Test von 1998: Audi S4, BMW M3, Mercedes C 43 vs. Porsche 911

Vergleichstest aus der AUTO ZEITUNG 14/1998: Zu groß, zu weich, zu leise – der neue 911 muss viele Bedenken puritanischer Porsche-Fans entkräften. Die drei Jagdhunde Audi S4, BMW M3 und Mercedes C 43 lauern nur auf Fehltritte des Platzhirschs. Sind diese Viersitzer womöglich die besseren Sportwagen?

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Audi S4, Porsche 911, Mercedes C 43 und BMW M3 fahrend von vorne.
Audi S4/Porsche 911/Mercedes C 43/BMW M3 Foto: Willy Bister

Der Porsche 911 bringt mit seiner Modellpflege 1998 ein geglättetes Design und mehr Komfort-Features. Haben ihn Audi S4, BMW M3 und Mercedes C43 in Sachen Sportwagen-Flair schon eingeholt?

Der Audi S4 fahrend von vorne.
Audi S4 Foto: Willy Bister

Seit fast 20 Jahren kombiniert Audi für seine Hochleistungsmodelle Turbomotor und Allradantrieb.

Die Sitze des Audi S4.
Audi S4 Foto: Willy Bister

Unnachgiebig straffe Ledersitze gibt es gegen Aufpreis, sogar in anderen Farben. 

Der Tacho des Audi S4.
Audi S4 Foto: Willy Bister

Die grauen Zifferblätter trägt auch der große Bruder S8.

Der Motor des Audi S4.
Audi S4 Foto: Willy Bister

Zwei Turbolader sorgen beim Audi-V6 für die besten Elastizitätswerte, die Kraftverteilung des Allradantriebs erfolgt variabel über ein Torsen-Differential.

Porsche 911, BMW M3, Audi S4 und Mercedes C 43 fahrend seitlich.
Porsche 911/BMW M3/Audi S4/Mercedes C 43 Foto: Willy Bister

Weil alle drei Limousinen bei 250 km/h abgeregelt sind, fährt der Elfer auf der Autobahn mit 280 davon.

Der BMW M3 fahrend von vorne.
BMW M3 Foto: Willy Bister

Motor vorn, Antrieb hinten – der weit hinten platzierte Motor sorgt für eine ideale Gewichtsverteilung.

Das Cockpit des BMW M3.
BMW M3 Foto: Willy Bister

Street Machine: Der BMW M3 bietet ein fein ausbalanciertes, bis in den Grenzbereich neutrales Handling.

Die Sitze des BMW M3.
BMW M3 Foto: Willy Bister

Die automatische Kupplung verhindert zwar keine Kavalierstarts, aber blockierende Hinterräder beim Runterschalten.

Der Motor des BMW M3.
BMW M3 Foto: Willy Bister

Sein Sechszylinder begeistert nach wie vor durch Sound und Spitzenleistung.

Audi S4, Porsche 911, BMW M3 und Mercedes C 43 fahrend von hinten.
Audi S4/Porsche 911/BMW M3/Mercedes C 43 Foto: Willy Bister

Auch in Sachen Beschleunigung liegt der Porsche vorne, aber nur noch knapp.

Der Mercedes C 43 fahrend von vorne.
Mercedes C 43 Foto: Willy Bister

Das elektronische Stabilitätsprogramm ESP bremst bei Bedarf einzelne Räder automatisch ab.

Das Cockpit des Mercedes C 43.
Mercedes C 43 Foto: Willy Bister

Nicht elegant, aber unmissverständlich: die weiß unterlegten Uhren.

Die Sitze des Mercedes C 43.
Mercedes C 43 Foto: Willy Bister

Die Sitze des C 43 bieten besten Autobahnkomfort.

Der Motor des Mercedes C 43.
Mercedes C 43 Foto: Willy Bister

Erstmals pflanzt AMG der C-Klasse einen V8 ein. Der Dreiventiler des C 43 unterscheidet sich durch hohle Nockenwellen sowie einzeln geschmiedete und leichtere Nocken mit längeren Öffnungszeiten vom Serienaggregat.

