Vorstellung

Ferrari Conciso: Ein Sportler aus einer weit entfernten Galaxis

Für viele Fans hat Ferrari mit dem jüngst vorgestellten Luce bewiesen, dass selbst die Männer aus Maranello gelegentlich danebenzeichnen können. Der Ferrari Concisco wirkt hingegen so, als hätte Jar Jar Binks nach einer durchzechten Nacht auf Naboo beschlossen, Karosseriedesign zu studieren.

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Ferrari Conciso Concept statisch von schräg vorne fotografiert.
1993 bekam die Welt einen auf Basis eines 328 GTS bauenden Ferrari, der aussah wie eine Kreuzung aus Le-Mans-Prototyp, Speedboat und einem Gungan aus einer weit, weit entfernten Galaxis. Foto: RM Sotheby's
Ferrari Conciso Concept statisch von der Seite fotografiert.
Designer Bernd Michalak griff beherzt zur Flex. Türen verschwanden vollständig. Das Dach gleich mit. Die Windschutzscheibe wurde auf eine Höhe reduziert, bei der selbst Motorradfahrer:innen Mitleid bekommen könnten. Foto: RM Sotheby's
Ferrari Conciso Concept statisch von hinten fotografiert.
Die komplett neu angefertigte Aluminiumkarosserie entstand bei Bachelli & Villa in Italien und erinnerte entfernt an historische Barchettas. Foto: RM Sotheby's
Das Cockpit des Ferrari Conciso Concept.
Beim Einsteigen mussten Fahrer:in und Beifahrer:in über die hohen Seitenschweller klettern. Als Belohnung warteten Rennhelme, die direkt neben den Sitzen in speziellen Fächern untergebracht sind. Foto: RM Sotheby's
Der Motor des Ferrari Conciso Concept.
Der 3,2-l-V8 durfte bleiben, musste nun aber nur noch 890 kg bewegen. Der Sprint auf 100 km/h gelang in rund fünf Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit lag bei über 270 km/h. Foto: RM Sotheby's

Ferrari Conciso: Ein Sportwagen aus einer weit, weit entfernten Galaxis

Es wäre unfair, dieses Einzelstück aus dem Jahr 1993 vorschnell als Designunfall abzustempeln. Schließlich steckt hinter dem Ferrari Conciso nicht etwa eine Marketingabteilung auf der Suche nach dem nächsten Lifestyle-SUV, sondern die kompromisslose Vision eines Mannes, der Sportwagen liebte wie andere Menschen Sauerstoff.

Während Ferrari Anfang der 1990er mit dem 348 und später dem F355 versuchte, die Sportwagenwelt zu beeindrucken, verfolgte der deutsche Designer Bernd Michalak einen ganz anderen Ansatz. Gemeinsam mit seiner Frau Jutta hatte er bereits 1979 Michalak Design gegründet und sich über die Jahre mit allerlei Sonderumbauten und Zubehörteilen einen Namen gemacht. Besonders Ferrari-Fahrer:innen schätzten seine Lösungen, wie etwa das deutlich alltagstauglichere Stoffverdeck für den Ferrari 550 Barchetta. Doch Michalak wollte mehr als Zubehör entwickeln. Er wollte seine Vorstellung des perfekten Sportwagens verwirklichen.

Der Ferrari Luce im Check (Video)

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Video: AUTO ZEITUNG

Ein Ferrari 328 GTS wird konzis

Als Basis diente ein Ferrari 328 GTS, jener letzte V8-Ferrari der klassischen Ära mit quer eingebautem Achtzylinder und den berühmten Klappscheinwerfern. Statt die Linien des Serienwagens zu verfeinern, entfernte Michalak jedoch praktisch alles, was nicht zwingend für das Fahren erforderlich war. Der Name war Programm: „Conciso“ bedeutet übersetzt so viel wie „prägnant“ oder eben „konzis“.

