Coronavirus: Auswirkungen auf die Autobranche Skoda-Bänder stehen länger still

von Tim Neumann 09.04.2020
Inhalt
  1. Auswirkungen des Coronavirus auf die Autobranche
  2. Coronavirus: Kurzarbeit & Produktionsstopp-Verlängerung bei VW, Skoda, Audi, Porsche  & Seat
  3. Mercedes verlängert Kurzarbeit, F1-Team hilft bei Medizintechnik
  4. Produktionsstopp & Atemschutzmasken von BMW
  5. Produktionsstopp bei Renault, Ford, Volvo, GM, Tesla, Hyundai & Michelin, Bosch, ZF
  6. So ist die Lage bei PSA & FCA plant Produktion von Beatmungsgeräten
  7. Elektroauto-Herstellers e.Go beantragt Schutzschirmverfahren
  8. Detroit Auto Show 2020 wegen Coronavirus abgesagt

Die Folgen der Coronavirus-Pandemie für die Autobranche: Zahlreiche Hersteller schließen ihre Werke und beantragen Kurzarbeit, oder entwickeln und produzieren verstärkt medizinisches Gerät und Atemschutzmasken. Dieser Artikel wird fortlaufend aktualisiert.

Die Verbreitung des Coronavirus könnte zu einem Stellenabbau in der Branche führen, befürchtet die Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) Hildegard Müller. Müller wörtlich: "Wir machen uns Sorgen um die Arbeitsplätze und die Zukunft." Sie äußerte sich am 30. März 2020 im ARD-Morgenmagazin zur aktuellen Situation und lobte dabei die Unternehmen der Automobilbranche für ihren verantwortungsvollen Umgang mit den Mitarbeitern. Auch wenn die Firmen ihre Möglichkeiten voll ausschöpfen, um Mitarbeiter an Bord zu halten, wollte die VDA-Präsidentin keinen Ausblick auf die Zukunft geben: "Wir möchten uns im Moment noch nicht beteiligen an Spekulationen, wie hoch die Rezession ausfallen wird." Nicht nur die Automobilindustrie muss sich angesichts der Pandemie neuen Herausforderungen stellen: Der Tankstellen-Interessenverbands warnt vor einem Tankstellen-Sterben. Wegen der Ausgangsbeschränkungen wird spürbar weniger getankt. Das bringe Tankstellenbetreiber schnell an den Rand der Existenz, so der Verband. Die Betreiber sind meist nur Pächter, Eigentümer hingegen die großen Mineralölgesellschaften. Der Verband fordert daher die Pacht auf Null zu setzen, um ein Tankstellen-Sterben wegen der Coronavirus-Pandemie zu vermeiden. Mehr zum Thema: Das bedeutet Corona für den Autokauf

News Audi Rückbank
Zu Hause wegen Corona: Glosse zum Autohobby Ich entdecke mein Auto neu

Coronavirus: Hygiene im Auto –​ Tipps! (Video):

 
 

Auswirkungen des Coronavirus auf die Autobranche

Seit Donnerstag, 19. März 2020, ist die Produktion im VW-Stammwerk Wolfsburg bereits vorübergehend stillgelegt. Auch zahlreiche weitere VW-Werke in Deutschland und ganz Europa sind davon betroffen. Am 26. März wurde die Produktionsunterbrechung auf vier weitere Werktage ausgedehnt, was auch eine Verlängerung der Kurzarbeitsphase beinhaltet, die demnach erst am 9. April enden soll. Am 31. März wurde bekannt, dass man den Produktionsstopp abermals verlängert. Die Bänder sollen demnach frühestens am 19. April wieder anlaufen. Für rund 80.000 Beschäftigte des VW-Konzern wurde Kurzarbeit angemeldet. Auch Volkswagen Slovakia legt wegen der Ausbreitung des Coronavirus seine Produktion still. Mit rund 15.000 Mitarbeitern ist die Volkswagen-Tochter der größte private Arbeitgeber der Slowakei. Besonders das Werk in Bratislava nimmt eine Schlüsselrolle im gesamten VW-Konzern ein, weil hier für fünf verschiedene Marken Modelle gefertigt werden und es bei Bedarf Kapazitäten anderer Fabriken aufnehmen kann. Einen Zeitrahmen nannte nannte die Volkswagen-Tochter nicht. Auch die VW-Dependancen in Buenos Aires und Cordoba (Argentinien) sind von Corona-bedingten vorübergehenden Schließungen betroffen. Der Volkswagen-Konzern prüft die Fertigung von technischen Bauteilen für Beatmungsgeräte, die in der Corona-Krise dringend benötigt werden. 

