326,43 Euro382,93 Euro
Preis4300 Euro3400 Euro

von Thomas Pfahl von Thomas Pfahl
Unser Fazit

Noch spricht alles für den Mercedes 190 E 2.0: Er liegt zwar preislich etwas über seinem Nachfolger, ist im Unterhalt – vor allem, wenn es um Reparaturen geht – aber wesentlich günstiger. Außerdem hat er markenhistorisch den größeren Wert: Obwohl er anfangs so umstritten war, hat er doch ein ganz neues Segment im Mercedes-Portfolio begründet. Der Baby-Benz bietet das urtümlichere Fahren, während der Mercedes C 200 (je nach Ausstattung) schon viele moderne Features aufweist. Trotzdem gilt es, möglichst viele W202 zu retten, solange noch gute Exemplare zu finden sind.

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