Wo gewöhnliche Automobilentwickelnde zusätzliche Komfortfunktionen einbauen, griff Michalak beherzt zur Flex. Türen verschwanden vollständig. Das Dach gleich mit. Die Windschutzscheibe wurde auf eine Höhe reduziert, bei der selbst Motorradfahrer:innen Mitleid bekommen könnten.

Die komplett neu angefertigte Aluminiumkarosserie entstand bei Bachelli & Villa in Italien und erinnerte entfernt an historische Barchettas, Rennwagen der fünfziger Jahre und möglicherweise an einige Meeresbewohner, die bislang noch nicht wissenschaftlich katalogisiert wurden.

Performance war wichtiger als Ästhetik

Besonders die Front polarisiert. Die weit auseinanderliegenden Scheinwerfer sitzen auf den geschwungenen Kotflügeln wie riesige Augen auf einem amphibischen Wesen. Je länger man den Conciso betrachtet, desto schwerer fällt es, die Assoziation mit Jar Jar Binks zu verdrängen. Es ist, als hätte George Lucas heimlich eine Designstudie für Ferrari gezeichnet und niemand hätte sich getraut, ihm zu widersprechen.

Der Unterschied zum Luce besteht allerdings darin, dass der Conciso seine Eigenwilligkeit mit ehrlicher Radikalität rechtfertigt. Wo der moderne Ferrari zuletzt vielerorts Diskussionen über Proportionen und Identität auslöste, wollte der Conciso nie gefallen. Er wollte schnell sein.

Ferrari Conciso Concept statisch von schräg vorne fotografiert.
Foto: RM Sotheby's

Tatsächlich brachte die Transformation beeindruckende Ergebnisse. Gegenüber dem serienmäßigen Ferrari 328 GTS verlor der Conciso rund 30 Prozent seines Gewichts. Mit lediglich 890 kg Leergewicht wirkt der Wagen heute fast surreal. Moderne Kompaktsportler schleppen teilweise das Doppelte mit sich herum. Entsprechend lebhaft fiel die Performance aus. Der bekannte 3,2-l-V8 durfte bleiben, musste nun aber deutlich weniger Masse bewegen. Der Sprint auf 100 km/h gelang in rund fünf Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit lag bei über 270 km/h.

Mini-Windschutzscheibe und Rennhelme

Man muss sich das kurz vorstellen: Ein offener Ferrari ohne Türen, mit Mini-Windschutzscheibe und einem Leistungsgewicht, das selbst heute noch Respekt einflößt. Das Ganze klingt weniger nach einem Straßenfahrzeug als nach einer Mutprobe für Menschen mit besonders guter Lebensversicherung.

Beim Einsteigen mussten Fahrer:in und Beifahrer:in über die hohen Seitenschweller klettern. Als Belohnung warteten Rennhelme, die direkt neben den Sitzen in speziellen Fächern untergebracht waren, ein subtiler Hinweis darauf, dass man diese Kopfbedeckung vielleicht besser nicht im Kofferraum lassen sollte.

Das Cockpit des Ferrari Conciso Concept.
Foto: RM Sotheby's

Sein öffentliches Debüt feierte der Conciso auf der IAA 1993 in Frankfurt, ehe er 1994 auch auf dem Genfer Autosalon für Aufsehen sorgte. Die Fachwelt war begeistert. Beim Eurosign Design Award erreichte das Fahrzeug sogar den zweiten Platz. Trotz der positiven Resonanz blieb es allerdings bei einem Einzelstück. Vielleicht war die Welt einfach noch nicht bereit für einen Ferrari, der aussah wie eine Kreuzung aus Le-Mans-Prototyp, Speedboat und einem Gungan aus einer weit, weit entfernten Galaxis.

Fazit

Schönheit liegt bekanntlich im Auge des Betrachters. Ob der Conciso schön ist, darüber werden sich Ferraristi vermutlich noch in dreißig Jahren streiten. Dass er unvergesslich ist, steht hingegen außer Frage. Und das ist mehr, als man von vielen deutlich hübscheren Ferraris behaupten kann.