Chevrolet Corvette E-Ray in der Testfahrt: Das kann der Hybrid
Mittelmotor. Flat-Plane-Kurbelwelle. Und jetzt auch noch elektrifiziert?! Gibt es an der C8-Generation – in all ihren Varianten – überhaupt noch etwas, das typisch „Corvette“ ist? Wir finden es bei einer Testfahrt in der Chevrolet Corvette C8 E-Ray heraus!
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Testfahrt mit der Chevrolet Corvette C8 E-Ray
Als die achte Generation der Corvette 2019 präsentiert wurde, war der Aufschrei groß. Zu viel mache sie anders, es sei keine echte Corvette mehr. Dennoch: die Fahrleistungen sprachen und sprechen für sich. Mit der ZO6-Version kommt sogar ein Flat-Plane-V8 zum Einsatz, wie man ihn sonst eher bei McLaren oder Ferrari findet. Mit der Chevrolet Corvette C8 E-Ray hält nun erstmals auch Elektrifizierung Einzug. Wie sich das anfühlt, klärt unsere Testfahrt.
Die E-Ray wird von 162 Elektro-PS unterstützt
Auffällig ist, dass Chevrolet bei der Corvette E-Ray nicht offensiv auf die Elektrifizierung hinweist: keine auffälligen Aerofelgen, keine zugemachten Lufteinlässe, keine farbigen Zierleisten wie bei anderen E-Modellen – nur ein kleines „E-Ray“-Emblem an der Schwellerverkleidung unseres Testfahrt-Kandidaten deutet auf den elektrischen Helfer hin.
Auch der Verbrennungsmotor bleibt identisch mit dem der „Basis“-Stingray: Der 6,2-l-V8 liefert 482 PS (355 kW) und 613 Nm Drehmoment an die Hinterräder. Hinzu kommt aber nun ein 1,9 kWh großer Akku samt 119 kW (162 PS) starken E-Motor für die Vorderachse. Chevrolet gibt eine Systemleistung von 641 PS (471 kW) an, ausreichend für einen Sprint von 0 auf 100 km/h in 2,9 s sowie eine Höchstgeschwindigkeit von 290 km/h. Optionale Carbonräder treiben den Kaufpreis der Chevrolet Corvette C8 E-Ray von umgerechnet 177.929 Euro (UK) um knappe 11.000 Euro pro Satz in die Höhe.
Die C8 E-Ray fährt sich gut – fast schon steril
Die Chevrolet Corvette C8 E-Ray soll die vielseitigere Corvette-Variante im Portfolio sein. Am deutlichsten wird das durch den neuen Stealth-Modus – ein eleganter Name für das elektrische Anfahren (also Starten rein mit Elektromotor und ausgeschaltetem V8). Allerdings funktioniert es nicht immer: Bei unserem ersten Versuch während der Testfahrt (an einem heißen Tag) deaktivierte das Einschalten der Klimaanlage sofort den Stealth-Modus und der V8 startet mit Getöse. Es gibt zudem den Shuttle-Modus, der rein elektrisch langsame Rollbewegungen erlaubt – Chevrolet limitiert dies jedoch auf 24 km/h und verbietet diese Funktion auf öffentlichen Straßen.
Was man festhalten kann: Die E-Ray hat jede Menge Grip und Präsenz. Besonders beachtlich ist, wie souverän sie auf der Straße liegt: Traktion und das Verhältnis aus Komfort und Sportlichkeit sind auf einem Niveau, das manchen europäischen Rivalen kaum gelingt – auch auf schlechtem, britischen Asphalt. Selbst im Sportmodus bleibt das MagneRide-Fahrwerk nachgiebig, vermittelt aber gleichzeitig viel Sicherheit und Kontrolle, wenn man es darauf anlegt.
Und das will man auch, denn die Chevrolet Corvette C8 E-Ray hat spürbare Leistungsreserven. Die 641 PS (471 kW) sind gut dosierbar über das doch sehr lange Gaspedal. Drückt man es dann durch, zieht die E-Ray mit einer Wucht los, die nicht nachlässt: V8-Brüllen und Elektro-Heulen vereinen sich zu einer beeindruckenden Geräuschkulisse. Das ist eindrucksvoll – und dennoch: etwas fehlt. Trotz des heftigen Tempos kommt kaum echtes Adrenalin auf.
Der Antrieb wirkt nicht ganz harmonisch, die (zu) präzise, aber sehr gefühllose Lenkung sowie das sehr gut abgestimmte, aber etwas isolierende Fahrwerk lassen einen seltsam unbeteiligt hinter dem Steuer sitzen. Die Schaltvorgänge sind dank E-Motor-Unterstützung unglaublich sanft, bieten aber weniger spürbaren Durchzug – und die Schaltwippen wirken billig.

Der Innenraum wirkt teils veraltet
Die vertikale Knopfleiste ist ein Indiz für das Modelljahr 2025, denn mit der 2026er-Version wird sie entfernt. Der Touchscreen wirkt optisch wie aus den frühen 2010er-Jahren – als hätte man ihn schon mal im alten Opel Insignia gesehen – aber der digitale Instrumentencluster zeugt von viel Entwicklungsaufwand und Liebe zum Detail.
Die Übersichtlichkeit nach hinten ist sportwagentypisch schlecht – daher gibt es in der Chevrolet Corvette C8 E-Ray einen digitalen Rückspiegel. Auch die Außenspiegel wollen während der Testfahrt ständig beobachtet werden, denn in der breiten Corvette werden schmale, britische Landstraßen schnell zum ungewollten Nervenkitzel. Besonders dann, wenn die sündhaft teuren Carbonräder den Bordsteinen gefährlich nahe kommen. Apropos meiden: Die optionalen Competition-Sportsitze können wir nicht empfehlen – sie sind so eng und hart gepolstert, dass sie eigentlich nur für schmal gebaute Körper geeignet sind. So viel zur Alltagstauglichkeit der E-Ray.
Fazit
Die Bemühungen, die Corvette alltagstauglicher und vielseitiger zu machen, scheinen ihr ein Stück des typischen Charakters zu nehmen. Nach Vergleichsfahrten mit ZO6 und Stingray bleibt die Erkenntnis: Die elektrifizierte Version ist schwächer als die beiden reinen Verbrenner. Die ZO6 ist radikal, bissig und kompromisslos. Vor allem aber wirkt die Stingray zugänglicher, agiler und entspannter. Keine Frage: Die E-Ray ist wahnwitzig schnell, fährt komfortabel und vermittelt viel Sicherheit. Doch die Gesamtkomposition wirkt unverbunden und hinterlässt weniger bleibenden Eindruck.
Technische Daten der Chevrolet Corvette C8 E-Ray
AUTO ZEITUNG | Chevrolet Corvette C8 E-Ray |
|---|---|
Technische Daten | |
Motoren | 6,2-l-V8; ein E-Motor |
Antrieb | Allrad |
Systemleistung | 471 kW / 641 PS |
Max. Systemdrehmoment | 807 Nm |
Akkukapazität | 1,9 kWh (netto) |
Karosserie | |
Außenmaße (L / B / H) | 4734 / 2024 / 1237 mm |
Leergewicht | 1919 kg |
Kofferraumvolumen | k.A. |
Fahrleistungen | |
Beschleunigung (0 – 100 km/h) | 2,9 s |
Höchstgeschwindigkeit | 290 km/h |
Verbrauch auf 100 km | k.A. |
Elektr. Reichweite | k.A. |
Kaufinformationen | |
Grundpreis | 177.929 € (in UK; umgerechnet) |
Alle Daten Werksangaben | |




















