Peugeot 208/Renault Clio: Vergleichstest Peugeot 208 & Renault Clio im Vergleichstest

von Caspar Winkelmann 13.03.2020
Inhalt
  1. Peugeot 208 und Renault Clio im Vergleichstest
  2. Fahrkomfort: Peugeot mit formidablem Sitzkomfort
  3. Motor/Getriebe: Renault beschleunigt minimal langsamer
  4. Fahrdynamik: Peugeot mit sportlicherem Fahrverhalten
  5. Umwelt/Kosten: Renault mit niedrigerem Grundpreis 
  6. Messwerte & technnische Daten Peugeot 208 & Renault Clio

Peugeot 208 und Renault Clio sind gestandene Größen im Kleinwagensegment und  jeweils gerade neu aufgelegt worden. Der Vergleichstest mit 100 PS starken Turbobenzinern klärt, welcher der beiden kleinen Franzosen die Nase vorne hat!
 

Gesamtbewertung (max. Punkte)Peugeot 208 PureTech 100Renault Clio TCe 100
Karosserie (1000)494512
Fahrkomfort (1000)618621
Motor/Getriebe (1000)656642
Fahrdynamik (1000)638610
Eigenschaftswertung (4000)24062385
Kosten/Umwelt (1000)448491
Gesamtwertung (5000)28542876
Platzierung21

Frankreich ist eine Nation der Kleinwagenfahrer: Die Zulassungsstatistik unserer gallischen Nachbarn wird seit Ewigkeiten souverän von kleinen Autos dominiert. Kein Wunder also, dass französische Hersteller besonders viel Erfahrung im Bau von Kleinwagen haben. Doch das klassische Fahrzeugkonzept gerät in Frankreich – aber auch hier in Deutschland – unter Druck: Die noch recht junge Gattung der City-SUV boomt und buhlt um die Gunst der Kleinwagen-Käufer. Da passt es gut, dass die Neuau­flagen der beiden Kleinwagen-Klassiker Peugeot 208 und Renault Clio fast zeitgleich an den Start gehen – zumal beide City-Flitzer hierzulande zu den wichtigsten Bausteinen im jeweiligen Portfolio der Hersteller zählen. Welcher Franzose das bessere Angebot ist, klärt unser Vergleichstest, bei dem die Erzrivalen jeweils mit 100 PS starkem Dreizylinder-Turbobenziner und manuellem Getriebe antreten. Mehr zum Thema: Der Renault Twingo Z.E. im ersten Vergleich

 

Peugeot 208 und Renault Clio im Vergleichstest

Dass der Renault Clio eine komplette Neuentwicklung ist, sieht man ihm von außen nicht unbedingt an. Doch weil beim attraktiv gezeichneten Vorgänger das Design einer der Top-Kaufgründe war, wurde die Formensprache nur evolutionär weiterentwickelt. Ganz anders der Peugeot 208: Er grenzt sich optisch deutlich von der Vorgängergeneration ab und wirkt vor allem dank der auffälligen Leuchtelemente an Front und Heck angriffslustiger als bisher. In der Länge messen beide Kontrahenten in diesem Vergleichstest übrigens jeweils 4,05 Meter. Dennoch ergeben sich beim Raumangebot für Passagiere und Gepäck Unterschiede: Der Peugeot bietet Fahrer und Beifahrer etwas mehr Kopfraum als der Clio, und auch die seitliche Bewegungsfreiheit fällt aufgrund der größeren Innenbreite üppiger aus. Der Renault kontert mit mehr Beinraum für den Co-Piloten. Im Fond bleibt den Insassen etwas mehr Luft über dem Scheitel, auch weil die seitlichen Dacheinzüge weniger stark ausfallen als im Peugeot. Der kleine Löwe gleicht diesen Nachteil jedoch mit etwas mehr Knieraum wieder aus. Klar ins Hintertreffen gerät er jedoch bei der Kofferraumgröße: Während das Standardvolumen des Renault mit 391 Litern das von so manchem Kompaktwagen übertrifft, sind die 265 Liter des 208 ein typischer Kleinwagenwert. Legt man die asymmetrisch klappbaren Rückbänke um, entstehen hier wie dort unpraktische Stufen im Ladeboden, und das Fassungsvermögen wächst auf jeweils auf rund 1100 Liter an. Die 460 kg hohen Zuladungen der Gallier sind im Kleinwagensegment sehr stattlich. Vorteil Peugeot: Er darf bis zu 1,2 Tonnen schwere Anhänger ziehen (Renault: 900 kg). Wegen des groß­flächig geschäumten Armaturenträgers, Zierelementen in Klavierlackoptik sowie hochau­flösender Displays geht es im 208 sehr wertig zu. Der gut verarbeitete Clio verströmt mit seinem höheren Hartplastik-Anteil dagegen mehr klassisches Kleinwagen-Feeling, beweist dafür bei einem Blick auf die umfangreiche Sicherheitsausstattung mehr Reife: Die stets serienmäßigen Voll-LED-Scheinwerfer bieten eine hervorragende Ausleuchtung bei nächtlichen Fahrten, und anders als beim Peugeot gibt es optional noch Nebelscheinwerfer mit integriertem Abbiegelicht. Ab Januar 2020 ist zudem ein Abstandsregeltempomat verfügbar, der – anders als beim Peugeot – auch eine Stop-and-go-Funktion besitzt. Notbremsassistenten mit Personenerkennung sowie Spurverlasswarnung sind bei Clio und 208 serienmäßig an Bord, optional gibt es weitere Sicherheitsfeatures wie etwa Totwinkelwarner.

