Winterreifen vs. Sommerreifen Jeder Reifen zu seiner Zeit

von AUTO ZEITUNG
Winterreifen vs Sommerreifen
Auch ohne Schnee gibt es gute Gründe, bei niedrigen Temperaturen Winterreifen zu montieren. Foto: Imago
Inhalt
  1. Winterreifen vs. Sommerreifen: Vor- und Nachteile der Reifentypen
  2. Winterreifen: Lamellen sorgen für Haftung
  3. Dann von Sommer- auf Winterreifen wechseln
  4. Bei zwei beziehungsweise vier Millimetern ist Schluss

Jeder zu seiner Zeit: Sommer- und Winterreifen sind Spezialisten mit klar umrissenem Aufgabengebiet. Darum gibt es auch ohne Schnee gute Gründe, bei niedrigen Temperaturen Winterräder zu montieren.

Die Reifenindustrie hat in den vergangenen Jahren Sommerreifen und Winterreifen für ihre jeweiligen Einsatzgebiete kontinuierlich optimiert. Dabei konnten alle wesentlichen Eigenschaften – beispielsweise Geräuschentwicklung, Aquaplaningverhalten, Nass- und Trockenhandling, Bremsvermögen, Rollwiderstand, Gewicht, Laufleistung sowie Schnee- und Eistraktion – enorm verbessert werden. Gleichzeitig wurden die Sommer- und Winterpneus im Hinblick auf ihre Anforderungen immer mehr zu "Spezialisten". Sommerreifen haben in der warmen Jahreszeit Vorteile gegenüber Winterreifen, diese sind hingegen in den kalten Monaten den Sommerpneus weit überlegen. Der große Leistungsunterschied entsteht vor allem durch gänzlich verschiedene Laufflächenmischungen sowie die Profilgestaltung. Winterreifen ermöglichen – im Vergleich zu Sommerpneus – in der kalten Jahreszeit erheblich mehr Zugkraft und Seitenführung sowie kürzere Bremswege ohne dabei heutzutage noch nennenswerte Komforteinbußen hinnehmen zu müssen. Dies liegt am Zusammenspiel aller Komponenten vom Reifenunterbau über die Laufflächenmischung bis zur Profilgestaltung. Mehr zum Thema: Alpine-Symbol bei Winterreifen

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Winterreifen vs. Sommerreifen: Vor- und Nachteile der Reifentypen

Das augenfälligste Charakteristikum eines modernen Winterreifens ist dabei seine lamellierte Profilgestaltung. Durch die hohe Anzahl feiner Lamellen in den Profilblöcken kann der Reifen beim Abrollen zusätzliche Griffkanten ausbilden. Je nach Reifengröße greifen bis zu 2000 dieser meist wellenförmigen Profilschnitte in Eis und Schnee und bilden dabei zusätzliche Längs- und Querkanten. Damit sorgen sie für eine wirksame Verzahnung mit der Fahrbahnoberfläche – Traktion und Seitenführung werden erheblich verbessert. Außerdem können die Lamellen beim Bremsen ähnlich wie Scheibenwischer wirken und den Wasserfilm auf der Straßenoberfläche reduzieren. Je glatter der Untergrund wird, desto stärker wirkt sich dieser Effekt positiv auf den Bremsweg aus.

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Winterreifen: Lamellen sorgen für Haftung

Darüber hinaus besitzen hochwertige Winterreifen eine thermoelastische Laufflächenmischung, die auch bei niedrigen Temperaturen griffig bleibt und bieten damit einen besseren Straßenkontakt als Sommerreifen. Der Winter-Gummi bleibt selbst bei Frost elastisch und kann sich so der Oberflächenstruktur der Straße optimal anpassen. Sommerreifen hingegen werden mit sinkenden Temperaturen spröde und verlieren dadurch ihre Griffigkeit – sie "verglasen". Damit die Mischungen aber nicht nur auf Schnee und Eis geschmeidig bleiben, sondern auch eine hohe Nässe-Griffigkeit bieten, kommt bei modernen Reifen ein hoher Anteil an Silica in die Gummi-Rezeptur. Diese Kieselsäure-Verbindungen bieten erheblich mehr Halt auf nassen Oberflächen, kosten jedoch auch mehr als traditionelle Ruß-Füller. Die können zwar auch kälteelastisch sein, bauen aber kaum Nass-Grip auf. Darum ist beim Kauf besonders günstiger Discount-Winterreifen häufig Vorsicht geboten. Die Angaben auf dem Reifen-Lable sind ein hilfreiches Indiz: Pneus mit Nass-Wertung E sind nicht mehr zeitgemäß.