News Formel 1
Coronavirus bedroht Motorsport: Formel 1 & Formel E Coronavirus bedroht Motorsportveranstaltungen

 

Coronavirus: Kurzarbeit & Produktionsstopp-Verlängerung bei VW, Skoda, Audi, Porsche  & Seat

Bei Skoda stehen die Fließbänder wegen der Coronavirus-Pandemie länger als ursprünglich geplant. Nach Absprache mit der Konzernmutter und der Gewerkschaft Kovo wird der Produktionsstopp in den drei tschechischen Werken Mlada Boleslav, Vrchlabi und Kvasiny bis zum 27. April 2020 verlängert. Bei Audi in Ingolstadt, Neckarsulm, Belgien, Mexiko und Ungarn lief ebenfalls schon die letzte Schicht. Darüberhinaus beantragte Audi Kurzarbeit für die Beschäftigten der Produktions- und Logistikabteilung. Porsche legte die Werke in Zuffenhausen und Leipzig vorübergehend still. Am 7. April 2020 teilte Porsche mit, dass der Produktionsstopp wegen des Coronavirus' um eine weitere Woche verlängert wird. Der Grund seien weiterhin Engpässe in den globalen Lieferketten. Insgesamt beläuft sich der Produktionsstopp beim Zuffenhausener Sportwagenbauer dann auf vier Wochen. Zuvor hatte es unter anderem schon in den spanischen VW- und Seat-Werken Martorell und Navarra massive Einschränkungen gegeben. Die Spanier starteten am 1. April 2020 die Produktion von Beatmungsgeräten. Eine Montagelinie für den Seat Leon wurde entsprechend umgerüstet. 150 Mitarbeiter sind für diesen Zweck im Einsatz. Der Sportwagenhersteller Lamborghini produziert vorübergehend Atemschutzmasken, die man der Poliklinik S. Orsola-Malpighi in Bologna zukommen lässt. 

News Corona-Krise: Inspektion, Reifenwechsel & HU
Coronavirus: Inspektion, Reifenwechsel & HU HU-Frist auf vier Monate ausgeweitet

 

Mercedes verlängert Kurzarbeit, F1-Team hilft bei Medizintechnik

Auch Mercedes leitete die notwendigen Schritte zur Unterbrechung der Produktion wegen der Coronavirus-Pandemie ein. Für voraussichtlich zwei Wochen sollen die Werskhallen der PKW-, und Nutzfahrzeugsparte in ganz Europa geschlossen bleiben. Zudem beantragte Daimler für viele Mitarbeiter im Zeitraum vom 6. bis zum 17. April 2020 Kurzarbeit. Der Plan umfasst große Teile der Produktion und der Verwaltung. Wie viele der 170.000 Mitarbeiter tatsächlich von den Plänen betroffen sind, war zunächst nicht klar. Am 8. April 2020 teilte man mit, dass die Kurzarbeit bis Ende April ausgedehnt werden soll. Dafür verzichten Vorstände und Aufsichtsräte auf einen Teil ihres Gehalts. Für die restlichen neun Monate des Jahres soll das Grundgehalt um 20 Prozent geringer ausfallen. Zudem hat man sich auf eine Kürzung beim Gehalt der Führungskräften der obersten drei Ebenen um zehn Prozent in den nächsten drei Monaten geeinigt.

