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Vorstellung

Der zweite kanns: Kaufberatung zum VW Polo 86C

Der VW Polo Typ 86C war ein echter Erfolgstyp – und von Haus aus langlebiger konzipiert als sein Vorgänger. Wo liegen die Fallstricke des Einstiegsklassikers?

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Der VW Polo 86C stehend mit offener Motorhaube
Die Technik des VW Polo 86C zeigt sich im Alter als erstaunlich solide, die Karosserie oft weniger. Foto: Hardy Mutschler
Der VW Polo 86C fahrend von vorne
Die Rundscheinwerfer wichen für die 90er-Jahre später rechteckigen Leuchten. Foto: Hardy Mutschler
Der VW Polo 86C fahrend seitlich
Zugegeben: Das Coupé von Carsten Funk hat eine um 50 mm verringerte Trimmlage – es sei schließlich „ein Fahr- und kein Stehzeug“. Foto: Hardy Mutschler
Der VW Polo 86C fahrend von hinten
Für die unterschiedlichen Polo-Versionen können die Preise auf dem Klassikermarkt stark variieren. Coupés sind deutlich gefragter als das Steilheck. Foto: Hardy Mutschler
Das Cockpit des VW Polo 86C
Nachgewürzt: Der Drehzahlmesser stammt aus dem GT-Modell, das Sportlenkrad von Raid, der Schaltknauf von Kamei und das CD-Radio aus dem Zubehör. Foto: Hardy Mutschler
Die Sitze des VW Polo 86C
Untypisch für die damalige Kleinwagenklasse: die komfortablen und haltstarken Sportsitze. Verschlissene Wangen sind heute normal. Foto: Hardy Mutschler
Die Rückbank des VW Polo 86C
Drei Plätze bietet die Rückbank, einigermaßen komfortabel finden aber nur zwei Personen Platz. Die Fondpassagiere würden so oder so eher zum Steilheck greifen. Foto: Hardy Mutschler
Der Motor des VW Polo 86C
Alle Polo-Motoren sind robuste Dauerläufer, oft klappt eine Umrüstung der Einspritzer auf Euro 2 / D3. Foto: Hardy Mutschler
Der Scheibenrahmen des VW Polo 86C
Scheibenrahmen: Neigen zu Korrosion, der Windlauf ebenso. Foto: Hardy Mutschler
Das Abschlussblech des VW Polo 86C
Abschlussblech: Die Verbindung zur Reserveradmulde ist ein weiteres potenzielles Rostbiotop. Foto: Hardy Mutschler
Die Schaltwelle des VW Polo 86C
Schaltwelle: Hängt hier ein Tröpfchen Öl, ist der Simmerring hinüber. Foto: Hardy Mutschler
Die Wagenheberaufnahme des VW Polo 86C
Wagenheberaufnahme: Rostet von innen, bei beschädigtem U-Schutz auch von außen. Foto: Hardy Mutschler
Die Vorderachse des VW Polo 86C
Vorderachse: Ihre Lager sind im Alter oft fällig, etwa an Stabilisator oder Querlenker. Foto: Hardy Mutschler
Der Radlauf des VW Polo 86C
Radlauf: Unter der schmucken Plaste-Verkleidung sitzt oft der Gilb. Das gilt auch für den Schweller. Foto: Hardy Mutschler
Die Tankklappe des VW Polo 86C
Tankklappe: Der ganze Bereich ist korrosionsgefährdet, besonders das Führungsrohr der Entlüftung. Foto: Hardy Mutschler
Die Türunterkante des VW Polo 86C
Türunterkante: Ein Rost-Klassiker vieler Oldtimer, den auch der 86C aufweisen kann. Foto: Hardy Mutschler
Die Reserveradmulde des VW Polo 86C
Kofferraum: Malade Dichtungen an Heckklappe oder Rückleuchten sorgen für Feuchtigkeit drinnen. Foto: Hardy Mutschler
Die Zylinderkopfdichtung des VW Polo 86C
Zylinderkopfdichtung: Steht Öl auf dem Block unter dem Kopf, ist meist ihr Austausch fällig. Foto: Hardy Mutschler
Der Sicherungskasten des VW Polo 86C
Sicherungskasten: Auch eine überschaubare Elektrik kann altern, etwa durch oxidierte Sicherungsträger. Foto: Hardy Mutschler

