Erste Testfahrt im Mercedes S-Klasse Facelift: Unser Fazit
Mit der Mercedes S-Klasse dreht eines der bekanntesten Autos der Welt eine weitere Runde – das neueste Modell wurde dabei umfassend überarbeitet und frischt die Generation von 2020 deutlich auf. Erste Testfahrt!
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Mercedes S-Klasse Facelift: Das ist neu
Mit dem Mercedes S-Klasse Facelift haben die Schwaben ihr Luxusmodell umfangreich aufgefrischt. Wie bei einer Modellpflege üblich, bleiben viele Strukturelemente weitgehend unverändert. Dennoch erklärt Mercedes, dass mehr als 50 Prozent der Komponenten „neu entwickelt oder überarbeitet“ wurden.
Zum Facelift gehört unübersehbar eine optische Frischzellenkur: Der Kühlergrill wurde zum Beispiel um 20 Prozent vergrößert und mit unzähligen Sternen gefüllt. Sowohl Grill als auch Kühlerfigur werden nun zusätzlich beleuchtet. Neue Felgen, Farben und ein noch umfangreicheres „Manufaktur“-Programm für beinah grenzenlose Individualisierung sind ebenfalls verfügbar. Auch das Motorenangebot und der Innenraum wurden grundlegend überarbeitet.
Zu den neuen Technik-Highlights gehören unter anderem eine ausgefeiltere Hinterachslenkung und optional das System „E-Active Body Control“. Dabei handelt es sich um eine Fahrwerkstechnologie, bei der sich Autos untereinander Informationen über Straßenschäden mitteilen, sodass kommende Fahrzeuge sich darauf einstellen können.
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Erste Testfahrt mit gleich drei Motorisierungen
Wir sind bei unserer ersten Testfahrt gleich drei Motorvarianten gefahren: den S350d Diesel, den S500 und den S580 V8. Der S350d markiert den Einstieg in die Welt der Mercedes S-Klasse: ein Mildhybrid-Diesel mit 336 PS (247 kW), der die Luxuslimousine in 5,4 s auf 100 km/h beschleunigt und laut Werksangabe 6,4 l auf 100 km verbraucht. Am oberen Ende der Fahnenstange befinden sich der S500 mit seinem 449 PS (330 kW) starken Sechszylinder und der S580 mit 537 PS (395 kW) starkem V8-Biturbo.
Beim Fahrkomfort – und speziell beim Fahrwerk – zeigt die S-Klasse weiterhin ihre größten Stärken. Egal, für welchen Motor man sich entscheidet: Das Fahrwerk bietet eine Souveränität, wie sie fast kein anderes Auto erreicht. Alle S-Klasse-Modelle fahren serienmäßig mit Luftfederung und bieten ein erstaunlich gelassenes Fahrverhalten in jeder Situation: Von Hochgeschwindigkeit auf der Autobahn (wir erreichten laut Tacho 256 km/h und übertrafen damit die offizielle Begrenzung) bis zu sportlichem Fahren auf kurvigen Landstraßen.
Als besonders gelungen empfinden wir auch auch die Lenkung: Die Allradlenkung arbeitet mustergültig präzise, es gibt keine synthetischen Rückmeldungen oder Ruckler in engen Kurven und das Rangieren wird deutlich erleichtert. Ein weiteres Plus ist das angenehm straffe Pedalgefühl. Gas- und Bremspedal bieten einen Druckpunkt, den viele moderne Autos vermissen lassen – das vermittelt Vertrauen beim Fahren.
Die 2026er-S-Klasse bringt nichts aus der Ruhe
Das Automatikgetriebe schaltet meist sanft und unauffällig. Nur bei sehr plötzlichen Durchbeschleunigungen kann es kurz zu einem leichten Ruckeln kommen, wenn einer der neun Gänge gewählt wird. Den höchsten Gang erreicht man außerhalb Deutschlands (wir waren in Großbritannien unterwegs) kaum, dazu sind die landestypischen Tempolimits schlicht zu niedrig – der letzte Gang ist klar für die deutsche Autobahn gemacht.
