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Geht auch ganz einfach:

Autowäsche im Winter: Tipps

Gerade bei Frost und Dreck wichtig

Holger Ippen Freier Mitarbeiter
Inhalt
  1. Was gehört zur Winterpflege beim Auto?
  2. Auto waschen für den Werterhalt
  3. Handwäsche oder Waschanlage?
  4. Nach der Wäsche konservieren
  5. Unterbodenwäsche selbst gemacht

Die meisten Autofahrer:innen machen im Winter einen großen Bogen um die Waschstraße, weil das Auto "ja eh wieder verschmutzt". Aber ist die Autowäsche wirklich nur hinausgeschmissenes Geld oder doch nützliche Pflege? Die AUTO ZEITUNG geht der Sache auf den Grund.

 

Was gehört zur Winterpflege beim Auto?

Natürlich müssen vor Fahrtantritt nicht nur Fenster, Scheinwerfer und Nummernschild, sondern auch Dach und Motorhaube von Eis und Schnee befreit sein. Wer nur eine Sichtluke in die Windschutzscheibe kratzt oder die weiße Pracht auf dem Dach belässt, dem droht ein Bußgeld. Zu Recht, denn beim Bremsen vor die Scheibe rutschender Schnee versperrt die Sicht – ganz plötzlich und unerwartet – und birgt so ein hohes Gefahrenpotenzial. Auch fehlendes Scheiben-Waschwasser sowie mangelnder Frostschutz-Zusatz werden bestraft, schließlich gelten auch diese Punkte als Sicherheitsmanko. Mit einem intakten Reinigungsequipment kann man auch bei Schmuddelwetter das Fensterglas zumindest vorn und hinten stets sauber halten. Auch interessant: Unsere Produkttipps auf Amazon

Tipps gegen Feuchtigkeit im Auto im Video:

 
 

Auto waschen für den Werterhalt

Im Winter altert die teuerste Baugruppe des (konventionellen) Autos – die Karosserie – am stärksten. Das lässt sich anhand von Flottenautos eindrucksvoll belegen: Ausgemusterte Mietwagen weisen nach fünf bis sechs Jahren einen besseren Karosserie-Grundzustand auf als gleich häufig im Winter gefahrene ungepflegte Flotten-Fahrzeuge. Und zwar jene, die nicht eine ebenso häufige und regelmäßige Wäsche – wie nach jeder Vermietung – erhielten. Der Grund: Die Schmutzschicht auf dem Autoblech bindet Feuchtigkeit länger und bietet Salz sowie Laugen einen "Nährboden" für korrosive Prozesse, Lack-Haarrissbildung und Materialermattung sowie Schäden im Bereich des Unterbodens und der Radhäuser.

Auch wenn Autohersteller immer wieder betonen, dass moderne Lacke sowie der Unterbodenschutz eine sehr gute Langzeit-Schutzschicht bieten, trifft das nur für eine intakte Oberfläche zu – und diese haben nur die wenigsten Autos. Schon alltägliche Gebrauchsspuren, Steinschlag-Krater und kaum sichtbare Lackkratzer wirken wie empfindliche Verletzungen in der schützenden Lackschicht. Solange diese sauber gehalten wird, passiert nichts. Doch eine darüber verkrustete Schmutzschicht zieht Feuchtigkeit an und sorgt für ein "Mikroklima", das zuerst durch eindringende Feuchtigkeit zu Frostaufbrüchen führt und anschließend zerstörerische Korrosionsprozesse fördert. Was anfangs nur als ein kaum sichtbarer Haarriss in der Klarlackschicht beginnt, blüht so zusehends zum Rostpickel auf. Neben der hiesigen Winterfeuchte durch Schmuddelwetter, Laugen und Streusalze beschleunigen die starken Temperaturdifferenzen in unseren Breiten diesen zerstörerischen Prozess zusätzlich. Wer auf eine regelmäßige Wagenwäsche verzichtet, leistet so dem Wertverfall des Autos unnötigen Vorschub.

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Handwäsche oder Waschanlage?

Bei ungemütlichen Außentemperaturen dürften die wenigsten Lust auf eine – vielerorts übrigens verbotene – Handwäsche verspüren. Wer es dennoch macht, sollte die Schlauchwäsche oder Kärcherreinigung einer Eimerwäsche vorziehen. Denn gerade sandiger und salziger Schmutz muss mit viel Wasser abgespült werden. Mit Schwamm, Lappen und schmutzigem Wasser aus dem Eimer läuft man Gefahr, dem Auto weitere Kratzer zu verpassen. Komfortabler, meist gründlicher und deutlich schneller erledigt diese Aufgabe ohnehin eine Waschanlage.

Sekundärschäden durch ­Frostwäsche?

Wichtig: ADAC und Pflegeunternehmen empfehlen bei Temperaturen -10 °C, die Wagenwäsche zu vertagen: Die großen Temperaturdifferenzen – hier also ein Wärmeschock – können Materialspannungen erzeugen, die weder Glas noch Lack, Kunststoffen, Dichtungen und Karosserieklebern bekömmlich sind.

Welches Waschprogramm im Winter?

Im Winter sollte auf jene Programme, die Heißdampf oder Heißwachs beinhalten, verzichtet werden, da sich auch hier große Temperaturdifferenzen schädigend auswirken können. Aber genau das sollten seriöse Anlagenbetreiber ohnehin ab Außentemperaturen unter +5 °C nicht anbieten. Wir empfehlen nur TÜV- oder VDA-zertifizierte Reinigungsanlagen, also solche, die professionell überwacht sind. Bei einer Vorwäsche – möglichst mit zusätzlichem Schaumprogramm – werden hartnäckige Schmutzschichten angelöst und abgespült. Das gilt als lackschonender als ein sofortiger mechanischer Bürsteneinsatz (Schmirgeleffekt).

