Vergleich

V8 made in Germany: Opel Diplomat V8 Coupé trifft Porsche 928

Mit amerikanischer Hilfe hob Opel das Diplomat V8 Coupé in den Stand der drehmomentstarken V8-Boliden. Porsche setzte beim rundum neuen 928 lieber auf eigenes Know-How. Ein ungleiches Duell zwischen 16 Zylindern!

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Der Opel Diplomat V8 Coupé und Porsche 928 fahrend von schräg vorne fotografiert.
Mit amerikanischer Hilfe hob Opel den Diplomat in den Stand der drehmomentstarken V8-Boliden. Porsche setzte beim rundum neuen 928 lieber auf eigenes Know-how. Foto: Frank Ratering
Der Opel Diplomat V8 Coupé fahrend von schräg vorne fotografiert.
Mit 304 Exemplaren blieb das Opel Diplomat V8 Coupé eine Randerscheinung – vielleicht war es nicht amerikanisch genug, vielleicht aber auch einfach zu teuer. Foto: Frank Ratering
Der Opel Diplomat V8 Coupé fahrend.
Länge und Breite des 1,6 t schweren Coupés entsprachen den KAD-Limousinen, das vinylbezogene Dach war allerdings etwas flacher. Foto: Frank Ratering
Das Cockpit des Opel Diplomat V8 Coupé.
Filigran detailliert: Bandtacho, Hupenring und Holzdekor führen sofort zurück in die 60er-Jahre. Foto: Frank Ratering
Der Innenraum des Opel Diplomat V8 Coupé.
Immerhin gab es im Diplomat Coupé schon zwei (klappbare) Einzelsitze in der ersten Reihe. Foto: Frank Ratering
Die Rücksitze des Opel Diplomat V8 Coupé.
Der Einstieg in den Fond mit zwei angedeuteten Einzelsitzen gelingt recht gut, Platz ist hier ebenfalls reichlich vorhanden. Foto: Frank Ratering
Der Motor des Opel Diplomat V8 Coupé.
Sportwagen oder Truck: Der Chevy-V8 war ein Standardmotor und das Coupé ausschließlich mit der 230 PS (169 kW) starken 5,4-l-Version zu haben. Foto: Frank Ratering
Der Porsche 928 fahrend von schräg vorne fotografiert.
Größer, alltags- und reisetauglicher sollte der 928 fast das Erbe des 911 antreten. Ein Veto der Fans verhinderte dies. Der Viersitzer durfte nun oberhalb des 911 mit V8 vor allem in den USA auf Kundenfang gehen. Foto: Frank Ratering
Der Porsche 928 fahrend von hinten fotografiert.
Das ungewöhnlich runde Heck mit der großen Glasscheibe macht den 928 bis heute unverwechselbar. Foto: Frank Ratering
Das Cockpit des Porsche 928.
Anders, aber nicht zu abgefahren: Porsche-Fans sollten sich auch im 928 heimisch fühlen. Klappscheinwerfer kannte man schon von 914 und 924. Foto: Frank Ratering
Der Innenraum des Porsche 928.
Die Sitze mit speziellen Stoffen und gesticktem Schriftzug verraten das Sondermodell zum 50. Firmenjubiläum (1981). Foto: Frank Ratering
Die Rücksitze des Porsche 928.
Eng anliegende Sportsitze gibt es auch im Fond des Porsche, die Sicht ist aufgrund der B-Säule eher bescheiden. Foto: Frank Ratering
Der Motor des Porsche 928.
Die USA im Visier: Für die neue Baureihe entwickelte Porsche einen eigenen Achtzylinder mit 4,4 l Hubraum und zunächst 240 PS (177 kW). Foto: Frank Ratering
Der Opel Diplomat V8 Coupé und der Porsche 928 fahrend von schräg hinten fotografiert.
Motor aus den USA vs. Motor für die USA: Der Opel mit Chevy-V8 ist auch fahrdynamisch nahe an den gemächlichen Dickschiffen aus Übersee, im sportlichen V8-Porsche verlieren Kurven dank ausgewogener Gewichtsverteilung schnell ihren Schrecken. Foto: Frank Ratering

Opel Diplomat V8 Coupé & Porsche 928 im Achtzylinder-Duell

Einer der Vorteile eines Classic Cars-Magazins ist es, dass man Autos gegeneinander antreten lassen kann, die als Neuwagen niemals im direkten Wettbewerb zueinander standen. So wie hier: Opel Diplomat Coupé gegen Porsche 928? Immerhin trennt diese beiden Coupés schon ein Altersunterschied von über zehn Jahren – das sind gut anderthalb Autogenerationen. Der Diplomat V8 wurde als Coupé von 1965 bis 1967 gebaut, der 928 rollte erst 1977 zu den Händlern. Der Opel war Bestandteil der riesigen KAD-Familie, der Porsche kam als komplett neues und eigenständiges Modell auf den Markt.

