Arbeitsplätze in der Automobilindustrie Jobs durch Verkehrswende in Gefahr?

von Victoria Zippmann 23.06.2021
Inhalt
  1. Juni 2021: Bund, Gesellschaft für Strukturforschung und IAB: 60.000 neue Jobs dank Verkehrswende
  2. Januar 2020: Nationale Plattform Zukunft der Mobilität: 410.000 Jobs durch Elektroautos in Gefahr
  3. Januar 2020: VDA: E-Autos kosten 70.000 Jobs
  4. Dezember 2018: IG Metall: Durch E-Mobilität 200.000 Jobs auf der Kippe
  5. August 2018: IAB-Studie zu Elektroautos: Über 100.000 Jobs in Gefahr

Eine Studie von Juni 2021 sagt einen positiven Trend bei Arbeitsplätzen in Bereichen wie Verkehr und Logistik voraus. Der Übergang zu Elektroautos könnte laut einer 2020 durch die Bundesregierung eingesetzten Kommission jedoch bis zu 410.000 Beschäftigte den Job kosten. Auch die IG Metall, der Verband der Automobilindustrie (VDA) und die IAB-Studie prognostizieren herbe Arbeitsplatzverluste.

 

Juni 2021: Bund, Gesellschaft für Strukturforschung und IAB: 60.000 neue Jobs dank Verkehrswende

Ist der Übergang zu einer neuen, ökologischeren Mobilität in Deutschland mit dem massiven Abbau von Arbeitsplätzen in der Automobilindustrie verbunden? Bisher war die Antwort der Experten aus Automobilindustrie und Wirtschaft ein klares "Ja". Im Juni 2021 stellt sich eine Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung, der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung sowie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) dieser Aussage entgegen. Bis zum Jahr 2040 könnten zwar 220.000 Arbeitsplätze in Bereichen wie Autohandel und Lkw-Transport verloren gehen, jedoch in Bereichen wie Verkehr und Logistik auch 280.000 neue Jobs entstehen, so das Ergebnis der Studie.

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Januar 2020: Nationale Plattform Zukunft der Mobilität: 410.000 Jobs durch Elektroautos in Gefahr

Elektroautos könnten in Deutschland bis zu 410.000 Jobs kosten. Zu diesem Ergebnis kam die durch die Bundesregierung eingesetzte Kommission "Nationale Plattform Zukunft der Mobilität" in dem im Januar 2020 vorgelegten Bericht. Dort heißt es, wenn sich die Wettbewerbslage der deutschen Industrie bei der Elektromobilität in den kommenden Jahren nicht verbessere und der Importbedarf für Batteriezellen und Elektrofahrzeuge weiter steige, wäre ein "erheblicher Beschäftigungsrückgang" bis 2030 zu erwarten. Allerdings nimmt die Kommission "Nationale Plattform Zukunft der Mobilität" an, dass diese Berechnung für Arbeitsplätze in der Automobilindustrie nicht eintreten werde, da deutsche Autobauer verstärkt in die E-Mobilität investierten.

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Januar 2020: VDA: E-Autos kosten 70.000 Jobs

Der Umstieg von Verbrenner- auf Elektroautos könnten langfristig tausende Arbeitsplätze kosten. Damit rechnete auch der ehemalige Chef des Verbands der Automobilindustrie, Bernhard Mattes. "Wir gehen davon aus, dass etwa 70.000 Stellen wegfallen", zitierte ihn der Kölner Stadt-Anzeiger im November 2019. Bereits jetzt müssten die Mitarbeiter der Branche für den Bau der neuen E-Autos qualifiziert werden, "nicht erst, wenn die E-Mobilität einen hohen Anteil erreicht". Auch Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer äußerte sich pessimistisch: Die Zahl der Stellen in der künftigen Fabrik solle man nicht überschätzen. "Zellfabrikation ist hochautomatisiert. Da zählen Energiekosten deutlich mehr als Arbeitskosten", hatte der Autofachmann Mitte November 2019 nach Bekanntwerden des neuen Tesla-Standorts bei Berlin gesagt.

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Dezember 2018: IG Metall: Durch E-Mobilität 200.000 Jobs auf der Kippe

Auch die IG Metall fürchtete tiefgreifende Folgen beim Umstieg auf Elektroautos und sah jeden fünften Arbeitsplatz in der Automobilindustrie in Gefahr. "Wir rechnen ungefähr mit 200.000 Arbeitsplätzen, die in Folge der Elektromobilität nicht mehr in der Branche zur Verfügung stehen", sagte Gewerkschaftschef Jörg Hofmann der Deutschen Presse-Agentur im Dezember 2018. Das treffe vor allem ländliche Regionen, in denen Zulieferer häufig die einzigen industriellen Arbeitgeber seien sowie beispielsweise das Saarland und Emden extrem hart. Weitere Probleme sah die IG Metall in der ungeklärten notwendigen Strom-Infrastruktur. Außerdem könne man nicht sicher sein, ob Kund:innen tatsächlich bereit dazu sind, Elektrofahrzeuge zu den geltenden Bedingungen zu kaufen. Hoffmann warf der Politik vor, sich zu wenig Gedanken über die sozialen Folgen des E-Auto-Wandels gemacht zu haben. Denn die Arbeitsplätze seien dann dauerhaft verloren – auch wenn es mit dem Umstieg auf Elektromobilität nicht klappe. Der Gewerkschaftschef sieht die Unternehmen in der Verantwortung, ihre Leute für neue Tätigkeiten zu qualifizieren und fordert ein neuartiges Transformations-Kurzarbeitergeld, das bis zu 36 Monate lang an Umschüler:innen gezahlt werden könne.

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August 2018: IAB-Studie zu Elektroautos: Über 100.000 Jobs in Gefahr

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschund (IAB) hatte in einer Studie vom August 2018 umfassend und detailliert berechnet, dass Elektroautos in Deutschland bis zu 114.000 Jobs kosten könnte. Vor allem im Fahrzeugbau seien die Auswirkungen immens: Mit 83.000 Stellen würden in diesem Bereich die meisten Arbeitsplätze gestrichen. Und nicht nur Geringqualifizierte wären in diesem Szenario betroffen: Vor allem Jobs von Fachkräften, Spezialist:innen und Experte:innn würden laut IAB-Studie verloren gehen. 2018 waren über 800.000 Menschen in der Automobilindustrie beschäftigt. Grund für den drohenden Arbeitsplatzverlust: Die Produktion von Verbrennungsmotoren sei arbeitsintensiv, die von Elektroautos hingegen seien weniger komplex. Die Autor:innen der IAB-Studie stützten sich auf die – für die deutsche Autoindustrie noch relativ optimistische – Annahme, dass der Marktanteil von Elektroautos bis 2035 auf gerade einmal 23 Prozent ansteigt, bei gleichbleibender Gesamtzahl verkaufter Pkw.

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