Verbrenner-Verbot (Benzin-/Dieselautos) Deutsche wollen Verbrenner laut Umfrage behalten

von Christina Finke 26.03.2021
Inhalt
  1. Scheuer will Ende des fossilen Verbrenners bis 2035
  2. ZEV-Allianz: Verbrenner-Verbot für Benzin- und Dieselautos in Deutschland absehbar
  3. Geplante Verbote von Benzin- und Dieselautos im Ausland (Tabelle)
  4. Großbritannien (Schottland): Verbrennungsmotoren ab 2030 verboten?
  5. Irland überlegt Verbot von Benzin- und Dieselautos ab 2030
  6. Verbot von Verbrennungsmotoren in Dänemark & Norwegen
  7. Schweden nennt Zeitpunkt für Verbot von Benzin- und Dieselautos
  8. USA: Bundesstaat Kalifornien verbietet ab 2035 Verbrenner

Während in anderen Ländern das Verbrenner-Verbot längst in Planung ist, wird in Deutschland noch diskutiert. Zuletzt forderte Verkehrsminister Andreas Scheuer das Ende für Benzin- und Dieselautos, bis 2035. Mehrere Umweltverbände fordern ein Verbrenner-Aus bereits bis spätestens 2030. Und: Laut einer aktuellen Umfrage will die Mehrheit der Deutschen Autos, die mit fossilen Kraftstoffen angetrieben werden, behalten. Dieser Artikel wird laufend aktualisiert!

 

Scheuer will Ende des fossilen Verbrenners bis 2035

  • Nach Vorstellung von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sollen Autos mit Verbrennungsmotoren ab 2035 nur noch auf die Straßen kommen, wenn sie mit synthetischen Kraftstoffen angetrieben werden. Klassische Verbrenner – also Benzin- und Dieselautos, die mit fossilen Kraftstoffen angetrieben werden – sollen innerhalb der nächsten 15 Jahre auslaufen, so der Politiker Mitte März 2021. Ein völliges Verbrenner-Verbot drohe mit Blick auf synthetische Kraftstoffe aber nicht. "Um die in Deutschland hoch entwickelte Technologie des Verbrenners in die Zukunft zu führen, müssen die synthetischen Kraftstoffe raus aus dem Reagenzglas und rein in die Massenproduktion", sagte Scheuer. Um sie konkurrenzfähig zu machen, braucht es dem Minister zufolge den Druck durch den:die Gesetzgeber:in. "Wir müssen technologieoffen bleiben und gleichzeitig weiter strenge Klimaschutz-Vorgaben machen, damit die Anreize da sind, die nächsten 15 Jahre zu nutzen, um konkurrenzfähige, saubere Kraftstoffe für Verbrenner zu entwickeln." Greenpeace-Verkehrsexperte Benjamin Stephan bezeichnete Scheuers Idee "von einer sauberen Zukunft des Verbrennungsmotors" als "brandgefährlich", sowohl für den Klimaschutz als auch für die Autoindustrie. "Die Herstellung synthetischer Kraftstoffe benötigt Strom. Mit der gleichen Menge Strom fährt ein E-Auto mit Batterie mindestens fünfmal so weit wie ein Verbrenner mit strombasiertem Kraftstoff. Eine solche hanebüchene Verschwendung macht strombasierte Kraftstoffe dauerhaft viel zu teuer für den Betrieb von Autos." Der Verbrennungsmotor habe keine Zukunft, ganz gleich, womit man ihn betreibt. Er forderte ein Auslaufdatum für alle Verbrennungsmotoren von der Bundesregierung. Auch andere Politiker wie CSU-Chef Markus Söder und Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatten sich bereits im Herbst 2020 für ein Auslaufen fossil betriebener Autos bis 2035 ausgesprochen. Nach früherer Einschätzung des Auto-Experten Ferdinand Dudenhöffer würde ein fester Termin den Ausstieg für Hersteller und Energieversorger berechenbar machen.

