Combo Life/Kangoo/Caddy: Vergleichstest Kangoo trifft auf Combo Life und Caddy

von Elmar Siepen 06.10.2021
Inhalt
  1. Opel Combo Life, Renault Kangoo und VW Caddy im Vergleichstest
  2. Fahrkomfort: Gut konturierte Polster im VW Caddy
  3. Motor/Getriebe: Aggregat des Opel Combo Life am durstigsten
  4. Fahrdynamik: ESP hält den Renault Kangoo an der kurzen Leine
  5. Umwelt/Kosten: VW Caddy am teuersten in der Anschaffung
  6. Messwerte & technische Daten Opel Combo Life, Renault Kangoo und VW Caddy

Der neue Renault Kangoo stellt sich in diesem Vergleichstest seinen Hochdach-Kombi-Konkurrenten VW Caddy und Opel Combo Life.

Gesamtbewertung (max. Punkte)Opel Combo
Life 1.2 DI
Turbo
Renault
Kangoo
TCe 130
VW
Caddy
1.5 TSI
Karosserie (1000)621621691
Fahrkomfort (1000)626626670
Motor/Getriebe (1000)602595605
Fahrdynamik (1000)555512602
Eigenschaftswertung (4000)240423542568
Kosten/Umwelt (1000)390433400
Gesamtwertung (5000)279427872968
Platzierung231

Im Vergleichstest der Praktiker Renault Kangoo, Opel Combo Life und VW Caddy geht es um Alltagsnutzen. Wie seine Konkurrenten gehört der Renault Kangoo zu den Hochdach-Kombis, deren Segment einst vom Citroën Berlingo Ende 1996 begründet wurde. Mit dessen aktueller Generation ist der Testteilnehmer Opel Combo Life übrigens technisch identisch. Sehen sie also den Autokauf eher pragmatisch, benötigen ein robustes Fahrzeug, das Ihnen in Anschaffung und Unterhalt nicht die Haushaltskasse sprengt, Ihnen aber auch den Transport von Mountainbikes oder matschigen Kinderstiefeln nicht übel nimmt? In ihrer Kaufentscheidung lassen Sie sich nicht von üppigen Wortwolken der Marketingabteilungen einlullen, die Ihnen sagen wollen, was Sie fahren müssen, weil es gerade angesagt ist? Gut, dann sind Sie hier richtig.

Der Renault Kangoo Z.E. Concept im Video:

 
 

Opel Combo Life, Renault Kangoo und VW Caddy im Vergleichstest

Bulliger Vorderwagen, hoch aufragende Fahrgastzelle und ein großer Kofferraum mit zwei Schiebetüren sind die äußeren Erkennungszeichen im Vergleichstest zwischen Opel Combo Life, Renault Kangoo und VW Caddy. Die Innenräume haben den Resopal-Charme ihrer jeweiligen Vorgänger-Generationen weitestgehend abgelegt. Mit Holzoptik wirkt der Renault Kangoo sehr wohnlich. Im Opel Combo Life dominiert schwarzes Hartplastik, während im VW Caddy matte, genarbte Oberflächen etwas Hochwertigkeit suggerieren sollen. Tatsächlich ist der Caddy aber auch am besten verarbeitet, mit wenig Abstand folgt der Renault. Demgegenüber fallen die Passungen im Opel eher großzügig aus. Platz satt bieten alle, der Renault hat die üppigste Kopffreiheit. In der zweiten Reihe offeriert hingegen der VW im Vergleichstest am meisten Bewegungsfreiheit für Schultern und Ellbogen. Serienmäßig sind die Kandidaten mit fünf Sitzen bestückt. Die Sitze in der zweiten Reihe des Hannoveraners – für den Caddy zeichnet die Nutzfahrzeugabteilung von VW in der niedersächsischen Landeshauptstadt verantwortlich – lassen sich nicht nur klappen und nach vorn kippen, sondern auch ausbauen. Das schafft einen Gepäck-, pardon Laderaum mit einem Volumen von bis zu 2556 Litern. Einsame Spitze im Vergleichstest. Wem das nicht reicht, der kann auch die Beifahrersitzlehne umklappen (184 Euro extra). Der Neuling Renault Kangoo bringt es auf maximal 2031 Liter, der Opel Combo Life lässt es bei 2136 Litern bewenden, verfügt aber ab der Ausstattung Elegance zusätzlich über eine separat zu öffnende Heckscheibe. Doch was nützt ein riesiges Ladevolumen ohne die entsprechende Zuladekapazität? Hier kann Entwarnung gegeben werden: Alle drei Testwagen vertragen über eine halbe Tonne. Der VW Caddy hat mit 605 Kilogramm hier abermals die Nase vorn. Der Blick auf die Sicherheitsausstattung zeigt, dass die "Raumfahrzeuge" längst nicht mehr dem Image des bestuhlten, aber karg ausgestatteten Lieferwagens entsprechen. So sind die Kandidaten beispielsweise serienmäßig oder optional mit Voll-LED-Scheinwerfern (Renault), Head-up-Display (Opel) oder einem Trailer Assist, der beim Einparken mit Anhänger hilft (VW, mit optionalem Doppelkupplungsgetriebe), bestückt.

