Der Volvo EX30 im Dauertest: Unser Fazit nach 25.000 km
Dass er mehr kann als nur gut aussehen, hatte der Volvo EX30 im Vergleichstest bereits bewiesen. Doch wie schlägt er sich über ein Jahr und 25.000 km im Redaktionsalltag?
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Antrieb: Der 200-kW-E-Motor sorgt für flotte Fahrleistungen bei akzeptablem Verbrauch.
Interieur: Der knapp geschnittene Innenraum verwöhnt mit wertiger Materialanmutung.
Anhängelast: Der EX30 darf bis zu 1600 kg schwere Anhänger an den Haken nehmen.
Finanzen: Grundpreis des Dauertest-Modells ist aktuell um 1500 auf 43.490 Euro gesunken.
Alternativen: Einstiegsversion mit 110 kW/ 150 PS ab 34.990 Euro, das 315 kW/428 PS starke Topmodell startet bei 53.990 Euro.
Seine Markteinführung Anfang des Jahres 2025 feierte der EX30 direkt mit einem Sieg im AUTO ZEITUNG-Vergleichstest (Heft 2/25). Als 200 kW (272 PS) starker Single Motor Extended Range konnte sich der kompakte Schwede dort unter anderem wegen seiner guten Fahrleistungen, seiner fahrdynamischen Eigenschaften und seiner umfangreichen Sicherheitsausstattung durchsetzen. Für uns guter Grund, dem skandinavischen Designerstück über eine Dauertestdistanz auf den Zahn zu fühlen. Wie gut würde er mit eben jenem Antrieb seine Qualitäten über 25.000 km ausspielen können? Welche Kritikpunkte würden über zwölf Monate zutage treten?
Preis & Ausstattung des Dauertest-Volvo EX30
Und so bereicherte Ende April 2025 ein EX30 Single Motor Extended Range mit 770 gefahrenen Kilometern unseren Dauertestfuhrpark. Zum damaligen Grundpreis von 44.990 Euro kamen bei unserem Cloud Blue-farbenen Exemplar die Topausstattung Ultra (7200 Euro) sowie als Extras das Winter-Paket (400 Euro) mit Lenkrad- und Sitzheizung für die Vordersitze, eine 20-Zoll-Bereifung (675 Euro), abgedunkelte hintere Scheiben (400 Euro) und die Tailored Wool-Sitzbezüge (1250 Euro) hinzu. Der Wert des Testwagens summierte sich so auf 54.915 Euro. Die Modellbezeichnung Extended Range steht für den gegenüber der Standardbatterie um 16 kWh auf 65 Netto-Kilowattstunden vergrößerten Stromspeicher, der die WLTP-Reichweite um 137 auf 476 km erweitert.
Der Volvo EX90 im Video

Was gefällt & nervt: Eindrücke aus dem Dauertest
Verbrauch
Als eine seiner ersten Amtshandlungen absolvierte der Volvo kurz nach Testbeginn unsere Standard-Verbrauchsrunde. Bei frühsommerlichen knapp 20 Grad Celsius konsumierte der Antrieb dabei 19,2 kWh pro 100 km, was angesichts der Batteriegröße eine Testreichweite von 339 km ergibt. Der noch am selben Tag ermittelte Minimalverbrauch unterbot mit 15,6 kWh sogar recht deutlich die WLTP-Angabe von 17,0 kWh und erweitert den rechnerisch möglichen Aktionsradius pro Akku-Ladung auf 417 km.
Fahrkomfort
Mit diesen Werten avancierte der EX30 innerhalb der Redaktion endgültig zu einer populären Option bei der Frage nach einem Fortbewegungsmittel auch für längere Dienstreisen.„ Angenehmes Auto mit gutem Komfort und ausreichend Leistung“, notierte beispielsweise Redakteur Martin Urbanke. Autor Johannes Riegsinger präzisierte: „Der Reisekomfort fällt hoch aus, selbst eine Reise von Köln über Zandvoort nach Pforzheim gestaltete sich absolut problemlos.“ Damit bezog er sich auf die Qualität des Aufenthalts an Bord ebenso wie auf das Lademanagement.
Ladeleistung
Zur empfundenen Problemlosigkeit des Batterieauffüllens trug zweifellos die erfreulich gute Ladegeschwindigkeit einen Großteil bei. Beispielhaft dafür steht die Performance des Dauertest-Volvo beim obligatorischen Ladetest an einer Gleichstrom-Schnellladestation (siehe nächster Absatz). Zu diesem rollte der EX30 mit einem Batteriefüllstand von elf Prozent. Das liegt zwar knapp über dem Ausgangspunkt für den in puncto Batterieschonung und Ladegeschwindigkeit als ideal definierten Ladevorgang von zehn auf 80 Prozent, was die Aussagekraft des Testergebnisses aber nicht schmälert. Überhaupt gilt: Eine Ladekurve kann stets nur eine Momentaufnahme darstellen, denn die Ladeperformance wird von Faktoren wie Umgebungstemperatur und Stromnetzbelastung maßgeblich beeinflusst.