BMW M3, Porsche 911, Mercedes C 43 und Audi S4 fahrend von vorne.
BMW M3/Porsche 911/Mercedes C 43/Audi S4 Foto: Willy Bister

Fotoproduktion in der Steilkurve des Contidrom-Testgeländes bei Hannover: BMW M3 Coupé, Porsche 911, Mercedes C 43 AMG und Audi S4 (v.l.).

Der Porsche 911 fahrend seitlich.
Porsche 911 Foto: Willy Bister

Der Sechszylinder-Boxer prägt nicht nur den Klang des 911, er bringt auch Gewicht auf die Antriebsachse.

Das Cockpit des Porsche 911.
Porsche 911 Foto: Willy Bister

Das neue Cockpit wirkt weniger zeitlos, aber typisch Porsche.

Die Instrumente des Porsche 911.
Porsche 911 Foto: Willy Bister

Der Digital-Tacho in der Mitte ist gut ablesbar. Die Traktionskontrolle gehört zu den empfehlenswerten Extras, weil sie dem Umgang mit dem stets sprungbereiten 911 gerade bei Nässe die Brisanz nimmt.

Die Felgen des Porsche 911.
Porsche 911 Foto: Willy Bister

Die Reifen rund um die 18-Zoll-Felgen messen in der Breite vorne 225 und hinten 265 mm.

Härte-Test für den Porsche 911 anno 1998: Audi S4, BMW M3 und Mercedes C43 knabbern am Vorsprung

Volles Rohr, dritte Welle. Mit singenden Reifen schält sich der BMW M3 aus der langgezogenen Kurve und brüllt eine kurze Gerade herunter auf die enge Links-Rechts-Passage zu. Tacho 150. Jetzt entschlossen auf die Bremse treten, dabei den SMG-Schalthebel nach vorn schubsen, zuhören, wie das Getriebe ganz von selbst mit Zwischengas herunterschaltet, dann einlenken, kurz aufs Gas, das Lenkrad ohne umzugreifen nach rechts einschlagen, mehr Gas geben und das Auto sanft nach außen treiben lassen, bis die Räder genau am Kurvenausgang den weiß markierten Abweiser berühren. Wenn bei 7000 Touren die Warnlampe blinkt, dem Schaltknüppel ohne Gaslupfer einen Schubs nach hinten geben, und weiter gehts, wieder geradeaus, dritte Welle, volles Rohr. Genauso schnell, wie Sie es gelesen haben, fegt der rote BMW M3 über den beschriebenen Abschnitt des Handlingkurses auf dem Contidrom-Testgelände nahe Hannover.

Der Audi S4, der BMW M3, der Mercedes C43 und der Porsche 911 sind für die Suche nach dem besten deutschen Sportwagen angetreten, aber wir sind nicht für einen objektiven Vergleichstest hergekommen. Was einen Sportwagen auszeichnet, offenbart sich nur bedingt in Messwerten wie Beschleunigungszeiten, Bremswegen und G-Kräften. Die Wahrheit erfährst du nicht im Kopf, sondern in den Fingerspitzen, in den Füßen, im Allerwertesten. Dort springt der Funke über, teilt sich dir die Präzision der Lenkung, die Dosierbarkeit der Bremse, die Fahrstabilität in Kurven mit. Dort lässt ein gutes Auto dich spüren, ob der Lenkeinschlag stimmt, wieviel Grip die Reifen haben, wann die Blockiergrenze beim Bremsen erreicht ist und wo der Motor die meiste Kraft entwickelt.
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Der Porsche 911 GT3 (2025) im Fahrbericht (Video):

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Video: AUTO ZEITUNG

Trotz seines Alters ist der M3 ein Meister in allen Disziplinen

Der BMW M3 ist das älteste Auto des Quartetts, aber er ist ein Meister in all diesen Disziplinen. Seine kleine, mustergültig übersichtliche Karosserie und die perfekte Gewichtsverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse machen ihn sagenhaft handlich. Der Motor giert und röchelt nach Drehzahlen. Aus dem Leerlauf heraus tritt er noch verhalten an, um ab 4000 Touren um so härter zuzubeißen.

