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Renault Twingo Electric/TCe 90: Vergleichstest Elektro- gegen Verbrenner-Twingo

von Marcel Kühler 11.03.2021
Inhalt
  1. Vergleichstest zwischen Renault Twingo Electric und Renault Twingo TCe 90
  2. Fahrkomfort: Renault Twingo TCe 90 federt sensibler
  3. Motor/Getriebe: Flotterer Antritt beim Renault Twingo Electric
  4. Fahrdynamik: Renault Twingo TCe 90 bremst besser
  5. Umwelt/Kosten: Renault Twingo Electric dank Bonus günstiger
  6. Messwerte & technische Daten: Renault Twingo Electric & Renault Twingo TCe 90 EDC

Moderner Stromer oder klassischer Verbrenner? Diese Frage stellen sich gerade Stadtmenschen immer häufiger. Der Vergleichstest zwischen den Renault Twingo Electric und Renault Twingo TCe 90 zeigt die Stärken und Schwächen des jeweiligen Antriebskonzepts.

Gesamtbewertung (max. Punkte)Renault Twingo ElectricRenault Twingo TCe 90 EDC
Karosserie (1000)406405
Fahrkomfort (1000)481462
Motor/Getriebe (1000)631566
Fahrdynamik (1000)546538
Eigenschaftswertung (4000)20641971
Kosten/Umwelt (1000)578522
Gesamtwertung (5000)26422493
Platzierung12

Batterie-elektrische Autos ergeben – wenn überhaupt – im Stadtverkehr am meisten Sinn, so zumindest die landläufige Meinung über reine Stromer an den vorübergehend wegen der Corona-Pandemie geschlossenen Stammtischen der Republik. Doch stimmt das tatsächlich? Im Vergleichstest räumt der Renault Twingo zum einen als Turbobenziner TCe 90 und zum anderen als Electric mit gängigen Vorurteilen auf.

Der Renault Twingo Electric (2020) im Video:

 
 

Vergleichstest zwischen Renault Twingo Electric und Renault Twingo TCe 90

Da Renault beim Twingo Electric das Batteriepaket platzsparend unter dem Fahrzeugboden untergebracht hat, entspricht sein Innenraum in puncto Platzangebot exakt dem des von einem konventionellen Turbobenziner angetriebenen TCe 90. Das bedeutet: Zumindest vorn sitzen Erwachsene durchaus kommod, was vor allem an der üppigen Kopffreiheit liegt, die auch durch die niedrige Sitzposition begünstigt wird. Mit der Ellenbogenfreiheit geizen die City-Brüder jedoch – logisch bei einer Karosseriebreite von nur 1,64 Metern. Auch in Reihe zwei sitzen allenfalls jüngere Kinder aufgrund des fehlenden Knieraums länger gut. Das Ladeabteil wiederum – auch in diesem Punkt unterscheiden sich beide Twingo-Motorvarianten nicht – ist mit einem Fassungsvermögen von 219 bis maximal 980 Litern selbst für einen hoffentlich bald erlaubten Shopping-Marathon gut geeignet. Dass der Twingo mit seiner beinahe siebenjährigen Bauzeit nicht unbedingt zu den Jungspunden im Segment gehört, wird indes an seiner Sicherheitsausstattung offensichtlich. Sie zeigt beim Vergleichstest zwischen Renault Twingo Electric und Renault Twingo TCe 90 nämlich einige eklatante Lücken. Serienmäßig mit einem Seitenwind-Assistenten ausgerüstet, sind für den Twingo TCe lediglich ein Spurverlassenswarner sowie eine Rückfahrkamera verfügbar. Das Gleiche gilt für den Stromer, der aber im Gegensatz zum Benziner serienmäßig über einen Licht-/ Regensensor sowie Nebelscheinwerfer verfügt. Beim TCe kosten diese Ausstattungsdetails extra.

