Audi 80 im Rallyetrimm: Turbo, Quattro, VR5 und fast 500 PS

Urquattros sind selten und unbezahlbar geworden. Das hält ein polnisches Rallyeteam nicht davon ab, mit einem nahezu Gruppe B-würdigen Audi 80 Quattro die Veteranen-Szene aufzurollen.

(1/4)
Der Audi 80 VR5T bei Wertungsprüfung im Wald, fotografiert von schräg vorne.
Audi 80 VR5T Foto: Audi VR5T Rallye Team via Facebook

Der Audi 80 von Artur Cichowski und Pawel Kolondra ist ein verkapptes Rallye-Monster mit fast 500 PS, das zwangsläufig Assoziationen zur Gruppe B weckt.

Der Audi 80 VR5T mit offener Motorhaube bei Leistungsprüfung auf dem Prüfstand, fotografiert von schräg vorne.
Audi 80 VR5T Foto: Audi VR5T Rallye Team via Facebook

Der rot lackierte Deckel über den 20 Ventilen gemahnt augenzwinkernd an einen Ferrari Testarossa. Hier aber sorgt ein großer Turbolader für Schub.

Der Audi 80 VR5T bei Wertungsprüfung in einer Kurve, fotografiert von der Seite.
Audi 80 VR5T Foto: Audi VR5T Rallye Team via Facebook

Der einst als Opa-Auto berüchtigte Audi 80 kommt bei Veteranenrallyes häufig quer daher. Auf schlüpfrigem Grund zeigt er seine überlegene Traktion.

Der Audi 80 VR5T in einem Zelt, fotografiert von schräg vorne.
Audi 80 VR5T Foto: Audi VR5T Rallye Team via Facebook

Außer einem Heckflügel und den Stickern zeigt sich der Audi VR5T getaufte Bolide ziemlich bürgerlich. Man traut ihm seine 492 PS kaum zu.

Der Audi Quattro ist eine Legende mit bürgerlichem Stammbuch. Rein äußerlich wurde der Rallye-Revoluzzer vom Audi Coupé abgeleitet, das wiederum technisch auf einem braven Audi 80 basierte. Letzterer hatte damals nur eben selten einen Turbo, fünf Zylinder und vier angetriebene Räder unterm Blech. Der Audi 80 von Artur Cichowski und Pawel Kolondra hat dies alles. Der viertürige Bolide ist ihr Dienstfahrzeug, mit dem die beiden Polen regelmäßig auf Veteranenrallyes Benzin und Gummi in Rauch und Gänsehaut verwandeln. Und dies mit der sympathischsten Einstellung, die man zum Rallyesport haben kann: "Wir sind nicht für Ergebnisse hier, sondern für den Krach und zum Driften."

Auch interessant:

Und das tun sie dann auch. In einem Tempo, das alles andere als unsportlich ist. Der Fünfzylinder des Audi 80 wirft mit gemessenen 492 PS (362 kW) um sich, was eine gemächliche Gangart quasi verbietet. Der VR5 dröhnt und feuerspuckt dabei, dass es eine Freude ist und man am Straßenrand unweigerlich an den Urquattro und seinen teuflischen Abkömmling denkt, den Sport quattro S1. Der hatte mit 530 PS (390 kW) nur unwesentlich mehr Leistung als der 80er aus den Neunzigern, beschleunigte damit vor allem das bittere Ende der Gruppe B.
Auch interessant: Unsere Produkttipps auf Amazon

Der Audi RS 6 GT im Video:

Video Platzhalter
Video: AUTO ZEITUNG

Der VR5 versah einst im Golf 4 und Bora seinen Dienst

Und seine fünf Zylinder standen brav in Reih und Glied, anders als beim Audi VR5T getauften Audi 80-Verschnitt. Dessen V-Motor, besonders kompakt dank seines Zylinderbankwinkels von 15 Grad, wurde einst im VW Golf 4 GTi und im Bora eingesetzt. In der Tuningschmiede KMS Engine wurde der Block zunächst appetitlich angerichtet. Der rot lackierte Deckel über den 20 Ventilen gemahnt augenzwinkernd an einen Ferrari Testarossa. Ein beleibter Turbolader von Pulsar und quadratmetergroße Kühler verhelfen dem 2,3-Liter, in der Serie bestenfalls 170 PS stark, dann zu beinahe 500 PS Leistung, wenn man Fünfhundert gerade sein lässt. Und das bei relativ moderaten 1,95 bar Ladedruck. Das Sechsgang-Getriebe wurde einem Audi RS4 entlehnt.

Auch interessant:

Optisch bleibt der VR5T diskret. Ein Heckflügel, Schmutzfänger und die Sticker rundum können natürlich nicht verheimlichen, dass unter der braven Karosse die Technik zumindest gründlich entstaubt wurde. Dass es sich bei dem Fünfzylinder um ein aussterbendes Antriebsprinzip handelt, macht den bayrischen Polen im Rallyetrimm nur noch sympathischer. Ohne die sichtbaren Sportattribute und mit Straßenzulassung wäre dieser Audi 80, einst als Opa-Auto berüchtigt, der ultimative Sleeper.