Unabhängig vom gewählten Antrieb: Alle Motoren verhalten sich vorbildlich leise und laufruhig. Der Basisdiesel S350d brummt nur dann kernig, wenn er richtig gefordert wird, und überzeugt mit einer konstanten Drehmomentwelle. Der S500 Benziner ist besonders angenehm, bietet viel Kraft und einen feinen Klang. Für uns die attraktivste Antriebsvariante, vom Sparpotenzial der PHEVs mal abgesehen.
Unsere Testfahrt im neuen S580 mit V8 (Flat-Plane-Kurbelwelle) war eine spannende Kuriosität: Mercedes hat den Motor für Euro-7 angepasst und dabei versucht, den klassischen V8-Charakter zu erhalten. Das gelingt – aber das Aggregat fühlt sich subjektiv nicht viel stärker als der S500 an. Einen großen Dynamikunterschied spürt man nicht. Für den kommenden AMG S63 dürfte der V8 aber eine perfekte Basis sein.
Der MBUX-Superscreen ist vielleicht zu viel des Guten
Der Innenraum des Mercedes S-Klasse Facelift wird vom neuen MBUX Superscreen dominiert – und das ist für uns auch der größte Kritikpunkt. Das riesige Panel integriert Cockpit, zentrales Infotainment und ein Passagier-Display zu einer durchgehenden Glasfläche – erstmals gesehen in der aktuellen E-Klasse.
Das Mercedes-UX-Ingenieursteam hat die Software deutlich verbessert: Es gibt mehr Direktzugriffe, weniger Touch-Ebenen und schnellere Wege zu oft genutzten Funktionen. Trotzdem bleiben einige Einstellungen umständlich. Sprachsteuerung (MBUX) hilft, aber nicht alles lässt sich auch wirklich unkompliziert per Stimme steuern. Die MBUX-Sprachbedienung bleibt trotzdem eine der besten am Markt.
Kritik bleibt trotzdem: Das System zieht Fingerabdrücke magisch an und die riesige schwarze Fläche wirkt – gerade in einem Luxusauto – ziemlich gewöhnungsbedürftig. BMW integriert eine ähnlich moderne Technik sichtbar geschickter. Auch die Materialqualität im 7er-BMW wirkt an vielen Stellen noch hochwertiger. Zwar ist das Innenambiente der S-Klasse generell sehr gut, doch Details wie die hochglänzenden Sitzversteller oder Lenkradtasten vermitteln während der ersten Testfahrt nicht die gleiche Hochwertigkeit wie beim bayerischen Konkurrenten.
Wer im Fond reist, kann die S-Klasse vom luxuriösen Taxi zum rollenden Konferenzzimmer konfigurieren. Serienmäßig gibt es reichlich Beinfreiheit, bequeme Sitze samt klappbarer Mittelarmlehne und Cupholdern. Mit dem „First Class“-Paket wird die S-Klasse zum Viersitzer samt edler Mittelkonsole, Tablethalter und weiteren Annehmlichkeiten. Das High-End-Entertainment-Paket bringt zwei Displays mit Media- und Produktivitäts-Apps, sogar Microsoft Teams für Videokonferenzen ist an Bord – das macht klar, dass nichts mehr tabu für Business-Software ist.
Fazit
Nicht falsch verstehen: Die S-Klasse bleibt ein beeindruckend komfortables und kultiviertes Reisefahrzeug. Gerade die aktuellen Sechszylinder laufen seidenweich, das Fahrwerk ist nach wie vor mustergültig – genau so soll eine große Luxuslimousine sein. Aber der Hang zu Opulenz und Technik wirkt beim Facelift übertrieben. Manches Material im Innenraum überzeugt nicht mehr auf Top-Niveau, das riesige Superscreen-Display zieht Fingerabdrücke magisch an und wirkt wenig edel. Die S-Klasse bleibt ein hochklassiges Auto, aber manche Entscheidungen am Facelift kratzen zunehmend an ihrem ureigenen, luxuriösen Kern.





















