Coronavirus: Auswirkungen auf die Autobranche Produktionsausfälle durch Grenzkontrollen befürchtet

von AUTO ZEITUNG 15.02.2021
Inhalt
  1. Auswirkungen des Coronavirus auf die Autobranche
  2. Produktionsausfälle in der Corona-Krise: So ist die Lage bei Audi, Daimler, Ford, McLaren & VW
  3. Auswirkungen der Corona-Pandemie: Absagen von Messen/Events auch 2021

Die Folgen der Coronavirus-Pandemie haben der Autobranche die größte Krise seit dem Zweiten Weltkrieg beschert. Diese Autobauer sind in Kurzarbeit und diese Automessen werden 2021 verschoben oder abgesagt. Der Artikel wird fortlaufend aktualisiert.

 

Auswirkungen des Coronavirus auf die Autobranche

  • Der Autoverband VDA sieht die Krise in der Autobranche noch längst nicht ausgestanden. "Die Lage vieler Unternehmen ist weiterhin angespannt", sagte die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller. Damit die "Mobilität der Zukunft" Fahrt aufnehmen könnte, müssten die politischen, infrastrukturellen und rechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden, so Müller. Es gehe darum, wie Deutschland beim vernetzten und automatisierten Fahren seine weltweit starke Position weiter ausbauen könne. In Fragen der Sicherheit und der Standards beim Austausch von Daten sei ein ständiger und konstruktiver Austausch mit der Politik notwendig. In die Digitalisierung investiere die deutsche Automobilindustrie bis zum Jahr 2024 rund 25 Milliarden Euro. Laut des Verbands der Automobilindustrie (VDA) ist die Zahl der Neuzulassungen in Deutschland bereits im ersten Halbjahr 2020 durch das Coronavirus um 35 Prozent auf 1,21 Millionen Einheiten eingebrochen. Für das Gesamtjahr 2020 steht mit insgesamt 2,9 Millionen Neuwagen in Deutschland ein Rückgang der Neuzulassungen von -19,1 Prozent in der Bilanz des Kraftfahrtbundesamts. 

  • Weltweite Zahlen: Aufgrund des Coronavirus mussten die Menschen auf der ganzen Welt Ausgangssperren, Lockdowns und andere Einschränkungen ihrer individuellen Mobilität hinnehmen. So war es in vielen Ländern im Frühjahr und dann erneut ab Herbst 2020 nicht möglich, ein Auto im Handel zu kaufen oder zuzulassen. Und die Angst vor dem tödlichen Virus sowie die wirtschaftlichen Sorgen ließen die Kauflaune fast auf den Nullpunkt sinken. So brachen die globalen Neuzulassungen allein im April um rund 45 Prozent ein. Im Gesamtjahr 2020 ging der weltweite Autoabsatz auf 77,7 Millionen Fahrzeuge zurück – rund 15 Prozent weniger als im Vorjahr, in dem 91 Millionen Neuwagen zugelassen wurden. Zuletzt gab es im Jahr 2010 nach der Finanz- und Wirtschaftskrise weltweit so wenige Autoverkäufe. Mit einem Minus von 19,1 Prozent steht Deutschland international noch vergleichsweise gut da: In Italien, im Frühjahr besonders von der Pandemie betroffen, lag das Minus im Gesamtjahr 2020 bei 27,7 Prozent. Unser Nachbarland Frankreich musste einen Rückgang um 25,5 Prozent verkraften. Noch schlimmer trafen die Corona-Auswirkungen Großbritannien: Das Land mit den meisten Virus-Opfern in Europa brachte nach einem dramatischen Absatz-Einbruch im Frühjahr auch im Verlauf des weiteren Jahres kein Bein mehr auf den Boden: 1,63 Millionen Neuzulassungen (-29,4 Prozent) bedeuten das schwächste Autojahr auf der Insel seit fast dreißig Jahren.

