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Geht auch ganz einfach:

2er Active Tourer/B-Klasse/Touran: Test Neuer Active Tourer gegen die Kompakt-Van Konkurrenz

Michael Godde 11.07.2022
Inhalt
  1. BMW 2er Active Tourer, Mercedes B-Klasse & VW Touran im Vergleichstest
  2. Fahrkomfort: Ausgewogene Abstimmung im VW Touran
  3. Motor/Getriebe: Mercedes B 220 d am sparsamsten
  4. Fahrdynamik: BMW 2er Active Tourer punktet beim Slamlom 
  5. Umwelt/Kosten: VW Touran mit hohen Kosten
  6. Messwerte & technische Daten BMW 218d Active Tourer, Mercedes B 220d & VW Touran 2.0 TDI
  7. Ergebnis in Punkten

Mit dem neuen BMW 2er Active Tourer will man in Bayern endlich im Van-Segment punkten. Wie gut die zweite Generation des Kompaktvans ist, muss sie im Vergleichstest gegen die Mercedes B-Klasse und den VW Touran beweisen.

Im Vergleichstest trifft der neue BMW 2er Active Tourer auf die Kompaktvan-Konkurreten Mercedes B-Klasse und VW Touran. Dabei haben es Vans hierzulande schwer. Die Übermacht der ähnlich vielseitigen und beliebten SUV ist einfach zu groß. Selbst bei Volkswagen steht der mit 15.000 Zulassungen in 2021 bestverkaufte Kompaktvan in seinem Segment, der Touran, im Schatten des Wolfsburger SUV-Topsellers Tiguan, der mit über 55.000 Verkäufen die Volkswagen-Kasse 2021 kräftig klingeln ließ. Auch bei BMW läuft das Geschäft mit den SUV-Modellen deutlich erfolgreicher als das mit den Vans. Die erste Generation von 2er Active und Gran Tourer kam nicht so richtig in Schwung, der Erfolg blieb damit aus. Das soll sich mit der Neuauflage nun ändern. Der kaum beachtete siebensitzige Gran Tourer wurde gleich ersatzlos gestrichen. Der kompakte BMW 2er Active Tourer soll es jetzt allein richten. Dazu tritt er nun selbstbewusster auf, transportiert mehr BMW-Gefühl auf die Straße und bietet natürlich einen immer noch hohen Nutzwert. So soll er der Mercedes B-Klasse und dem VW Touran endlich die Stirn bieten. Ob das klappt, klärt der Vergleichstest der Kompaktvans mit sparsamen Turbodiesel-Motoren. Auch interessant: Unsere Produkttipps auf Amazon

Die Mercedes B-Klasse (2019) im Crashtest:

 
 

