Fahrbericht

Raffinierter Italo-Gentleman: Erste Testfahrt im Ferrari Amalfi

Ferrari serviert mit dem Amalfi keinen harten Ristretto, sondern einen perfekt ausbalancierten Espresso. 640 würzige PS (471 kW) und ein überraschender Komfort machen ihn zum raffinierten Gentleman unter den Sportwagen. Erste Testfahrt!

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Ein Ferrari für Anfänger:innen

Die erste (Test-)Fahrt in einem Ferrari bleibt – ähnlich wie der erste wirklich gute Espresso – für immer im Gedächtnis. Ein Moment, der Erwartungen weckt, Respekt einflößt und gleichzeitig Neugier schürt. Umso angenehmer, dass Ferrari für diesen Einstieg nicht gleich die dunkelste, aggressivste Röstung serviert. Der neue Ferrari Amalfi versteht sich eher als ausgewogene Mischung: als ein aufmunternder Kick, der wach macht, ohne den Gaumen – oder das Nervenkostüm – zu überfordern. Mit „nur“ 640 PS (471 kW) positioniert sich der Amalfi als Gentleman unter den italienischen Sportwagen. Ein perfekter Einstieg für Ferrari-Neulinge, aber keineswegs ein Verzichtsmodell.

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Ferrari Amalfi in der Lackfarbe Verde Costiera, inspiriert von den Lichtreflexionen des Meeres an der Amalfiküste.
Die Lackfarbe Verde Costiera, inspiriert vom Lichtspiel des Meeres entlang der Amalfiküste, leuchtet in der Sonne blaugrün. Foto: Ferarri
Heckansicht des Ferrari Amalfi mit schlanken Rückleuchten und neu gestaltetem Diffusor.
Im Vergleich zum Roma sind die Rückleuchten des Amalfi schlanker, zudem wurde der Diffusor neu gestaltet. Foto: Ferarri
Motorraum des Ferrari Amalfi mit 3,9‑Liter V8-Biturbomotor, 640 PS und 760 Nm, Antrieb direkt auf die Hinterachse.
Im Motorraum arbeitet ein 3,9‑l-V8 mit Turboaufladung. Er leistet 640 PS (471 kW) und liefert 760 Nm Drehmoment an die Hinterachse. Foto: Ferarri
Ferrari Amalfi auf der Landstraße, der Komfort und typische Sportwageneigenschaften vereint.
Das Fahrwerk kombiniert überraschenden Komfort mit bissigem Kurvenverhalten. Foto: Ferarri
Ferrari Amalfi in Kurvenfahrt, MagneRide-Fahrwerk und direkte Lenkung sorgen für präzises, kontrolliertes Fahrverhalten.
Das magnetfeldgesteuerte MagneRide-Fahrwerk und die direkte Lenkung verwandeln jede Kurve in reinen Fahrgenuss Foto: Ferarri
Innenansicht des Ferrari Amalfi mit optionalen Komfortsitzen in Wagenfarbe.
Das Cockpit des Amalfi wirkt dank Alcantara, Leder, Carbon und Aluminium besonders edel. Die optionalen Komfortsitze sind hier in Wagenfarbe ausgeführt. Foto: Ferarri
Das Carbonlenkrad des Ferrari Amalfi mit physischen Tasten und traditionellem Startknopf, ohne Touch-Bedienelemente.
Das Carbonlenkrad kehrt zu physischen Tasten und dem traditionellen Startknopf zurück und verzichtet auf Touch-Elemente. Foto: Ferarri
Der Kofferraum fasst 273 Liter. Für sperriges Gepäck, etwa Golfbags, lässt sich zusätzlich die Rückbank umklappen.
Der Kofferraum fasst 273 l. Die Rückbank lässt sich zudem umklappen, um sperriges Gepäck wie Golfbags zu verstauen. Foto: Ferarri
Ferrari Amalfi in Seitenansicht, sportliche Coupé-Silhouette.
Die reduzierte Coupé-Form endet vorn in einem markant haifischinspirierten Abschluss Foto: Ferarri

Rückkehr zur klassischen Bedienkultur

Wer den Ferrari Roma (hier im Fahrbericht) übersprungen hat, darf sich zudem freuen: Der Amalfi ist dessen Nachfolger und verabschiedet sich wieder von den teils umstrittenen Touch-Flächen am Lenkrad. Stattdessen gibt es den vertrauten Startknopf und echte Tasten – eine Rückkehr zur klassischen Bedienkultur. Anfangs irritieren noch die Blinker-Tasten am Lenkrad. Diese entpuppen sich jedoch schnell als intuitive Alternative zum herkömmlichen Hebel.

Die Lackfarbe Verde Costiera, inspiriert von den Lichtreflexionen des Meeres entlang der Amalfiküste, schimmert blaugrün in der Sonne. Zwar befinden wir uns nicht an Italiens berühmtester Uferstraße, doch auch an Portugals Atlantikküste kommt dieser Farbton ausgezeichnet zur Geltung. Die Kulisse für die erste Testfahrt ist gesetzt – Zeit für der Koffeinkick. Ein Druck auf den rot schimmernden Aluminiumknopf, und die Maschine erwacht zum Leben.