Unterbodenpflege darf nicht fehlen

Grundsätzlich gehört im Winter eine Unterbodenwäsche mit dazu – auch wenn das immer wieder angezweifelt wird. Aber gerade im Verborgenen sammelt sich besonders viel chemisch aktiver Schmutz an. Doch Vorsicht bei Anlagen, die mit einer Brauchwasseraufbereitung betrieben werden. Hier kann der winterliche Salzeintrag groß sein. Grundsätzlich sollte der pH-Wert (Maß für den sauren oder basischen Charakter des Wassers) 7,5 bis 8,0 betragen, also neutral sein. Das ist dann chemisch unbedenklich. Übrigens: Besonders an sonnigen Wintertagen, wenn viele ihr Auto waschen lassen, steigt der Salzgehalt im Brauchwasser-Kreislauf an. Dann wird der Unterboden durchaus auch mit "salzigem Wasser" gereinigt, was nicht erstrebenswert ist. Moderne, gut eingestellte Anlagen reduzieren mit erhöhter Frischwasserzugabe eine solche Versalzung.

Empfehlenswert sind Premium-Wäschen mit chemischer Trocknungshilfe oder abschließendem Wachsauftrag, weil beim letzten Sprühvorgang hier grundsätzlich nur Gemische mit salzfreiem Frischwasser auf das Autoblech gelangen. Befürchtungen, dass durch die Unterbodenwäsche Waschwasser unkontrolliert in Ritzen und Hohlräume eindringt, sind übrigens unbegründet, denn in Waschanlagen wird nicht mit einem harten Strahl, sondern mit Sprühnebel gearbeitet, der in etwa der Gischt auf regennassen Straßen bei 100 km/h entspricht – für das Auto also eine typische Situation. Und die Erfahrung lehrt: Auch eine kräftige Gossen- oder Pfützen-Durchfahrt verkraftet der Unterboden schadlos. Nur sollte er eben nicht über längere Zeit mit aggressiver Salzkruste kontaminiert sein. Genau dagegen hilft nur eine Unterbodenwäsche.

Grundsätzlich ist auch der Unterbodenschutz moderner Fahrzeuge deutlich besser als noch vor ein paar Jahren. Vollverzinktes Blech, Kunststoff-Abdeckungen oder Karosserien mit hohem Aluminium-Anteil bieten einen "natürlichen" Korrosionsschutz. Dennoch: Ohne Unterbodenwäsche im Winter oder zumindest eine regelmäßige Kontrolle geht es nicht. Jede Verletzung durch Steinschlag oder Aufsetzen kann böse Folgen haben. Auch Fahrwerk, Bremsen und die Abgasanlage sowie unzählige Kleinteile wie Schlauchschellen, Metall-Clips und Schraubverbindungen halten länger, wenn sie regelmäßig von aggressiven Winterchemikalien befreit werden.

Rotationsbürste oder Lappen-­Wäsche?

Im Winter haben rotierende Bürsten einen großen Vorteil gegenüber der sogenannten Textilwäsche in der Waschstraße: Durch die Fliehkraft der rotierenden Bürsten einer Portalwaschanlage werden Schmutzpartikel aus den weichen Polyurethan-Borsten kontinuierlich herausgeschleudert und können dem Autolack dann nichts mehr anhaben. Bei den großen, hängenden Lappen, die in Waschstraßen sanft über den Lack gleiten, bleiben dagegen mitunter Silikate, also Sandkörnchen, von winterlich stark verschmutzten Autos am filzartigen Kunststofflappen haften. Diese könnten ärgerliche Kratzer am empfindlichen Lack verursachen. Damit das nicht passiert, ist eine gründliche, waschstraßeninterne Vorwäsche nötig und auch meist vorhanden. Während die Autowäsche in den deutschlandweit über 14.000 Portalwaschanlagen (Tankstellen) in sechs bis zehn Minuten erledigt ist, dauert es in Waschstraßen (in Deutschland 1850 Anlagen) etwas länger. Allerdings gelingt hier der Trocknungsprozess deutlich gründlicher, was im Winter durchaus von Vorteil ist.

 

Nach der Wäsche konservieren

Unterbodenbeschichtung, Hohlraumkonservierung, Wachsauftrag oder Keramik-Versiegelung gelten nach wie vor als probate Mittel, um das geliebte Auto nach einer gründlichen Winterwäsche für den nächsten Kälteeinbruch fit zu machen. Dann kann auch die Fahrt auf einer frisch gelaugten Piste dem Auto kaum etwas anhaben.

 

Unterbodenwäsche selbst gemacht

  1. Geeigneten und zulässigen Waschplatz aufsuchen

  2. Fahrzeug aufbocken (Hebebühne, Waschrampe, Wagenheber)

  3. Hochdruckreiniger auf mittlere Stärke einstellen, möglichst Winkeldüse nutzen

  4. Radkästen mit dem Wasserstrahl abspülen, Fahrwerk- und Achsbereich reinigen

  5. Öffnungen im Unterboden, empfindliche Mechanik, Bremsen, Auspuff, Lambdasonde und Elektrik unbedingt verschonen

  6. Unterboden auch flächig ­säubern

  7. Empfehlenswert sind Lösungsmittel wie Auto-Intensivreiniger oder Autoshampoos

  8. Nach Einwirkzeit die Chemie mit geringem Sprüh-Druck gründlich abspülen

  9. Türausschnitte, Hauben- und Klappenrahmen mit Lappen sowie Wasser reinigen

  10. Dichtungen und Schlösser trocknen und mit Pflegemittel konservieren

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