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Fahrkomfort: Peugeot mit formidablem Sitzkomfort

Der in diesem Vergleichstest getestete Peugeot 208 verfügt über bequem gepolsterte Ledersitze mit Lordosenstütze und – das ist ein Novum im Kleinwagensegment – Massagefunktion. Zwar kostet dieser Luxus im Paket 1240 Euro und ist stets an die Allure-Ausstattung (2450 Euro) gekoppelt, der Sitzkomfort kann aber vor allem auf langen Strecken überzeugen. Die Standardsitze des Renault Clio kommen ohne Lendenwirbelstütze oder Massageprogramm daher und bieten weniger Schulterabstützung, die angenehm straffe Polsterung und die ordentlich konturierte Sitz­fläche können aber überzeugen. Im Fond gefällt die Rückbank des 208 mit ihrer besser nutzbaren Beinau­flage. Die Peugeot-Eigenart des kleinen Lenkrads und der hoch bauenden Tachoinstrumente kennen wir bereits aus dem alten 208. Auch beim neuen Modell wird der Tacho, je nach Statur des Fahrers, vom Lenkrad verdeckt. Dafür stören im Clio die um sieben Zentimeter höhere Ladekante und der stark nach innen abfallende Kofferraumboden beim Beladen. Der Geräuschkomfort beider City-Cars bietet auch auf Autobahnetappen dank gelungener Abschottung gegen Wind- und Abrollgeräusche keinen Grund zur Klage. Das Dezibel-Messgerät attestiert dem Renault zwar einen niedrigeren Geräuschpegel, mit bloßem Ohr sind aber kaum Unterschiede auszumachen. Wie gut die Fahrwerke von Kleinwagen inzwischen funktionieren können, beweisen beide Franzosen beim Federungskomfort: Die Grundabstimmung fällt zwar jeweils eher straff aus, dennoch werden Kanten oder Schlaglöcher gut von den Passagieren ferngehalten. Der Clio zeigt jedoch geringere Ausfederbewegungen, und kleinere Wellen regen seinen Aufbau weniger stark an. Mit Beladung federn beide Kontrahenten dann nicht mehr so sensibel an, der 208 liegt mit vier Personen an Bord aber satter und ruhiger auf der Straße als unbeladen.

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Motor/Getriebe: Renault beschleunigt minimal langsamer

Aufgeladene Dreizylinder-Benziner mit 100 PS und manuelle Getriebe – auf den ersten Blick herrscht zwischen den Rivalen in diesem Vergleichstest beim Antrieb Einigkeit. Der Peugeot 208 verfügt jedoch über mehr Hubraum und ein um 45 Newtonmeter höheres maximales Drehmoment. Der 1,2-Liter-Turbo reagiert etwas spontaner auf Gasbefehle – so beschleunigt der 208 in 9,9 Sekunden auf Tempo 100 und damit acht Zehntel schneller als der Renault Clio. Mit etwas Anlauf sind jeweils Höchstgeschwindigkeiten von knapp 190 km/h drin – mehr braucht in dieser Fahrzeugklasse niemand. Während das Renault-Getriebe fünf Gänge hat, verfügt die exakt schaltbare Peugeot-Box über sechs Gänge. Bei höherem Tempo kommt der 208 deshalb im sechsten Gang mit geringeren Drehzahlen aus. Auf unseren Verbrauchsfahrten im Zuge dieses Vergleichstests verlangt der Peugeot nach 5,9 Liter Superkraftstoff (Renault: 6,0 Liter). Bei zurückhaltendem Gasfuß und vorausschauender Fahrweise erreichen beide Kleinwagen Verbrauchswerte mit einer Vier vor dem Komma.

