Mit dem Wohnwagen durch Tirol: Im Fendt Bianco auf Erkundungstour
Mit einem Caravan am Haken in die Alpen – für die einen der perfekte Urlaub, für andere unnötiger Stress. Wir probieren es einfach mal aus und reisen mit einem Gespann aus Fendt Bianco und BMW X3 durch Tirol.
- Mit dem Caravan in die Alpen: Camping-Selbstversuch im Fendt Bianco in Tirol
- Die meisten Camper erkunden die Berge im Urlaub mit dem Rad
- Beim Wohnkomfort spielt der Fendt die Vorteile eines Caravans gekonnt aus
- Stressfreie Stadtbesichtigung – vom Natterer See aus nach Innsbruck
- Technische Daten des Fendt Bianco
Mit dem Caravan in die Alpen: Camping-Selbstversuch im Fendt Bianco in Tirol
Kurz hinter München verlassen wir die Autobahn und biegen ab Richtung Süden. Ab jetzt wirds spannend, denn bis hierhin erforderte die Reise mit dem Gespann kaum eine Umstellung – außer beim Tempo. Zwar können 80 km/h auf Dauer zur Geduldsprobe werden, senken andererseits aber auch den Verbrauch und erlauben somit längere Etappen zwischen den Tankstopps. Die tatsächliche Reisezeit mit dem Camping-Gespann fällt dadurch unterm Strich meist nur unwesentlich länger aus als mit einem Reisemobil ohne Anhang. Je nach Kombination von Zugfahrzeug und Caravan sind in Deutschland zudem 100 km/h zulässig. Aber für die meisten Campingfans stellt ohnehin oft bereits der Weg das Ziel dar, oder ist zumindest ein Teil davon.
Auf kurvigen Landstraßen und in Ortsdurchfahrten brauchen Fahrende hingegen ein bisschen mehr Eingewöhnung, um mit den ungewohnten Dimensionen klar zu kommen. In engen Kurven muss man etwas weiter ausholen, an Engstellen sollte man stets bedenken, dass der Caravan normalerweise ein ganzes Stück breiter baut als das Zugfahrzeug. Doch nach wenigen Kilometern hat man die Besonderheiten verinnerlicht. Wer den Umgang mit einem Anhänger nicht gewöhnt ist, sollte einfach etwas achtsamer und langsamer fahren, obwohl der fast 400 PS (292 kW) starke Sechszylinder-Mild-Hybrid-Antrieb unseres BMW X3 den immerhin fast 1,4 t schweren Fendt Bianco mühelos wegzieht. Zwar büßt der X3 im Gespannbetrieb insgesamt spürbar an Temperament ein, aber das macht, wie gesagt, gar nichts.
Unsere Tipps zum Wohnmobilkauf im Video

Die meisten Camper erkunden die Berge im Urlaub mit dem Rad
So bleibt überdies mehr Muße, um die majestätische Berglandschaft zu bewundern und auf sich wirken zu lassen. Entlang der Ufer von Kochel- und Walchensee rollen wir auf Mittenwald zu, überqueren wenige Kilometer später die Staatsgrenze zu Österreich und erreichen Tirol, wo wir zunächst das Ötztal ansteuern.
Wir folgen der gut ausgebauten Talstraße bis Längenfeld und biegen am Ortsende scharf rechts ab, um unser erstes Nachtlager zu erreichen, den Naturcampingplatz Kuprian. Jetzt wird es zum ersten Mal spannend, denn nun gilt es, das Gespann unter den Augen der anderen Camper auf den reservierten Stellplatz zu bugsieren. Die Hanglage sorgt für eine natürliche Terrassierung der Plätze, die nicht nur eine herrliche Aussicht ins Tal erlaubt, sondern auch genug Kraft und ausreichend Traktion des Zugfahrzeugs verlangt.

