Vergleich

V8-Brummer im Duell: Audi Q7 4.2 gegen Porsche Cayenne S

Der Vergleichstest aus der POWERCAR 02/2006 mutet wie ein Truck-Grand Prix der Überflieger an: Der neue Audi Q7 4.2 FSI kombiniert riesige Abmessungen mit lebhaftem Temperament. Genug, um den Porsche Cayenne S mit einem Satz zu überholen?

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Audi Q7 4.2 und Porsche Cayenne S fahrend von vorne.
Im Youngtimer-Alter gelandet: Audi Q7 4.2 TFSI und Porsche Cayenne kombinierten im Vergleichstest der POWERCAR 02/2006 V8-Motor und wuchtige SUV-Ausmaße. Foto: Bernd Ebener
Der Audi Q7 4.2 fahrend von vorne.
Windgeräusche und 20-Zöller machen sich beim Q7 bemerkbar. Foto: Bernd Ebener
Der Audi Q7 4.2 fahrend von hinten.
Erstaunlich wendig: Trotz seiner Abmessungen wirkt der Q7 sportlich. Foto: Bernd Ebener
Das Cockpit des Audi Q7 4.2.
Nahezu perfekt: Kommando-Brücke des Q7-Dickschiffs Foto: Bernd Ebener
Die Sitze des Audi Q7 4.2.
Bis zu sieben Personen passen in den deutlich längeren Q7. Foto: Bernd Ebener
Der Motor des Audi Q7 4.2.
Audi: 4,2-l-V8 mit 350 PS (257 kW) und Benzindirekteinspritzung. Foto: Bernd Ebener
Der Porsche Cayenne S fahrend von vorne.
Der Porsche Cayenne S behält beim Sprint von null auf 100 km/h die Nase vorn – er ist auch mit Schaltgetriebe verfügbar. Foto: Bernd Ebener
Der Porsche Cayenne S fahrend von hinten.
Von wegen Trägheit der Masse: Trotz seines hohen Gewichts von 2,5 t legt der Porsche Cayenne S die Fahrdynamik eines Sportwagens an den Tag. Foto: Bernd Ebener
Das Cockpit des Porsche Cayenne S.
Klassisch: Cayenne-Cockpit. Die Lenkradtasten sind sehr groß. Foto: Bernd Ebener
Die Sitze des Porsche Cayenne S.
Im Porsche gibt es keine dritte Sitzreihe, dafür aber die Wahl zwischen Handschalter und Automatik. Foto: Bernd Ebener
Der Motor des Porsche Cayenne S.
Porsche: bulliger 4,5-l-V8 mit 340 PS (250 kW). Foto: Bernd Ebener

Vergleichstest aus der POWERCAR 02/2006: Audi Q7 4.2 TFSI trifft Porsche Cayenne S

Früher waren Sportwagen klein und Geländewagen behäbig. Doch nichts bleibt, wie es ist: Porsche baut mit dem Cayenne einen großen Offroader, und Audi präsentiert den mächtigen Q7 im amerikanischen Bullig-Look. Er ist eine Mischung aus Van und allradgetriebenem SUV (Sport Utility Vehicle).

Der Q7 ist zwar kein Spezialist für ganz schweres Gelände, verspricht mit 350 PS (257 kW) starker V8-Motorisierung aber atemberaubende Fahrleistungen. Doch ist er auch eine Alternative zum kaum schwächeren, ebenfalls von einem V8 angetriebenen Porsche Cayenne S?

Der Porsche Cayenne Electric im Video

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Video: AUTO ZEITUNG

Der Audi Q7 ist ein dynamisches Dickschiff

Bescheiden tritt der Q7 auf jeden Fall nicht auf: Mit einer Außenlänge von 5,09 m übertrifft der fast zwei Meter breite Audi sogar die aktuelle S-Klasse von Mercedes und lässt den auch nicht eben kompakten Porsche Cayenne (4,78 m) geradezu zierlich aussehen – die Parkplatzsuche in historischen Stadtkernen wird da schnell zum nervenden Glücksspiel. Falls diese Aktion etwas länger dauert, sitzt man zumindest sehr bequem: Über beengte Platzverhältnisse im Innenraum muss sich im Q7 niemand beklagen.