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Fahrkomfort: Renault Twingo TCe 90 federt sensibler

In diesem Punkt hat der Twingo Electric einen erheblichen Vorteil gegenüber dem Verbrenner: den wesentlich angenehmeren Geräuschkomfort. Während beim TCe das Triebwerk jederzeit für reichlich Unruhe an Bord sorgt – sei es  durch spürbare Vibrationen oder rappelige Laufgeräusche – herrscht im Stromer eine deutlich ruhigere Atmosphäre. Erst bei höheren Geschwindigkeiten dringen die Abrollgeräusche der Reifen in den Innenraum. Im Stadttempo ist es hingegen stets angenehm leise. Vom Federungskomfort her nehmen sich die zwei Twingo-Modelle im Vergleichstest zwischen Renault Twingo Electric und Renault Twingo TCe 90 hingegen nicht allzu viel. Während der Stromer – bedingt durch den tiefen Schwerpunkt, den der schwere 165 Kilogramm schwere Akku mitbringt – etwas satter auf der Straße liegt, federt der Verbrenner eine spur sensibler auf Kanten und Querfugen an.

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Motor/Getriebe: Flotterer Antritt beim Renault Twingo Electric

Gerade in der City machen auch vergleichsweise schwachbrüstige Stromer richtig Spaß. Das jedenfalls beweist im Vergleichstest zwischen Renault Twingo Electric und Renault Twingo TCe 90 der 82 PS starke Twingo Electric mit seinem flotten Antritt. Bis Tempo 50 beschleunigt der Stromer, der vom Start weg wackere 160 Newtonmeter produziert, merklich druckvoller als der Twingo TCe 90, dessen Dreizylinder-Turbo sich erst aus dem Drehzahlkeller herausarbeiten muss, um ein gewisses Maß an Druck zu entwickeln. Das sechsgängige Doppelkupplungsgetriebe sorgt ebenfalls mit seinem eher trägen Kraftschluss nicht unbedingt für mehr Temperament beim Anfahren. Dafür ermöglicht der mit einem Durchschnittsverbrauch von 5,8 Litern ausreichend sparsame Benziner eine um 30 km/h höhere Endgeschwindigkeit. Der Twingo Electric läuft aus Rücksicht auf den Energievorrat bei 135 km/h in den Begrenzer. Überhaupt leeren flottere Überlandfahrten den mit 21,4 Kilowattstunden nutzbarer Kapazität nicht gerade großen Stromspeicher sehr schnell. Auf unserer Verbrauchsrunde, die rund 15 Prozent Autobahnanteil beinhaltet, kommt der Twingo Electric auf einen Durchschnittsverbrauch von 18,3 kWh pro 100 Kilometer. Die Reichweite beträgt somit 117 Kilometer. Für den urbanen Alltag sollte dies dennoch in den meisten Fällen ausreichen, zumal sich der Aktionsradius mit etwas Zurückhaltung im rechten Fuß durchaus noch etwas steigern lässt. Wer jedoch vorhat, den Twingo Electric auch auf langen Strecken einzusetzen, sollte wissen: Eine Schnellladesäule an der Autobahn kann er nicht nutzen. Der kleine Franzose lädt nämlich ausschließlich mit Wechselstrom – und das mit einer Leistung von maximal 22 Kilowatt. Das bedeutet: An einer entsprechenden Ladesäule benötigt er im Idealfall rund eine Stunde, um etwa 80 Prozent seiner Speicherkapazität wieder zu füllen. An einer immer noch gängigeren Elf-kW-Ladesäule beansprucht der Ladevorgang die doppelte Zeit.

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Fahrdynamik: Renault Twingo TCe 90 bremst besser

Die wohl prägnanteste Fahreigenschaft des stets hinterradgetriebenen Renault Twingo ist unabhängig von der gewählten Kraftquelle der äußerst geringe Wendekreis. Mit etwas mehr als neun Metern eignet sich der City-Floh naturgemäß hervorragend für engmaschiges Straßengeflecht überfüllter Großstädte inklusive dort häufig anzutreffender verwinkelter und meist äußerst enger Parkhäuser. Die Lenkung der französischen Heckmotor-Zwerge dürfte aber gern mehr Rückmeldung liefern und insgesamt mit kleineren Lenkwinkeln arbeiten. Das wird gerade bei der Fahrt am querdynamischen Limit des Twingo offensichtlich. Dies wird allerdings weniger durch die Haftgrenze der Reifen vorgegeben, sondern vielmehr durch das äußerst rigide eingreifende elektronische Stabilitätsprogramm definiert. Etwas gewöhnungsbedürftig: Bei schneller Geradeausfahrt auf der Autobahn wirken beide Twingo-Derivate auf der Vorderachse sehr leicht und fallen durch einen insgesamt recht zappeligen Geradeauslauf auf. Tadellos hingegen sind die Bremsleistungen. Besonders der leichtere Benziner sticht beim Vergleichstest zwischen Renault Twingo Electric und Renault Twingo TCe 90 mit einem Kaltbremsweg von 34,8 Metern aus Tempo 100 positiv heraus. Ein Wert, der nicht nur im Fall eines City-Cars Anerkennung verdient. Mit steigender Temperatur in den Komponenten verkürzt sich der Bremsweg sogar um weitere 30 Zentimeter – Chapeau!

