IAB-Studie: Elektroautos könnten viele Jobs kosten IAB-Studie und IG Metall warnen vor Jobverlusten

von Christina Finke 27.12.2018
Inhalt
  1. IAB-Studie zu Elektroautos: 100.000 Jobs in Gefahr
  2. Berechnung der IAB-Studie letztlich vage
  3. IG Metall sieht jeden fünften Job in Gefahr

Der Übergang zu Elektroautos könnte einer IAB-Studie zufolge mehr als 100.000 Beschäftigte den Job kosten. Auch die IG Metall warnt vor herben Arbeitsplatzverlusten und nimmt die Politik in die Pflicht!

Mit dem Umstieg von Verbrenner- auf Elektroautos könnten langfristig 114.000 Jobs in Deutschland wegfallen. Das hat es das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschund (IAB) in einer Studie nun umfassend und detailliert berechnet. Vor allem im Fahrzeugbau seien die Auswirkungen immens: Mit 83.000 Stellen würden in diesem Bereich die meisten Arbeitsplätze gestrichen. Und nicht nur Geringqualifizierte wären in diesem Szenario betroffen: Vor allem Jobs von Fachkräften, Spezialisten und Experten würden laut IAB-Studie verloren gehen. Insgesamt sind aktuell über 800.000 Menschen in der Automobilindustrie beschäftigt. Grund für den drohenden Arbeitsplatzverlust: Die Produktion von Verbrennungsmotoren sei arbeitsintensiv, die von Elektroautos hingegen seien weniger komplex. Die Autoren der IAB-Studie stützen sich auf die – für die deutsche Autoindustrie noch relativ optimistische – Annahme, dass der Marktanteil von Elektroautos bis 2035 auf gerade einmal 23 Prozent ansteigt, bei gleichbleibender Gesamtzahl verkaufter Pkw. Zum Vergleich: Aktuell fährt eines von 1000 Autos in Deutschland elektrisch, bei den Neuverkäufen liegt der Wert bei sieben von 1000 Pkw. Mehr zum Thema: Batterien für Elektroautos

Elektroauto Elektroauto kaufen & Preise
Elektroauto kaufen & Preise: Wichtige Tipps! Darauf beim E-Auto-Kauf achten

"Was wäre, wenn alle auf E-Auto fahren?" im Video:

 
 

IAB-Studie zu Elektroautos: 100.000 Jobs in Gefahr

In ihrer Studie, ob Elektroautos Jobs kosten, geht die IAB davon aus, dass die deutschen Automobilhersteller ihren aktuellen Rückstand im Bereich Elektromobilität aufholen können und dann ähnlich erfolgreich sind, wie mit der Produktion von Autos mit Verbrennungsmotoren – sowohl hierzulande, als auch im Ausland. Eine Komponente würde allerdings aus dem Ausland importiert werden müssen: die Batterie. Kurzfristig würden unter diesen Bedingungen laut Studie noch neue Jobs entstehen, was vor allem an hohen Investitionen liegen soll. Zum einen nehmen die Autobauer selbst Geld in die Hand, um Technologie und Fertigung voran zu treiben. Aber auch in den Ausbau der Infrastruktur – also das Ladesäulennetz, intelligente Stromnetze und Kraftwerke – müsse für Elektroautos investiert werden. Der positive Nebeneffekt: Dadurch sind allein 2018 rund 39.000 Stellen neu entstanden, 2019 sollen es 47.000 sein. Diese Arbeitsplätze entstehen nicht hauptsächlich bei den Herstellern selbst, sondern im Maschinenbau und in der IT-Branche. Der positive Trend soll sich der IAB-Studie zufolge aber schon bald umkehren, so dass bereits 2022 ein Verlust von rund 4000 Jobs zu verzeichnen wäre – Tendenz von da an steigend. Durch den Umschwung zu Elektroautos seien keineswegs nur Arbeitsplätze in der Autoindustrie betroffen, so die IAB-Studie. Auch Gastgewerbe und Versicherungswirtschaft müssten mit Arbeitsplatzverlusten rechnen. In einigen wenigen Branchen – etwa auf dem Bau oder in der Energieversorgung – würden hingegen langfristig mehr Jobs entstehen. Das reicht aber keineswegs dazu aus, den Jobverlust an anderen Stellen auszugleichen. Mehr zum Thema: Ladestationen-Netz für E-Autos in Planung