  • Auch der Automarkt in den USA, weltweit das Land mit den meisten Coronavirus-Infizierten und -Toten, erlebte einen historischen Einbruch. Mit rund 625.000 Neuzulassungen (-53,3 Prozent) war der April 2020 der schwächste Automonat seit über 30 Jahren. Viele Konzerne, darunter die Schwergewichte General Motors, Ford und Fiat Chrysler, stoppten sogar die Veröffentlichung von monatlichen Verkaufszahlen nach Modellen. Zwar gab es keinen landesweiten Shutdown, doch im April 2020 durften Autohändler nur noch in 24 der 50 US-Bundesstaaten öffnen. Besonders dramatisch: Aufgrund der Wirtschaftskrise kam es zu einem Einbruch der Flottenverkäufe, etwa an Vermieter und Firmen. Unter dem Strich verbuchten die USA mit nur noch 14,6 Millionen Neuzulassungen ein Minus von 14,6 Prozent. Das ist der schlechteste Wert seit 2011. In Indien wurde der Autoverkauf während des landesweit geltenden, strikten Lockdowns vom 23. März bis zum 18. Mai 2020 sogar komplett verboten. So gab es im April 2020 keine einzige Neuzulassung. Im Gesamtjahr wurden auf dem Subkontinent 17,3 Prozent weniger Autos verkauft. In Brasilien gab es ebenfalls keine Entspannung bei den Corona-Opferzahlen und auf dem lokalen Automarkt: Satte 26,6 Prozent Minus machten 2020 zum schwächsten Autojahr in Brasilien seit 14 Jahren. Einzig China erwies sich im Corona-Jahr als Lichtblick, ausgerechnet das Land, in dem die Pandemie ihren Ausgang nahm. Nach -43,3 Prozent im März drehte der Neufahrzeugmarkt bereits im April wieder ins Plus. Im Juli konnte sogar ein Zuwachs von 16,4 Prozent verbucht werden. Mit insgesamt 25,3 Millionen Neuwagen und einem leichten Minus von 1,9 Prozent im Gesamtjahr konnte China seine Stellung als weltweit größter Automarkt in 2020 weiter ausbauen. Die Regierung in Peking griff dem Absatz dabei stark unter die Arme: So lockerte sie die rigiden Beschränkungen bei der Neuzulassung von Autos in Millionen-Städten wie Peking oder Shanghai und verlängerte die eigentlich auslaufende Elektroauto-Förderung um zwei Jahre. Einzelne Provinzen führten sogar eine Abwrackprämie nach dem deutschen Vorbild von 2009 ein.

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Produktionsausfälle in der Corona-Krise: So ist die Lage bei Audi, Daimler, Ford, McLaren & VW

Aufgrund geltender Kontrollen und Corona-Testpflicht an den Grenzen befürchtet die deutsche Autoindustrie ab Mitte Februar 2021 erhebliche Lieferprobleme und Produktionsausfälle. Durch die zu erwartenden Probleme an den Grenzübergängen werde die Automobilproduktion ab dem Mittag am 15. Februar 2021 größtenteils zum Erliegen kommen, teilte ein Sprecher des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) mit. "Die Werke in Ingolstadt, Regensburg, Dingolfing, Zwickau und Leipzig sind als erste betroffen." Der VDA Sprecher sprach von einer dramatischen Lage, von der 800.000 Beschäftigte in der Autoindustrie betroffen seien. Die Autoindustrie fordert, bis zum Aufbau ausreichender Testkapazitäten an den Grenzen, mindestens aber für die nächsten vier Tage, auf eine ärztliche Testbestätigung zu verzichten und ersatzweise Selbstschnelltests für Fahrer zuzulassen. Beim Volkswagen-Konzern hieß es derweil, dass es noch keine Engpässe wegen fehlender Teile aus dem Lkw-Grenzverkehr gebe, auch nicht im VW-Werk Sachsen und im Porsche-Werk Leipzig. Auch bei Daimler hieß es, es würden keine Beeinträchtigungen erwartet, von Werksschließungen könne keine Rede sein. Und auch die bayerischen Autobauer BMW und Audi haben bisher keine größeren Probleme durch die Grenzkontrollen wegen der Corona-Pandemie. "Unsere Werke sind derzeit versorgt und produzieren planmäßig", hieß es von BMW. "Erste Lieferungen konnten bereits die Grenzen passieren und sind ohne größere Verzögerungen in unseren Werken angekommen." Ein Audi-Sprecher erklärte: "Wir produzieren aktuell ohne Einschränkungen, beobachten die Lage und die weitere Entwicklung."

  • Ford setzt die Produktion in seinem Werk in Saarlouis aufgrund von Lieferengpässen bei Halbleiterbauteilen und der gesunkenen Nachfrage während der Corona-Pandemie vom 18. Januar bis zum 19. Februar 2021 aus. Betroffen sei die Produktion des Modells Focus, das der Standort im Saarland für alle europäischen Märkte produziere, teilte ein Sprecher des Unternehmens mit. "Derzeit rechnen wir nicht mit weiteren vorübergehenden Produktionsstillständen in anderen europäischen Werken." Der Mangel an Elektronik-Chips für Autos sorgt auch bei anderen Herstellern und Zulieferern in Deutschland für Probleme.

  • Bei Audi in Ingolstadt und Neckarsulm sind Anfang Februar 2021 annähernd 10.000 Mitarbeiter:innen aus der Kurzarbeit zurückgekehrt. Auch das Autowerk im ungarischen Györ, das bislang im Ein-Schicht-Betrieb lief, fährt nun wieder im Drei-Schicht-Betrieb. Zuvor hatten Lieferengpässe bei Chips für die elektronische Steuerung die VW-Tochter gezwungen, die Produktion in der zweiten Januarhälfte zu drosseln. In Neckarsulm ruhte die Produktion der A4-Limousine und des A5-Cabrios. In Ingolstadt standen zwei Bänder still, auf denen A4- und A5-Autos gebaut werden.