Doch der X3 marschiert völlig unaufgeregt den Schotterweg zu unserer Parzelle hinauf, wo außer meiner Beifahrerin auch gleich der Platznachbar und der Platzbetreiber zur Stelle sind, um beim Rangieren zu helfen. Selbst wenn die Situation ungewohnt ist und gefühlt alle Augen auf mich gerichtet sind, mahne ich mich zu Gelassenheit.
Vorsichtig und langsam setze ich zurück, muss mich kurz überwinden, um „gegenläufig“ zu lenken, damit der Anhänger in die gewünschte Richtung schwenkt, doch keine zwei Minuten später steht der Fendt in Position. Das ging leichter als gedacht! Bremse anziehen, vorderes Stützrad absenken und die hinteren Kurbelstützen ausfahren – durch die drei Fixpunkte am Boden steht der Caravan nicht nur sicher, sondern schaukelt auch deutlich weniger als ein geparktes Reisemobil.
Doch der Caravan bietet noch mehr Vorteile: Auf der gleichen Grundfläche realisiert der Anhänger mehr Wohnraum, da viel weniger Technik untergebracht werden muss. Antrieb, Treibstofftank, Auspuff, zweite Achse, Cockpit, Kabinen-Türen – alles nicht nötig. Außerdem steht das Zugfahrzeug im Solo-Betrieb weiterhin zur Verfügung, um vor Ort mobil zu bleiben und die Attraktionen des Urlaubsorts zu erkunden. Und davon gibt es eine hier eine Menge, denn die umgebenden Berge bieten unzählige Wanderwege und Klettersteige von idyllisch bis adrenalingeladen.
Wer Ruhe sucht, findet Museen zu regionaler Kultur und Geschichte, natürlich auch zu „Ötzi“. Canyoning und Mountain-Karts richten sich an aktive Urlaubende. Rennradfahrer:innen finden in den Passstraßen perfekte Trainingsareale, und Mountainbiker:innen schätzen die inzwischen fast überall angelegten Routen, auf denen sie Höhenmeter erklimmen oder sich waghalsig ins Tal stürzen können. Allein die Bike Republic in Sölden bietet über 40 km Lines und Trails in allen Schwierigkeitsstufen. Außerdem erreicht man über die dortigen Bergbahnen den Gaislachkogl, dessen Seilbahn und Bergstation als Kulisse im James Bond-Film „Spectre“ berühmt geworden sind. Eine Ausstellung auf über 3000 m Höhe gibt Einblicke in das 007-Universum sowie auf die ganz in der Nähe gedrehten Stunt-Szenen des Blockbusters. Und das Restaurant Ice Q verwöhnt mit Fine Dining – allerdings nur tagsüber, solange die Gondeln fahren. Abends herrscht Ruhe am Berg.
Beim Wohnkomfort spielt der Fendt die Vorteile eines Caravans gekonnt aus
Die Gastronomie im Tal hat natürlich länger geöffnet und bietet für jeden Geschmack und Geldbeutel das passende Angebot. Im Winter stehen selbstverständlich Aktivitäten wie Alpinski, Langlauf, Schneeschuhwandern oder Rodeln im Vordergrund – auch bei Camper:innen. Deshalb haben die meisten Plätze der Region auch in der kalten Jahreszeit geöffnet und locken selbst mit gemütlichen Aufenthaltsräumen sowie Sanitäranlagen und Wellness-Angeboten auf Hotelniveau, was die Urlaubsform auch bei frostigen Temperaturen zu einem reizvollen Erlebnis macht.
Doch bei über 30 °C denken wir weniger an die Sauna und sorgen uns nicht über die Heizleistung unseres mobilen Domizils. Vielmehr erfreuen wir uns am riesigen 133-l-Kühlschrank und den vielen großen Aufstellfenstern des Fendt, durch die wir den Caravan optimal durchlüften können, bevor wir ins Bett gehen. Dicke Federkernmatratzen auf einstellbaren Lattenrosten mit rund zwei Meter Länge gewährleisten eine entspannte Nachtruhe. Und auch die gemütliche Sitzgruppe im Bug glänzt mit viel Bewegungsfreiheit und bequemen Polstern. Beim Wohnkomfort spielt der Fendt die Vorteile eines Caravans gekonnt aus.