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Dann von Sommer- auf Winterreifen wechseln

Die Temperaturgrenze, ab der Sommerreifen gegenüber Winterreifen an Leistung einbüßen, variiert und ist je nach Reifentyp und Dimension unterschiedlich zu ziehen. Sinkt das Thermometer aber auf einstellige Temperaturen oder nähert sich gar der Null-Grad-Schwelle, wird es Zeit auf Winterreifen zu wechseln. Denn die Temperatur auf der Fahrbahn kann zu gewissen Tageszeiten, insbesondere in den frühen Morgenstunden erheblich niedriger sein, mit entsprechenden Folgen für die Fahrsicherheit. Die oft propagierte Sieben-Grad-Grenze dient deshalb lediglich als eine grobe Orientierungshilfe für Autofahrer, um bei kalten, winterlichen Witterungsverhältnissen rechtzeitig von Sommerreifen auf Winterreifen umzurüsten. Eine weitere Faustformel besagt, dass es sinnvoll sei, im Winter die kleinste erlaubte Reifengröße am Fahrzeug zu montieren. Das ist mittlerweile Schnee von gestern. Lediglich auf Eis bieten schmalere Pneus wegen des höheren Flächendrucks marginale Vorteile, die aber in der Praxis kaum spürbar sind. Außerdem können sich schmalere Reifen besser durch tiefen Schnee fräsen – wir reden hier über zehn oder mehr Zentimeter –, was in unseren Breitengraden eher eine Ausnahme denn die Regel darstellt. Ansonsten gleichen Breitreifen ihre potenziellen Nachteile durch zusätzliche Drainage-Kanäle und mehr Lamellen (Griffkanten) vollständig aus. Auf trockener Straße bieten sie sogar mehr Halt als die dünnen Dimensionen, Bremsweg und Fahrverhalten verbessern sich. Mehr zum Thema: So alt dürfen Reifen sein

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Bei zwei beziehungsweise vier Millimetern ist Schluss

Ungeachtet der Breite gilt: Auch bei abnehmender Profiltiefe verbessert sich zwar das Fahrverhalten auf trockener Straße, bei Nässe und Schnee aber bedeutet weniger Profil erhöhte Gefahr. Unterhalb einer Profiltiefe von vier Millimetern lässt die Leistungsfähigkeit von Winterreifen stark nach, nicht zuletzt, weil nicht bei allen Reifenherstellern sämtliche Lamellen bis in den Profilgrund reichen. Außerdem lässt die Drainageleistung unterhalb von etwa vier Millimetern meist deutlich nach, das Aquaplaning-Risiko steigt. Winterpneus sollten darum ab dieser Verschleißgrenze, Sommerreifen bei einer Restprofiltiefe von zwei bis drei Millimetern ersetzt werden. Das gesetzlich geforderte Minimum von 1,6 Millimetern ist sicherlich keine gute Empfehlung. Übrigens: Ein Pneu gilt nur dann als "Winterreifen", wenn er das sogenannte Alpine- oder Schneeflocken-Symbol trägt. Die offizielle "3 Peak Mountain Snow Flake"-Kennzeichnung (auch: 3PMSF) garantiert eine geprüfte Schneegriffigkeit, während die früher übliche M+S-Markierung lediglich besagt, dass der Reifen deutlich erkennbar profiliert ist. Dennoch dürfen M+S-Reifen, sofern sie vor 2018 produziert wurden, noch bis 2024 im Winter gefahren werden. Mit einem solchen Pneu erfüllt man zwar im Fall einer Polizei-Kontrolle die situative Winterreifen-Pflicht, doch mehr Sicherheit bieten einzig Reifen mit Schneeflocken-Kennung, wie sie seit 2018 für neu produzierte Winterreifen vorgeschrieben ist. Mehr zum Thema: So die Reifengröße ermitteln

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