Wasserstoffautos ohne Zukunft? Brennstoffzellen-Aus bei Stellantis

Lange Zeit wurde die Brennstoffzelle als Schlüsseltechnologie für eine emissionsfreie Mobilität gehandelt– doch nun zieht mit Stellantis einer der größten Autokonzerne die Reißleine. Was bedeutet dieser Schritt für die Zukunft von Wasserstoffautos in Deutschland?

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Ein KI-generiertes Bild zeigt ein Verkehrsschild, das Wasserstoff-Autos symbolisiert, aber durchgestrichen ist.
Wasserstoffautos ohne Zukunft? Foto: AUTO ZEITUNG (KI-generiert)

Stellantis stellt seine Wasserstoffpläne ein. Was bedeutet dieser Schritt für die Zukunft des Wasserstoffautos?

Der Opel Vivaro Hydrogen bei seiner Präsentation im März 2025, stehend vor einem Gebäude.
Opel Vivaro Hydrogen Foto: Opel

Kaum vorgestellt, schon infrage gestellt: Erst im März 2025 präsentierte Opel seinen neuen Vivaro Hydrogen in München. Was nun daraus wird, ist ungewiss – denn Opel gehört zum Stellantis-Konzern, der sich gerade vom Wasserstoffantrieb im Pkw-Segment verabschiedet.

Vier Transporter mit Wasserstoff-Brennstoffzellen von Stellantis, nebeneinander in der frontalen Ansicht.
Stellantis-Transporter mit Wasserstoff-Brennstoffzellen Foto: Stellantis

Eine ungewisse Zukunft haben auch diese Fahrzeuge. Stellantis präsentierte Anfang 2024 neue Wasserstoff-Transporter der Pro-One-Reihe und startete die Serienproduktion in Frankreich und Polen. Doch wie es mit den H2-Modellen weitergeht, ist ungewiss – der Konzern vollzieht gerade einen Strategiewechsel.

Die Gigafactory SymphonHy in Frankreich, aus der Vogelperspektive.
Gigafactory SymphonHy Foto: Stellantis

Im Dezember 2023 weihte Symbio seine erste Gigafactory namens SymphonHy in Frankreich ein. Es soll Europas größter integrierter Standort zur Herstellung von Wasserstoff-Brennstoffzellen werden. Damals wurde noch kommuniziert, das Stellantis mit den Brennstoffzellen von Symbio sein Wasserstoff-Angebot über bereits verfügbare Mittelklasse-Vans in Europa hinaus weiter ausbauen werde.

Der BMW iX5 Hydrogen mit auffälliger Folierung in einem weißen Raum von oben fotografiert.
BMW iX5 Hydrogen Foto: BMW

BMW hält hartnäckig an seinem Wasserstoff-iX5 fest und präsentierte diesen im Juni 2025 in passender Optik auf der Art Basel. Der Hintergrund dazu: Im Jahr 2025 feiert BMW 50 Jahre BMW Art Cars und ließ seinen iX5 Hydrogen auffällig folieren.

Der Toyota Mirai vor einer Großstadtkulisse von schräg vorne.
Toyota Mirai Foto: Toyota

Während andere Hersteller Wasserstoffautos aufgeben, setzt Toyota weiter auf den Mirai. So wurde der neue Mirai mit verbesserter Reichweite Anfang 2024 vorgestellt. So sollen nun bis zu 650 km möglich sein.

Eine Wasserstoff-Tankstelle, man sieht eine Straße und Bäume im Hintergrund.
Wasserstoff-Tankstellen Foto: Imago

Seltene Spezies: Wasserstoff-Tankstellen sind in Deutschland bislang eine Ausnahme – und das Tanken verläuft anders als bei Benzin oder Strom. So wird der Tankstutzen verriegelt und dichtet den Anschluss komplett ab. Das erfolgt meist automatisch, per Knopfdruck. Und während des Tankvorgangs ist oft ein leichtes Zischen zu hören. Der Wasserstoff wird gekühlt, um Überhitzung zu vermeiden.

Stellantis erklärt Ausstieg: Markt ohne Zukunft

Stellantis nimmt Abstand vom Wasserstoff. Der multinationale Automobilkonzern beendet sein Brennstoffzellen-Programm und stoppt die Entwicklung von Wasserstoff-Fahrzeugen, wie am 16. Juli 2025 kommuniziert wurde. Der Konzern sieht weder wirtschaftliches Potenzial noch ausreichende Infrastruktur – die Investitionskosten zu hoch, die Kaufanreize fehlen und nahezu keine Tankstellen. Deshalb setze man stattdessen konsequent auf Elektro- und Hybridmodelle.

