Vergleich

Renault Clio 16V gegen VW Polo G40: Vierventiler trifft G-Lader

Die rasenden Zwerge: Mit Renault Clio V16 und VW Polo G40 traf im Vergleichstest der AUTO ZEITUNG 14/1991 ein Vierventiler auf einen G-Lader. So ging der Schlagabtausch aus!

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Renault Clio 16V und VW Polo G40 stehend von vorne.
Dampfhämmer: 135 PS (99 kW) werken im Renault Clio 16V, der VW Polo G40 wird dank Kompressor von 113 PS (83 kW) beflügelt. Foto: AUTO ZEITUNG
Renault Clio 16V und VW Polo G40 fahrend seitlich.
Kleine Kraftprotze: Der VW Polo wirkt im Vergleich zum bulligen Renault Clio recht schlicht. Foto: AUTO ZEITUNG
Der Renault Clio 16V fahrend von vorne.
Sieht gefährlich aus, ist aber harmlos: Am Limit bewegt, hebt der Clio gerne ein Bein. Foto: AUTO ZEITUNG
Das Cockpit des Renault Clio 16V.
Die Zusatzinstrumente gibt es gratis: Clio-Cockpit. Foto: AUTO ZEITUNG
Die Sitze des Renault Clio 16V.
Bieten genügend Seitenhalt: Clio-Sitze. Nur die Kopfstützen reichen in der Höhe nicht aus. Foto: AUTO ZEITUNG
Der Motor des Renault Clio 16V.
Der Clio hat zwar 22 PS (16 kW) mehr, doch kann er dieses Plus bei der Beschleunigung nicht ausspielen. In der Endgeschwindigkeit ist er nur wenig schneller. Foto: AUTO ZEITUNG
Der VW Polo G40 fahrend von vorne.
Im Grenzbereich neigt der G40 zu stärkerem Untersteuern als der Clio – auf drei Rädern fährt auch er dabei. Foto: AUTO ZEITUNG
Das Cockpit des VW Polo G40.
Hübsch: Verschachteltes Armaturenbrett des Polo. Foto: AUTO ZEITUNG
Die Sitze des VW Polo G40.
Die Polster des Polo bieten zwar etwas mehr Komfort, aber weniger Seitenführung. Foto: AUTO ZEITUNG
Der Motor des VW Polo G40.
Mit gekühlter Ladeluft macht der G-Lader dicke Backen im Polo. Der VW profitiert von geringerem Gewicht, die paar weniger PS fallen so nicht auf. Foto: AUTO ZEITUNG

Sie sind die Reinkarnation des GTI-Themas: Kleinwagen mit deutlich mehr als 100 PS (74 kW), fähig zu Fahrleistungen, die vor wenig mehr als einem Jahrzehnt noch Sportwagen vorbehalten waren. Dazu gehören: Tempo 200, Beschleunigung auf 100 km/h unter zehn Sekunden, sportlich-gnadenlos gestähltes Fahrwerk. Begründer des Segments: der Golf 1 GTI.

Sein Nachfolger zeigt sich deutlich gewachsen. Deshalb war die Zeit reif für einen neuen kleinen Wilden: den VW Polo G40, mit Kat 113 PS (83 kW) stark. Seit 1986 angekündigt, in alter Karosserie aber nur begrenzt als Sonderserie erhältlich und erst jetzt, nach dem Facelift der Polo-Baureihe, regulär bestellbar.

Sein Name verrät es bereits: Ein wegen seiner Schneckenform G-Lader genannter Kompressor verhilft ihm zu der für nur 1,3 l Hubraum beachtlichen Leistungsblüte. Diese Technik kennen wir schon aus Corrado, Golf und Passat: Ein per Doppelkeilriemen direkt von der Kurbelwelle angetriebener Lader drückt die Ansaugluft mit 0,68 bar Überdruck in die Brennräume, ein Ladeluftkühler sorgt vorher für eine optimalere Dichte.

Renault, traditionell Verfechter der Turbo-Technologie, verzichtet beim nagelneuen Spitzenmodell der Clio-Baureihe vorerst auf jede Aufladung und setzt lieber auf Vierventiltechnik und Hubraum: Der bereits aus dem R19 16V bekannte Grauguss-Vierzylinder leistet auch im Renault Clio 16V 135 PS (99 kW) – Rekord unter Kleinwagen.

