Renault Deutschland-Chef Uwe Hochgeschurtz: Interview "Für die Automobilindustrie eine gute Zukunft"

von Volker Koerdt 03.07.2019
Inhalt
  1. Renault Deutschland-Chef Uwe Hochgeschurtz im AUTO ZEITUNG-Interview
  2. Preiswertes E-Auto Renault City K-ZE auch für Europa denkbar
  3. Automobilindustrie beweist Wandlungsfähigkeit

Seit 2016 ist Uwe Hochgeschurtz Vorstandsvorsitzender von Renault Deutschland. Unter seiner Regie stiegen die Zulassungen von Renault und Dacia um mehr als 30 Prozent. AUTO ZEITUNG sprach mit ihm über Elektrifizierung, neue Modelle und die Herausforderungen des automobilen  Marktes!

Herr Hochgeschurtz, Dacia ist weiter auf dem Vormarsch. Im letzten Jahr wurden 71.000 Fahrzeuge in Deutschland neu zugelassen. Glauben Sie, dass Sie die 100.000er-Schallgrenze schaffen können, oder ist die Marke doch langsam am Limit?

Die Marke Dacia hat ihr Limit noch nicht erreicht und hat sicher noch weiteres Potenzial. Ob das mal 100.000 Einheiten im Jahr werden, kann ich nicht sagen. Wichtig ist, dass sich Dacia im Markt seit Jahren gegen andere Wettbewerber durchsetzt und stetig wächst. Neben dem überzeugenden Produkt hat die Marke zwei entscheidende Vorteile: Der erste ist natürlich der Preis, und der zweite ist, dass diese Autos einfach zu kaufen sind. Für den Kunden ist es kein komplexer und großer Aufwand, da es nicht so viele Modell-, Motoren- und Getriebevarianten gibt.

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Renault Clio im Fahrbericht (Video):

 
 

Renault Deutschland-Chef Uwe Hochgeschurtz im AUTO ZEITUNG-Interview

Wie sieht es mit der Elektrifizierung bei Dacia aus?

Auf absehbare Zeit werden wir bei Dacia keine E-Autos verkaufen.

Der Clio kommt demnächst neu.​ Was erwarten Sie im Vertrieb von dem Erfolgsmodell in Deutschland?

Der Renault Clio ist in der Tat unser Bestseller. Er ist in Europa in seinem Segment die Nummer eins und das zweitmeistverkaufte Auto überhaupt – nach dem VW Golf. Wir setzen auch in der Zukunft stark auf den Clio. Das neue Modell wird unserer Marke weiteren Schub geben.

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Der Trend geht allerdings immer mehr zu SUV- und Crossover-Modellen. Und bei Renault?

Renault ist hier hervorragend aufgestellt und hat heute in allen Segmenten – im B-, C- und D-Segment – in Deutschland ein SUV am Start. Mit dem Captur sind wir im B-Segment sehr erfolgreich. Er war lange Zeit die Nummer eins in seiner Klasse und belegt nach wie vor eine Top-Position. Auch der Kadjar und der Koleos schlagen sich gut. Der Trend zur "SUVisierung" und zur "Crossoverisierung" wird auch bei Renault anhalten. Der nächste Captur wird unsere gute Position stärken.

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Wie wird sich denn Ihrer Meinung nach die Elektromobilität in Deutschland entwickeln?

Renault ist hier die Nummer eins in Europa und bietet mit dem ZOE das meistverkaufte Elektroauto in Deutschland an. Ich bin überzeugt, dass Elektrofahrzeuge sich weiter durchsetzen werden. Nur mit Elektroautos werden wir die künftigen Emissionsregeln meistern. Und die Geschwindigkeit, mit der die Elektromobilität günstiger und effizienter wird, ist ungleich schneller als bei allen anderen Technologien. Die E-Mobilität kommt, glauben Sie mir.

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Renault steht neben Elektromobilität auch für sportliche Fahrzeuge wie den Twingo GT oder den Mégane R.S. Werden Sie diese Modelle vor dem Hintergrund von WLTP und Euro 7 noch anbieten?

