Kona Elektro/MX-30/e-2008: Vergleichstest MX-30 trifft auf Kona Elektro und e-2008

von Markus Schönfeld 16.12.2020
Inhalt
  1. Hyundai Kona Elektro, Mazda MX-30 e und Peugeot e-2008 im Vergleichstest
  2. Fahrkomfort: Peugeot e-2008 hat die Nase vorn
  3. Motor/Antrieb: Mazda MX-30 mit geringster Reichweite
  4. Fahrdynamik: Strenges ESP zügelt den Hyundai Kona Elektro
  5. Umwelt/Kosten: Peugeot e-2008 preislich über der Konkurrenz
  6. Messwerte & technische Daten Hyundai Kona Elektro, Mazda MX-30 e-Skyactiv & Peugeot e-2008

Der etablierte Hyundai Elektro misst sich im Vergleichstest mit dem Mazda MX-30 e und dem Peugeot e-2008. Welcher Elektro-Crossover überzeugt?

Gesamtbewertung (max. Punkte)Hyundai
Kona Elektro
Mazda
MX-30
e-Skyactiv
Peugeot
e-2008
Karosserie (1000)562545562
Fahrkomfort (1000)669694698
Motor/Getriebe (1000)752713750
Fahrdynamik (1000)608651614
Eigenschaftswertung (4000)262126032624
Kosten/Umwelt (1000)462469425
Gesamtwertung (5000)308330723049
Platzierung123

Im Vergleichstest trifft der Mazda MX-30 e-Skyactiv auf die Konkurrenten Hyundai Kona Elektro und Peugeot e-2008. Dass das erste Elektro-Auto von Mazda ausgerechnet als SUV im verträglichen Stadtformat daher rollt, ist natürlich kein Zufall. Schließlich verspricht vor allem dieses kompakte Crossover-Segment derzeit gesunde Absatzzahlen. Dabei können auffälliges Design und ein paar extravagante Details nicht schaden. Genau hier trumpfen die Japaner richtig auf, denn der MX-30 ist scharf gezeichnet, wohlproportioniert und besitzt wie einst der Wankelsportler RX-8 gegenläufig öffnende Türen ohne feste B-Säule. Optisch nicht weniger auffällig positioniert Peugeot den e-2008 mit breitem Kühlerlächeln als elektrische Alternative im gleichen Revier. Den Kona Elektro kann man dagegen nur an seiner verschlossenen Front von seinen konventionell angetriebenen Geschwistern unterscheiden.

Leslie zeigt den Mazda MX-30 im Video:

 
 