Der Renault Twingo im Video

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Video: AUTO ZEITUNG

Renault Clio 16V gegen VW Polo G40 Coupé

So ohne weiteres wollte der 1,8-l-Motor jedoch nicht unter die Clio-Haube: Der voluminöse Leichtmetall-Zylinderkopf mit in V-Form angeordneten Ventilen und integrierten, halbkugelförmigen Brennräumen forderte Tribut in Hutzenform.

Zum ausführlichen Spoilersatz gesellen sich noch ausgestellte Kotflügel, vorn aus flexiblem Noryl-Kunststoff. Der Polo gibt sich weniger kriegerisch: Ohne BBS-Leichtmetallfelgen, G40-Embleme und die Dachantenne würde er auch als 75-PS-GT (55 kW) durchgehen.

Was die Platzverhältnisse innen betrifft, kann der VW Polo G40 seinem modernen Widersacher nicht mehr das Wasser reichen. Der Renault Clio 16V bietet sieben Zentimeter mehr Innenbreite, drei Zentimeter mehr Kopffreiheit, und auch der 16 Zentimeter längere Innenraum schafft ein souveräneres Raumgefühl.

Ähnlich empfindet man es im Fond: Im Renault lässt es sich dank besserer Knie- und Ellenbogenfreiheit einen Hauch besser leben. VW ist berüchtigt für sparsame Serienausstattungen, der Polo macht da keine Ausnahme. So angenehme Goodies wie elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung oder Servolenkung – im Clio alles serienmäßig an Bord – gibt es für den G40 nicht einmal für extra Geld.

Der Clio gewinnt in Sachen Alltagstauglichkeit

Zu der Gattung der Lastesel gehört keiner der beiden flotten Flitzer: Egal, ob 200 (Clio) oder 202 l (Polo) real nutzbares Kofferraumvolumen – mehr als das Gepäck für die Reise zu zweit fassen beide nicht. Dafür lassen sich die Rücksitze geteilt umklappen, asymmetrisch im Renault, nur fifty-fifty im VW. Der Renault gewinnt das Kapitel "Karosserie und Innenraum" überlegen.

Sportliche Sitze sind in sportlichen Autos ein Muss – höhere Kurvengeschwindigkeiten verlangen eine entsprechend gute Seitenführung. Das straffe Gestühl beider Testkandidaten zeigt da kaum Schwächen. Die Schenkelauflagen passen, die Bedienung ist simpel. Im Clio stören nur die nicht hoch genug einstellbaren Kopfstützen.

Der Renault Clio 16V fahrend von vorne
Foto: AUTO ZEITUNG

Kämpfen Polo-Pilot:innen beim Einparken mit der schwergängigen Lenkung, können Clio-Chauffeur:innen nur grinsen: Dank Servounterstützung rinnt bei ihnen kein Schweiß. Dafür müssen sie wegen des 1,3 m größeren Wendekreises mehr kurbeln.

Auf der Autobahn lassen beide Federungen keine Bodenwelle unerwähnt, ohne aber auf das Niveau steinharter Tuning-Fahrwerke zu sinken. Deutlicher poltern sie bei langsamer Fahrt über Unebenheiten, der Polo noch unangenehmer als der Renault. Genug, um dem Clio auch das zweite Kapitel als Gewinner zu überlassen.

Der Polo bleibt trotz 22-PS-Defizit am Clio dran

Keine Frage, die Fahrleistungen spielen bei den kleinen Dampfhämmern natürlich eine übergeordnete Rolle. Die erste Überraschung: Der Renault Clio 16V kann aus seinem Leistungsplus von immerhin 22 PS (16 kW) keine Beschleunigungsvorteile ziehen. Beide durcheilen die 100-km/h-Marke aus dem Stand nach exakt neun Sekunden, bis Tempo 160 liegt der VW Polo G40 sogar hauchdünn um 0,7 Sekunden vorn.

Auch in der für den Alltagsbetrieb aussagekräftigeren Elastizität behält der G-ladene Niedersachse die Nase vorn: Im fünften Gang von 60 auf 160 km/h knöpft er seinem vierventiligen Konkurrenten glatt 5,9 s ab. Der Grund hierfür: Der 199 km/h schnelle Polo ist 170 kg leichter und verfügt, typisch Kompressormotor, über den besseren Durchzug aus niedrigen Drehzahlen.

Der VW Polo G40 fahrend von vorne
Foto: AUTO ZEITUNG

Zwar fehlen ihm mit 150 Newtonmeter acht Zähler auf den Clio, dafür erreicht er sein maximales Drehmoment schon bei 3600 statt bei 4250 Touren. Der 208 km/h schnelle Renault mag hohe Drehzahlen, will öfter geschaltet werden als der VW, der auch schaltfaule Fahrernaturen mit unverzüglicher Fortbewegung verwöhnt.

