Leichenwagen-Museum: Wo Oldtimer ein zweites Leben finden
Wie, zur Hölle, nähert man sich dem Thema Tod? Wohl am besten mit einer gehörigen Portion schwarzen Humors und auf 185 R14-Bereifung, wahlweise auf Alu-Felge oder mit Chrom-Radkappe, je nach Alter der im Leichenwagen-Museum von Randolf Stock ruhenden Bestattungsfahrzeuge. Diese handelt er seit über 40 Jahren – und gewährt ihnen so ein zweites Leben.
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Oldtimer-Leichenwagen: Die irre Sammlung des Randolf Stock
Hier drin musst du dich warm anziehen: Die Halle etwas zugig, zudem etwas schummrig, weil die Beleuchtung und Elektrik vom Vorbesitzer demontiert, die Heizung wohl etwas zu kostspielig. Dazu das Warten auf den Dachdecker – hier und jetzt im Diesseits verkünden in Eimer platschende Wassertropfen vom Verrinnen der Zeit. Und von Vergänglichkeit. Mittendrin steht Frankenstein, und an diesen lässig gelehnt Hausherr Randolf Stock. „Randy!“, sagt er zum durchaus warmen Händedruck unter dem Irokesen-artig aufstrebendem Haupthaar. Alles klar. Also – fast alles ...
Frankenstein ist, wissen wir seit Mary Shelleys Roman von 1818, kein Mensch, sondern eine Maschine. Wenn auch eine mit einer Seele. Womit wir im Prinzip schon bei der unsterblichen Liebe zum Automobil wären. Entsprechend gibt es Frankenstein daher auch in der Ausführung W-Eins-Zwo-Null von Pollmann, umgebaut 1961 mit viel düster-schwarzem Lack, ins Glas geätztem Trauer-Farn, Chromzierrat, geflügelter Hecktür und – zwecks Bodenhaftung – Göppinger DIN-Kennzeichen. Ins Gesicht hineinoperiert haben sie Gottliebs Daimler die Augen der Großen Flosse W111. Sieht tatsächlich ein wenig gruselig aus, doch welcher Mensch erlebt all seine Jahre ohne chirurgische oder kosmetische Eingriffe und steht – oder besser: liegt – am Ende noch im Originalzustand da? Na, siehste. „Rapp-Rapp-Rapp-Rapp-Rakedi-Rak-Rak-Rak!“ erwacht der Zweiliter-OM-621-Diesel nach ordentlich Einheizen, pardon, Vorglühen aus dem ewigen Schlaf. Uhhh. Ein echter Grobstaubmotoriker, der sich schüttelnd erst einmal einiger Rostpartikel entledigt. Aber löppet. Und hat überlebt. Randy sei Dank.
Der Mercedes 560 SEC im Fahrbericht (Video)

„Für Pollmann sind die hübschen Aluminium-Brillen an den B-Säulen charakteristisch“, sagt der hoch aufgeschossene Typ mit dem lässigen Lederhosen- und Holzfällerhemd-Outfit und streicht behutsam über das soeben gerühmte Bauteil am W120. Der Mann hat ein, nun ja, pathologisches Interesse an Leichenwagen. Er sammelt Exoten, wie er selber einer ist. Entfacht hat bei ihm das Feuer der Begeisterung für Schwarzfahrer-Karren der Kultfilm „Harold and Maude“. Müssen wir hier nicht erklären. Wollen wir auch nicht, schaut ihn euch selbst an.
Danach gibt es keine Fragen mehr. Vor über 40 Jahren war das. „Das war die Initialzündung“, sagt Randy Stock und zündet sich eine dicke Selbstgedrehte an. „Ein Leichenwagen war damals zugleich die günstigste Art, einen Exoten zu fahren – vom Einstandspreis über die Versicherung bis hin zur Steuer“, grinst er. „Und dann sind die Dinger ja auch noch so praktisch!“
Leichenwagen: Vergänglichkeit schließt Blech und Technik mit ein
Die hier in trauter Kühle versammelten bereiften Zeitzeugen transportieren also erstens persönliche Erinnerungen und Vibes – und gleichzeitig eine allgemeine morbide Fracht: die Mahnung an die Vergänglichkeit alles Irdischen, wozu Menschen, aber eben auch Blech und Mechanik gehören. Entsprechend sieht man ihnen auch die Spuren des Vergehens (und damit auch des Lebens) an: Knarzende Scharniere treffen auf angelaufenen Chrom, Formen, Farben und Fertigungstechniken berichten von unterschiedlichen Epochen. Hier, im fletschenden Chrommaul-Admiral A, herrscht Holzklasse im Heck, wahrscheinlich ist es sogar nur schnöde bedrucktes Resopal. Vorn dagegen regiert die wogende US-Üppigkeit des einstigen Opel-Flaggschiffs. Auch Holzklasse, aber dafür edel mit Chrom und filigranen Details als Ziermaterial im wohnlichen Fahr-Abteil inklusive kuscheliger Polstersitze.
