Geely-Chef Li Shufu So tickt die Automarke Geely und ihr Chef

von Markus Bach 24.09.2018

Geely-Chef und Daimler-Großaktionär Li Shufu hat Chinas erfolgreichste Automarke geschaffen und Volvo zu neue Höhen geführt. Was plant er als nächstes?

Als Geely-Chef Li Shufu 1963 als Sohn eines Reisbauern geboren wurde, war die größte chinesische Hungersnot mit bis zu 43 Millionen Toten gerade zu Ende gegangen. 55 Jahre später ist es eben dieser Bauernsohn, der für rund 7,5 Milliarden Euro fast zehn Prozent von Daimler übernimmt und damit zum größten Einzelaktionär aufsteigt. Sein eigenes Auto-Imperium eilt von Erfolg zu Erfolg und umfasst mittlerweile sieben Marken. Wie gelang ihm dieser Aufstieg zu einem der mächtigsten Autobosse? Die Geschichte von Li Shufu ist eng mit seiner Kernmarke Geely verknüpft: 1986 begann er unter diesem Namen, der mit "glückbringend" übersetzt werden kann, Kühlschrankteile zu produzieren. Doch schon drei Jahre später war Schluss: Ohne Lizenz sperrte der Staat seine erfolgreiche Fabrik zu. Li Shufu ließ nicht locker und setzte stattdessen auf die Produktion von Motorrädern. 1998 stellte Geely das erste Auto vor, einen Kleinwagen auf Basis des alten Daihatsu Charade. Li Shufu war damit der erste private Autoproduzent in China. In den letzten Jahren setzte seine Marke dann zu einem Höhenflug an. Geely verbesserte Qualität und Ausstattung. Und auch die neue Designsprache von Ex-Volvo-Gestalter Peter Horbury kommt an. So konnte Geely seine Verkäufe seit 2014 verdreifachen. In diesem Jahr peilt Li Shufu einen Absatz von 1,58 Millionen Neuwagen an. Mehr zum Thema: Alles zu Volvo

Anteilseigner Daimer

Autokauf Zulassungszahlen
Aktuelle Zulassungszahlen (September 2019) Die Neuzulassungen im September 2019

 

Geely-Chef Li Shufu ist größter Aktionär bei Daimler

In China ist Geely mittlerweile die zweiterfolgreichste Marke nach VW. Und ihre Gewinnmarge lag 2017 mit 13,8 Prozent weit über den Ergebnissen von VW, Toyota oder Ford. Insgesamt erwirtschafteten die Chinesen einen Gewinn von 1,6 Milliarden Euro. Mit dem Geld, das Li Shufu durch Geely verdiente, inszenierte er 2010 seinen ersten großen internationalen Coup: Zur Überraschung vieler Experten übernahm er die Marke Volvo, die von Ford verkauft wurde. Unter den Amerikanern war die Entwicklung der Traditionsmarke stagniert. Li Shufu ließ den Schweden dagegen viel Spielraum, den sie geschickt nutzten: Volvo entwickelte eine eigene Plattform, neue Motoren und eine moderne Designsprache. Seitdem steigen die Verkäufe wieder, seit 2012 um 35 Prozent. 2017 wurde ein neuer Absatzrekord erzielt. Zudem ist Volvo mit einem Gewinn von 1,4 Milliarden Euro wieder profitabel. Wurden bisher nur bestehende Baureihen ersetzt, rollt mit dem XC40 ein gänzlich neues Modell an den Start. Es basiert auf der von Volvo und Geely entwickelten CMA-Plattform. Diese nutzt auch die neu gegründete Marke Lynk & Co. Was wie ein Mode-Label klingt, ist der Versuch von Li Shufu, weltweit eine Marke unterhalb von Volvo zu etablieren. Da er um das geringe Image chinesischer Autos im Ausland weiß, ist Lynk & Co bewusst global aufgestellt: Die Technik stammt großteils von Volvo, für Design und Vertrieb sind westliche Manager verantwortlich. Und die für Europa geplanten Modelle werden im belgischen Volvo-Werk in Gent gebaut. Der Verkauf erfolgt ab 2020 über das Internet und wenige Flagship-Stores, die Wartung sollen die Volvo-Werkstätten übernehmen. Mehr zum Thema: Alles zu Polestar

Geely/Volvo Verkäufe

News Volvo Originallogo
Volvo mit Absatzrekord (2017) Volvo mit einem Plus von 7 Prozent

 

Geely wird mit "glückbringend" übersetzt

In China hat Lynk & Co bereits andere junge chinesische Marken wie Borgward oder Qoros deutlich überholt. Auch nach der Übernahme von London Taxi 2013 zeigte sich Li Shufu innovativ: Der verstaubte britische Hersteller wurde komplett umgekrempelt und ein neues elektrisches Modell entwickelt. Damit liegt die Marke genau im Trend: In London fahren bereits über 300 Exemplare des LEVC TX eCity, der 2019 auch nach Deutschland kommen soll. Seit letztem Jahr zählt sogar eine bekannte Sportwagenmarke zum Auto-Imperium des Li Shufu: Mit der Übernahme des malaysischen Autobauers Proton erwarb Geely auch 51 Prozent an Lotus. Insider berichten, dass Li Shufu rund 1,67 Milliarden Euro in die Marke investieren und seinen Anteil erhöhen möchte. Vielleicht macht er ja seinen Einfluss als Daimler-Aktionär geltend und künftige Lotus-Sportwagen werden von AMG-Mercedes-Motoren angetrieben. Bei Li Shufu scheint alles möglich. Dann wäre der unbekannte Riese auch für diese Marke "glückbringend". Mehr zum Thema: Alles zu Link & Co

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