Praktisch unmittelbar nach Beginn des Ladevorgangs erreichte der Volvo seine höchste Ladeleistung. Nach nur zwei Minuten floss der Strom dann mit 158 kW durch das Kabel – und damit sogar schneller, als die Werksangabe von maximal 153 kW verspricht. Bei zehn Grad Lufttemperatur stieg der gemessene Wert sogar kurz darauf auf 159 kW. Nach sechs verstrichenen Minuten nahm das Ladetempo langsam ab, fiel aber erst nach 13 min zurück in den zweistelligen kW-Bereich.
Den 80-prozentigen Batteriefüllstand erreichte der Schwede nach 29 min mit einer Ladeleistung von immerhin noch 39 kW. Die bis dahin „getankten“ 47,0 kWh Strom flossen demnach mit einer durchschnittlichen Stärke von 94,7 kW in die Antriebsbatterie – ein nicht nur für dieses Segment wirklich guter Wert. Bis zur vollständigen Füllung des Energiespeichers vergingen weitere 39 min, in denen die Ladeleistung vergleichsweise langsam graduell absank und nie unter neun Kilowatt fiel. Über den gesamten Ladevorgang floss der Strom somit mit durchschnittlich 54,6 kW.
Bedienbarkeit
Über ein Detail des EX30 herrschte quer durch die Redaktion Verwunderung: Der Volvo verfügt über keinen wie auch immer gearteten Tachometer im Blickfeld der Person am Steuer. Wer wissen will, welches Tempo gerade anliegt, muss einen Blick auf den Touchscreen riskieren. „Sehr unpraktisch: Keine Geschwindigkeitsanzeige im Sichtfeld – aber dann meldet sich der Aufmerksamkeitsassistent gern eindringlich, wenn man sich erdreistet, die aktuelle Geschwindigkeit auf dem Zentralbildschirm abzulesen oder auf die Navi-Karte zu schauen. Was für ein Unfug!“, brachte Redakteur Marcel Kühler das Dilemma auf den Punkt.
Weil auch die Bedienung fast ausschließlich und nicht zwingend intuitiv über den bei Sonneneinstrahlung schlecht ablesbaren Touchscreen läuft und somit immer wieder den Aufmerksamkeitsassistenten auf den Plan ruft – bei gleichzeitigem Ausblenden der Audioausgabe –, kommt auch Autor Riegsinger zu dem Schluss: „Dieses Bedienkonzept ist ein Denkfehler.“
Ein weiteres häufiges Ärgernis war das Ent- und Verriegeln des Fahrzeugs. Weil der tastenlose Schlüsselanhänger häufig nur mit deutlicher Verzögerung oder gar nicht erkannt wurde, musste dann die NFC Smart Card an eine exakt vorgegebene Stelle an der B-Säule der Fahrerseite gehalten werden. Als dritte Möglichkeit steht beim EX30 der Digital Key per Smartphone und Smartwatch zur Verfügung. Dieser führte aber immer wieder zu einem ungewollten und effektvollen, von Riegsinger als „klackend, spiegelverdrehend und lichtorgelnd“ beschriebenen Öffnungs- und Schließprozedere, sobald man sich in der Nähe des geparkten Volvo aufhielt.
Als sich Ende 2025 die Ausfälle des bordeigenen Navigationssystems und die Probleme bei der drahtlosen Smartphone-Integration häuften, diagnostizierte Volvo bei unserem Dauertest-EX30 „einen schweren Backend-Fehler“. Dieser sei für eine zeitweise nicht vorhandene oder fehlerhafte Netzverbindung verantwortlich. Nach einem Werkstattaufenthalt im November 2025 fanden sich im Begleitbuch keine weiteren Einträge mehr zu diesem Themenbereich.
