So viele Jobs könnten Elektroautos kosten E-Autos gefährden 410.000 Arbeitsplätze

von Christina Finke 14.01.2020
Inhalt
  1. Nationale Plattform Zukunft der Mobilität: Bis zu 410.000 Jobs durch Elektroautos in Gefahr
  2. VDA: E-Autos kosten 70.000 Jobs
  3. IG Metall: Durch E-Mobilität 200.000 Jobs auf der Kippe
  4. IAB-Studie zu Elektroautos: Über 100.000 Jobs in Gefahr
  5. IAB: Es entstehen auch neue Arbeitsstellen
  6. Berechnung der IAB-Studie letztlich vage

Der Übergang zu Elektroautos könnte einer durch die Bundesregierung eingesetzten Kommission zufolge bis zu 410.000 Beschäftigte den Job kosten. Auch die IG Metall, der Verband der Automobilindustrie (VDA) und die IAB-Studie warnen vor herben Arbeitsplatzverlusten!

 

Nationale Plattform Zukunft der Mobilität: Bis zu 410.000 Jobs durch Elektroautos in Gefahr

Elektroautos könnten in Deutschland bis zu 410.000 Jobs kosten. Zu diesem Ergebnis kommt die durch die Bundesregierung eingesetzte Kommission "Nationale Plattform Zukunft der Mobilität". In dem am Montag, 13. Januar 2020, vorgelegten Bericht heißt es, wenn sich die Wettbewerbslage der deutschen Industrie bei der Elektromobilität in den kommenden Jahren nicht verbessere und der Importbedarf für Batteriezellen und Elektrofahrzeuge weiter steige, wäre ein "erheblicher Beschäftigungsrückgang" bis 2030 zu erwarten. Allerdings nimmt die Kommission "Nationale Plattform Zukunft der Mobilität" an, dass diese Berechnung nicht eintreten werde, da deutsche Autobauer verstärkt in die E-Mobilität investierten.

"Was wäre, wenn alle auf E-Auto fahren?" im Video:

 
 

VDA: E-Autos kosten 70.000 Jobs

Der Umstieg von Verbrenner- auf Elektroautos könnten langfristig tausende Jobs kosten. Damit rechnet auch der Chef des Verbands der Automobilindustrie, Bernhard Mattes. "Wir gehen davon aus, dass etwa 70.000 Stellen wegfallen", zitiert ihn der Kölner Stadt-Anzeiger. Bereits jetzt müssten die Mitarbeiter der Branche für den Bau der neuen E-Autos qualifiziert werden, "nicht erst, wenn die E-Mobilität einen hohen Anteil erreicht". Auch Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer ist pessimistisch: Die Zahl der Stellen in der künftigen Fabrik solle man nicht überschätzen. "Zellfabrikation ist hochautomatisiert. Da zählen Energiekosten deutlich mehr als Arbeitskosten", hatte der Autofachmann Mitte November 2019 nach Bekanntwerden des neuen Tesla-Standorts bei Berlin gesagt.

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IG Metall: Durch E-Mobilität 200.000 Jobs auf der Kippe

Auch die IG Metall fürchtet tiefgreifende Folgen beim Umstieg auf Elektroautos und sieht jeden fünften Job in der Automobilindustrie in Gefahr. "Wir rechnen ungefähr mit 200.000 Arbeitsplätzen, die in Folge der Elektromobilität nicht mehr in der Branche zur Verfügung stehen", sagte Gewerkschaftschef Jörg Hofmann der Deutschen Presse-Agentur im Dezember 2018. Das treffe vor allem ländliche Regionen, in denen Zulieferer häufig die einzigen industriellen Arbeitgeber seien, sowie beispielsweise das Saarland und Emden extrem hart. Weitere Probleme sieht die IG Metall in der ungeklärten notwendigen Strom-Infrastruktur. Außerdem könne man nicht sicher sein, ob Kunden tatsächlich bereit dazu sind, Elektrofahrzeuge zu den geltenden Bedingungen zu kaufen. Hoffmann wirft der Politik vor, sich zu wenig Gedanken über die sozialen Folgen des E-Auto-Wandels gemacht zu haben. Denn die Arbeitsplätze seien dann dauerhaft verloren – auch wenn es mit dem Umstieg auf Elektromobilität nicht klappe. Der Gewerkschaftschef sieht jetzt die Unternehmen in der Verantwortung, ihre Leute für neue Tätigkeiten zu qualifizieren und fordert ein neuartiges Transformations-Kurzarbeitergeld, das bis zu 36 Monate lang an Umschüler gezahlt werden könne. 