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  • Die Mehrheit der Deutschen lehnt einer aktuellen Umfrage aus März 2021 zufolge ein Verbrenner-Verbot für neue Benzin- und Dieselautos ab. Auf die Frage: "Ab wann sollten Ihrer Meinung nach keine Autos mit Verbrennungsmotoren in Deutschland mehr verkauft werden?", sagten 55 Prozent der Befragten: "Kein zeitliches Limit." Das Meinungsforschungsinstitut Civey hatte im Auftrag des Berliner "Tagesspiegels" am 15. und 16. März 2021 insgesamt 2502 Bürger:innen repräsentativ befragt. Die Grünen wollen ab 2030 "nur noch abgasfreie Neuwagen zulassen". Laut der Umfrage stimmen lediglich 22 Prozent der befragten Bürger:innen dieser Forderung zu. Selbst unter den Grünen-Anhänger:innen befürworten nur 55 Prozent ein solches Zulassungsverbot von Benzinern und Dieselautos.

  • Mehrere Umweltverbände haben im März 2021 in einem gemeinsamen Brief die deutschen Autobauer aufgefordert, bis spätestens 2030 keine neuen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor mehr zu verkaufen. Hersteller wie Volkswagen, Daimler und BMW müssten ihre Produktion stattdessen auf "effiziente und verbrauchsarme Elektrofahrzeuge ausrichten", heißt es in dem Brief, den unter anderen der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), Germanwatch und die Deutsche Umwelthilfe unterschrieben haben. Für Hybrid-Fahrzeuge gelte die Forderung nach einem Verkaufsstopp gleichermaßen, wie die Unterzeichner erklärten. "Die angekündigten SUV-Modelle sind ein klimapolitischer Irrweg", schreiben die Verbände, die auch synthetischen Kraftstoffen und Kraftstoffen aus Biomasse im Straßenverkehr eine Absage erteilen. Die EU-Kommission will Ende 2021 neue und ehrgeizigere Schadstoff-Grenzwerte für Autos und Vans vorschlagen. Sie sollen 2025 in Kraft treten. Die Automobilbranche befürchtet dadurch ein vorzeitiges Ende des klassischen Verbrennungsmotors – also genau das, was Umweltverbände nun mit Nachdruck fordern.

  • Während in Europa immer mehr Staaten ein Verkaufsverbot von Verbrennermotoren forcieren wollen, beschäftigt sich eine Studie im Auftrag von Greenpeace mit der Zukunft der Benzin- und Dieselautos. Laut ihrer Erkenntnis müsste deren Verkauf bis spätestens 2028 gestoppt werden, um die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens erreichen zu können. Noch einmal zwölf Jahre später, also im Jahr 2040, müssten alle Verbrenner von Europas Straßen verbannt werden. Die Studie der Forschungsinstitute Climact und NewClimate will herausgefunden haben, dass die Treibhausemissionen in beinahe allen Wirtschaftssektoren innerhalb der vergangenen Jahre zurückgegangen sind. Die Emissionen des Verkehrs aber nicht – sie liegen aktuell 28 Prozent höher als noch im Jahr 1990. Greenpeace-Sprecher Benjamin Stephan bezeichnet ihn deshalb als "Schmuddelecke im Klimaschutz". Neben der Verbote von Benzin- und Dieselautos müsse laut der Studie auch dafür gesorgt werden, dass in der EU bis 2040 die Anzahl der Autos um 47 Prozent sinkt. Um Mobilität weiterhin gewährleisten zu können, müssten also Radwege und das Schienennetz ausgebaut werden. Mehr zum Thema: Die CO2-Bilanz von Elektroautos

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  • Die Chefin des Branchenverbandes VDA, Hildegard Müller, sprach sich in der "Süddeutschen Zeitung" Mitte März 2021 gegen den Vorstoß von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer aus. Ein Ausstieg aus der Verbrennertechnik wäre nach derzeitigem Stand der Elektrifizierung zu früh und man könne "keine Diskussion über Jahreszahlen führen". Der Forderung der Grünen, Autos sollen ab 2030 abgasfrei fahren, entgegnet sie, dass dann rund 30 Millionen Benziner und Diesel verboten würden. Müller sieht "mehr Kraftstoffe aus nachhaltigen Quellen" als bessere Alternative an. Zu den EU-Plänen für eine neue, bedeutend strengere Abgasnorm Euro 7 kommentiert die Chefin des Branchenverbandes VDA: "Die Kommission will vorschreiben, dass künftig ein Fahrzeug in jeder Fahrsituation quasi emissionsfrei bleiben muss – sei es mit Anhänger am Berg oder im langsamen Stadtverkehr. Das ist technisch unmöglich und das wissen auch alle". Damit kämen die geplanten Verschärfungen einem Verbot von Verbrennungsmotoren gleich. Die "Bild am Sonntag" berichtete im November 2020 über eine Studie, die als Grundlage der Euro 7-Norm dienen solle und teils deutlich strengere Regeln nahelege als in der Abgasnorm Euro 6. Zunächst sollen die Ergebnisse diskutiert und später, im ersten Halbjahr 2021, Folgenabschätzungen der Euro 7-Norm veröffentlicht werden. Beschlossen sei noch nichts.