Wo also liegen die Gemeinsamkeiten, wo wird der Vergleich rund? Fast schon ketzerisch fällt der Blick auf die Verbrauchswerte: Ja, hier liegen sie in der Tat eng beisammen – aber das ist für den Status eines Klassikers eher zweitrangig. Bei der Leistung wird es spannend: 230 PS (169 kW) gab es in Rüsselsheim seinerzeit für das exklusive Opel Diplomat V8 Coupé an, Stuttgart ließ den Porsche 928 bei 240 PS (177 kW) beginnen. Beide Autos bezogen ihre Leistung aus einem Achtzylinder-Motor, beide Autos boten (zumindest theoretisch) Platz für vier Personen samt Gepäck. Das machte sie zum Reisecoupé, zum klassischen Gran Turismo. 

An dieser Stelle geht der Blick hin zum Ursprung beider Protagonisten: 1964 hatte Opel eine Reihe von Oberklasse-Limousinen auf den Markt gebracht, die je nach Ausstattung als Kapitän, Admiral oder Diplomat vermarktet wurden. 1965 wurde diese sogenannte KAD-Reihe um ein Coupé ergänzt, das auf dem Opel Diplomat basierte und grundsätzlich den ab dem gleichen Jahr für die übrigen Modelle optional erhältlichen 5,4-l-V8 unter der Haube trug.

Bei gleicher Grundfläche (Länge und Breite) war es etwas flacher als der Viertürer und erreichte dadurch auch eine etwas höhere Spitzengeschwindigkeit. Der amerikanische Einfluss im Hause Opel war mit dem Opel Diplomat Coupé weder zu übersehen noch zu überhören: Der Motor stammte natürlich aus dem GM/Chevrolet-Programm. Rechtzeitig zum Start der Muscle-Car-Ära hätte Opel im beliebten Segment mitmischen können, doch die Europäer:innen konnten mit dem Auto (noch) nicht viel anfangen. Es blieb bei knapp über 300 Exemplaren, die Karmann in zwei Jahren fertigte.

Der Porsche Cayenne Electric im Video

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Video: AUTO ZEITUNG

Mit dem 928 zielte Porsche auf die USA ab

Bei Porsche war zu jener Zeit noch eine Monokultur angesagt: Der 911 und sein Vierzylinder-Derivat 912 hatten gerade den 356 abgelöst. Trotzdem dachten die Verantwortlichen bereits über einen Ausbau der Modellpalette nach – wobei man den sportlichen Fahrzeugen treu bleiben würde.

Dem Mittelmotor-Sportwagen 914 folgte 1975 das erste Auto mit Frontmotor und Transaxle-Bauweise: der 924. Das Konzept war erfolgversprechend, Harm Lagaay zeichnete ein weiteres, größeres Modell, den 928. Der sollte sogar den 911 ablösen. Dessen Fans aber legten ihr Veto ein, aus dem Porsche 928 wurde schließlich eine eigene Baureihe.

Der Porsche 928 fahrend von schräg vorne fotografiert.
Foto: Frank Ratering

Tatsächlich war der große Porsche 928 ganz anders positioniert als der bisherige 911: Vier vollwertige Sitze und der große Kofferraum unter der verglasten Heckklappe machten ihn deutlich reise- und alltagstauglicher als den bekannten – und in seinem Segment bewährten – Heckmotor-Sportwagen. Die Fahrdynamik spielt bei Porsche traditionell eine große Rolle, so auch in diesem Fall: Die sogenannte Weissach-Hinterachse bot ein hohes Maß an Fahrsicherheit.

Es hätte nicht zur Marke gepasst, den Motor zuzukaufen. Da Porsche vor allem den amerikanischen Markt im Visier hatte, musste es natürlich ein V8 sein, der im eigenen Hause entstand. Mit 4,4 l Hubraum bewegte man sich im Feld der kleineren US-Motoren, die Leistung von ursprünglich 240 PS (177 kW) war aber deutlich präsenter als in den amerikanischen Big Blocks, wo ein Großteil der Leistung im Wandler verpuffte.