BMW 2er Active Tourer, Mercedes B-Klasse & VW Touran im Vergleichstest

Dass BMW auf die Möglichkeit einer siebensitzigen Variante für die Zukunft verzichtet und Mercedes diese ebenfalls nicht anbietet, bringt die beiden Premium-Produkte gegenüber dem VW Touran gleich in Erklärungsnot. Denn VW offeriert für seinen Kompaktvan zwei zusätzliche Sitze im geräumigen Heck. Ohnehin spielt das Wolfsburger-Multitool bei Raumangebot und Variabilität in einer eigenen Liga. Der Touran ist so etwas wie ein T6-Kompakt, der bei Bedarf sieben Personen Platz bietet oder einen maximal variablen Laderaum ermöglicht. Dazu lassen sich die drei Sitze in der zweiten Reihe einzeln vor- und zurückschieben oder, wie die zwei Sitze im Laderaum, volumenneutral versenken. Dann wächst der Laderaum von 663 Litern (fünfsitzige Bestuhlung) auf üppige 1857 Liter im Kleintransporterformat. Die Lifestyle-Vans aus Stuttgart und München haben da deutlich weniger anzubieten. Etwas knapper ist auch das Raumangebot für die Passagier:innen. Eng wird es aber weder für Fahrer:in und Beifahrer:in im BMW 2er Active Tourer noch in der Mercedes B-Klasse – doch der VW Touran ist deutlich luftiger geschnitten. Er ist eher ein kleiner Bus mit exzellent integrierter als ein Kompaktmodell mit erhöhter Sitzposition. Und nur bei ihm finden in der zweiten Reihe drei Personen genügend Bewegungsfreiheit vor ohne den innigen Schulterkontakt, wie er in BMW und Mercedes aufkommt. Die Neuauflage des BMW 2er Active Tourer verzichtet nicht nur auf die praktische, weil vorklappbare Beifahrerlehne des Vorgängers, sondern auch auf eines der besten Bediensysteme im Automobilbau der letzten Jahre. Das Operating-System-8 ist in seinen Menüpfaden deutlich verästelter aufgebaut als das bisherige, obendrein fehlt ihm auch im neuen Active Tourer der über Jahrzehnte beliebte und während der Fahrt treffsicher zu bedienende Dreh-Drück-Steller auf der Mittelkonsole. So ist der BMW weder intuitiver noch einfacher zu bedienen als die Mercedes B-Klasse. Vor allem der VW Touran wirkt im Vergleichstest dagegen ausgesprochen aufgeräumt und angenehm reduziert im Funktionsumfang, ohne spartanisch zu sein. Auf den ersten Blick macht der BMW dafür einen hochwertigen Eindruck. Beim genauen Hinsehen offenbaren sich allerdings kleinere Schwächen. So kratzen etwa die Fingerkuppen beim Zuziehen der Türen über scharfkantige Übergänge an den Griffen. Davon bleibt man im Mercedes und im routiniert verarbeiteten Volkswagen verschont. Aufgeholt hat BMW bei der Sicherheitsausstattung. Der kleine Allrounder der Bayern weist nun auch alle möglichen Sicherheitsfeatures der Konkurrenz auf: Von der Staufolgefahrt über Lenk und Bremsassistenten bis hin zum komfortablen Einparkassistenten stehen diverse Optionen serienmäßig oder optional in der Liste.

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Fahrkomfort: Ausgewogene Abstimmung im VW Touran

Komfort fängt bei den Sitzen an, und da kann der BMW 2er Active Tourer im Vergleichstest punkten. Seine optionalen Aktivsitze bieten eine gelungene Schulterabstützung und eine üppige, variable Beinauflage. Auf diesen Sitzen kann man lange entspannt reisen. Den aufpreispflichtigen Sportsitzen der Mercedes B-Klasse fehlt es im Vergleich an Seitenhalt und denen des VW Touran an einer breiteren Lehne im Schulterbereich. Von seiner besten Seite zeigt sich der BMW auch bei den Geräuschmessungen. Er gleitet deutlich leiser durch den Wind als die Rivalen, gefällt mit guter Abrollgeräuschdämmung, und sein Turbodiesel schnurrt während der Fahrt sehr zurückhaltend dahin. Störend ist aber das unkultivierte, rumpelige Startverhalten des Selbstzünders über das Start-Stopp-System beim Stop-go-Betrieb in der City. Mercedes und VW bringen ihre Turbodiesel erheblich geschmeidiger wieder in Gang. Während in allen anderen BMW-Modellen das adaptive M-Fahrwerk die erste Wahl aller Optionen ist, sollte man sich dieses Extra beim Active Tourer gut überlegen. Die Abstimmung ist zu hart. Der Aufbau kommt kaum zur Ruhe, Stöße lassen vor allem die Hinterachse bockig zappeln. Die Dämpfer passen sich beim BMW 2er Active Tourer selbstständig an die Anforderungen an, finden aber nie eine wirklich komfortable Kennlinie. Eine manuelle Einstellung wie in Mercedes B-Klasse und VW Touran ist nicht vorgesehen. Die B-Klasse gleicht Unebenheiten deutlich souveräner aus, wogt gemütlich über lange Wellen und stolpert nur hier und da über üble Querfugen. Im Touran arbeiten Federn und adaptive Dämpfer noch besser zusammen. Stöße filtert der VW feinfühlig heraus, und beim Überfahren ausgeprägter Verwerfungen im Asphaltband bringt das Fahrwerks-Set-up den Aufbau schnell wieder zur Ruhe.

