Vorstellung

Singer Classic Turbo Cabriolet: der Porsche 911 auf dem Holzweg

Ein Singer-Porsche ist längst zum automobilen Must-have für Superreiche gereift. So verwundert auch die neue Zusammenarbeit mit Louis Vuitton kaum. Überraschend ist eher, dass der 964er-Restomod mit Echtholz-Stoßfängern auf Riva-Boot statt auf Handtasche macht.

(1/5)
Das Singer Classic Turbo Cabriolet stehend von schräg vorne
Ein Porsche mit Holz vor der Hütte: Singer montiert dem 911 Turbo gemeinsam mit Louis Vuitton Echtholz an die Karosserie. Foto: Singer
Das Singer Classic Turbo Cabriolet stehend seitlich
Die elegante Stoffmütze erweckt nicht gerade den Eindruck, bei mehr als 200 km/h noch dem Fahrtwind standzuhalten. Foto: Singer
Das Singer Classic Turbo Cabriolet stehend von hinten
Während die Verdeck-Abdeckung aus Holz noch ein Stück weit bekannt ist aus anderen Luxus-Cabrios, macht der hölzerne Heckspoiler richtig viel Show. Foto: Singer
Das Cockpit des Singer Classic Turbo Cabriolet
Auch beim Anblick des Cockpits bekommen Holzfällerbetriebe feuchte Augen. Der ungewöhnliche Schaltsack ist eine Hommage an die Noé-Tasche von Louis Vuitton. Foto: Singer
Zwei Singer Classic stehend nebeneinander
Neben dem Turbo zeigten Singer und Louis Vuitton noch einen zweiten Elfer, der den Pelz aber etwas mehr nach innen trägt. Foto: Singer

Halb Handtasche, halb Riva-Jacht: Dieser Porsche 911 ist aus einem besonderen Holz geschnitzt

In der Automobilwirtschaft steckt gerade der (Holz-)wurm. Sogar Selbstläufer-Marken wie Porsche bangen wegen des Zickzackkurses der Elektromobiliät, Trumps US-Zöllen und dem hart umkämpften Markt in China plötzlich um ihre Gewinne. War früher vielleicht doch alles besser? Zumindest war das Leben für Autohersteller einmal unkomplizierter, als der Computer noch nicht erfunden, Verkehrssicherheit noch ein Randthema war und man Autos ganz selbstverständlich in Holzrahmenbauweise fertigen konnte.

Die Porsche-Restomods von Singer gelten schon von Haus aus als rollende Reminiszenzen der guten, alten Zeit. Nun aber hat sich die Firma aus Kalifornien durch eine Zusammenarbeit mit Louis Vuitton selbst übertroffen in Sachen Extravaganz im Retro-Glanz. Denn das Singer Classic Turbo Cabriolet mimt tatsächlich klassische Riva-Jachten, inklusive reichlich Echtholz-Applikationen am Exterieur.

Gestalterisch verantwortlich für den Umbau ist ein Mann namens Nicolas Ghesquière, seines Zeichens der kreative Direktor für die Frauenkollektionen des berühmten Modelabels. Und obwohl der Franzose die Ansprüche seiner Kundschaft kennen müsste, wählte er als Ausgangsbasis ein Frisur-mordendes 964 Turbo Cabriolet. Im Riva-Kontext wiederum ergibt das fehlende Dach natürlich Sinn, denn auch auf offener See im Motorboot gibts natürlich kein Entkommen vor dem Fahrtwind.

Interessanterweise ist die weiße Farbe des Elfers nicht von Schiff-Unterseiten inspiriert, sondern vom speziellen Kalkstein, der unzählige Altstadt-Fassaden in Paris (Frankreich) schmückt. Einen starken Kontrast dazu bildet das bereits erwähnte Holz, das an der Front- und Heckschürze, am Schweller inklusive Lufteinlass, an der Dachabdeckung und sogar am großen Turboflügel sitzt. In Kombination mit den Lederschnallen für die Front- und Motorhaube vermittelt der 911 auch eher den Flair eines Mode-Gadgets als den einer Fahrmaschine.

Der Porsche 911 GT3 S/C (2026) im Fahrbericht (Video)

Video Platzhalter
Video: AUTO ZEITUNG

Bereits reguläre Turbos kosten bei Singer siebenstellig

Das Cockpit unterstreicht diesen Eindruck. Zwar erkennen sogar Selbstfahr-entwöhnte Multimillionär:innen noch das klassische Porsche-Schema aus dem horizontalen Armaturenbrett mit fünf klassischen Instrumenten, doch auch hier greifen Holz und Extravaganz um sich. Das Holzvolant trägt nun das Wappen der Pariser Modemarke, während selbst der Fußboden in Teak-Optik glänzt.

Ghesquière hat eigens für das Auto eine kleine Kollektion entworfen, die die Person am Steuer zumindest optisch perfekt in Szene setzen soll. Und während die Vuitton-Kundschaft beim Shoppen ihre Noé-Handtasche trägt, darf sie im Singer an den entsprechend designten Schaltsack greifen. Trotz der Mode-Show auf Rädern haben wir es hier nämlich mit einem charakterstarken Sechsgang-Handschalter zu tun.

Und hier kommen dann die Autofans voll auf ihre Kosten: Der 964er-Boxer erhält einen Twinturbo mit variabler Turbinengeometrie sowie einen auf 3,8 l aufgebohrten Hubraum. Im Serientrimm erreicht der von 1991 bis 1993 gebaute 911 Turbo 320 PS (235 kW) bei 5750 Touren. Der Singer-Ausbau dreht hingegen bis 7000 und setzt dabei bis zu 510 PS (375 kW) auf die Hinterräder frei.

Zum Preis für die rollende Handtasche im Riva-Boot-Stil hat sich Singer bislang nicht geäußert. Immerhin sind die Wartelisten dort so lang wie bei anderen Herstellern ein ganzer Modellzyklus. Bereits reguläre Turbo-Modelle kosten bei der Firma aus Kalifornien siebenstellig, erst kürzlich wurde ein entsprechender Singer Classic Turbo bei RM Sotheby's für umgerechnet 1,7 Millionen Euro versteigert. Der Aufpreis fürs Louis-Vuitton-Treatment wäre selbstverständlich noch mit draufzurechnen.