Chevy-V8 im Opel Diplomat Coupé

Damit schließt sich der Kreis zum Opel Diplomat Coupé: Ja, die 230 PS (169 kW) sind da. Irgendwo zwischen Kurbelwelle und Hinterachs-Differenzial. Die Zweistufen-Automatik verleiht dem Opel dieses typisch amerikanische Fahrgefühl. Die Fuhre bäumt sich auf, der Motor verkündet mit kernigem Bass, dass er die Arbeit aufgenommen hat – irgendwann setzt sich das Fünf-Meter-Schiff schaukelnd in Bewegung.

Das fast filigran detaillierte Cockpit des Oldtimers mag kaum zum drehmomentstarken V8 und dem äußeren Erscheinungsbild passen. Aber das war beim Chevy Nova, der als Vorbild für die erste KAD-Generation gilt, ganz ähnlich. Der Opel Diplomat ist ein Kind der 60er, bietet viel Platz, aber wenig Halt.

Das Opel Diplomat V8 Coupé fahrend von schräg vorne fotografiert.
Bildunterschrift eingeben Foto: Frank Ratering

Das macht der Porsche 928 anders. Das Cockpit ist um den Fahrersitz herumgebaut, die Sitze scheinen einen umarmen und festhalten zu wollen. Und der Motor setzt in Zusammenarbeit mit dem Fünfganggetriebe (eine Automatik gab es optional) jeden Gasstoß umgehend in Vortrieb um. Bei 206 km/h ist Schluss im Opel Diplomat, und selbst die will man ihm (und sich selbst) eigentlich gar nicht zumuten. Lenkpräzision ist aufgrund der Kugelumlauflenkung und der relativ schmalen, hohen Reifen kein Thema. Außerdem will der Opel förmlich ums Eck gewuchtet werden. Das geht absolut in Ordnung, man muss sich eben darauf einlassen. So gewinnt auch der Kickdown schnell seinen Reiz: Das Opel Diplomat Coupé schüttelt sich und stürmt nach vorn.

Der Porsche 928 macht das alles gelassener, mit bis zu 232 km/h will er davonrennen, erreicht schon die 100er-Marke deutlich schneller. Auch die Kurven verlieren wegen des ausgewogenen Gewichtsverhältnisses schnell ihren Schrecken. Ohne ständig auf die Eckdaten und Werte zu schielen: Was diese Autos eint, ist ihre souveräne, gediegene Kraftentfaltung – und ihr Platzangebot, das sie bei Bedarf durchaus zum Begleiter im Alltag werden lässt.

Technische Daten von Opel Diplomat V8 Coupé & Porsche 928

Classic Cars 10/2021

Opel Diplomat V8 Coupé

Porsche 928

Zylinder/Ventile pro Zylin.

8/2

8/2

Hubraum

5354 cm³

4420 cm³

Leistung

169 kW/230 PS

177 kW/240 PS

Max. Gesamtdrehmoment bei

435 Nm 3000-3200/min

380 Nm 3600/min

Getriebe/Antrieb

2-Stufen-Automatik/Hinterrad

5-Gang-Getriebe/Hinterrad

L/B/H

4948/1902/1432 mm

4447/1836/1282 mm

Leergewicht

1610 kg

1465 kg

Bauzeit

1965-1967

1977-1986

Stückzahl

304

18.000

Beschleunigung null auf 100 km/h

9,5 s

6,9 s

Höchstgeschwindigkeit

206 km/h

232 km/h

Verbrauch auf 100 km

15 l S

15,8 l S

Grundpreis (Jahr)

25.500 Mark (1965)

55.000 Mark (1977)

Fazit

Im Prinzip ist dieses Duell ein Duell der Motoren. Fast möchte man von Anbiederung sprechen, als der Autobauer des legendären Sechszylinder-Boxers plötzlich im Porsche 928 einen eigenen V8 für den US-Markt entwickelte – immerhin zeigte dieser, Porsche-typisch, 1977 den Stand der Technik. Opel hingegen nutzte die Möglichkeit und verpflanzte den in der Familie ohnehin vorhandenen Kultmotor in seine große Baureihe. Schaut man auf die Verkaufszahlen, ist das 928-Konzept am Ende besser aufgegangen: Mit 304 Exemplaren blieb das Opel Diplomat V8 Coupé eine Randerscheinung – vielleicht war es nicht amerikanisch genug, vielleicht aber auch einfach zu teuer…