Trotz der wuchtigen Mittelkonsole gibt es ein fürstliches Raumangebot – vorn ebenso wie auf den Rücksitzen. Der Cayenne wirkt nur im direkten Vergleich knapp geschnitten. Selbst Basketballprofis werden sich in ihm wohlfühlen. Wer gern mit viel Gepäck reist: Das Kofferabteil des Q7 fasst bei fünf Sitzen ein Volumen von 775 l, mehr als mancher Van. Bei Bedarf lassen sich zwei zusätzliche Sitzplätze aufklappen. Diese Option bietet der Porsche nicht, dafür aber mit 576 kg (Audi: 503 kg) die höchste Zuladung und einen Laderaum mit 540 l Volumen.

Der Audi Q7 4.2 fahrend von vorne
Foto: Bernd Ebener

Obwohl beide Edel-Offroader auf Wunsch mit geballter Technologie und komplexen Ausstattungs-Features aufwarten, ist ihre Bedienung erfreulich logisch und auch ohne Intensiv-Seminar leicht durchschaubar. Das MMI-System (Multi Media Interface) von Audi, das – je nach Umfang der Funktionen, die es abdeckt – bis zu 1100 Euro Aufpreis kostet, überzeugt besonders.

Einziges Manko: Im Q7 ist es weit hinten auf dem Mitteltunnel untergebracht. Wer es bedienen will, muss seinen Blick zwangsläufig von der Fahrbahn abwenden. Dank serienmäßigem Bremsassistenten und optional erhältlichen Seiten-Airbags hinten kann der Ingolstädter den Porsche Cayenne S auch bei der Sicherheitsausstattung übertreffen.

Der Cayenne S kombiniert einen kernigen Handschalt-V8 mit 2,5 t Lebendgewicht

Wie man in den Dickschiffen sitzt? Chefmäßig hoch und sehr bequem. Zwar könnten die Sitze des Porsche eine bessere Seitenführung bieten, ansonsten stehen sie dem üppig dimensionierten Ledergestühl des Bayern aber in nichts nach. Die optionale Luftfederung des straffer ausgelegten Cayenne (2888 Euro Aufpreis) spricht auf Bodenunebenheiten besser an. Trotz seines über drei Meter langen Radstandes und der spürbar steiferen Karosserie gerät der ebenfalls luftgefederte Test-Audi (2510 Euro Aufpreis) diesbezüglich leicht ins Hintertreffen.

Flüsterleise gehen beide „Sport Utility Vehicles“ nicht ans Werk: Im Audi dominieren bei hohem Tempo Windgeräusche und der Abroll-Lärm der 20 Zoll großen Räder, im Cayenne drängelt sich der kernige V8 akustisch stark in den Vordergrund. Dabei steckt hinter dem klangvollen PS-Orchester des Porsche nicht nur Rauch, sondern auch Feuer: Trotz seines stattlichen Leergewichts katapultiert sich der handgeschaltete 2,5-Tonner in nur 7,1 s auf Tempo 100 – und lässt dabei den gut 70 kg leichteren, aber nur mit einer Sechsgang-Automatik erhältlichen Q7 4.2 FSI genau 0,7 s hinter sich.

Der Porsche Cayenne S fahrend von vorne
Foto: Bernd Ebener

Dessen direkt einspritzender Benzinmotor entzückt dafür mit einer beinahe turbinenhaften Kraftentfaltung. Der mit 340 PS (250 kW) um zehn PS schwächere 4,5 l große Achtzylinder des Cayenne S tritt ebenfalls kraftvoll an – und legt ab 3500 Touren noch mal richtig zu. Wer der Verlockung erliegt, das Temperament der beiden Dickschiffe voll auszukosten, dem oder der kommen an der Tankstelle die Tränen.

Flotte Autobahnetappen führen in den nominell 100 l großen Tanks zu dramatischen Strudeln – Verbräuche jenseits der 25-l-Marke sind bei den Höchstgeschwindigkeiten von 242 km/h (Porsche) oder sogar 248 km/h (Audi) gang und gäbe. Im Durchschnitt verköstigte der riesige Audi auf der POWERCAR-Messstrecke 19,2, der Porsche 20,1 l Super plus auf 100 km. Ärgerlich: Das Benzinreservoir des Q7 lässt sich ab dem 87. Liter nur noch mit viel Geduld weiter auffüllen – was die Reichweite von 521 km (Cayenne: 498 km) auf einen eher theoretischen Wert reduziert.