Neuheiten Renault Kangoo (2021)
Renault Kangoo (2021): Elektro, Maxi & Rapid Das ist der Preis des Kangoo

 

Fahrkomfort: Gut konturierte Polster im VW Caddy

Wer mit der Familie auf Tour geht, freut sich über ein entsprechendes Ablagenangebot. Daran herrscht in in diesem Vergleichstest zwischen Opel Combo Life, Renault Kangoo und VW Caddy nirgends ein Mangel. Doch gibt es Unterschiede bei der Anordnung. So besitzt der Renault Kangoo unter anderem eine große Ablage im vorderen Teil der Dachverkleidung. Seine Türablagen, für gewöhnlich zum Parken großer Getränkeflaschen genutzt, sind hierfür jedoch unterdimensioniert. Wenig praxistauglich fällt auch das Handschuhfach aus, das als Schublade ausgeführt ist und beim Öffnen mit den Beifahrerbeinen kollidieren kann. Wie man es besser macht, beweist der Opel Combo Life mit zwei üppig dimensionierten und übereinander angeordneten Handschuhfächern. Gut: Durchweg niedrige Ladekanten hier wie dort erleichtern die Zugänglichkeit zum Kofferraum. Sind Fahrgäste und Fracht an Bord, kann es auf die Reise gehen. Während der Fahrt freuen sich die Opel-Passagier:innen zwar über angenehm straffe Polster, vermissen aber bei Kurvenfahrt eine anständige Torso-Abstützung. Auf den Vordersitzen des Renault Kangoo verhält es sich genau umgekehrt: Hier gibt es zwar den besseren Seitenhalt, aber die nachgiebige Sitzfläche und die Lehne sorgen auf Dauer für eine schnell ermüdende Rücken-, Gesäß- und Oberschenkelmuskulatur. Im Renault-Fond sitzen die Passagier:innen zudem mit stark angewinkelten Beinen. Vorbildlich ist hier der VW Caddy mit seinen vorn wie hinten top konturierten Polstern. Der Vollständigkeit halber sei aber darauf hingewiesen, dass der Test-Caddy vorn mit aufpreispflichtigen ergoComfort-Sitzen bestückt ist. Nicht immer führen Reisen über topfebenen Asphalt, was Befürchtungen hinsichtlich des Federungskomforts des Caddy keimen lässt. Schließlich teilten dessen Vorgängergenerationen mit ihren hinteren Starrachsen auf Schlaglöchern mitunter derbe Stöße aus. Eine Starrachse besitzt der aktuelle VW zwar immer noch, doch erlaubt ein zusätzlicher Panhard-Stab weichere Hinterachslager. Die Folge: Querkanten und Kanaldeckel verarbeitet der Caddy an der Hinterachse nun deutlich konzilianter als früher und auch besser als seine Testkonkurrenten. Der neue Renault Kangoo ist deutlich weicher abgestimmt als seine Mitstreiter. Das führt einerseits zu feinfühligem Ansprechverhalten, andererseits aber auch zu stärkeren Aufbaubewegungen und unter voller Beladung zum Durchschlagen – eine Tendenz, die beim Opel Combo Life im Vergleichstest noch ausgeprägter auftritt.

Neuheiten Opel Combo (2018)
Opel Combo E (2018): Motor & Crashtest Der Combo im Crashtest

 