Trotz seiner Beliebtheit ist der VW Polo 86C aus dem Straßenbild verschwunden

Vokuhila und Neon-Klamotten, Roller-Skates, MTV und Synthiepop – die schrille Popkultur der 1980er-Jahre fegte wie ein befreiender Sommerregen durch Deutschland und vertrieb den bürgerlichen Mief vergangener Zeiten. Das schillernde Jahrzehnt war geprägt von Umbruch und Modernisierung: Erstmals hielten Heimcomputer, der Folientastatur-bewehrte Sinclair ZX81 etwa oder der Commodore 64 im Brotkastenformat, Einzug in Wohnstuben und Kinderzimmer, der epochale Walkman von Sony wurde zum Statussymbol einer ganzen Generation.

Mitten hinein in diese aufregende Zeit gebar Volkswagen 1981 die zweite Generation des Polo, den Typ 86C. War der Vorgänger (Typ 86) noch eine Ableitung vom Audi 50, so entwickelte man in Niedersachsen den Youngster in Eigenregie – schließlich hatte sich der Ingolstädter Autobauer zwischenzeitlich aus dem Segment der Kleinwagen verabschiedet. Offensichtlich war dabei vieles richtig gemacht worden, denn der Polo II avancierte rasch zu einem der erfolgreichsten Kleinwagen Europas.

Mit dem Vorgänger hatte VW erste Gehversuche in diesem Segment unternommen. Sein Problem: Er stand stets im Schatten des großen Bruders Golf und wurde in erster Linie als günstiges Einstiegsauto platziert. Der Typ 86C hingegen trat selbstbewusst aus dem Schatten des kompakten Bestsellers und ging mit neuer Qualität, klasse Raumangebot und deutlich breiter aufgestellt auf Kundenfang. No Future? Von wegen: Rund 2,7 Millionen Einheiten entstanden in 13 Jahren – rund zweieinhalbmal so viele wie vom Typ 86 (1,1 Millionen) in sieben Jahren.

Wie die Volkswagen-interne Typbezeichnung 86C vermuten lässt, ist der Polo II eine Fortführung des Vorgängers Typ 86, Fahrwerk und Teile der Bodengruppe etwa wurden daraus entwickelt. Das Ziel, bei annähernd unveränderten Abmessungen spürbar mehr Raum anzubieten, erforderte einen radikalen Bruch in Sachen Karosseriedesign – und viel Feinarbeit. Heraus kam ein Zweitürer mit Steilheck, der mit seinem progressiven Auftritt den damaligen Zeitgeist auf den Punkt traf. Der VW bot jetzt mehr Kopffreiheit und bis zu einem Kubikmeter Laderaumvolumen – die neue Waschmaschine konnte ab sofort mit dem Polo transportiert werden. Zudem sorgten ausgeformte Türverkleidungen für ein spürbares Plus an Ellenbogenfreiheit.

Der VW ID. Polo GTI im Video

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Video: AUTO ZEITUNG

Vom puristischen Fox bis zum rassigen G40

Im Lauf der Zeit fächerte Volkswagen das Polo-Programm zur Modellfamilie auf. Konservative Interessent:innen etwa wurden mit dem biederen Derby bedient – einer Stufenhecklimousine, die später dem Polo-Programm zugeschlagen wurde. 1982, Survivor stürmte gerade mit „Eye of the Tiger“ die Charts, schob der Autobauer das schmucke Polo Coupé ins Rampenlicht. „Es ist heute mit Abstand die begehrteste Variante, gerade als Vor-Faceliftmodell“, verrät der Besitzer des Foto-Autos dieser Seiten, Carsten Funk.