Der Rückzug von Stellantis trifft auch Zulieferer wie das Brennstoffzellen-Joint-Venture Symbio, das unter anderem von Reifenhersteller Michelin gegründet wurde. Stellantis war mit 33 % beteiligt und wichtigster Abnehmer – etwa für die geplanten H2-Transporter Opel Vivaro-e Hydrogen und Citroën ë-Jumpy Hydrogen. Ohne den Großkunden droht Symbio ein Rückschlag – ein klares Warnsignal für Europas Wasserstoffstrategie. Der Strategiewechsel zeigt: Im Pkw-Bereich hat die Brennstoffzelle kaum noch Zukunft. Doch wie halten es andere Hersteller?
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Der Opel Vivaro e-Hydrogen (2022) in Video:

Video Platzhalter
Video: AUTO ZEITUNG

Andere Hersteller: Rückzug oder vorangehend?

Schon vor Jahren setzten führende Hersteller wie VW, Mercedes, Ford, Volvo und GM ihre Brennstoffzellen-Projekte auf Eis – aus vergleichbaren Gründen wie Stellantis. BMW bleibt mit dem iX5 Hydrogen und einer Kleinserie treu, peilt aber erst 2028 eine Serienproduktion an und arbeitet mit Toyota an weiteren Plattformen. Weiter aktiv in diesem Bereich sind – logischerweise – Toyota sowie Hyundai. Toyota bietet den Mirai, Hyundai den Nexo an – beide mit mehr als 500 km Reichweite und klassischem Tankvorgang von nur drei bis fünf Minuten. Die beiden Hersteller setzen weiter auf das Segment, obwohl die Stückzahlen gering sind – in Deutschland wurden 2024 lediglich 148 Brennstoffzellen-Pkw neu zugelassen.

Wie ist die Infrastruktur der Wasserstoff-Tankstellen in Deutschland?

Das deutsche H2-Netz ist schrumpfend: Aktuell existieren nur etwa 70 bis 100 öffentlich zugängliche Wasserstoff-Tankstellen. Die Tendenz ist fallend, viele sind wegen unwirtschaftlicher Auslastung im Rückbau. So zieht sich beispielsweise H2 Mobility, einer der größten Betreiber von Wasserstoff-Tankstellen in Deutschland, zunehmend aus dem Betrieb kleinerer 700-Bar-Stationen zurück – weil sie kaum genutzt werden.

Von der AUTO ZEITUNG getestet und empfohlen:

Wie funktioniert ein Wasserstoffauto?

Ein Wasserstoffauto ist ein Elektrofahrzeug, das seinen Strom nicht aus einer Batterie, sondern aus einer Brennstoffzelle gewinnt. Dort reagiert Wasserstoff (H2) mit Sauerstoff (O2) aus der Luft – dabei entsteht elektrischer Strom, der den Elektromotor antreibt. Als Abfallprodukt kommt reines Wasser (H2O) aus dem Auspuff. Getankt wird gasförmiger Wasserstoff, was nur etwa drei bis fünf Minuten dauert – ähnlich wie beim Benziner.

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Wie teuer ist Wasserstoff?

Der Preis für Wasserstoff ist stark volatil, da er von der Produktionsart abhängig ist. Derzeit kostet ein Kilogramm Wasserstoff an deutschen Tankstellen rund 13 bis 15 Euro – ein Brennstoffzellenauto wie der Toyota Mirai verbraucht etwa ein Kilogramm pro 100 km, was Kraftstoffkosten von 13 bis 15 Euro pro 100 km entspricht. Zum Vergleich: Ein Elektroauto kommt mit rund fünf bis sieben Euro pro 100 km aus (bei Haushaltsstrom), ein moderner Diesel (hier geht es zur Geschichte des Dieselmotors) oder Benziner liegt bei neun bis zwölf Euro – abhängig vom Verbrauch und Kraftstoffpreis. Demnach kann man sagen, dass Wasserstoff aktuell der teuerste Antrieb im Alltag ist, auch weil der Kraftstoff aufwendig hergestellt, transportiert und komprimiert werden muss.

Expert:innen schätzen zudem, dass für eine flächendeckende Versorgung rund 1000 Stationen notwendig wären. Zum Vergleich: In Deutschland gibt es aktuell über 160.000 Ladepunkte für E-Autos, Tendenz steigend. 

Wo wird Wasserstoff wirklich gebraucht?

Während der Pkw-Markt für Wasserstoff stagniert, wird der Energieträger in Deutschland vor allem in der Industrie und im Schwerlastverkehr großflächig genutzt. In der Stahlproduktion, etwa bei Unternehmen wie Thyssenkrupp oder Salzgitter, dient Wasserstoff als klimafreundliche Alternative zu Koks. Auch in der Chemieindustrie ist er als Grundstoff für Ammoniak und synthetische Kraftstoffe gefragt. Zudem investieren Logistik- und Transportunternehmen zunehmend in Wasserstoff-Lkw und -Züge, wo große Reichweiten und kurze Betankungszeiten entscheidende Vorteile bieten.

Fazit

Stellantis Entscheidung spiegelt den Trend wider: Brennstoffzellen-Pkw sind in Europa eher Nischenprodukte. Ohne flächendeckende Infrastruktur und klare Förderprogramme fehlt der Sprung zur Marktreife. Während Toyota und Hyundai kleinere Zell-Flotten weiterfahren, verfolgt der Großteil der Branche einen klaren Fokus – Hybrid- und Elektroautos.