Hyundai Kona Elektro, Mazda MX-30 e und Peugeot e-2008 im Vergleichstest

Der Mazda MX-30 e-Skyactiv teilt sich eine technische Basis mit dem CX-30. Das verraten schon die nahezu gleichen Abmessungen und Proportionen. Dabei bräuchte der knapp 4,40 Meter lange Stromer eigentlich gar keine Motorhaube, denn der elektrische Antrieb baut sehr kompakt und nimmt gerade mal die linke Hälfte des Motorraums ein. Die Luft daneben will Mazda demnächst mit einem kleinen Wankelmotor als Range-Extender füllen, der den Einsatzradius deutlich erweitern soll. So bleibt für den Längsten im Testfeld allerdings nur ein durchschnittliches Platzangebot in Innen- und Kofferraum. Der Zustieg zur Rücksitzbank wird durch die hinten angeschlagenen Türen nicht gerade erleichtert. Zudem müssen die Fond-Passagiere mit wenig Platz auskommen und vor dem Aussteigen zunächst auf das Öffnen der Vordertüren warten. Der 20 cm kürzere Hyundai Kona Elektro bietet auf seiner Rückbank deutlich mehr Platz, und das bei einem ähnlichen Kofferraumvolumen von 332 bis 1114 Liter. Am meisten Bewegungsfreiheit im Innenraum bietet allerdings der Peugeot e-2008. In sein Heck passen obendrein noch 405 bis 1467 Liter Gepäck. Allerdings ist die Zuladung des Testwagens mit lediglich 418 Kilogramm nicht gerade üppig. Der Kona verträgt beispielsweise 180 Kilogramm mehr. Dafür muss aber auch bei ihm auf eine Anhängerkupplung verzichtet werden – wie bei den meisten Elektro-Autos sind Zugvorrichtungen hier nicht vorgesehen. Bei der Sicherheitsausstattung zeigen sich hingegen alle drei Kontrahenten vorbildlich. Einige Assistenzsysteme, etwa eine aktive Spurhaltung, sind in diesen E-Autos jedenfalls schon Standard. Auch bei Qualität und Verarbeitung wird man nicht enttäuscht. Der Hyundai überzeugt im Vergleichstest zwar nicht mit besonders edlen Materialien, dafür aber mit einer sehr ausgereiften und einheitlichen Anmutung sowie solider Verarbeitung. Und der Mazda erfreut sowohl mit feinen Sitzbezügen als auch mit Korkeinlagen an Ablagen und Türgriffen. Peugeot setzt dagegen auf französischen Schick und individuelles Design. Die optionale dreidimensionale Auto-Ansicht im Tachodisplay ist nur ein Beispiel. Viel mehr beeindrucken aber die feinen Sitze und die gute Karosseriesteifigkeit.

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Fahrkomfort: Peugeot e-2008 hat die Nase vorn

Prinzipbedingt sind Elektro-Autos vielen konventionellen Modellen beim Fahrkomfort überlegen. Das liegt vor allem am lautlosen Antrieb und am insgesamt extrem niedrigen Geräuschniveau. Innerorts kann man – wenn überhaupt – nur das in Deutschland vorgeschriebene synthetische Warnsurren für Fußgänger hören. Ansonsten herrscht absolute Ruhe in diesen drei Stromern. Bei höheren Geschwindigkeiten entpuppt sich die Dämmung des Mazda MX-30 e-Skyactiv als wirkungsvollste. Hohe Autobahngeschwindigkeiten, bei denen der Fahrtwind als Orkan ums Auto pfeift, sind aber sowieso mit keinem der drei möglich. Beim Sitzkomfort hat der Peugeot e-2008 mit seinen ausladenden Sesseln die Nase im Vergleichstest leicht vorn. Überhaupt gibt er sich sehr bequem: Sein schluckfreudiges Fahrwerk, das sich nicht einmal auf starken Unwegbarkeiten ein Knarzen entlocken lässt, erweist sich als extrem langstreckentauglich. Auch der MX-30 überrascht trotz seiner sportlich straffen Fahrwerksabstimmung mit sehr fein ansprechenden Dämpfern. Dazu geben die edel bespannten Sitze viel Halt. Im Hyundai Kona Elektro thront man zwar aufrechter und höher über dem Asphalt, an den Langstreckenkomfort der Konkurrenten kommen die Sitze aber nicht heran. Gleiches gilt für das sehr straff abgestimmte Fahrwerk. Es wirkt zwar nicht unharmonisch und dürfte Stadtflitzern gefallen. Auf schlechten Wegen werden Passagiere aber kräftig durchgeschüttelt. Punkte sammelt der Koreaner wieder bei der Klimatisierung. Neben Lenkradheizung und Sitzlüftung bietet er auf Knopfdruck auch die stromsparende Klimaeinstellung "driver only": Hier arbeiten Lüftergebläse und Klimatisierung nur für den Fahrer.

