Firmenwagen versteuern: 1-%-Regel So wird die private Nutzung von Dienstwagen besteuert

von AUTO ZEITUNG 24.11.2020
Inhalt
  1. Muss ein Firmenwagen versteuert werden?
  2. Firmenwagen versteuern: Was bedeutet "geldwerter Vorteil"?
  3. So wird die Steuerlast errechnet: Fahrtenbuch oder 1-%-Regel
  4. Firmenwagen versteuern: Rechenbeispiel zur 1-%-Regel
  5. Steuerlast beim geldwerten Vorteil von Firmenwagen reduzieren

Auch Firmenwagen müssen versteuert werden. Wir erklären, wie 1-%-Regel bei privater Nutzung funktioniert und wie sich die Steuerlast senken lässt. Und: Auch der "geldwerte Vorteil" ist im Zusammenhang mit Steuern auf Dienstwagen ein Begriff der immer wieder genannt wird. Hier erfahren Sie, was das bedeutet.

 

Muss ein Firmenwagen versteuert werden?

Ja, einen Firmenwagen, der auch privat genutzt werden darf, müssen Nutzerinnen und Nutzer versteuern. Denn das Überlassen eines Firmenwagens bzw. Dienstwagens zur privaten Nutzung gilt im Finanzdeutsch als Sachzuwendung. Der "geldwerte Vorteil" den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter so erhalten, ist wie das Einkommen zu versteuern. Um einen Firmenwagen nicht mit geldwertem Vorteil versteuern zu müssen, kann mit dem Arbeitgeber ein schriftliches Verbot für die private Nutzung vereinbart werden. Dann ist jedoch weiterhin die Strecke zur und von der Arbeit steuerpflichtig. 

Ratgeber Firmenwagen: Privatnutzung & Rückgabe
Firmenwagen: Privatnutzung & Rückgabe Tipps für Dienstwagen-Fahrer

 

Firmenwagen versteuern: Was bedeutet "geldwerter Vorteil"?

Durch die Überlassung und die private Nutzung eines Firmenwagens kommen Mitarbeiter in den Genuss einer Leistung, die sich zwar nicht direkt aufs Einkommen niederschlägt, jedoch einen deutlichen Vorteil mit sich bringt: Die Kosten für die Anschaffung eines Fahrzeugs, die Beiträge zur Kfz-Steuer und oft auch die Versicherungsbeiträge entfallen, da sie vom Arbeitgeber gezahlt werden. Dabei spricht man von einem geldwerten Vorteil.

News E-Auto kaufen
Elektroauto als Dienstwagen (Steuervorteil) Wohlfühlpaket für E-Auto-Fahrer

 

So wird die Steuerlast errechnet: Fahrtenbuch oder 1-%-Regel

Wer einen Firmenwagen auch privat nutzen darf, muss ihn steuerlich gelten machen. Das geht zum einen über die Führung eines Fahrtenbuchs oder die Anwendung der sogenannten 1-%-Regel, wobei sich der Großteil für die zweite Variante entscheidet. Ob die 1-%-Regel angewandt werden kann, ist jedoch von der tatsächlichen Nutzung des Firmenwagens abhängig und nur dann möglich, wenn der Dienstwagen zu mindestens 50 Prozent dienstlich genutzt wird. Ist dies der Fall, sind nach der 1-%-Regel pro Kalendermonat ein Prozent des Listen-Neupreises abzuführen. Das gilt auch, wenn das Auto geleast ist oder es sich um einen Gebrauchtwagen handelt. Und: Auf diesen Betrag sind auch Lohn- und Kirchensteuer, Solidaritätszuschlag und Sozialversicherungsbeitrag zu entrichten. Nur bei nachgewiesener Fahruntüchtigkeit entfallen die Kosten für den betreffenden Zeitraum.

Ratgeber Fahrtenbuch
Fahrtenbuch führen (elektronisch/handgeschrieben) Dann lohnt sich ein Fahrtenbuch

 

Firmenwagen versteuern: Rechenbeispiel zur 1-%-Regel

Einen Dienstwagen auch privat zu nutzen zu können ist einerseits praktisch, andererseits fallen für diesen geldwerten Vorteil Steuern an. Zumeist greift die pauschale 1-%-Regel, die sich auf den Listenpreis des genutzten Fahrzeugs bezieht. Das zu versteuernde Gehalt erhöht sich dabei pro Monat um ein Prozent des Fahrzeug-Listenpreises. Beispiel: Beträgt der Neupreis des genutzten Autos 35.000 Euro, müssen zusätzlich zum Gehalt 350 Euro versteuert werden. Darüber hinaus fallen 0,03 Prozent des Listenpreises pro Entfernungskilometer zwischen Wohnung und Betrieb einer einfachen Fahrtstrecke an. Werden beispielsweise zehn Kilometer pro Hin- oder Rückweg gefahren, ergeben sich daraus weitere 105 zu versteuernde Euro pro Monat. Aufs Jahr gerechnet ergibt sich aus diesem Beispiel also ein zu versteuernder geldwerter Vorteil von 5460 Euro. Wer wenig fährt, kann durch das Führen eines Fahrtenbuches Geld sparen. Diese werden heutzutage hauptsächlich per App verwaltet. Via GPS-Tracking werden dabei Autostart und -stopp automatisch ermittelt und als Notiz mit Kalender- sowie Uhrzeit-Eintrag abgelegt. Die Fahrerinnen und Fahrer geben dann nur noch an, ob es sich um eine Dienst- oder eine Privatfahrt handelt.

News Pendlerpauschale
Pendlerpauschale: Erhöhung ab 2021 (Update!) Die Pendlerpauschale steigt

 

Steuerlast beim geldwerten Vorteil von Firmenwagen reduzieren

  • Durch Entrichtung einer Monats- oder Kilometerpauschale
  • Durch eigene Betankung (Spritkosten)
  • Durch die Übernahme von Reparaturkosten

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die einen Firmenwagen auch privat nutzen, können unter Umständen den geldwerten Vorteil und damit die Steuerlast reduzieren. Denn: Je höher der geldwerte Vorteil, desto höher auch die zu zahlenden Steuern. Erich Nöll vom Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine (BVL) erklärt, dass Voraussetzung ist, dass es sich bei den getätigten Ausgaben um Nutzungsentgelte handeln muss. Darunter fallen beispielsweise zwischen Arbeitgeber und -nehmer ausgehandelte Monats- oder Kilometerpauschalen. Auch eine Betankung auf eigene Kosten und selbst gezahlte Reparaturkosten werden zu den Nutzungsentgelten gezählt. Unbedingt notwendig ist, dass man Kassenbelege und Rechnungen als Nachweis behält. Wichtig: Die Übernahme der Kosten zum Firmenwagen muss im Arbeitsvertrag oder durch eine andere arbeits-, beziehungsweise dienstrechtliche Grundlage geregelt sein. So lässt sich der geldwerte Vorteil im Extremfall auf 0 Euro verringern. Mehr ist nicht möglich und ein übersteigender Betrag steuerlich nicht nutzbar, so der Fachmann vom BVL.

News Klimapaket: Erhöhung der Kfz-Steuer
Klimapaket: Erhöhung der Kfz-Steuer ab 2021 Die Kfz-Steuer wird 2021 teurer

Tags:
Copyright 2021 autozeitung.de. All rights reserved.