Nicht nur jene, die sich das Rangieren eines Gespanns nicht zutrauen, finden in sogenannten Manövrier-Hilfen eine perfekte Entlastung: Unser Fendt war mit einem optionalen Mover Smart A von Truma ausgerüstet (2158 Euro zzgl. Montage-Kit und Einbau). Ein kräftiger Aufpreis, aber unbedingt lohnenswert. Denn mittels zweier E-Motoren, die über Zahnwalzen jeweils ein Rad des Caravans antreiben, lässt sich der Anhänger selbst von Ungeübten kinderleicht und millimetergenau fernsteuern, auf der Stelle drehen sowie auf den Stellplatz oder hinter das Zugfahrzeug bewegen – genial.

Stressfreie Stadtbesichtigung – vom Natterer See aus nach Innsbruck
Inzwischen fühlen wir uns am Steuer des BMW so sicher im Umgang mit dem Gespann, dass wir uns sorglos auf die recht steile und schmale Straße hinauf zum Kühtai-Sattel wagen. Dort werden wir einmal mehr mit Panorama-Ausblicken belohnt, genießen die frische Höhenluft und schlagen unser Lager schließlich am Natterer See auf. Denn hier kann man nicht nur baden, sondern erreicht auch das nahe Innsbruck bequem per Rad, Bahn oder mit dem Auto, während der Caravan zurückbleibt.
Das „Goldene Dachl“ ist sicher die bekannteste Attraktion, doch Innsbruck steckt voller spannender Orte und Geschichten, die man am besten bei einer der lohnenswerten Führungen durch die schattigen Gassen der mittelalterlichen Altstadt entdeckt. Dabei wirkt die Stadt keineswegs angestaubt-museal, sondern entpuppt sich als quicklebendiger Ort, an dem Historie, Architektur, Gastronomie, Musik, Kultur und Sport verschmelzen.

Wir ziehen weiter ins Zillertal. Vielseitige Freizeitangebote sorgen dafür, dass hier nicht nur Alpinist:innen und Sportler:innen auf ihre Kosten kommen. Familien können zum Beispiel ab Mayrhofen eine wahrhaft spektakuläre Bergfahrt auf dem offenen Panoramadeck der Ahornbahn erleben.
Ein anschließender Besuch der Greifvogel-Schau nahe der Bergstation vermittelt Wissenswertes über die imposanten Flugkünstler und bringt nicht nur die Kleinen zum Staunen. Und es gibt noch so viel mehr zu entdecken! Tirol empfiehlt sich das ganze Jahr über als Urlaubsziel und lässt sich mit dem Camping-Gespann bestens bereisen.
Technische Daten des Fendt Bianco
AUTO ZEITUNG 15/2026 | Fendt Bianco Selection 495 SG |
|---|---|
Karosserie | |
Außenmaße (L / B / H) | 7220 (6070)* / 2320 / 2660 mm |
Leergewicht / Zuladung | 1353 / 247 (opt. 647) kg |
Ausstattung | |
Schlafplätze | 4 |
Herd/Heizung | Gas, Dreiflammen-Kocher / Gas, Truma S 3004 |
Gas | 1 x 11 kg |
Batterie | LiFePo4, 12V, 30 Ah |
Frisch-/Abwasser | 25 (opt. 45) / 24 (Tank) l; Banktoilette mit eigenem Spülwassertank (16 l) |
Kaufinformationen | |
Grundpreis | 29.250 € |
Marktstart | Im Handel |
Alle Daten Werksangaben; *Länge Aufbau | |
Die genannten Produkte wurden von unserer Redaktion persönlich und unabhängig ausgewählt. Beim Kauf in einem der verlinkten Shops (Affiliate Link bzw. mit Symbol) erhalten wir eine geringfügige Provision, die redaktionelle Selektion und Beschreibung der Produkte wird dadurch nicht beeinflusst.
























