Verkehrswende (Deutschland): Definition/News Mehr Arbeitsplätze durch die Verkehrswende?

von Christina Finke 22.06.2021
Inhalt
  1. Definition der Verkehrswende (Deutschland) & News
  2. Verkehrswende soll bis 2040 mehr Jobs generieren
  3. Umweltbundesamt fordert mehr Platz für Radfahrer:innen & Fußgänger:innen
  4. Verkehrswende: Skepsis gegenüber Forderungen des Umweltbundesamts

Wie die Verkehrswende gelingen kann, wird auch in Deutschland immer wieder hitzig diskutiert. Aber was genau versteckt sich eigentlich hinter dem Begriff? Das sind die Definition und die aktuellen News zum Thema!

 

Definition der Verkehrswende (Deutschland) & News

Hinter dem Begriff "Verkehrswende", über den auch in Deutschland immer wieder gesprochen wird, steckt per Definition nichts anderes als der Prozess des Umstiegs einer Gesellschaft auf umweltfreundliche Mobilität. Dazu gehört unter anderem etwa der Umstieg von Autos mit Benzin- oder Dieselmotoren auf Fahrzeuge mit emissionfreien Antrieben sowie Fahrrad, Bus und Bahn, um Stau, Lärm und Abgase in Städten zu reduzieren. Ein weiterer Bestandteil ist eine "Neubewertung der Straße" – also die Gleichberechtigung verschiedener Fortbewegungsmittel im Straßenverkehr. Derzeit ist die Infrastruktur in Deutschland hauptsächlich auf den individuellen Autoverkehr ausgelegt. Wie die Verkehrswende funktionieren kann, darüber wird auch hierzulande viel diskutiert. Reicht es, mehr Radwege auszuweisen, das Angebot des öffentlichen Personennahverkehrs weiter auszubuauen und Autos mit Elektromotor zu fördern? Soll das Autofahren, das Parken in Städten und auch das Fliegen teurer werden? Eine einfache Antwort, so viel ist klar, gibt es nicht. Mehr zum Thema: Autofreie Innenstadt

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Verkehrswende soll bis 2040 mehr Jobs generieren

Eine Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung, der Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung sowie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), die im Juni 2021 veröffentlicht wurde, stellt die Verkehrswende unter ein positives Vorzeichen. Die Forscher:innen kamen nach einer Analyse eines Szenarios, das sie mithilfe umfangreicher Daten aus Experteninterviews und Literatur sowie Modellierungen auf Grundlage von Annahmen erstellen konnten, zum Ergebnis, dass bis zum Jahr 2040 220.000 Arbeitsplätze durch die Mobilitätswende in Deutschland entfallen werden. Diese werden vor allem in Bereichen wie Autohandel und Lkw-Transport verortet, da sich dort autonom fahrende Systeme durchsetzen würden. Im Gegenzug kämen 280.000 Arbeitsplätze in anderen Bereichen wie Verkehr, Logistik und dem Baugewerbe hinzu, so das Ergebnis der Studie. Demnach würde der Wandel der Mobilität in Deutschland einen Hinzugewinn von 60.000 Jobs mit sich bringen. Diese Erkenntnis steht im Kontrast zu einem Bericht einer Kommission der Bundesregierung vom Januar 2020. Dort war von einem "erheblichen Beschäftigungsrückgang" die Rede, verursacht durch den Importbedarf in der Elektroauto-Industrie. Auch der Verband der Automobilindustrie, die IG Metall und das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung haben vor wenigen Jahren noch die massive Streichung von Jobs prognostiziert.

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Umweltbundesamt fordert mehr Platz für Radfahrer:innen & Fußgänger:innen

Das Umweltbundesamt fordert die Städte in Deutschland im September 2020 dazu auf, Radfahrer:innen und Fußgänger:innen mehr Platz auf der Straße zu verschaffen, um im Kampf gegen Klimakrise und Luftverschmutzung voranzukommen. Die Corona-Krise könne dabei als "Gelegenheitsfenster" genutzt werden, erklärte die Behörde der Deutschen Presse-Agentur (dpa). So begrüßt sie etwa das Einrichten sogenannter Pop-up-Radwege und befristeter Spielstraßen ausdrücklich. Denn: Laufen oder Radfahren sei gesund, im Vergleich zu Autos leise und erzeuge weder klimaschädliche Treibhausgase noch Luftschadstoffe. Um die Corona-Abstandregeln und Verkehrssicherheit zu garantieren hatten im Frühjahr und Sommer 2020 einige Städte, darunter Berlin und Hamburg, zu entsprechenden Maßnahmen gegriffen. Als "wesentliche Hemmnis" für eine Verkehrswende in den Städten nennt das Umweltbundesamt eine zu geringe Bepreisung von Bewohnerparkplätzen und Parkraum. In der Bundeshauptstadt zahle man etwa nur rund zehn Euro pro Jahr für das Bewohnerparken. Zum Vergleich: In Kopenhagen zahlt man über 200, in Amsterdam sogar über 500 Euro pro Jahr. Der verkehrspolitische Sprecher der FDP im Bundestag, Oliver Luksic, mahnte jedoch: "Überzogene Forderungen schaden vor allem den Millionen Pendlern, Berufstätigen und auch Anwohnern, die nach wie vor auf ihre Autos angewiesen sind." Auch ADAC-Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand forderte, es müsse möglich bleiben, in Innenstadtgebieten zu leben und wohnortnah zu parken.

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Verkehrswende: Skepsis gegenüber Forderungen des Umweltbundesamts

Politiker:innen von CDU und FDP sowie der ADAC äußerten sich skeptisch im Hinblick auf die Verkehrswende-Forderungen des Umweltbundesamts. Ob Radfahrer:innen mehr Platz auf der Straße bekommen, müsse zwar jede Stadt für sich entscheiden, sagte etwa der Verkehrsexperte der Union im Bundestag, Alois Rainer (CSU): "Wichtig ist aber, dass eine solche Umwandlung nicht aus ideologischen Gründen geschieht, um Autofahrer zu bestrafen. Auch für Autos muss es in Städten ausreichend Raum geben." Und ADAC-Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand sagte zu den Forderungen, mehr Autospuren in Radwege umzuwandeln, dies müsse vor Ort genau abgewogen werden. Pkw und Rad seien gerade besonders gefragt, da Bus und Bahn weniger genutzt würden. "Beide gegeneinander auszuspielen, macht also wenig Sinn." Er forderte "ganzheitliche Lösungen". Der verkehrspolitische Sprecher der FDP im Bundestag, Oliver Luksic, sagte derweil der dpa, im Stadtverkehr herrsche heute häufig ein Wettkampf, gefragt sei aber ein Miteinander. Daher könne die Umwidmung von Verkehrswegen zu Radwegen in einzelnen Fällen sinnvoll sein. Es brauche aber zusätzlich eine umfassende Antwort – zum Beispiel deutlich mehr Vernetzung und Digitalisierung, etwa durch Leitsysteme und interaktive Beschilderung.

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mit dpa

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