Motor/Getriebe: Aggregat des Opel Combo Life am durstigsten

Downsizing ist derzeit schwer angesagt, wie der Vergleichstest zwischen Opel Combo, Renault Kangoo und VW Caddy zeigt. So wird der Opel Combo Life von einem 1,2-Liter-Dreizylinder-Turbo mit 130 PS angetrieben, die ihren Weg ausschließlich über eine Achtstufen-Automatik an die Vorderräder finden. Renault Kangoo und VW Caddy setzen auf Turbo-Vierzylinder: der Franzose auf ein ebenfalls 130 PS starkes 1,33-Liter-Aggregat, während der Deutsche zwar 1,5 Liter Hubraum aufweist, leistungsmäßig aber mit 114 PS die rote Laterne im Vergleichstest trägt. Dass die Entscheidung für einen Vierzylinder auch heute noch sinnvoll sein kann, belegen Renault Kangoo und VW Caddy eindrucksvoll beim Thema Laufkultur. Wo das Opel-Aggregat unter Last eine Dreizylinder-typischen pulsierenden Lebensäußerungen deutlich vernehmbar kund tut, bleiben die Konkurrenten sonorer im Ton und verkneifen sich störende Dröhnfrequenzen bis an die Drehzahlgrenze. Das Leistungsmanko von 16 PS schlägt sich beim VW Caddy in etwas schlechteren Fahrleistungen nieder, die im Alltag aber eher unbedeutend sind. Die Erfahrung von vielen Testkilometern zeigt: Sowohl mit ihm als auch mit den beiden Konkurrenten lassen sich Autobahn-Etappen locker mit Reisetempi zwischen 130 und 150 km/h absolvieren. Steigungen und Überholvorgänge erfordern aber den Griff zum Schalthebel. Dabei macht man im VW Bekanntschaft mit einer ausgesprochen exakten Schalthebelführung, während die Schaltpräzision im Renault Kangoo zu wünschen übrig lässt. Die Opel-Automatik hat unter ihren acht Fahrstufen zwar stets die richtige parat, allerdings mit teilweise reichlich gelassener Reaktion auf Kickdown-Befehle. Nennenswert niedrigere Drehzahlen als bei den anderen Testkandidaten bewirkt die Achtgang-Automatik dagegen nicht. Das lässt sich auch am Verbrauch ablesen: Mit 8,2 Litern Super auf 100 Kilometern verbraucht der Opel Combo am meisten, dicht gefolgt vom Kangoo mit 8,0 Litern. Der VW Caddy markiert mit 7,4 Litern das untere Ende.

Neuheiten VW Caddy (2020)
VW Caddy Maxi (2020): Preis & Panamericana VW schickt den Caddy ins Gelände

 

Fahrdynamik: ESP hält den Renault Kangoo an der kurzen Leine

Hochdachkombis wie Opel Combo, Renault Kangoo und VW Caddy in diesem Vergleichstest werden oft als Familientransporter genutzt – mit entsprechenden Erwartungen an die Fahrsicherheit. Auf diesem Feld gibt sich hier keiner eine besondere Blöße. Simulierte Ausweichmanöver zum Beispiel rufen rechtzeitig den Schleuderschutz ESP auf den Plan und verhindern so das unkontrollierte Ausbrechen des Fahrzeugs mit entsprechenden Folgen fürs Gerät und für die Gesundheit. Auch beim Bremsen sind im Vergleichstest keine besonderen negativen Ausreißer zu verzeichnen. Der Renault Kangoo produziert allerdings etwas längere Bremswege als seine Konkurrenten, während der VW Caddy für die Bremsmanöver aus 100 km/h die kürzesten Strecken benötigt. Ansonsten liegen die fahrdynamischen Unterschiede der drei Raumgleiter in ihrem jeweiligen Charakter. Die bereits im Komfortkapitel beschriebene weiche Feder-Dämpfer-Abstimmung des Renault ruft auch bei Kurvenfahrten während der Fahrdynamikprüfungen entsprechende Karosseriebewegungen hervor, die gemeinsam mit der nicht sonderlich rückmeldefreudigen Lenkung das zielgenaue Dirigieren erschweren. Hinzu kommt die extrem niedrige Eingriffsschwelle des ESP. Dort, wo die Konkurrenz noch munter und auch sicher durch die Kurven wedelt, kapituliert der Renault Kangoo vor dem unbarmherzig und stärker als nötig eingreifenden ESP. Wie es besser geht, zeigt der Opel: Im Grenzbereich greift sein Schleuderschutz deutlich dosierter ein und bremst den Rüsselsheimer nicht stärker ein als nötig. Das gilt ebenso für den VW Caddy. Dieser lässt sich mit der präzisesten Lenkung von allen über den Handling-Parcours dirigieren und wirkt spürbar handlicher als seine Rivalen. Dass er höhere Kurvengeschwindigkeiten erreicht, dürfte mit auf das Konto seiner aufpreispflichtigen 18-Zoll-Bereifung gehen. Wenn dann sein ESC (ESP) zum Einsatz kommt, regelt es noch eine Spur feinfühliger als das des Opel Combo Life.