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Umwelt/Kosten: Renault Twingo Electric dank Bonus günstiger

Durch den Umweltbonus sinkt der Preis des Twingo Electric auf günstige 14.790 Euro. Damit ist er 2600 Euro billiger als der TCe 90 – und obendrein besser ausgestattet. Und da elektrische Energie merklich günstiger bezogen werden kann als Sprit, gewinnt der Stromer das Kostenkapitel im Vergleichstest zwischen Renault Twingo Electric und Renault Twingo TCe 90 recht deutlich. Was gerade junge Fahranfänger mit chronischer Ebbe im Portemonnaie zusätzlich im Blick haben dürften, sind die niedrigeren Werkstattkosten. Inzwischen hat Renault den TCe 90 gestrichen, womit nun der etwas schwachbrüstige Twingo SCe 65 (65 PS, als Intens für 13.990 Euro) einziger Verbrenner im Programm ist. Beim Händler warten aber noch gut ausgestattete Restbestände des Twingo TCe 90 auf neue Besitzer.

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Messwerte & technische Daten: Renault Twingo Electric & Renault Twingo TCe 90 EDC

AUTO ZEITUNG 05/2021Renault Twingo
Electric
Renault Twingo
TCe 90 EDC
Technik
Motorfremderregter Synchronmotor3/4; Turbo
Hubraum-898 cm³
Leistung60 kW / 82 PS;
3590 - 11.450 /min
68 kW / 93 PS;
5500 /min
Max. Drehmoment160 Nm; 550 - 3590 /min135 Nm; 2500 /min
Batterie400 V / 21,4 kWh; Lithium-Ionen; wassergekühlt-
Getriebe/AntriebKonstantübersetzung / Hinterrad6-Gang, Doppelkupplung / Hinterrad
Messwerte
Leergewicht (Werk/Test)1093 / 1148 kg968 / 1007 kg
Beschleunigung 0-100 km/h (Test)11,7 s11,7 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)135 km/h165 km/h
Bremsweg aus 100 km/h
kalt/warm (Test)
35,6 / 34,9 m34,8 / 34,5 m
Verbrauch auf 100 km (Test/WLTP)18,3 kWh / 16,0 - 16,3 kWh5,8 l S / 5,5 l S
CO2-Ausstoß (Test/WLTP)73 / 0 g/km137 / 129 g/km
Reichweite (Test)117 km603 km
Preise
Grundpreis24.790 Euro17.390 Euro
Testwagenpreis14.790 Euro17.390 Euro

von Marcel Kühler von Marcel Kühler
Unser Fazit

Wer ein preiswertes Stadtauto mit ausreichend großem Innenraum und günstigen Unterhaltskosten sucht, sollte sich den Renault Twingo Electric genauer anschauen. Der kleine Wendekreis und der spritzige Elektro-Antrieb begeistern im dichten urbanen Dschungel. Auf längeren Fahrten wirken sich jedoch die geringe Reichweite und das vergleichsweise langwierige Aufladen der Batterie negativ aus. Und genau in diesen Punkten ist der mit einem konventionellen Turbobenziner angetriebene Twingo TCe 90 immer noch klar im Vorteil. Durch den günstigen Verbrauch schafft er mühelos mehr als 600 Kilometer am Stück. Und wenn der Sprit zur Neige geht, tankt er in nur wenigen Minuten wieder komplett auf. Dennoch gehen im Vergleichstest zwischen Renault Twingo Electric und Renault Twingo TCe 90 alle fünf Wertungskapitel und der Testsieg an den Stromer.

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