  • Der CSU-Chef Markus Söder und der Chef des Umweltbundesamtes, Dirk Messner, wollen ein Zulassungsverbot für Autos mit Verbrennungsmotoren ab 2035. "Ich bin sehr dafür, dass wir uns ein Enddatum setzen, ab dem Zeitpunkt, an dem fossile Verbrenner mit fossilen Kraftstoffen nicht mehr neu zugelassen werden können", so der CSU-Chef Söder auf einem Parteitag der CSU. "Kalifornien hat es vorgemacht", sagte Messner den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Ein Verbot von Neuzulassungen für Diesel und Benziner ab 2035 halte ich für eine gute Idee." Der bevölkerungsreichste US-Bundesstaat Kalifornien will Autoabgase drastisch reduzieren und ab dem Jahr 2035 nur noch emissionsfreie Neuwagen erlauben.

  • Die EU-Kommission sucht nach einem möglichen Enddatum für den Verkauf von Benzin- und Dieselautos – und zwar deutlich früher als bislang geplant. Das geht aus einem offiziellen Schreiben der Brüsseler Behörde ans EU-Parlament, den Rat und weitere europäische Instanzen Ende September 2020 hervor. Konkret  heißt es hier: "Die Kommission wird in den kommenden Monaten überprüfen, was in dem (Verkehrs-)Sektor erforderlich ist, damit er zur Klimaneutralität bis 2050 beitragen kann, und ab welchem Zeitpunkt Autos mit Verbrennungsmotor nicht mehr auf den Markt kommen sollten." Bis die Kommission detaillierte Vorschläge vorlegt, dürfte es aber noch mindestens ein halbes Jahr dauern. Da die Kommission allein aber kein Verbrennungsmotor-Verbot aussprechen kann, könnte die EU dies auf die Mitgliedstaaten übertragen, heißt es laut einem Bericht des "Spiegel" in Expertenkreisen. Auf Bundesebene hatten zuletzt die Grünen im November 2019 ein Verbot für Verbrennungsmotoren gefordert.

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Diese Konsequenzen hätte das Verbot für Verbrennungsmotoren (Video):

 
 

ZEV-Allianz: Verbrenner-Verbot für Benzin- und Dieselautos in Deutschland absehbar

Tatsächlich existiert mit dem Beitritt Deutschlands zur ZEV-Allianz (zero-emission vehicle) auf der UN-Klimakonferenz 2015 in Paris schon ein konkreter Zeitplan für ein Verbot von Verbrennungsmotoren beziehungsweise Benzin- und Dieselautos. Der Zusammenschluss setzt sich nämlich zum Ziel, spätestens im Jahr 2050 alle Fortbewegungsmittel, die nicht emissionsfrei fahren, von den Straßen zu verbannen – ein Verbrenner-Verbot scheint in Zukunft also unumgänglich. Zu der Vereinigung gehören neben Deutschland bereits andere Länder, Regionen und Bundesstaaten: Großbritannien, Niederlande, Norwegen, acht US-Bundesstaaten (u. a. Kalifornien) sowie die kanadische Provinz Quebec wollen das Verbot für Verbrennungsmotoren forcieren. Ziel der Anstrengungen ist es, den weltweiten Schadstoffausstoß um bis zu 40 Prozent zu senken und dabei zu helfen, den Klimawandel zu unterbinden. Außerdem wird die Ersparnis durch das Verbrennerverbot jährlich auf beträchtliche eine Milliarde Tonnen CO2-Emissionen geschätzt.