Üble Trinksitten, starke Bremsen

Die Fahrwerke zeigen sich dem überaus sportlichen Naturell beider Fahrzeuge absolut gewachsen. Speziell das Potenzial der riesig dimensionierten Bremsanlagen nötigt Respekt ab. Bereits im kalten Zustand steht der Cayenne S aus 100 km/h nach nur 36,7 m still – eine geradezu brachiale Vorstellung, die sich auch bei mehrfacher Wiederholung kaum verschlechtert. Der Audi benötigt im ersten Anlauf 1,9 m mehr, bevor er das Niveau seines schwäbischen Kontrahenten erreicht.

Ungläubiges Staunen unter unvoreingenommen Schaulustigen ruft auch die Leichtigkeit hervor, mit der die beiden Schwergewichte über den Handling-Parcours wieseln. Vor allem der Cayenne erweist sich als sehr behände. Er lenkt überraschend willig ein, erreicht beachtliche Kurvengeschwindigkeiten und zeigt genau das klar definierte, scharfe Fahrverhalten, das man von einem Porsche erwartet.

Der Q7 wirkt in diesen Disziplinen nicht ganz so eifrig und exakt, lässt sich aber trotz größerer Karosserie-Neigung kaum abhängen. Kommen die großen Fuhren ins Rutschen, bauen die 20-Zoll-Reifen schnell wieder Haftung auf – oder die elektronischen Stabilitätssysteme greifen helfend ein.

Natürlich, wer mit seinem hart verdienten Geld rechnen muss, für den kommen weder Q7 4.2 FSI noch Cayenne S in Betracht: Mit Neupreisen zwischen 63.285 (Porsche) und 64.900 Euro (Audi) sind sie große Investitionen. Auch der Unterhalt ist nicht billig, wie allein Versicherungskosten von jeweils fast 3000 Euro pro Jahr exemplarisch zeigen – ganz abgesehen vom Budget für die monatliche Benzinrechnung.

Von Klaus-Achim Peitzmeier

Fazit

Der neue Audi Q7 mit dem starken V8-Benzindirekteinspritzer-Motor ist ein erstaunliches Auto: Mit seinen beeindruckenden Abmessungen und einem auf den amerikanischen Markt ausgerichteten Design ist er optisch kein Aufreger, besticht aber durch seine Handlichkeit und ein geradezu sportliches Temperament. Das riesige Platzangebot und die durchdachte Bedienung sprechen für ihn. Dennoch bremst ihn der Porsche Cayenne S durch seine dynamischen Talente buchstäblich aus: Die Fahreigenschaften des schwäbischen Offroaders erinnern ständig an die eines Sportwagens.

Technische Daten von Audi Q7 4.2 TFSI und Porsche Cayenne S

POWER CAR 02/2006

Audi Q7 4.2 TFSI

Porsche Cayenne S

Zylinder / Ventile pro Zylin.

8 / 4

8 / 4

Hubraum

4163 cm³

4511 cm³

Leistung

257 kW/350 PS bei 6800 U/min

250 kW/340 PS bei 6000 U/min

Max. Gesamtdrehmoment bei

440 Nm bei 3500 U/min

420 Nm bei 2500 U/min

Getriebe / Antrieb

6-Stufen-Automatik / Allrad

6-Gang-Getriebe / Allrad

L / B / H

5086 / 1983 / 1737 mm

4782 / 1928 / 1699 mm

Leergewicht

2432 kg

2504 kg

Bauzeit

2005 – 2010

2002 – 2007

Stückzahl

k.A.

k.A.

Beschleunigung null auf 100 km/h

7,8 s (PC 2/2006)

7,1 s (PC 2/2006)

Höchstgeschwindigkeit

248 km/h (PC 2/2006)

242 km/h (PC 2/2006)

Verbrauch auf 100 km

19,2 l SP (PC 2/2006)

20,1 l SP (PC 2/2006)

Grundpreis (Jahr)

64.900 Euro (2006)

63.285 Euro (2006)