Volvo & Geely: Erfolgreiche Fusion Volvo-Mutter Geely plant neue Marke

von Markus Bach 22.03.2021
Inhalt
  1. Fusion: Die Erfolgsgeschichte von Volvo und Geely
  2. Volvo setzt auf Elektrifiziertung, Geely übernimmt Daimler-Anteile
  3. Volvo-Mutter Geely plant neue Marke "Zeekr"

2010 übernahm der chinesische Geely-Konzern den schwedischen Premium-Hersteller Volvo. Eine goldene Dekade begann. Wie haben die beiden ungleichen Partner das geschafft? Und was plant Geely für die Zukunft?

2010 stand die schwedische Autoindustrie am Abgrund und ausgerechnet die chinesische Billigmarke Geely kaufte den Verluste schreibenden Premium-Hersteller Volvo. Bei der Fahrzeug-Entwicklung konnten die Chines:innen den Zugriff ins Ford-Konzernregal zwar nicht ersetzen. Was keiner für möglich hielt: Für Volvo begann 2010 eine goldene Dekade. Seit der Übernahme durch Geely hat sich der weltweite Absatz der Schwed:innen fast verdoppelt. 2019 erzielte Volvo mit 705.452 Verkäufen den sechsten Absatzrekord in Folge. Wachstumstreiber waren die drei SUV-Modelle, auf die im Vorjahr 63 Prozent aller Auslieferungen entfielen. 2019 war zudem ein Rekordjahr für die Plug-in-Hybride von Volvo: Die Schwed:innen konnten davon 45.933 Stück verkaufen, als andere Hersteller noch gar kein PHEV-Modell im Portfolio hatten. In Deutschland erzielte Volvo mit 53.357 Neuzulassungen ebenfalls einen Verkaufsrekord. Auch finanziell läuft es bei den Schwed:innen: In den fünf Jahren bis 2019 stieg der Umsatz in jedem Jahr – insgesamt um 80 Prozent. Und statt Verlusten erwirtschaftet Volvo ordentliche Gewinne: seit 2016 jährlich über eine Milliarde Euro. Zwar hat die Corona-Krise den Aufstieg gestoppt, im ersten Halbjahr verbuchte man sogar Verluste. Allerdings eroberte Volvo 2020 in vielen Ländern neue Marktanteile und kann so nach der Krise noch stärker durchstarten. Mehr zum Thema: Volvo XC60 und Volvo XC90 im Vergleichstest

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Fusion: Die Erfolgsgeschichte von Volvo und Geely

Doch warum erlebt Volvo nach der Fusion mit Geely eine solche Hochphase? Geely-Gründer Li Shufu traf zu Beginn zwei clevere Entscheidungen: Er ließ den Schwed:innen im Gegensatz zum Vorbesitzer Ford genügend strategischen Spielraum und berief Hakan Samuelsson zum neuen Volvo-Chef. Der ehemalige Scania- und MAN-Vorstand ging durchaus radikal vor, um aus den beschränkten Ressourcen das Maximum herauszuholen: So musste die neue Volvo-Generation von 2015 mit lediglich einer Plattform und zwei Vierzylindern auskommen – einem Diesel und einem Benziner. Reichte deren Leistung nicht aus, bekam das jeweilige Modell als Hybrid einen zusätzlichen Elektro-Motor. Allen Unkenrufen zum Trotz schienen die Käufer:innen die Sechs- und Achtzylindermotoren aber nicht zu vermissen. Entscheidender für die Kund:innen aber war das neue Volvo-Design: Mit klaren Linien und Kanten erneuerte der Deutsche Thomas Ingenlath das Image der Schweden als praktische und vor allem sichere Marke – Premium, aber unaufgeregt. Im Innenraum setzte Volvo weit vor vielen Wettbewerbern auf große, senkrecht stehende Touchscreen-Displays.

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Volvo & Geely: Erfolgreiche Fusion
Volvos Entwicklung seit 2010. Foto: AUTO ZEITUNG
 

Volvo setzt auf Elektrifiziertung, Geely übernimmt Daimler-Anteile

2017 kündigte Samuelsson dann an, dass Volvo unter Geely mittelfristig auf den Diesel verzichten und stattdessen komplett auf Elektro-Mobilität setzen wird. So bietet Volvo aktuell in jeder Baureihe mindestens einen Plug-in-Hybrid an. 2020 wurde zudem in allen Modellen die 48-Volt-Technik eingeführt. Da die großen und schweren Volvo-SUV vor allem als Plug-in-Hybride bei hohem Tempo unwirtschaftlich fahren, drosseln die Schwed:innen seit 2020 alle neuen Fahrzeuge auf 180 km/h. Samuelsson begründet das öffentlichkeitswirksam mit dem Ziel der Marke, dass kein Mensch mehr in einem neuen Volvo getötet oder schwer verletzt werden soll. Dank der Elektrifizierung und in Kombination mit der 2017 gegründeten reinen Elektro-Automarke Polestar schaffen es die Schweden sogar, die strengen CO2-Ziele der EU für 2020 zu unterbieten. Geely-Chef Li Shufu hat dagegen bereits einen weiteren, noch größeren Coup im Blick: 2018 übernahm er rund zehn Prozent von Daimler und stieg damit zum größten Einzelaktionär des Konzerns auf.

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Volvo-Mutter Geely plant neue Marke "Zeekr"

Wie die Nachrichtenagentur Reuters im März 2021 berichtet, plant Volvo-Mutter Geely eine neue Elektroauto-Marke, mit der man sich direkt gegen Tesla positionieren möchte. Unter dem Namen "Zeekr" sollen demnach elektrische Premiummodelle angeboten werden, die die neue Elektro-Plattform SEA (Sustainable Experience Architecture) des Konzerns nutzen. Die neue Marke soll unter der ebenfalls in Planung befindlichen Tochter "Lingling Technologies" eingeführt werden, wie Reuters unter Berufung auf nicht namentlich genannte Quellen vermeldet. Unter dem Dach Lingling Technologies möchten die Chines:innen die Produktplanung, das Marketing und den Verkauf von Elektroautos ausgliedern. Beim Vertrieb plant man ebenfalls neue Strategien: Der Verkauf von Zeekr-Modellen soll über sogenannte "Hubs" in urbanen Ballungsgebieten erfolgen.

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