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Geplante Verbote von Benzin- und Dieselautos im Ausland (Tabelle)

LandJahr
Dänemark2030
Großbritannien2035
Frankreich2040
Indien2030
Irland2030
Island2030
Israel2030
Kanada2040
Niederlande2030
Norwegen2025
Schottland2032
Schweden2030
Slowenien2030
Taiwan2035
 

Großbritannien (Schottland): Verbrennungsmotoren ab 2030 verboten?

Ursprünglich plante Großbritannien, bis spätestens 2035 Verbrennungsmotoren zu verbieten. Nun, im November 2020, werden Pläne von Premierminister Boris Johnson bekannt, den Verkauf von Dieselwagen und Benzinern bereits 2030 verbieten zu wollen. Über das Verbrenner-Verbot hinaus hat sich Großbritannien zudem dazu verpflichtet, bis 2050 klimaneutral zu werden. Die schottische Regierung verfolgt ähnliche Pläne: Hier sollen bis 2032 keine Benzin- und Dieselautos mehr auf den Straßen unterwegs sein. Gleichzeitig verpflichtete sich die Regierung dazu, die Ladeinfrastruktur für Elektroautos auszubauen und bereits 2045 klimaneutral zu sein.

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Irland überlegt Verbot von Benzin- und Dieselautos ab 2030

Auch wenn es nach den Plänen der irischen Regierung geht, könnte ein Verbrenner-Verbot 2030 in Kraft treten und der Verkauf von Dieseln und Benziner verboten werden. In einem weiteren Schritt könnten ab 2045 sogar alle Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor ihre Zulassung verlieren. Im Gegenzug ist geplant, zunehmend in die Lade-Infrastruktur zu investieren. Bis 2025 soll an jedem neu errichteten Gebäude mit über zehn Stellplätzen mindestens eine Ladestation zur Verfügung stehen. Die Pläne der Regierung sind Teil eines umfassenden Klimaschutzplans, der dabei helfen soll, die Klimaziele zu erreichen und die hohen Treibhausgasemissionen des Landes zu reduzieren. 

 

Verbot von Verbrennungsmotoren in Dänemark & Norwegen

Dänemark will ein Verbot von Benzin und Dieselautos: Bis 2030 soll der Verkauf von reinen Verbrennern auslaufen, sagte der frühere Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen im Oktober 2018 vor dem dänischen Parlament. Stattdessen sollen die Dänen auf Hybrid-, Elektro- oder sonstige emissionsarme Fahrzeuge setzen. Bis 2035, so die Vision des ehemaligen Ministerpräsidenten, solle jeder Neuwagen in Dänemark elektrisch oder in anderer Weise emissionsfrei betrieben werden. Genauere Angaben zum Verbot von Verbrennungsmotoren blieb Rasmussen schuldig. In Norwegen soll bereits ab dem Jahr 2025 ein Verbot von Benzin- und Dieselautos und somit ein generelles Verbrennerverbot kommen. In dem skandinavischen Land sind bereits heute 50 Prozent der neu zugelassenen Fahrzeuge Elektroautos.

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Schweden nennt Zeitpunkt für Verbot von Benzin- und Dieselautos

Auch in Schweden sollen ab dem Jahr 2030 keine Benzin- und Dieselautos mehr verkauft werden. Damit sprach sich Ministerpräsident Stefan Löfven für ein generelles Verbot von Verbrennungsmotoren aus. Mit diesem Schritt möchte Schweden die Ziele des Pariser Weltklimaabkommens vorantrieben. Mit dem Aus für Fahrzeuge mit fossilen Brennstoffen soll zugleich das Lade- und Tanknetz für Fahrzeuge mit alternativen Antrieben ausgebaut werden. 

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USA: Bundesstaat Kalifornien verbietet ab 2035 Verbrenner

Der US-Bundesstaat Kalifornien verbietet ab 2035 Neuwagen mit Benzin- oder Dieselmotor.  Wie Gouverneur Gavin Newsom mitteilt, betrifft das Verbot für Verbrennungsmotoren sowohl Autos als auch Lastwagen. Gebrauchte Benziner oder Diesel-Fahrzeuge dürften dem Dekret zufolge aber weiterhin fahren und weiterverkauft werden.

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