Mercedes möchte die Produktion von Medizingeräten unterstützen. Sie unterbreiteten der Medizintechnik-Branche ein Angebot, dass man die 3D-Drucker für die Erstellung wichtiger Bauteile nutzen könne. Die Drucker kommen normalerweise im Prototypenbau und der Kleinserienfertigung zum Einsatz. Derweil hat das Formel 1-Team Mercedes-AMG F1 bei der Adaption einer Atemhilfe geholfen, die in Großbritannien zum flächendeckend zum Einsatz kommen soll. Das kompakte Gerät erleichtert Patienten mit ernsthaften Lungeninfektionen das Atmen. Die Umsetzung erfolgte in weniger als 100 Stunden. Nach einem Test mit 100 Exemplaren soll das CPAP-Gerät (Continuous Positive Airway Pressure) schon bald in großen Stückzahlen produziert werden und bei der Bewältigung der Coronavirus-Pandemie helfen.

News Tesla Model X: Innenraumfilter
Coronavirus: Innenraumfilter im Auto (Tesla, Geely) Können Autos uns vor Viren schützen?

 

Produktionsstopp & Atemschutzmasken von BMW

BMW hat alle europäischen Werke seit dem 18. März 2020 sowie die Produktion im Südafrikanischen Rosslyn wegen des Coronavirus' geschlossen. Das Werk im amerikanischen Spartanburg folgte Ende März 2020. Für rund 20.000 Beschäftigte des Unternehmens wurde Kurzarbeit beantragt. Am stärksten sind davon die Werke in Dingolfing, München, Regensburg und Leipzig betroffen. Am 6. April 2020 wurde mitgeteilt, dass der Produktionsstopp bis zum 30. April 2020 verlängert wird. Grund sei der weitere Rückgang der Nachfrage auf den weltweiten Automobilmärkten. BMW nutzt die Pause für Umbauten in den Werken. So werden die Produktionsstätten in München und Dingolfing bereits jetzt für den Anlauf der Elektroautos i4 und iNext vorbereitet. Anders als in den anderen Werken, soll im Motorenwerk in Steyr (Österreich) die Produktion bereits am 18. April 2020 wieder anlaufen. Am 8. April 2020 teilte BMW mit, dass man auch Atemschutzmasken produzieren wolle. Diese sollen in den eigenen Werken zum Einsatz kommen, aber auch Pflegern und Ärzten zur Verfügung gestellt werden.

News Coronavirus: Pannenhilfe
Coronavirus: Pannenhilfe von ADAC & Co Pannenhilfe ist trotz Corona voll einsatzbereit

 

Produktionsstopp bei Renault, Ford, Volvo, GM, Tesla, Hyundai & Michelin, Bosch, ZF

Der französische Autobauer Renault schloss zwölf Fabriken im Heimatland. Derzeit sind 18.000 Beschäftigte von den Maßnahmen betroffen. Ford reagiert auf die Ausbreitung des Coronavirus und schloss die Werke in Valencia, Saarlouis und Köln am 19. März 2020. Nur das Motorenwerk in Großbritannien ist vorerst unbetroffen. Wie lange der Produktionsstop anhalten soll, gab der Hersteller nicht bekannt. Schon zuvor hatte Ford Saarlouis von Zweischicht- auf Einschicht-Betrieb umgerüstet. Der schwedische Hersteller Volvo legt die Produktion in Schweden, Belgien und den USA bis auf Weiteres stil. Rund 25.000 Mitarbeiter sind von den Maßnahmen betroffen. Nachdem Tesla-Chef Elon Musk zuvor noch davon gesprochen hatte, dass das Werk im kalifornischen Fremont der Arbeit wie gewohnt nachgehe, musste er jetzt den Behörden nachgeben. Die hatten die Elektro-Fabrik als "nicht lebensnotwendiges Unternehmen" deklariert und damit zum Produktionsstop beim einzigen Tesla-Werk in den USA beigetragen. Mehr als 10.000 Mitarbeiter sind davon betroffen. Auch der japanische Hersteller Toyota schließt als Reaktion auf die weltweite Coronavirus-Pandemie Werkshallen. Im tschechischen Werk von Hyundai wird die Produktion des i30 seit dem 23. März 2020 ausgesetzt. Hier arbeiten mehr als 2500 Menschen. Die Schließung wurde bis zum 14. April verlängert, die Angestellten erhalten aktuell 70 Prozent ihres Durchschnittslohns. Auch Zulieferer und andere Konzerne der Automobilbranche wie Michelin oder Bosch trifft die Pandemie. Der französische Reifenhersteller Michelin schloss für diese Woche Werke in Spanien, Frankreich und Italien. Der weltgrößte Autozulieferer Bosch fuhr an 35 Standorten in Deutschland die Produktion weitesgehend herunter. Ähnliches gilt auch für Continental und ZF.