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IAB-Studie zu Elektroautos: Über 100.000 Jobs in Gefahr

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschund (IAB) hat in einer Studie umfassend und detailliert berechnet, dass Elektroautos in Deutschland sogar bis zu 114.000 Jobs kosten könnte. Vor allem im Fahrzeugbau seien die Auswirkungen immens: Mit 83.000 Stellen würden in diesem Bereich die meisten Arbeitsplätze gestrichen. Und nicht nur Geringqualifizierte wären in diesem Szenario betroffen: Vor allem Jobs von Fachkräften, Spezialisten und Experten würden laut IAB-Studie verloren gehen. Insgesamt sind aktuell über 800.000 Menschen in der Automobilindustrie beschäftigt. Grund für den drohenden Arbeitsplatzverlust: Die Produktion von Verbrennungsmotoren sei arbeitsintensiv, die von Elektroautos hingegen seien weniger komplex. Die Autoren der IAB-Studie stützen sich auf die – für die deutsche Autoindustrie noch relativ optimistische – Annahme, dass der Marktanteil von Elektroautos bis 2035 auf gerade einmal 23 Prozent ansteigt, bei gleichbleibender Gesamtzahl verkaufter Pkw. Zum Vergleich: Aktuell fährt eines von 1000 Autos in Deutschland elektrisch, bei den Neuverkäufen liegt der Wert bei sieben von 1000 Pkw. Mehr zum Thema: Ladestationen-Netz für E-Autos in Planung

 

IAB: Es entstehen auch neue Arbeitsstellen

In ihrer Studie, ob Elektroautos Jobs kosten, geht die IAB davon aus, dass die deutschen Automobilhersteller ihren aktuellen Rückstand im Bereich Elektromobilität aufholen können und dann ähnlich erfolgreich sind, wie mit der Produktion von Autos mit Verbrennungsmotoren – sowohl hierzulande, als auch im Ausland. Eine Komponente würde allerdings aus dem Ausland importiert werden müssen: die Batterie. Kurzfristig würden unter diesen Bedingungen laut Studie noch neue Jobs entstehen, was vor allem an hohen Investitionen liegen soll. Zum einen nehmen die Autobauer selbst Geld in die Hand, um Technologie und Fertigung voran zu treiben. Aber auch in den Ausbau der Infrastruktur – also das Ladesäulennetz, intelligente Stromnetze und Kraftwerke – müsse für Elektroautos investiert werden. Der positive Nebeneffekt: Es entstehen auch neue Jobs, allerdings nicht hauptsächlich bei den Herstellern selbst, sondern im Maschinenbau und in der IT-Branche. Der positive Trend soll sich der IAB-Studie zufolge aber schon bald umkehren, so dass bereits 2022 ein Verlust von rund 4000 Jobs zu verzeichnen wäre – Tendenz von da an steigend. Durch den Umschwung zu Elektroautos seien keineswegs nur Arbeitsplätze in der Autoindustrie betroffen, so die IAB-Studie. Auch Gastgewerbe und Versicherungswirtschaft müssten mit Arbeitsplatzverlusten rechnen. In einigen wenigen Branchen – etwa auf dem Bau oder in der Energieversorgung – würden hingegen langfristig mehr Jobs entstehen. Das reicht aber keineswegs dazu aus, den Jobverlust an anderen Stellen auszugleichen.

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Berechnung der IAB-Studie letztlich vage

Auch wenn die Studie des IAB zum Umschwung auf Elektroautos und dem etwaigen Jobverlust wohl genauer sind als zahlreiche andere Untersuchungen zu dem Thema, könnte es am Ende doch ganz anders kommen: Wenn etwa der Anteil an Elektroautos deutlich stärker ansteigt, als in der Studie angenommen, könnten noch mehr Menschen ihren Job verlieren. Möglich ist allerdings auch das genaue Gegenteil, also dass langfristig mehr Jobs entstehen. Das wäre aber nur möglich, wenn die Batterieproduktion in Deutschland stattfindet und die Autobauer ihren Marktanteil steigern können. Hintergrund der Studie des IAB ist dessen Funktion als Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit (BA). Diese ist interessiert daran zu erfahren, wie sich neue Technologien auf den Arbeitsmarkt auswirken und wie viele Arbeitsnehmer in welchen Branchen – etwa die Automobilindustrie durch den Umschwung auf Elektroautos – voraussichtlich ihren Job verlieren könnten – etwa um passende Umschulungsmaßnahmen anbieten zu können. Mehr zum Thema: Testphase für E-Lkw auf Autobahnen

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