Elektroauto E-Auto-Kaufprämie: Alle Modelle
E-Auto-Kaufprämie: Alle Modelle (Update!) Regierung erwägt Verlängerung der E-Auto-Prämie

 

Berechnung der IAB-Studie letztlich vage

Auch wenn die Studie des IAB zum Umschwung auf Elektroautos und dem etwaigen Jobverlust wohl genauer sind als zahlreiche andere Untersuchungen zu dem Thema, könnte es am Ende doch ganz anders kommen: Wenn etwa der Anteil an Elektroautos deutlich stärker ansteigt, als in der Studie angenommen, könnten noch mehr Menschen ihren Job verlieren. Möglich ist allerdings auch das genaue Gegenteil, also dass langfristig mehr Jobs entstehen. Das wäre aber nur möglich, wenn die Batterieproduktion in Deutschland stattfindet und die Autobauer ihren Marktanteil steigern können. Hintergrund der Studie des IAB ist dessen Funktion als Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit (BA). Diese ist interessiert daran zu erfahren, wie sich neue Technologien auf den Arbeitsmarkt auswirken und wie viele Arbeitsnehmer in welchen Branchen – etwa die Automobilindustrie durch den Umschwung auf Elektroautos – voraussichtlich ihren Job verlieren könnten – etwa um passende Umschulungsmaßnahmen anbieten zu können. Mehr zum Thema: Testphase für E-Lkw auf Autobahnen

News Elektroauto kaufen & Preise
Elektroauto als Dienstwagen (Steuervorteil) E-Dienstwagen zum halben Steuersatz

 

IG Metall sieht jeden fünften Job in Gefahr

Auch die IG Metall fürchtet tiefgreifende Folgen beim Umstieg auf Elektroautos und sieht jeden fünften Job in der Automobilindustrie in Gefahr. "Wir rechnen ungefähr mit 200.000 Arbeitsplätzen, die in Folge der Elektromobilität nicht mehr in der Branche zur Verfügung stehen", sagte Gewerkschaftschef Jörg Hofmann der Deutschen Presse-Agentur im Dezember 2018. Das treffe vor allem ländliche Regionen, in denen Zulieferer häufig die einzigen industriellen Arbeitgeber seien, sowie beispielsweise das Saarland und Emden extrem hart. Weitere Probleme sieht die IG Metall in der ungeklärten notwendigen Strom-Infrastruktur. Außerdem könne man nicht sicher sein, ob Kunden tatsächlich bereit dazu sind, Elektrofahrzeuge zu den geltenden Bedingungen zu kaufen. Hoffmann wirft der Politik vor, sich zu wenig Gedanken über die sozialen Folgen des E-Auto-Wandels gemacht zu haben. Denn die Arbeitsplätze seien dann dauerhaft verloren – auch wenn es mit dem Umstieg auf Elektromobilität nicht klappe. Der Gewerkschaftschef sieht jetzt die Unternehmen in der Verantwortung, ihre Leute für neue Tätigkeiten zu qualifizieren und fordert ein neuartiges Transformations-Kurzarbeitergeld, das bis zu 36 Monate lang an Umschüler gezahlt werden könne. 

News Warnstreiks stoppen Autoproduktion
IG Metall: Warnstreiks bei Autobauern Tarifstreit bei Audi, BMW, Porsche und Mercedes

Tags:
Copyright 2019 autozeitung.de. All rights reserved.