Das spiegelt sich natürlich im Durchschnittsverbrauch wider: 8,6 l unverbleites Superbenzin verbrennt der Polo alle 100 km. Der Clio braucht 1,2 l mehr. Damit behält der G40 im Kapitel "Motor, Getriebe, Fahrleistungen" die Nase vorn.

Hohes Niveau beim Fahrspaß, aber auch beim Preis

Das Handling der wieselflinken Fronttriebler macht enorm an: Geradezu gierig reagieren sie auf jeden Lenkbefehl, hetzen mit atemberaubenden Tempi um schnelle und langsame Ecken und vermitteln sportlich veranlagten Fahrernaturen tolle Erfolgserlebnisse. Dennoch ist Vorsicht geboten: Die Grenze zwischen Liegen und Fliegen ist schmal.

Der Renault Clio 16V bleibt etwas länger neutral als der Polo und schiebt auch etwas weniger über die Vorderräder. Unvorsichtige Lastwechsel wiederum können ein derbes Übersteuern auslösen, besonders beim VW Polo G40 so heftig, daß nur kleine Künstler:innen des Volants und des Gaspedals die Situation noch retten.

Die Slalomgasse entlarvt Fahrwerksschwächen des Polo: Das kurveninnere Vorderrad dreht hilflos durch, der G40 bekommt seine Kraft nicht zu Boden. Mit seinen 175/60 HR 13-Pneus ist der VW dem mit 15 Zoll hohen 185/55er-Gummis bestückten Clio deutlich unterlegen. Auch wenn der flotte Gallier serienmäßig ein Bosch-ABS besitzt, seine Bremsen sind deswegen noch lange nicht besser.

Trotz Trommelbremsen an der Hinterachse steht der G40 aus 100 km/h nach nur 34,7 m – ein toller Wert. Der Renault braucht zwei Wagenlängen mehr. Zwischen 25.690 (VW) und 29.120 Mark (Renault) kosten die beiden Raketen. Eine Menge Geld für Kleinwagen, egal, wie schnell sie auch sein mögen.

Fazit

Das Endergebnis kürt den Renault Clio 16V zum Sieger: Er zieht seine Vorteile aus der modernen Karosserie mit ihren großzügigeren Platzverhältnissen und dem besseren Fahrwerk, das aller sportlichen Härte zum Trotz einen Hauch mehr Komfort bietet und trotzdem die fahraktiven Disziplinen für sich entscheidet. Die Mehrleistung sichert dem Clio überraschenderweise außer bei der etwas höheren Höchstgeschwindigkeit keinen Vorsprung – zu gierig hängt der G40 am Gas. Der VW ist deutlich sparsamer, sowohl im Verbrauch als auch im Unterhalt. Spaß machen beide, der ausgewogenere Renault ebenso wie der sportlich kompromisslosere Volkswagen – würdige, wenn auch nicht billige Variationen der GTI-Idee von einst.

Technische Daten von Renault Clio 16V und VW Polo G40 Coupé

AUTO ZEITUNG 14/1991

Renault Clio 16V

VW Polo G40

Zylinder / Ventile pro Zylin.

4 / 4

4 / 2, Spirallader

Hubraum

1764 cm³

1272 cm³

Leistung

99 kW/135 PS bei 6500 U/min

83 kW/113 PS bei 6000 U/min

Max. Gesamtdrehmoment bei

158 Nm bei 4250 U/min

150 Nm bei 3600 U/min

Getriebe / Antrieb

5-Gang-Getriebe / Vorderrad

5-Gang-Getriebe / Vorderrad

L / B / H

3712 / 1641 / 1365 mm

3725 / 1570 / 1325 mm

Leergewicht

1000 kg

ca. 850 kg

Bauzeit

1991 – 1995

1991 – 1994

Stückzahl

k.A.

k.A.

Beschleunigung null auf 100 km/h

9,0 s (AZ 14/1991)

9,0 s (AZ 14/1991)

Höchstgeschwindigkeit

208 km/h (AZ 14/1991)

199 km/h (AZ 14/1991)

Verbrauch auf 100 km

9,8 l S (AZ 14/1991)

8,6 l S (AZ 14/1991)

Grundpreis (Jahr)

29.919 Mark (1991)

25.690 Mark (1991)