Nur, hm – der Blick fällt auf die in Glanzmetall und Holzfolie ausgeführte Schalthebel-Konsole: Warum muss hier manuell geschaltet werden? Rührende Szenen spielen sich doch nun wahrhaftig ausreichend im natürlichen Habitat des Bestatter-Admirals ab? Warum also keine bequem-ruckfrei agierende GM-Hydramatic? Die Antwort hierauf wird uns der einstige Neuwagenbe-steller wohl nicht mehr geben können. Trotz imaginierten Viergang-Geruckels der Gedanke: Im Tod fährt der Chef hinten unbequemer als sein Chauffeur – verkehrte, endlich mal gerechte Welt! Stock lässt behutsam die Heckklappe mit der beeindruckend riesigen Scheibe aus gebogenem Glas hochschwingen, klappt danach den unteren Teil (à la Range Rover) nach unten, fährt die Konturen der Konstruktion langsam mit den Händen nach. „Die schönsten Hecks haben schon immer die Karosseriewerke Rappold entworfen.“
Sämtliche Leichenwagen des Museums stehen zum Verkauf
Stimmt, neben Pollmann in Bremen war Rappold aus Wülfrath seit 1948 laut einer Eigenwerbung versiert in der „Konstruktion und Fertigung von Spezialfahrzeugen in den Bereichen Rennsport, Bestattung und Sonderfahrzeuge“. Von der Liebe zur besonderen Form zeugt dann auch der direkte Nachfahre auf Basis eines Opel Admiral B von 1966. „Wie beim Mercedes Ponton hält man eine Restaurierung für angebracht und notwendig“, verfällt Stock scheinbar in die einst vornehme dritte Person – doch das täuscht: „Ich bin kein Technik-Experte, daher höre ich auf das Urteil von Fachleuten. Bei vielen meiner Ausstellungsstücke habe ich noch nie die Motorhaube geöffnet ...“ Im Fall des erwähnten Admiral A muss er das auch nicht, steht dessen große Klappe doch aufgrund von Unstimmigkeiten am Haubenzug permanent ein wenig offen.
Dass sich Stock ausschließlich über die Form und den Charakter seinen bereiften Reliquien nähert, hat ihn bisher nie gestört, geschweige hat es ihm geschadet. Auch nicht geschäftlich, denn schon bald nach seiner persönlichen Erweckung in Sachen Leichenwagen kam ein wirtschaftlicher Aspekt hinzu: der des Handels. „Das war damals einfach und entspannt“, erinnert sich Stock. „Ich baute gute Kontakte sowohl zu Herstellern als auch zu Bestattungsinstituten auf, die mich regelmäßig über günstig zu erwerbende Inzahlungnahmen oder im Abgang befindliche Spezialkombis informierten.“ Dass es damals noch kein Internet mit Überangebot und Vergleichsmöglichkeiten gegeben habe, sei ein weiterer Pluspunkt gewesen: „Du hast im Anzeigenblättchen inseriert, und am Wochenende stand die Kundschaft mit roten Kennzeichen unterm Arm auf dem Hof und hat gekauft.“ Selbst heute, wo es längst schwieriger geworden und der Run auf Leichenwagen etwas abgekühlt ist, sind sämtliche Exponate in Stocks Museum käuflich.