Der BMW M3 fahrend von vorne.
Foto: Willy Bister

Das SMG-Getriebe ist freilich ein Spezialfall. Es erfordert Gewöhnung, da der eigentliche Schaltvorgang erst beginnt, wenn die Hand den Hebel schon wieder losgelassen hat. Unter Last funktioniert die sequentielle Schaltung ganz ordentlich, bei ruhiger Fahrweise wünschen wir uns aber, die Kupplung selbst treten zu können. Für den neuen M3 bereitet BMW eine SMG-Schaltung mit Wipptasten im Lenkrad vor.

Brutaler V8 im C 43 AMG

Beim Mercedes C 43 AMG ist Selbstschalten tabu, darüber entscheidet sein Getriebe ganz allein. Die Fünfstufen-Automatik (So funktioniert ein Automatikgetriebe) reagiert schnell und hat auch gelernt, niedrige Gänge bei abrupter Gaswegnahme festzuhalten. Weil aber selbst die beste Automatik nicht weiß, wie die Straße auf den nächsten Metern verläuft, erwischt sie mitunter den falschen Gang und steht einem flüssigen, aktiven Fahrstil im Weg. Der mächtige Achtzylinder hat Kraft im Überfluss und prustet in einer Tonlage aus den Auspuffendrohren, die einem Ford Mustang alle Ehre macht.

Der Mercedes C 43 fahrend von vorne.
Foto: Willy Bister

Aber seine Kombination mit dem auf Sicherheit und Bedienkomfort getrimmten Fahrwerk taugt mehr für die Autobahn als für launige Landstraßen. Das ESP hält die AMG-Power im Zaum wie ein Käfig den Tiger. Wer in Kurven früh aufs Gas tritt, erzeugt massiv Schlupf an den Hinterreifen, der durch promptes Abbremsen einzelner Räder in unsportliches Untersteuern verwandelt wird. Objektiv betrachtet ist der C 43 AMG ein sehr schnelles Auto, doch es fällt schwer, eine saubere Linie zu fahren, auch weil die starke Servounterstützung für Lenkung und Bremspedal Rückmeldungen des Autos über seinen Fahrzustand wegfiltert.

Im S4 wünscht man sich weniger Untersteuern statt mehr PS

Traktionsprobleme sind dem Audi S4 völlig fremd. Sein Allradantrieb lässt ihn selbst nasse, wellige Serpentinen hinaufstürmen – als gelte es, Walter Röhrls Rekord beim Bergrennen am Pikes Peak zu egalisieren. Seine brutale Traktion und der schon bei 1800 Touren zum Orkan aufbrausende Turboschub prägen das Fahrerlebnis mit ihm. Trotz des Leistungsdefizits von rund 50 PS (37 kW) erweist sich der Audi als ein ebenbürtiger Gegner für seine drei Rivalen. Mehr PS wünschten wir uns während der Testfahrten nie, eher schon weniger Untersteuern, denn wenn der S4 in schnellen Kurven die Haltung verliert, schiebt er stur über die Vorderräder, bis die Kanten seiner Michelin-Reifen glattgeschliffen sind.

Der Audi S4 fahrend von vorne.
Foto: Willy Bister

Im Umgang mit Pedalen und Lenkung fühlt sich der S4 ruppiger an als der M3, in dem alles feiner dosierbar erscheint. Dennoch lässt sich auch der Audi agil und präzise bewegen, und sein V6-Biturbo-Motor erlaubt sich nur einen drohenden Unterton, wenn der BMW bereits wütend die Stimme erhebt. Für lange Strecken ist der Audi neben dem mit exzellenten Sitzen versehenen Mercedes der angenehmste Begleiter, doch das spielt für unsere Urteilsfindung keine Rolle.

Der 911 ist und bleibt ein Sportwagen aus dem Lehrbuch

Steigen wir also um in den Porsche 911. Die Sitzposition mit dem Lenkrad auf den Knien und den Schultern vor anstatt zwischen den Wangen der Sitzlehnen will nicht passen, doch sobald der Motor in unserem Rücken anspringt, rückt der Porsche die Sportwagenwelt gerade. Sein Boxer kreischt am lautesten, doch ohne zu nerven, und er hängt so bissig am Gas wie kein zweiter Motor.