Der lifestylige Kleinwagen war optional mit einer neuen GT-Ausstattung erhältlich. Statt 40 bis 60 PS (29 bis 44 kW) gab es hier satte 75 PS (55 kW) – garniert mit sportlichen Goodies wie Drehzahlmesser, Sportsitzen und roten Zierstreifen. Doch das war noch nicht alles: 1987 ließ VW den GT G40 von der Leine – als Auftakt zur Ära der VW-Sportmotoren mit hauseigenem Spirallader. 115 PS (85 kW) leistete der 1,3-l-Motor und war, limitiert auf 2000 Einheiten, ruckzuck ausverkauft.

Dem Zeitgeist entsprechend – neben der Aufbruchstimmung prägten auch Ängste vor Krieg und Umweltverschmutzung das Jahrzehnt – schnappte sich Sängerin Nicole mit „Ein bisschen Frieden“ den ESC-Sieg. Und Volkswagen lancierte die karge Fox-Variante, die dem Polo preisaggressiv neue Kreise erschloss. Zudem nahmen länger übersetzte Formel-E-Modelle den Verbrauch ins Visier. Selbst ein Diesel war lieferbar. Jedoch: „Der spielt heute keine Rolle“, gibt Carsten zu Protokoll.

Bedeutsamer war die Überarbeitung zum 86C 2F im Herbst 1990, mit der VW die Polo-Attraktivität bis zur Übernahme durch die dritte Generation (6N) 1994 befeuerte – „Verdammt, ich lieb’ dich“. Äußerlich geglättet blickte der Polo jetzt mit Rechteckscheinwerfern ins neue Jahrzehnt und fuhr auf Otto-Seite ausnahmslos mit Einspritzanlage und G-Kat vor. Die aus heutiger Sicht allerdings wohl wichtigste Neuerung war etwas anderes: Der Polo G40 kam zurück – als reguläres Modell.

2F-Modelle stehen heute weniger in der Gunst, das Coupé ist gefragter als das Steilheck. Das heißt: Frühe Coupés sind teuer, 2F-Steilheck-Polos gibt es zum schmalen Kurs – den Derby beziehungsweise Stufenheck-Polo sowieso. Der G40 aber spielt in seiner eigenen Liga – beim Preis genauso wie in Sachen Fahrdynamik. Und noch etwas verrät 86C-Fan Carsten: „Die wilden Zeiten sind vorbei, Originalität steht bei den meisten Fans hoch im Kurs. Viele haben zwei Polo: getunt und original.“ Was wiederum die konträre gesellschaftliche Stimmung der 80er-Jahre spiegelt.

Der VW Polo 86C fahrend seitlich
Foto: Hardy Mutschler

Kaufberatung zum VW Polo 86C

Volkswagens zweite Kleinwagen-Generation ist solide und vergleichsweise einfach konzipiert und zudem schrauberfreundlich zusammengebaut. Ein ideales Einsteigerauto für Schraubernoviz:innen, dabei ungemein alltagspraktisch. Bei aller Einfachheit sollte man dennoch einen Profi zur Besichtigung mitnehmen und die beiden Extreme – G40 und 1.0 – nur im Ausnahmefall in Betracht ziehen. Erster ist extrem begehrt und damit teuer, der kleinste Motor hingegen macht heute wenig Freude. Und: Anstehende Blech- sowie Lackierarbeiten rechnen sich kaum.

Karosserie

Litt der Vorgänger Typ 86 noch unter einer kaum erwähnenswerten Rostvorsorge, so legte Volkswagen beim zweiten Polo deutlich nach. Ein guter Unterbodenschutz und wachsgeflutete Hohlräume sorgten hier für eine beständigere Karosserie – die heute dennoch das Hauptsorgenkind ist. Gerade die Verbindung zwischen Heckblech und Reserveradmulde gilt als Rostklassiker.