Test Renault Kangoo dCI 95
Renault Kangoo dCi 95: Test Der Komfort-Laster Kangoo im Test

 

Umwelt/Kosten: VW Caddy am teuersten in der Anschaffung

Beim Vergleichstest zwischen Renault Kangoo, Opel Combo und VW Caddy zieht der Franzose mit einem Basispreis von 24.900 Euro den Preisjoker. Der sticht auch noch, wenn das testrelevante Extra in Gestalt des Komfort-Fahrersitzes für 350 Euro berücksichtigt ist. Dann kommt er immer noch und 5000 Euro günstiger als der Teuerste des Vergleichstests, der VW Caddy. Und der Renault Kangoo TCe 130 hat beim Kostenthema noch weitere Talente: Seine Besitzer:innen erwartet mit 14.616 Euro innerhalb von 48 Monaten und 80.000 Kilometern der geringste Wertverlust im Vergleichstest. Und weil der Renault im Gegensatz zu VW Caddy 1.5 TSI und Opel Combo Life 1.2 DI Turbo dank seiner Serienausstattung – unter anderem mit Parksensoren im Heck – mehr Punkte holt, setzt er sich im Umwelt/Kosten-Kapitel an die Spitze. Daran können auch die teuersten Versicherungsprämien nichts ändern. Diese wiederum sind seit jeher eine VW-Domäne. So ist der VW Caddy in Haftpflicht und Vollkasko pro Jahr über 250 Euro günstiger als der Kangoo.

Vergleichstest Citroën Berlingo/VW Caddy/Ford Tourneo/Opel Combo: Test
Citroën Berlingo/Opel Combo/Ford Tourneo/VW Caddy: Test Hochdachkombis mit Familienpotential

 

Messwerte & technische Daten Opel Combo Life, Renault Kangoo und VW Caddy

AUTO ZEITUNG 19/2021Opel Combo
Life 1.2
DI Turbo
 
Renault
Kangoo
TCe 130
VW
Caddy
1.5 TSI
Technik
Zylinder/Ventile pro Zylin.3/4;
Turbo
4/4;
Turbo
4/4;
Turbo
Hubraum1199 cm³1333 cm³1498 cm³
Leistung96 kW/
130 PS
5500
/min
96 kW/
130 PS
5000
/min
84 kW/
114 PS
4500 - 6000
/min
Max. Drehmoment230 Nm,
1750 /min
240 Nm,
1500 /min
220 Nm,
1750 - 3000
/min
Getriebe/Antrieb8-Stufen-
Automatik /
Vorderrad
6-Gang,
manuell /
Vorderrad
6-Gang,
manuell /
Vorderrad
Messwerte
Leergewicht (Werk/Test)1410/
1528 kg
1518/
1544 kg
1516/
1545 kg
Beschleunigung 0-100 km/h (Test)10,5 s10,6 s10,9 s
Höchstgeschwindigkeit (Werk)186 km/h183 km/h181 km/h
Bremsweg aus 100 km/h
kalt/warm (Test)
35,7/
36,2 m
36,8/
37,0 m
35,6/
36,1 m
Verbrauch auf 100 km (Test/WLTP)8,2/6,6 l S8,0/6,6 l S7,4/6,2 l S
CO2-Ausstoß (Test/WLTP)194/153
g/km
190/154
g/km
175/147
g/km
Preise
Grundpreis28.660 €24.900 €27.132 €
Testwagenpreis29.650 €25.250 €30.386 €

von Elmar Siepen von Elmar Siepen
Unser Fazit

Mit dem neuen, geräumigen und günstigen Renault Kangoo beweisen die Franzosen:Französinnen ihren Sinn fürs Praktische. Die Sicherheitsausstattung ist zeitgemäß, der Komfort ordentlich, die Fahrleistung alltagstauglich. Trotzdem reicht es nur für den dritten Platz im Vergleichstest, weil der Kangoo in der Fahrdynamik schwächelt, auch wenn dies nicht das kaufentscheidende Argument in dieser Fahrzeuggattung sein dürfte. Knapp davor landet der Opel Combo Life. Sein Dreizylinder-Turbo ist der spritzigste Antrieb im Vergleichstest, aber auch der durstigste. Er fährt deutlich agiler als der Renault und erreicht die kürzeren Bremswege. Allerdings kostet er auch deutlich mehr. Der VW Caddy ist der Teuerste – und trotzdem Sieger. Er bietet den meisten Komfort, den mit Abstand größten Kofferraum, die höchste Zuladung und maximale Variabilität. Seinen schwächeren Antrieb kompensiert er mit dem niedrigsten Verbrauch und einer Top-Fahrwerksabstimmung.

Tags:
Copyright 2021 autozeitung.de. All rights reserved.