Echte Exoten stehen hier, aber auch kreuzbrav gestrickte Morbid-Mobile. Da hätten wir zum Beispiel einen Ford Granada II Turnier. Noch bis 2023 versah er bei einer kleinen Gemeinde seinen treuen Dienst. Mit seinem frugalen 1,7-l-Vierzylinder und 72 PS (53 kW) zieht er zwar keinen toten Hering vom Teller, aber durchaus den Bürgermeister termintreu zur letzten Messe. Das Dach ist lediglich in Vinyloptik lackiert, der hintere Überhang um etwa 30 cm verlängert, beides fällt erst auf den zweiten Blick auf. Die Fondtüren sind, anders als bei anderen Leichenwagen, vollständig funktionsfähig und entsprechen wie die Heckklappe dem Serienstandard. Öffnet man Letztere, erblickt man direkt neben dem liegenden Passagier ein stehendes Reserverad – ähnlich konstruiert wie im alten Jeep Cherokee.
V8, 380 PS: Highway to Hell ohne Speedlimit
Einen Cherokee gibts hier zwar nicht, dafür aber einen urigen Mitsubishi L 300 und einen einstmals schwebenden Citroën XM Break – Sterben wie Gott in Frankreich! Dazu gesellen sich verschiedene Volvo-Bestattungswagen auf Basis von 965, V70 I und V70 II. Nicht fehlen dürfen natürlich die Amis, die wir automatisch vor dem geistigen Auge haben. Sei es der 1993er Cadillac Fleetwood Hearse mit sanft klackender Automatik und sänftenartigem Vortrieb, der aus Spanien immigrierte Bestatter auf Basis eines 1992er Lincoln Town Car oder der 1990er Oldsmobile Custom Cruiser – Fassade und Plüsch regieren so ungehemmt wie bei den Serien-Brüdern in Limousinenform. Und natürlich der Chevy Impala mit 7,4-l-V8 nebst Spezial-Auspuffanlage, den Stock 30 Jahre lang besessen hat. „Da ist Aufmerksamkeit garantiert“, schmunzelt der passionierte Schwarzfahrer, „aber schließlich möchte man die Kraft des Motors ja auch hören ...“
Funeral Cars aus Spanien – Stocks Kontaktmann dort trägt tatsächlich den Vornamen Jesús – sowie in Holland die Firmen Huiskamp und Derks seien die letzten verbliebenen Hersteller, die noch gezielt bei Stock anriefen. „So kamen etwa das Lincoln Town Car, der 740er Volvo und der 124er Mercedes mit der E-Klasse-Front aus Spanien zu mir, der 94er De Ville und ein V70 von meinen Kontaktleuten Rob und Jaap aus den Niederlanden. Kurze Wege.“ Die deutschen Hersteller? Seien entweder abgewickelt oder hätten ihre Prioritäten beim Thema Alt-Auto-Verwertung anders gesetzt.

Mercedes, eben bereits erwähnt, findet natürlich in der Stock-Kollektion ebenfalls statt. Ihr guter Stern auf allen Reisen, auch auf der letzten. Neben bürgerlichen W123- und 124-Vertretern fällt die relativ hohe Dichte von mondänen S-Klassen der Baureihen W108, W116 sowie W126 auf. „Das war bereits damals die Sonderklasse, gerade unter den Bestattungswagen“, weiß Randolf „Randy“ Stock, der ursprünglich gelernter Raumausstatter ist und einst im Hause Rappold zu tun hatte. „Werkstattmeister Puck hat mir damals meinen ersten eigenen Leichenwagen verkauft, ebenfalls einen Mercedes W108. Der Beginn einer Leidenschaft!“ Doch von wegen „Früher war alles besser“: Während aktuell Leichenwagen nicht selten von Liebhabern umfassend restauriert werden, fand Stocks Hundertachter sein Ende wahrhaftig auf einem Auto-Rodeo, in dessen Rahmen er den Sonderkombi – man verzeihe das unausweichliche Wortspiel – buchstäblich zu Tode ritt.