  • Ein Bürogebäude von McLaren in der Innenstadt von Woking  wird temporär in ein Impfzentrum verwandelt, wie im Januar 2021 bekannt wurde. Zunächst war man davon ausgegangen, dass es sich dabei um das Hauptquartier selbst handelt. Dem ist allerdings nicht so. Erst Ende 2020 hatte der britische Sportwagensteller den geplanten Verkauf des Standorts für rund 220 Millionen Euro gemeldet.

  • Lieferprobleme bei Halbleiter-Herstellern sorgten im Januar 2021 auch bei Daimler für Schwierigkeiten in der Produktion. Das Kompaktwagen-Werk in Rastatt, wo unter anderem die A-Klasse gebaut wird, war wegen Nachschubproblemen für drei Wochen in Kurzarbeit gegangen, Bremen für eine Woche. Ab dem 8. Februar 2021 fährt Daimler die Produktion in beiden Werken wieder hoch. Man beobachte die Situation kontinuierlich in enger Abstimmung mit den Lieferanten und passe, falls notwendig, das Vorgehen an, hieß es von Konzernseite.

  • Nach den für die Autobranche einschneidenden Produktionsstopps im Frühjahr 2020 musste VW bereits im Dezember 2020 seine Produktion im Wolfsburger Stammwerk erneut drosseln. Auch im Februar 2021 gibt es noch vier Schließtage. Grund ist der Coronavirus-bedingte Ausfall eines Zulieferers. Auch im Werk Emden gibt es seit Mitte Januar 2021 entsprechende Auswirkungen. Für die rund 9000 betroffenen Beschäftigten wurde ab dem 18. Januar 2021 Kurzarbeit beantragt. Die Maßnahme war für zwei Wochen bis Ende des Monats angelegt. 

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Auswirkungen der Corona-Pandemie: Absagen von Messen/Events auch 2021

  • Der Auto Salon Brüssel sollte eigentlich vom 15. bis zum 24. Januar 2021 stattfinden. Aufgrund der steigenden Infektionszahlen haben die Veranstalter die Messe jedoch ersatzlos abgesagt. 

  • Auch die Chicago Auto Show findet nicht wie ursprünglich geplant vom 13. bis zum 21. Februar 2021 statt. Die Veranstalter planen, das Event im Zeitraum März bis Mai 2021 auszurichten – einen genauen Termin gibt es jedoch noch nicht.

  • Eigentlich sollte die Tuning World Bodensee 2020 ihren 18. Geburtstag feiern. Nun soll die Party vom 13. bis zum 16. Mai 2021 steigen.

  • Die L.A. Auto Show, die ursprünglich vom 20. bis 29. November 2020 stattfinden sollte, hat Corona-bedingt einen neuen Termin: Die US-amerikanische Messe in Los Angeles soll vom 21. bis zum 31. Mai 2021 nachgeholt werden.

  • Das Oldtimer-Event Concorso d'Eleganza Villa d'Este am Comer See hätte im Oktober 2020 stattfinden sollen. Nun soll die Veranstaltung vom 28. bis zum 30. Mai 2021 stattfinden.

  • Auch das Goodwood Festival of Speed konnte 2020 nicht wie geplant ausgerichtet werden, vom 8. bis zum 11. Juli 2021 wollen die Veranstalter:innen einen neuen Anlauf wagen. Und auch für das Goodwood Revival Festival gibt es einen Ersatztermin: Es soll vom 17. bis zum 19. September 2021 stattfinden.

  • Nach der Absage der New York Auto Show 2020 planen die Veranstalter:innen eine Neuauflage der Messe vom 20. bis zum 29. August 2021.

  • Bereits 2020 wurde die Detroit Auto Show zunächst verschoben und später abgesagt. Schließlich war geplant, die NAIAS im Herbst 2021 wieder stattfinden zu lassen. Auch daraus wird nichts, wie im Januar 2021 bekannt wurde: Stattdessen soll es eine mehrtägige Veranstaltung namens "Motor Bella" auf dem M1 Concourse Speedway in Pontiac (Michigan) geben. Geplant ist, das Event vom 23. bis zum 26. September 2021 für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

  • Die IAA Nutzfahrzeuge vom 24. bis zum 30. September 2020 wurde ebenfalls Corona-bedingt abgesagt. Eine Wiederholung 2021 ist nicht geplant, die nächste Ausgabe findet erst im September 2022 statt.

  • Aufgrund des weltweit grassierenden Coronavirus haben sich auch die Veranstalter:innen der SEMA 2020 (Specialty Equipment Market Association) dazu entschlossen, die Tuningmesse in Las Vegas auszusetzen. Nächster angepeilter Termin: 2. bis 5. November 2021.

  • Unter dem Leitmotto "Limited Edition" sollte die Essen Motor Show 2020 trotz der Coronakrise vom 28. November bis zum 6. Dezember ihre Pforten öffnen. Daraus wurde jedoch nichts, ein Datum für das Comeback steht aber bereits fest: Die Fachmesse für Tuningstrends soll vom 27. November bis zum 5. Dezember 2021 die Tore öffnen. 

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