Ich mag gern sportliche Autos, aber leider ist die Realität so, dass diese Hochleistungsmodelle zwei entscheidende Nachteile haben: Sie repräsentieren zum einen wenig Volumen. Der andere Nachteil ist, dass sie im CO2-Ausstoß den Flotten-Durchschnitt nach oben treiben.

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Wie sieht es denn überhaupt mit einem Twingo-Nachfolger aus? Die Kooperation mit Smart wird wohl nicht mehr weitergeführt, oder?

Das ist Spekulation. Ich kann noch nichts über die Nachfolge der Twingo-Plattform sagen.

 

Preiswertes E-Auto Renault City K-ZE auch für Europa denkbar

Mit Dongfeng in China baut Renault das City-Auto K-ZE, ein kleines, batterieelektrisches SUV. Dann gibt es in Russland den Arkana auf Dacia-Basis und in Zusammenarbeit mit Samsung den XM3 – ein SUV-Coupé wie der Arkana. Außerdem vertreibt Renault in Indien den sehr erfolgreichen Kwid. Könnte das eine oder andere Auto möglicherweise hierzulande unter Dacia oder Renault vertrieben werden?

Es gibt Überlegungen, so ein Fahrzeug auch mal für Europa zu überprüfen, insbesondere in puncto elektrischer Fahrzeuge. Der K-ZE ist auf jeden Fall so entwickelt, dass er auch in anderen Märkten eingesetzt werden könnte. Entschieden ist hier aber noch nichts.

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Welche Plug-in-Versionen wird es demnächst von Renault geben?

Als Plug-in-Versionen haben wir Captur und Mégane angekündigt. Den neuen Clio bringen wir auch als Hybriden. Zusammen mit den rein batteriebetriebenen Fahrzeugen werden wir damit den durchschnittlichen CO2-Flottenaus-stoß weiter verringern. Ich denke, langfristig wird es für die großen städtischen Ballungsgebiete auf Elektro hinauslaufen. Dafür muss natürlich viel investiert werden, sowohl in die Infrastruktur als auch in die Fahrzeugentwicklung.

Das heißt, Sie gehen davon aus, dass das möglicherweise nicht alle Hersteller finanzieren können – wie FCA, die jetzt mit Renault eine Kooperation eingehen wollen?

Zum FCA-Angebot kann ich konkret wenig sagen. Die ersten positiven Reaktionen der Märkte zeigen mir allerdings, dass hier von Marktbeobachtern durchaus Potenziale gesehen werden. 

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Kommen wir zur jungen Marke Alpine. Wie wird es weitergehen? Gibt es ein zweites Modell?

Die neue Alpine A110 kommt gut bei den Kunden an. Wir bieten hier verschiedene Versionen. Der Erfolg der Alpine basiert auf dem geringen Gewicht und dem großartigen Fahrverhalten. Wenn ein weiteres Modell käme, müsste es die gleichen Gene haben. Es müsste wieder ein leichtes und sportliches Modell sein. Auch hier ist noch nichts entschieden.

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Die Marken Renault und Dacia sind im Vertrieb in Deutschland wieder erfolgreich. Haben Sie da noch Hausaufgaben?

Bei beiden Marken sind wir mit unserem Handel gut aufgestellt. Open points gibt es kaum, das heißt aber nicht, dass wir uns nicht noch verbessern könnten. Erfreulicherweise gibt es namhafte Händlergruppen, die in den Handel mit Renault- und Dacia-Fahrzeugen einsteigen wollen. Das habe ich so noch nie erlebt.

 

Automobilindustrie beweist Wandlungsfähigkeit

Was erwarten Sie noch vom Jahr 2019, das ja für die Autoindustrie ein schwieriges Umfeld darstellt?

Ich denke, wir können das gute Vorjahr wiederholen. Denn trotz aller Unkenrufe liegt der Gesamtmarkt fast genau auf Vorjahresniveau. Und trotz aller Diskussionen um die Mobilität und die zum Teil negative Begleitmusik beim Automobil ist klar: Wir brauchen die Autos und die Industrie. Ich bin da ganz optimistisch. Und so sehe ich trotz aller Schwankungen für die Automobilindustrie eine gute Zukunft. Sie hat bewiesen, dass sie sich umstellen und reagieren kann. Und das ist positiv für alle.

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