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Motor/Getriebe: Mercedes B 220 d am sparsamsten

Von dem rappeligen Startverhalten des BMW-Biturbodiesels abgesehen, gefällt der aufgeladene Vierzylinder mit fülliger Drehmomentabgabe. Das auf seine Charakteristik perfekt eingehende Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe im BMW 218d Active Tourer findet immer die richtige Antwort auf die fahrerischen Wünsche. Hektik ist ihm fremd, Schaltvorgänge überblendet das Getriebe vornehm geschmeidig. Der Mercedes B 220 d wechselt die einzelnen Gänge mit spürbar mehr Feedback. Aber bei ihm zerrt auch mehr Kraft an allen Bauteilen. Der 190-PS-Turbodiesel des B 220 d legt bullig los, macht enorm Druck im mittleren Drehzahlbereich und dreht dann weiter lustvoll zur Spitzenleistung hinauf. Dem hat auch der kultivierte Antrieb im VW Touran 2.0 TDI mit 150 PS nichts entgegenzusetzen. Er ist im besten Sinne unauffällig, dabei kräftig genug, mit einem Verbrauch von 7,2 Liter auf 100 Kilometer aber recht durstig. Der BMW mit 5,7 Litern und der quirlige Mercedes mit nur 5,4 Litern sind im Vergleichstest deutlich genügsamer.

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Fahrdynamik: BMW 2er Active Tourer punktet beim Slamlom 

Die spürbaren sportlichen Ambitionen des neuen BMW 218d Active Tourer mit adaptivem M-Fahrwerk machen ihn zum kleinen Sport-Van in diesem Vergleichstest. Mit dem Options-Fahrwerk verbunden ist die Sportlenkung mit direkterer Übersetzung und reduziertem Kraftaufwand. Für einen Kompaktvan ist die Lenkung vielleicht ein bisschen zu übermotiviert, aber dafür sehr unterhaltsam auf kurvigen Pisten. Dass der BMW den Mercedes B 220 d ziehen lassen muss, liegt dann auch nicht an einer besonderen Agilität des Schwaben, der eigentlich eher gemütlich durch die Kurven räubert und sicher untersteuernd den Scheitelpunkt verpasst. Es ist sein Kraftüberschuss, der ihn energisch auf die Gerade zieht und dem flinken BMW beim Herausbeschleunigen keine Chance lässt. Dem BMW 2er Active Tourer fehlt nicht nur der Dampf der Mercedes B-Klasse, auch seine Traktionskontrolle zügelt seine 360 Newtonmeter und 150 PS beim Herausbeschleunigen unnötig intensiv, während der Mercedes und der VW schon wieder locker aufgaloppieren dürfen. Wie flink der BMW ist, dokumentiert die höchste Geschwindigkeit in der Slalomgasse, die er, im Vergleich zu seinen etwas schwerfälligen Rivalen, wie ein Gokart durchwetzt. Mit den ordentlichen Verzögerungswerten und dem sportlichen Feedback bei der Dosierung der Bremse erkämpft sich der 2er Active Tourer den Titel des "sportlichsten Kompaktvans" und sichert sich damit knapp die Fahrdynamikwertung vor der Mercedes B-Klasse und dem VW Touran.

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Umwelt/Kosten: VW Touran mit hohen Kosten

Der BMW 2er Active Tourer gewinnt nicht nur das Dynamik-Kapitel des Vergleichstests, er zeigt auch unterm Strich die beste Kostenbilanz. Zum einen ist er im Grundpreis günstiger als die Mercedes B-Klasse und auch als der deutlich teurere VW Touran, der als Basis für alle testrelevanten Extras als Highline geordert werden muss. Die zudem gute Serienausstattung des BMW 218d Active Tourer mit serienmäßigem, integriertem Navigationssystem inklusive Smartphone-Anbindung über Apple CarPlay oder Android Auto, was bei der Konkurrenz extra berechnet wird, machen ihn zum günstigsten Angebot.