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Fahrdynamik: Peugeot mit sportlicherem Fahrverhalten

Bei den Dynamikprüfungen kann der Peugeot 208 einlösen, was die sportive Optik verspricht: Er durcheilt Kurven und die Slalomgasse mit hohem Tempo, lenkt willig ein und verfügt über feinfühlig agierende Regelsysteme. Den Handlingparcours umrundet er so rund dreieinhalb Sekunden schneller als der Clio. Zwar reagiert auch der Renault spontan auf Lenkbefehle und pfeift sehr neutral um die Ecken, sein früh und bestimmt eingreifendes ESP bremst ihn auf dem Rundkurs aber aus. Apropos Bremsen: An der Hinterachse spendiert Peugeot dem 208 Scheibenbremsen, während der Renault Clio über Trommeln verfügt. Die Bremsleistungen in diesem Vergleichstest unterscheiden sich jedoch kaum und liegen mit Kalt- und Warmbremswerten von 34,4 bis 35 Metern aus Tempo 100 bis zum Stand auf einem sehr guten Niveau.

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Umwelt/Kosten: Renault mit niedrigerem Grundpreis 

Im Kostenkapitel in diesem Vergleichstest kann sich der Renault Clio deutlich absetzen: In testrelevanter Konfiguration ist er mit 17.840 Euro satte 3800 Euro günstiger als der Peugeot – eine Welt im Kleinwagensegment. Der hohe Aufpreis für die Sitze des Testwagens kosten den 208 mächtig Punkte. Allerdings fällt bereits der Preis für den Basis-Peugeot gut 1500 Euro höher aus. Zudem wird dem Clio ein geringerer Wertverlust prognostiziert.

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Messwerte & technnische Daten Peugeot 208 & Renault Clio

AUTO ZEITUNG
25/2019
Peugeot 208 PureTech 100Renault Clio TCe 100
Technik
Zylinder/Ventile pro Zylin.3/4; Turbo3/4; Turbo
Hubraum1199 cm³999 cm³
Leistung74 kW/101 PS74 kW/100 PS
Max. Drehmoment205 Nm160 Nm
Getriebe/Antrieb6-Gang, manuell / Vorderrad5-Gang, manuell / Vorderrad
Messwerte
Leergewicht (Werk/Test)1090/1135 kg1103/1139 kg
Beschleunigung (Test)  
0 - 100 km/h9,9 s10,7 s
0 - 150 km/h24,9 s24,7 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)188 km/h187 km/h
Bremsweg aus 100 km/h
kalt/warm (Test)
34,9/34,4 m35,0/34,5 m
Verbrauch (Test/WLTP)5,9/5,3 l S/100 km6,0/4,9 l S/100 km
CO2-Ausstoß (Test/WLTP)139/124 g/km141/116 g/km
Preise
Grundpreis17.950 Euro16.440 Euro
Testwagenpreis21.640 Euro17.840 Euro

von Caspar Winkelmann von Caspar Winkelmann
Unser Fazit

Der Vergleichstest zeigt, dass die beiden französischen Kleinwagen in ihren Neuauflagen einen enormen Reifegrad erreicht haben: Der Renault Clio punktet mit seinem großen Kofferraum, der umfangreichen Sicherheitsausstattung sowie dem guten Fahrkomfort. Sein größter Trumpf ist jedoch die absolut faire Preisgestaltung, die ihm in der Endabrechnung den Gesamtsieg sichert. Der Peugeot 208 ist bereits in der Basis teurer als sein Rivale und kostet in testrelevanter Konfiguration erheblich mehr. Dafür entscheidet er vor allem dank seines spritzigeren Motors und der dynamischen Fahreigenschaften die Eigenschaftswertung für sich. Ebenfalls gelungen: Das ebenso moderne wie edel anmutende Interieur sowie der ausgeprägte Sitzkomfort.

 

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