Das Leichenwagen-Dekor geht mit den Jahren
Apropos „Außenwirkung“: Was sagen eigentlich die Nachbarn, wenn Stock in seinem Fleetwood Superior vom Supermarkt kommend vorm Eigenheim parkt?“ Stock zieht an seiner Selbstgedrehten und winkt ab: „Daran gewöhnen sich die Leute. Nach ein paar Tagen heißt es: ‚Ah, da kommt der Spinner mit seinem Leichenwagen...‘ “ Bewusst verzichte er auf die gängige Über-Deko und das Kokettieren mit dem Morbiden. „Ich brauche weder einen Sarg im Laderaum noch ein Skelett auf dem Beifahrersitz – das Auto an sich wirkt auf mich, seine Gestaltung, seine Bewegung.“
Auch denke er nach über 40 Jahren des täglichen Spezialkombi-Gebrauchs darüber nicht mehr nach: „Was bleibt, ist ein interessanter Wagen.“ Und davon gibt es hier genügend – und dazu genügend Zeit, alle Details in Ruhe zu entdecken und sich anzusehen. Da sind zum Beispiel die halbierte Fondtüren, nichts für Aussteiger. An einem alten Bauernhaus würde man sie „Klöntüren“ nennen, weil sie zur spontanen Kommunikation mit vorbeigehenden Nachbarn einladen. Nun, das fällt hier wohl aus, denn wie Anästhesist:innen und Patholog:innen sprechen Bestatter selten mit ihrer Kundschaft. Immerhin laden sie diese zum Schluss nochmal ein.

Klar ablesbar ist im Museum des Herrn Stock auch die Veränderung des Leichenwagen-Dekorums über die Jahrzehnte hinweg: Vom hinterleuchteten mahnenden Kreuz auf dem Wagendach über unerbittlich streng geraffte Gardinen, aus denen man garantiert keinen letzten Blick auf die vorbeihuschende Landschaft erhaschen kann, geht die Reise über klinisch rein wirkende Riffel-Aluminium-Ausbauten bis zur großzügigen Verwendung von Glas im Ladeabteil. Der Volvo 940 und der „neumodische“ Audi A6 hier haben bereits eine Dachrandverglasung.
Beim skurrilen W124 mit angesetzter W210-Front sind die Flanken sogar komplett von Blech befreit. Bevor man sich also die Radieschen von unten betrachtet, schaut man nochmal mit glasigem Blick in den Himmel, in den man zu gelangen hofft. Mit ein wenig Glück war man unschuldig und ist lediglich schnöde an den Rußpartikeln des 180 D Ponton verblichen. Ja, ja, ich weiß: die Pietät. Aber du musst hier einfach mit Humor ran, aus vollem Tintenrohr ballern. Helles Lachen ist angesagt, denn im letzten Laderaum ist es schließlich dumpf und dunkel genug.
Cadillac-Umbau mit buddhistischem Tempel
Völlig kirre macht dich der 1994er Cadillac de Ville, den man erst zum Pick-up umschneiderte, um anschließend einen halben buddhistischen Tempel auf ihm landen zu lassen – Finale Grande ... „Der ist auf dem Umweg aus Großbritannien zu mir gekommen, nachdem ich mir drei Jahre lang im englischen ‚Dark-net‘ für schwarze Autos die Augen wund gesehen hatte – bis der Preis endlich stimmte.“ Nur blöd, dass in der Zwischenzeit etwas namens Brexit passiert war und der Transport des Tempels des Todes nochmal den halben Kaufpreis des Autos on top verschlang.
Dann wäre da noch ein nicht weniger „ausgefallener“ Mercedes 500 SEL der Baureihe W221, Marke „Tod und Technik“, wie das Verkaufsschild posaunt. Auf Ästhet:innen wirkt dieser Japan-Umbau im Stil eines Gotham-City-Landaulets allerdings wie Augenpulver. Besonderes Kennzeichen: AT–OM 500. Satte 380 PS (279 kW) katapultieren dich damit, so die Elektronik nicht früh verstirbt, zuverlässig durch sämtliche Fegefeuer der Eitelkeiten. Muss man mögen. Eher schielen wir da auf den klassischen 280 SE W126 mit dem Kennzeichen AT–OM 83.

Geschichten des Lebens, die der Leichenwagen schreibt
Randy Stock zündet seine schon wieder ausgegangene Selbstgedrehte an und erzählt davon, dass er selbst in den vergangenen sechs Monaten dem Tod zwei Mal von der Schippe gesprungen sei. Dass seine Mutter bis kurz vor ihrem Tod regelmäßig mit ihm in seinen Leichenwagen mitgefahren sei und am Ende noch einmal. In einem von Stock zu diesem Zweck eigens organisierten Cadillac, bei dessen Anblick die Beschäftigten im Krematorium schüchtern fragten, ob sie denn mal den Motor sehen dürften. „Ich hab’ auch mehrere Freunde damit weggefahren, vor allem aber Umzüge damit gemacht, Baumaterial oder Großeinkäufe transportiert“, sagt Stock so trocken, wie er den Resttabak in seiner Fluppe gern hätte. Auch mit über 65 hat er seine humorvoll-lakonische Art nicht verloren.