Doch das ist noch nicht alles: Wagenheberaufnahmen können von innen rosten, falsch angesetzte Heber haben wahrscheinlich nicht nur den Schweller eingedrückt, sondern auch den Unterbodenschutz beschädigt. Wie steht es um die Bereiche rund um Tankdeckel, Windlauf und Scheibenrahmen, Türunterkanten, Batterieträger sowie die Radläufe hinten? Blüht es unter den Rückleuchten? Ist der Kofferraum trocken? Auch das Führungsrohr der Tankentlüftung rostet gern, zur Kontrolle sollte man die rechte Seitenverkleidung demontieren.

Technik

Hier kann Entwarnung gegeben werden – zumindest größtenteils. Die Motoren gelten als sehr robust, sogar der G40-Rumpf. Dessen Lader bedarf aber der Hinwendung. Achten sollte man bei allen Aggregaten auf Kopfdichtung, Wasserpumpe und Kühler. Bremsseitig zeigt sich der Polo wenig auffällig, die Vorderachslager sollten jedoch inspiziert werden. Wenig Drama gibt es auch von Seiten der überschaubaren Elektrik, malade Zündschalter sowie oxidierte Sicherungsträger trüben bisweilen das Bild. Auch der Gebläsemotor macht im Alter durch Jaulen auf verschlissene Lager aufmerksam.

Ersatzteile und Kosten

Verschleißteile sind kein Problem, Interieur- und Blechteile dafür umso mehr. Sondermodell-Spezifisches ist kaum verfügbar. Auch im Alter liegen die meisten Ersatzteile segmenttypisch im unteren Bereich. Teuer sind manche G40-Teile.

Fazit

Neon-Shirt, Zauberwürfel und MTV sind genau Ihr Ding? Krönen Sie Ihre 80er-Jahre Begeisterung doch mit einem Polo 86C – mehr Zeitgeist geht kaum. Besonders wenn das VW-Radio Beta, Delta oder Gamma Michael Jackson vom Band spielt. Erstaunlich, wie rar das Volumenmodell mittlerweile ist, mobilisierte es einst doch eine ganze Generation. Und es ist den meisten in guter Erinnerung, wie die hochgestreckten Daumen der Passanten heute beweisen. Die runtergerittenen, maximal individualisierten Exemplare der jungen Wilden mit kleinem Geldbeutel verschwinden vom Markt, gepflegte Ersthandmodelle aus Rentnerhand sind nach wie vor zu haben. Oft günstig und immer sparsam. „The way you make me feel“…

Technische Daten des VW Polo 86C

Classic Cars 09/2026

VW Polo 2F Steilheck 1.3 Kat.

VW Polo 2F Coupé 1.3 Kat.

VW Polo 2F Coupé G40 Kat.

Zylinder / Ventile pro Zylin.

4 / 2

4 / 2

4 / 2; Spirallader

Hubraum

1272 cm³

1272 cm³

1272 cm³

Leistung

40 kW/55 PS bei 5200 U/min

55 kW/75 PS bei 5900 U/min

83 kW/113 PS bei 6000 U/min

Max. Gesamtdrehmoment bei

95 Nm bei 3000 U/min

99 Nm bei 3600 U/min

150 Nm bei 3600 U/min

Getriebe / Antrieb

4-Gang-Getriebe / Vorderrad

5-Gang-Getriebe / Vorderrad

5-Gang-Getriebe / Vorderrrad

L / B / H

3765 / 1570 / 1350 mm

3725 / 1570 / 1350 mm

3725 / 1590 / 1325 mm

Leergewicht

780 kg

785 kg

830 kg

Bauzeit

1991 – 1994

1991 – 1994

1991 – 1994

Stückzahl

ca. 2.700.000

ca. 2.700.000

ca. 2.700.000

Beschleunigung null auf 100 km/h

15,5 s (Werk)

12,1 s (Werk)

8,6 s (Werk)

Höchstgeschwindigkeit

154 km/h (Werk)

172 km/h (Werk)

196 km/h (Werk)

Verbrauch auf 100 km

7,0 l S (Werk)

7,0 l S (Werk)

7,3 l S (Werk)

Grundpreis (Jahr)

17.680 Mark (1991)

21.140 Mark (1991)

25.690 Mark (1991)