Video Coronavirus: Zuhause mit dem Auto beschäftigen
Autohobby trotz Coronavirus: Tipps im Video Sechs Tipps, was trotz Corona am Auto möglich ist!

 

So ist die Lage bei PSA & FCA plant Produktion von Beatmungsgeräten

Wegen der Ausbreitung des Coronavirus hat der PSA-Konzern (Peugeot, Citroën, DS, Opel & Vauxhall) seit dem 17. März 2020, Werke in ganz Europa geschlossen. Zum einen machten sich bereits die ersten Lieferengpässe in der Zuliefererkette bemerkbar, zum anderen stockte die Nachfrage nach Neuwagen erheblich. In Deutschland sind die Standorte Rüsselsheim und Eisenach betroffen, wo die PSA-Tochter Opel seit Jahrzehnten produziert. Neben Deutschland erfolgen Schließungen auch in Frankreich, Großbritannien, Portugal, Spanien und der Slowakei. Bei FCA sieht die Lage sogar noch düsterer aus: Der Fiat-Chrysler-Konzern (FCA) muss wegen der Coronavirus-Pandemie im heimatlichen Italien ordentlich einstecken. Die Schließungen betrifft unter anderem auch die Ferrari-Produktion in Modena. Ebenfalls geschlossen sind die beiden FCA-Produktionsstätten in Polen und Serbien. Um bei der Eindämmung der Coronavirus-Pandemie mitzuhelfen, kündigte FCA die Herstellung von mehr als einer Millionen Atemschutzmasken an. Zudem unterstützen FCA und Ferrari das Unternehmen Siare Engineering bei der Produktion von Beatmungsgeräten.

News Coronavirus: Sainfair Sanitär
Coronavirus: Sanifair-Toiletten kostenlos Sanifair ermöglicht kostenlose Nutzung der Toiletten

 

Elektroauto-Herstellers e.Go beantragt Schutzschirmverfahren

Weil das Coronavirus auch den Betrieb des Aachener Elektroauto-Herstellers e.Go lahmlegt, hat die Firma nun ein Schutzschirmverfahren zur Rettung des Unternehmens beantragt. Damit bleibt e.Go vom Zugriff der Gläubiger verschont und muss keine Insolvenz anmelden. Das Amtsgericht Aachen hat dem Antrag bereits stattgegeben. Wie bei vielen anderen Autoherstellern hatte das Coronavirus die Autoproduktion ab Mitte März ins Stocken gebracht. Zuvor hatte e.Go bereits versucht, staatliche Hilfe zu beantragen, was aber daran gescheitert war, dass die Hausbanken bei der Finanzierung Eigenanteile hätten übernehmen müssen. e.Go-Gründer Günther Schuh hofft mithilfe des Schutzschirmverfahrens, keine Arbeitsplätze streichen zu müssen und ab 2021 wieder voll angreifen zu können. 

 

Detroit Auto Show 2020 wegen Coronavirus abgesagt

Die Detroit Auto Show 2020 ist abgesagt. Die ursprünglich für Juni geplante Messe soll erst wieder 2021 stattfinden. Das Kongresszentrum in Detroit soll zunächst zu einem Notkrankenhaus umfunktioniert werden, um weitere medizinische Kapazitäten in der Coronavirus-Pandemie zu schaffen. Aber nicht nur Autobauer und Messeveranstalter

Tags:
Copyright 2020 autozeitung.de. All rights reserved.