„Als Rappold Senior seinen Laden dichtmachte, hat er mir sein ganzes Leben erzählt und mir viele Sachen geschenkt. Und das, nachdem er mich 40 Jahre quasi ignoriert hatte. Denn er war ja der Chef, ich hingegen bin im Prinzip nur sein Inzahlungnahmen-Leichenfledderer gewesen.“ Ebenfalls nicht vergessen wird er den Kunden, der einen 1962er Cadillac Sideloader bei ihm kaufte. Wozu er den brauche, wollte Stock wissen. „Da hat er mich nur angeguckt und gesagt: ‚Ich will nicht, dass mein Vater 1000 km im Vito fährt.‘ “

Oder die Story mit seinem Diplo 5,4-V8-Leichenwagen. „Abends vor dem Haus geparkt, morgens früh ruft die Polizei mich an: Sie hätten nachts in dem einsehbaren ‚Glaskasten‘ des Diplo einen junger Mann im Schneidersitz mit einer Kerze vor sich entdeckt.“ Auf die Frage, wie er in den Wagen gekommen sei, habe dieser „Mit meinem Mofa-Schlüssel!“ geantwortet. Und was genau er da drinnen mache? „Das ist ein Panzer Gottes, und ich meditiere hier.“ Konsequenz: kurzfristige Einweisung in eine entsprechende Einrichtung.
Kastenwagen kann er auf den Tod nicht leiden
Oder der junge Mann, der in Stocks Halle eine Honda Monkey stehlen wollte, jedoch einen Bolzenschneider für das Außentor vergessen hatte. „Also Monkey in den Leichenwagen, mit dem Leichenwagen durchs geschlossene Tor, Monkey ausla-den und dann bei Eis und Schnee und ohne Helm ab die Post. Natürlich ein gefundenes Fressen für die Polizei – gestellt nach nur einem Kilometer ...“
Mag er irgendwelche Bestattungsfahrzeuge nicht? Ja, Kastenwagen kann Stock auf den Tod nicht leiden. Du lebst und machst und tust, und am Ende deiner Handwerker-Laufbahn liegst du dann wieder in deinem Transit ...? Klar, die Kisten sind praktischer und preiswerter, rund die Hälfte günstiger als ein Limousinen- oder Kombi-Umbau à la Rappold oder Pollmann. Na, da erscheinen selbst die bescheiden auftretenden Opel Senator in Stocks Museum um Längen würdevoller.
Als seinen irrsten Fang auf dem Bestatter-Sektor nennt Stock den weltweit einzigen Bestatter-Umbau eines Audi V8. „Der kostete neu 250.000 Mark. Für die Kohle hätteste du dir damals auch ’ne Hütte hinstellen können!“ Und prominente Fahrgäste? „Darüber habe ich kein Wissen“, sagt der Stock und lässt seinen Blick durch die Halle schweifen. Auch die bereiften Zeitzeugen schweigen zu diesem Thema diskret. Nur hinten in der Ecke lacht Frankenstein leise, dass sich die Chromzierstäbe in seiner Frontmaske leicht biegen. Doch auch so erzählen sie ein wenig von ihren Fahrten nach Leben und Tod – beides liegt naturgemäß stets hinter den hinten in ihnen Liegenden. Nun ruhen sie selber.v
Auch der Meister sattelt gerade um, als „letztes Auto“ hat er sich jüngst einen Bitter CD auf Diplomat-Basis gekauft. WAS? Selbst DEN haben sie mal zum Bestatter umgestrickt? „I wo“, zündelt der Stock schon wieder an seiner Kippe, „der ist vollkommen original, ein Coupé.“ Wir sind beruhigt. „Der ist nur gerade nicht hier, weil ich mir ’ne Anhängerkupplung anbauen lasse.“ Paff-Paff. „Für meinen 1966er Westfalia-Bestattungsanhänger.“Wir ahnten es, die Sache liegt tiefer. Irgend eine Visitenkarte muss man ja haben.
Von Knut Simon





