Positiv | Negativ |
|---|---|
Der sieben Liter große Frunk ist ein idealer Aufbewahrungsort für das Ladekabel bei Nichtgebrauch | Zu den Schattenseiten des Panoramadachs zählt die ausgeprägte Tendenz zum Aufheizen des Innenraums |
Trotz der 20 Zoll großen Niederquerschnittsreifen bietet der EX30 einen insgesamt guten Federungskomfort | Der elektronische Schlüssel und der EX30 kommunizierten häufig nur mit Verzögerung beim Ent- und Verriegeln |
Die Defroster-Taste im Touchscreen sorgt in kürzester Zeit für perfekt freie Sicht durch die Frontscheibe | Das reduzierte Cockpitdesign hält selbst grundlegendste Fahrinfos aus dem direkten Sichtfeld der Person am Steuer |
Quer durch den Kollegenkreis blieb das Verhältnis zu dem 4,23-m-Dauertestwagen mit schwedischem Design und chinesischer Technik insgesamt zwiegespalten. „Komfortable Sitze und angenehmes Fahrwerk, nicht zu weich, nicht zu soft“, lobte beispielsweise Online-Redakteur Max Grigo. Gleichzeitig kritisierte er, dass „grundlegende Funktionen wie das Einstellen der Außenspiegel tief im Touchscreen-Menü versteckt“ seien. Die Materialanmutung und -qualität fand dagegen viel Zustimmung. Gleiches galt für praktische Details wie die bei Nichtgebrauch einfahrbaren Cupolder in der Mittelkonsole, denn „starre Becherhalter stauben und krümeln schließlich oft voll“, wie Marcel Kühler erinnerte.
Geteilte Meinungen herrschten auch beim Thema One-Pedal- Driving. Die einen lobten die Effizienz und das damit zusammenhängende „Fahren ohne Bremspedal-Betätigung“, andere monierten die gefühlt je nach Batteriezustand sich verändernde Rekuperationsstärke und damit die Bremswirkung.
Platzangebot
Fahrten, vor allem längere, unternimmt man mit dem Volvo EX30 aber generell besser allein oder zu zweit statt zu viert. Gegen eine größere Reisegruppe sprechen zum einen das eingeschränkte Raumangebot im Fond, zum anderen kann der im Normalfall 318 l große und auf maximal 1000 l erweiterbare Kofferraum nur ein begrenztes Maß an Gepäck aufnehmen.
Fazit
Der Volvo EX30 erfreute sich über den gesamten Dauertest großer Beliebtheit – obwohl oder vielleicht gerade weil längst nicht alles perfekt war. Sein attraktives Design und der damit einhergehende Schweden-Charme halfen, über Schwächen wie die widersprüchliche Sicherheitsphilosophie, die wenig intuitive Bedienbarkeit oder das begrenzte Raumangebot hinwegzusehen. Dafür entschädigten Komfort und Fahreigenschaften - zu einem allerdings recht hohen Preis.
Technische Daten des Volvo EX30 Single Motor Extended Range Ultra
AUTO ZEITUNG 13/2026 | Volvo EX30 Single Motor Extended Range Ultra |
|---|---|
Technik | |
E-Motor | permanenterregte Synchronmaschine |
Batterie | Lithium-Ionen-Batterie (NMC), 65 kWh (netto), 400 Volt |
Getriebe | Konstantübersetzung; Hinterradantrieb |
Leistung | 200 kW / 272 PS |
Max. Drehmoment | 343 Nm |
Karosserie | |
Außenmaße (L / B / H) | 4233 / 1838 (2032)* / 1550 mm |
Leergewicht | 1812 / 428 kg |
Kofferraumvolumen | 318 – 1000 l (Frunk: 7 l) |
Fahrleistungen | |
Beschleunigung 0 – 100 km/h | 5,4 s |
Höchstgeschwindigkeit | 180 km/h |
Reichweite | 339 km |
Kosten | |
Grundpreis | 44.990 € |
Testwagenpreis | 154.915 € (bei Testbeginn) |
Alle Daten Werksangaben; *Breite mit Außenspiegel | |
Kosten
Kosten (1) | Betrag | |
|---|---|---|
Testwagenpreis | 54.915 € | |
Werkstattkosten² | 242 € / 388 € | |
Wertverlust³ | 7853 € / 8773 € | |
HP / VK Typklassen | 17 / 20 | |
HP & VK Kosten | 1307 € / 1569 € | |
Steuer | 0 € | |
Kraftstoffkosten⁴ | 960 € / 1920 € | |
Gesamtkosten | 2509 € / 3877 € | |
Gesamtkosten inkl. Wertverlust | 10.362 € / 12.650 € | |
Kosten pro Kilometer¹ | 0,25 € / 0,19 € | |
1,04 € / 0,63 € inkl. Wertv. | ||
¹ pro Jahr bei 10.000/20.000 km Laufleistung bei vierjähriger Nutzung; ² Wartungskosten pro Jahr einschl. üblicher Verschleißteile ohne Reifen, ermittelt durch den ADAC; ³ Wertverlust ermittelt durch die DAT (Deutsche Automobil Treuhand); ⁴ Preisgrundlage: Strom: 0,50 €/kWh; Benzin: 1,74 €/l, Diesel: 1,65 €/l | ||



