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Motor/Antrieb: Mazda MX-30 mit geringster Reichweite

Durch den prinzipiellen Wegfall eines Schalt- oder Automatik-Getriebes könnte dieses Kapitel deutlich kürzer ausfallen als bei konventionellen Antrieben. In puncto Laufkultur, Kraftentfaltung oder Getriebeabstufung rangieren Kona, MX-30 und e-2008 denn auch auf gleich hohem Niveau. Und Schub gibt es bei jedem Tempo ansatzlos. Doch ausgerechnet beim Stromverbrauch werden im Vergleichstest die Effizienz-Unterschiede deutlich. Schnell positioniert sich der Hyundai Kona Elektro auf diesem Spielfeld als der Routinier, der am besten mit seinem überschaubaren Energievorrat von 39,2 Kilowattstunden haushaltet. In der Stadt und in stadtnahen Gebieten, wo im Stop-and-go-Verkehr viel Bewegungsenergie rekuperiert und zurück in den Akku geschickt werden kann, kommt der Koreaner teilweise mit zehn kWh pro 100 Kilometer aus. Für den Peugeot e-2008 und vor allem für den Mazda MX-30 e-Skyactiv sind das selbst auf diesem bevorzugten Terrain Wunschwerte. Im alltagsnahen Verbrauchstest der AUTO ZEITUNG samt stromfressendem Autobahnanteil pegelt sich der Kona Elektro bei sehr guten 15,5 kWh/100 Kilometer ein. Beim e-2008 muss man mit knapp drei Kilowattstunden mehr rechnen – im Mazda gar mit gut 20 kWh/100 Kilometer. Allein mit dem höchsten Gesamtgewicht lässt sich dieser deutliche Verbrauchsnachteil nicht erklären. Und weil der MX-30 mit einer Akku-Kapazität von nur 35,5 kWh (netto) die kleinste Batterie besitzt, enttäuscht er mit seiner Testreichweite von 175 Kilometern. Der Peugeot kann immerhin mit größerem Akku und 274 Kilometer Einsatzradius punkten. Viel wichtiger ist aber der serienmäßig installierte Dreiphasen-Onboard-Charger, der bis zu elf kW Ladeleistung an Wechselstrom zulässt. Die Schnellladeleistung liegt zudem bei 100 kW und damit doppelt so hoch wie bei den Konkurrenten. Und die besitzen jeweils nur einen Einphasen-Onboard-Charger, der das Laden an Wechselstromsäulen deutlich verlangsamt.

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Fahrdynamik: Strenges ESP zügelt den Hyundai Kona Elektro

So sehr der Mazda MX-30 e-Skyactiv bei der Verbrauchswertung patzt, so sehr überzeugt er bei der Fahrdynamik. Sitzposition, Lenkgefühl, Pedalreaktion – alles ist auf das beste Fahrerlebnis getrimmt. Ob in der Slalomgasse oder auf dem Rundkurs – in diesem Trio blüht der Japaner richtig auf. Dabei kommt er sogar ohne einstellbare Fahrmodi aus. Durch die eine sinnvolle Abstimmung fährt sich der MX-30 prompt mitten ins Fahrerherz und zeigt, wie viel Dynamik und Spaß in der Elektro-Mobilität stecken. Weil obendrein auch Bremsgefühl, Bremswege und Fahrsicherheit passen, gewinnt er das Fahrdynamik-Kapitel haushoch. Das bedeutet aber nicht, dass der Hyundai Kona Elektro oder der Peugeot e-2008 in dieser Hinsicht langweilig wären. Doch während der Franzose gemütlich vom rigoros, aber fein abgestimmten ESP an die Ideallinie genagelt wird, gibt sich der Koreaner sowohl in puncto Lenkung als auch Gasannahme etwas unterkühlt. Dabei sollten das straffe Fahrwerk und der mit Abstand kräftigste Antrieb (395 Newtonmeter) auf abgesperrter Strecke eigentlich richtig punkten. Doch auch den Hyundai erzieht die Regelelektronik zur Zurückhaltung. Bei den Bremsleistungen erreicht er auf seinen Energiesparreifen dennoch keine Fabelwerte. Diese sichert sich im Vergleichstest der Peugeot mit durchweg rund 34 Metern aus 100 km/h bis zum Stillstand.