Das Mahlwerk wurde verfeinert

Das V8-Mahlwerk beginnt seine Arbeit mit einem unverkennbaren Klangbild. Für einen exzellenten Kaffee ist vor allem eines entscheidend: der richtige Druck. Darum kümmern sich zwei kompakte Twin-Scroll-Turbolader, die nicht im heißen V sitzen, sondern unter den Zylinderbänken verborgen sind. Neu kalibriert, besser geschmiert und mit bis zu 6000 Touren höherer Drehzahl als beim Roma sorgt der Twinturbo-Barista für 20 zusätzliche PS und eine besonders gleichmäßige Leistungsentfaltung.

Doch wie bei einer hochwertigen Siebträgermaschine gilt auch hier: erst aufheizen, dann genießen. Im Comfort-Modus, eingestellt über den Manettino-Schalter am Lenkrad, zeigt sich der Amalfi von einer überraschend sanften Seite. Die optionalen Komfortsitze und das MagneRide-Fahrwerk – mit Eisenpartikeln angereicherte Flüssigkeit, deren Dämpfungscharakteristik per Magnetfeld angepasst wird – filtern bei unserer ersten Testfahrt Unebenheiten souverän heraus. Die Maschine nimmt in dieser Einstellung bewusst etwas Leistung zurück, das Gaspedal reagiert entspannter. Gerade in Kurven ist das spürbar – und sinnvoll. Bei einem derart potenten Hinterradantrieb kann sonst schnell etwas über die Tasse schwappen.

Im Sport- oder gar Race-Modus ändert sich der Charakter schlagartig. Der Bordcomputer warnt nicht ohne Grund vor kalten Reifen. Der Amalfi wird spürbar wacher, fordernder, ja beinahe ungeduldig. Wer jetzt zu grob an der Brühvorrichtung arbeitet, riskiert, sich zu verbrennen. 760 Nm Drehmoment arbeiten nun ungehindert an der Hinterachse.

Unverfälschter Genuss

Den größten Genuss liefert der Amalfi, wenn man selbst Hand anlegt: Die großen Carbon-Schaltwippen des Achtgang-Doppelkupplungsgetriebes laden dazu ein, die Gänge eigenhändig zu sortieren. Die Gangwechsel erfolgen nun sanfter ohne das brachiale Rucken, das manch anderer Sportwagen kultiviert. Das volle Aroma entfaltet sich bei 7500 Touren, der rote Bereich beginnt bei 7600. Die Zahlen beeindrucken: null auf 100 km/h in 3,3 s, 200 km/h folgen in einer Zeit, in der andere Renner noch mit der ersten Portion Milchschaum beschäftigt sind. Doch richtig spannend wird es abseits der Geraden auf den bergigen Straßen Portugals.

Sobald die Reifen ihre Wohlfühltemperatur erreicht haben, fließt der neue Ferrari Amalfi durch die Kurven wie heißer Espresso durch eine Kugel Vanilleeis. Die messerscharfe, extrem direkte Lenkung trägt maßgeblich dazu bei: Selbst schnelle Richtungswechsel meistert das Fahrwerk mit stoischer Ruhe. In Kombination mit der Goodyear-Eagle-F1-Bereifung ergibt sich bei der ersten Testfahrt ein ausgewogenes Gesamtbild. Mit derselben Vehemenz, mit der der Amalfi beschleunigt, bremst er auch. Trotz der Entkopplung von der Fahrbahn durch Brake-by-Wire bleibt das Pedalgefühl stimmig, und der Bremswert ist beachtlich: unter 31 m!

Fazit

Der Ferrari Amalfi ist wie ein perfekt aus balancierter Espresso – elegant serviert, fein abgestimmt und mit ordentlich Koffein unter der Crema. Er gibt sich kultiviert, beinahe zurückhaltend, solange man ihn lässt. Doch wer tiefer kostet, merkt schnell, wie viel Kraft und Präzision unter der Oberfläche des Ferrari schlummern.

Technische Daten des Ferrari Amalfi

AUTO ZEITUNG 01/2026

Ferrari Amalfi

Technische Daten

Motor

3,9-l-V8-Twinturbo

Antrieb

Hinterradantrieb

Leistung

471 kW / 640 PS

Max. Drehmoment

760 Nm

Karosserie

Außenmaße (L / B / H)

4660 / 1974 / 1301 mm

Leergewicht

1470 kg

Kofferraumvolumen

273 l

Fahrleistungen

Beschleunigung (0 – 100 km/h)

3,3 s

Höchstgeschwindigkeit

320 km/h

Verbrauch auf 100 km (WLTP)

11,3 l

Kaufinformationen

Grundpreis

240.000 €

Marktstart

Frühjahr 2026

Alle Daten Werksangaben