Der Porsche 911 fahrend seitlich.
Foto: Willy Bister

Seine Aggression verteilt er perfekt über das gesamte Drehzahlband. Bremse und Traktionskontrolle übertreffen in ihrer Sensibilität noch den M3, auch die Präzision der Sechsgangschaltung ist eine Klasse für sich. Die hecklastige Gewichtsverteilung beschert dem Elfer optimalen Grip und eine punktgenaue Lenkung, deren Haltekräfte ideal zur jeweiligen Gangart passen. Keine Frage: Der 911 war und ist ein Sportwagen wie aus dem Lehrbuch.

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Technische Daten von Audi S4, BMW M3, Mercedes C 43 und Porsche 911

Classic Cars 03/2023Audi S4BMW M3
Zylinder/Ventile pro Zylin.6/5; Biturbo6/4
Hubraum2671 cm³3201 cm³
Leistung195 kW/265 PS 5800/min236 kW/321 PS 7400/min
Max. Gesamtdrehmoment bei400 Nm 1850-3600/min350 Nm 3250/min
Getriebe/Antrieb6-Gang-Getriebe/Allrad6-Gang-Getriebe sequentiell/Hinterrad
L/B/H4483/1733/1396 mm4433/1710/1365 mm
Leergewicht (Messwert)1594 kg1544 kg
Bauzeit1997-20011992-1999
Stückzahlk.A.71.242
Beschleunigung
null auf 100 km/h (Messwert)
6,2 s5,5 s
Höchstgeschwindigkeit250 km/h250 km/h
Verbrauch auf 100 km (Messwert)11,7 l SP12,7 l SP
Grundpreis (Jahr)82.210 Mark (1998)95.500 Mark (1998)
Classic Cars 03/2023Mercedes C 43 AMGPorsche 911
Zylinder/Ventile pro Zylin.8/36/4
Hubraum4266 cm³3387 cm³
Leistung225 kW/306 PS 5850/min221 kW/300 PS 6800/min
Max. Gesamtdrehmoment bei410 Nm 3250-5000/min350 Nm 4600/min
Getriebe/Antrieb5-Stufen-Automatik/Hinterrad6-Gang-Getriebe/Hinterrad
L/B/H4516/1723/1460 mm4430/1765/1305 mm
Leergewicht (Messwert)1583 kg1420 kg
Bauzeit1997-20001997-2006
Stückzahl3085ca. 175.000
Beschleunigung
null auf 100 km/h (Messwert)
7 s5,3 s
Höchstgeschwindigkeit250 km/h280 km/h
Verbrauch auf 100 km (Messwert)12,6 l SP12,7 l SP
Grundpreis (Jahr)115.420 Mark (1998)136.790 Mark (1998)

Fazit

Spaß am Autofahren, wie wir ihn von einem Sportwagen erwarten, ermöglicht der jüngste 911 mit einer mühelosen Selbstverständlichkeit, die Fans des alten Elfers nachdenklich stimmen kann: Die Gaudi ist geblieben, aber ohne den Achselschweiß. Nur wer es wagt, die Traktionskontrolle abzuschalten, riskiert anstelle minimalen Untersteuerns einen saftigen Drift durch den Grenzbereich von Auto und der Person am Steuer. Charakterlich kommt der M3 dem Porsche sehr nah – so nah, dass fast 50.000 Mark Preisunterschied nüchtern nicht zu rechtfertigen sind. Wegen der noch nicht restlos überzeugenden SMG-Schaltung erhält der M3 von uns im Fach Emotion die Schulnote Zwei plus. Gut, aber nicht so gut wie der M3, gefällt uns der S4. Sein ungestümer Vorwärtsdrang ist reizvoll, er erinnert an die alten Rallye-Tage. Inzwischen frisst das Audi-Monster der Person am Steuer aber brav aus der Hand. Das wildere Auto ist der Mercedes. Sein ESP muss die rohe Kraft des AMG-V8 mühsam bändigen. Das beschert dem C 43 die Note "absolut befriedigend".