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Umwelt/Kosten: Peugeot e-2008 preislich über der Konkurrenz

Allein der Umweltbonus von derzeit 9480 Euro macht alle drei Elektro-Autos zu verlockenden Angeboten unterhalb der 25.000-Euro-Marke. Nur der Peugeot e-2008 liegt im Vergleichstest etwas darüber, was wegen des größeren Akkus vertretbar ist. Bei den Garantieleistungen zeigt sich Peugeot aber vergleichsweise knauserig. Immerhin sichern die Franzosen die Batterie über die üblichen acht Jahre ab. Bei Hyundai fällt das gesamte Auto unter eine unschlagbare Achtjahresgarantie. Mehr kann man nicht erwarten. Volle Punktzahl. Am Ende kommt das günstigste Angebot aber von Mazda. Für 23.166 Euro erhält man beim Mazda MX-30 e-Skyactiv obendrein eine nahezu komplette Multimedia-Ausstattung, viele Assistenzsysteme und Zugriff auf die My-Mazda-App samt Fernsteuerungsfunktionen fürs Fahrzeug. Dass der neue Japaner außerdem sehr günstig in der Versicherung eingestuft wurde, verbessert die Kostenbilanz nochmals. Lediglich der hohe Stromverbrauch trübt das Bild. Geht man im besten Fall von durchschnittlich 30 Cent je Kilowattstunde aus, kosten 100 Kilometer hier fast 1,50 Euro mehr als beim Hyundai Kona Elektro.

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Messwerte & technische Daten Hyundai Kona Elektro, Mazda MX-30 e-Skyactiv & Peugeot e-2008

AUTO ZEITUNG 23/2020Hyundai
Kona Elektro
Mazda MX-30
e-Skyactiv
Peugeote-2008
Technik 
Systemleistung100 kW/136 PS107 kW/145 PS100 kW/136 PS
Systemdrehmoment395 Nm271 Nm260 Nm
BatterieLithium-Ionen-
Polymer
Lithium-IonenLithium-Ionen
Spannung/Kapazität netto327 V/39,2 kWh355 V/35,5 kWh400 V/46 kWh
Getriebe/AntriebKonstantübersetz.
Vorderrad
Konstantübersetz.
Vorderrad
Konstantübersetz.
Vorderrad
Messwerte 
Leergewicht (Werk/Test)1535/1572 kg1645/1663 kg1548/1612 kg
Beschleunigung 0-100 km/h (Test)8,6 s9,6 s9,0 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)155 km/h140 km/h150 km/h
Bremsweg aus 100 km/h
kalt/warm (Test)
36,0/35,5 m35,0/33,8 m34,0/34,5 m
Verbrauch auf 100 km (Test/WLTP)15,5/15,0
kWh /100km
20,2/19,0
kWh /100km
18,2/17,8
kWh /100km
CO2-Ausstoß (Test/WLTP)62,2/0
g/km
81,0/0
g/km
73,0/0
g/km
Reichweite253 km175 km274 km
Preise 
Grundpreis33.971 €32.646 €34.361 €
Testwagenpreis24.491 €23.166 €26.636 €

von Markus Schönfeld von Markus Schönfeld
Unser Fazit

In der Summe der Eigenschaften ist der Peugeot e-2008 in diesem Vergleichstest mit knappem Vorsprung das beste Elektro-Auto. Das gute Raumangebot, der ausgeprägte Fahrkomfort und die akzeptable Reichweite sprechen für den Franzosen. Das Kostenkapitel verhagelt ihm allerdings die Bilanz. Dritter Platz! Zweiter wird der günstiger eingepreiste Mazda MX-30 e-Skyactiv, der hier eigentlich alles richtig macht und nur durch seine geringe Reichweite Federn lässt. Fahrdynamisch ist er dafür ein echter Gute-Laune-Stromer. Nüchterner im Handling, dafür aber ein echter Klassenprimus ist der Hyundai Kona Elektro: kompakt in den Abmessungen, groß im Innenraum und top bei den Fahrleistungen. Zudem vermittelt die Antriebseinheit samt Batterie hier den ausgereiftesten Eindruck. Verdienter erster Platz für den Koreaner.

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