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Messwerte & technische Daten BMW 218d Active Tourer, Mercedes B 220d & VW Touran 2.0 TDI

AUTO ZEITUNG x/2021BMW 218d
Active Tourer
Mercedes
B 220 d
VW
Touran 2.0 TDI
Technik
Zylinder/Ventile pro Zylin.R4/4;
Biturbodiesel
R4/4;
Turbodiesel
R4/4;
Turbodiesel
Hubraum1995 cm³1950 cm²1968 cm³
Leistung110 kW/150 PS
3750 - 4000 /min
150 kW/190 PS
3800 /min
110 kW/150 PS
3500 - 4000 /min
Max. Drehmoment360 Nm,
1500 - 2500 /min
400 Nm,
1600 - 2600 /min
360 Nm,
1600 - 2750 /min
Getriebe/Antrieb7-Gang, Doppelkupplung /
Vorderrad
8-Gang, Doppelkupplung /
Vorderrad
7-Gang, Doppelkupplung /
Vorderrad
Messwerte
Leergewicht (Werk/Test)1545/1598 kg1545/1618 kg1632/1730 kg
Beschleunigung 0-100 km/h (Test)8,8 s7,8 s9,7 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)220 km/h234 km/h206 km/h
Bremsweg aus 100 km/h
kalt/warm (Test)
35,1/34,7 m36,5/35,6 m35,5/35,2 m
Verbrauch auf 100 km (Test/WLTP)5,7/4,8 l D5,4/5,1 l D7,2/5,4 l D
CO2-Ausstoß (Test/WLTP)152/125 g/km143/133 g/km191/141 g/km
Preise
Grundpreis39,800 €41.370 €43.325 €
Testwagenpreis41.850 €44.392 €45.400 €
 

Ergebnis in Punkten

Gesamtbewertung (max. Punkte)BMW 218d
Active Tourer
Mercedes
B 220 d
VW Touran
2.0 TDI
Karosserie (1000)637647712
Fahrkomfort (1000)664665705
Motor/Getriebe (1000)686707654
Fahrdynamik (1000)637629635
Eigenschaftswertung (4000)262426482706
Kosten/Umwelt (1000)365352352
Gesamtwertung (5000)298930003058
Platzierung321

Michael Godde Michael Godde
Unser Fazit

Der neue Kompaktvan der Bayern kann bei seinem ersten Vergleichstest die Konkurrenz nicht abhängen. Der BMW 218d Active Tourer wirft zwar seine sportliche Dynamik in die Waagschale, präsentiert sich zu günstigen Preisen und ist dabei sehr gut ausgestattet. Was ihm fehlt, sind der Platz und die Variabilität von VWs Allrounder Touran. Auch beim Komfort versteift er sich zu sehr auf seine sportlichen Ambitionen und verliert deshalb – trotz der guten Geräuschdämmung und der hervorragenden Sitze – das Komfortkapitel. Sein Antrieb ist gut, aber im Vergleich zu dem des Mercedes B 220 d zu schwach und setzt auch nicht die Bestmarke beim Verbrauch. So bleibt ihm in diesem Vergleich nur der dritte Platz. Einen Rang höher aufs Siegertreppchen klettert der Mercedes B 220 d, der mit seinem bullig anschiebenden, aber sparsamen Diesel dem BMW locker davonfährt. Dazu gefällt sein wogender Komfort auf langen Strecken, und auch bei der Preisgestaltung bleiben die Schwaben erfreulich bodenständig. Platz eins sichert sich der teure VW Touran 2.0 TDI , der bei Raumangebot und Nutzwert in einer anderen Liga spielt, Komfort beweist und mit seiner grundsoliden Verarbeitung wirklich premium ist.

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