Motorradfahren mit Autoführerschein: Andreas Scheuer Scheuer will Autofahrer ohne Prüfung aufs Motorrad lassen

von Christina Finke 11.10.2019

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer will Autofahrern das Motorradfahren ohne zusätzliche Führerschein-Prüfung ermöglichen. Konkret geht es dabei um leichte Krafträder der Klasse A1 mit bis zu 125 Kubikzentimeter Hubraum und bis zu 15 PS Leistung!

Unter bestimmten Voraussetzungen soll das Motorradfahren künftig auch mit dem Autoführerschein möglich sein – so sieht es zumindest ein Vorschlag des Bundesverkehrsministeriums um Ressortchef Andreas Scheuer (CSU) vor. Demnach sollen Autofahrer künftig leichte Krafträder der Klasse A1 mit einem Hubraum von bis zu 125 Kubikzentimeter und einer Motorleistung von nicht mehr als 11 Kilowatt, also 15 PS, fahren dürfen. Eine zusätzliche Prüfung soll dafür nicht abgelegt werden müssen. Wer ohne Motorradführerschein mit einem sogenannten 125er unterwegs sein will, müsse aber mindestens 25 Jahre alt sein, seit fünf Jahren einen Führerschein der Klasse B haben und eine Schulung mit sechs 90-minütigen Einheiten hinter sich bringen. Laut Verordnungsentwurf sollen in Theorie und Praxis nur "die wesentlichsten Grundlagen" des Motorradfahrens vermittelt werden. Das Ziel: "die Befähigung zum sicheren, verantwortungsvollen und umweltbewussten Führen eines entsprechenden Leichtkraftrades". Rund 500 Euro soll die Führerschein-Erweiterung demnach kosten. Ziel des Motorrad-Vorstoßes sei, "mehr Mobilität – insbesondere auch im Bereich der Elektromobilität – zu ermöglichen und gleichzeitig die Verkehrssicherheit sicherzustellen", so das Ministerium. Vor allem im ländlichen Raum solle das Motorradfahren mit dem Autoführerschein die individuelle Mobilität stärken und den Verkehr durch den Einsatz alternativer Antriebe klimafreundlicher machen. Mehr zum Thema: Führerschein-Test

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Andreas Scheuer will das Motorradfahren mit Autoführerschein ermöglichen

Der Vorstoß des Verkehrsministeriums um Andreas Scheuer, das Motorradfahren künftig mit Autoführerschein zu ermöglichen, stößt weitestgehend auf scharfe Ablehnung und Empörung. Unter anderem warnten Fahrlehrer, Ärzte und Verkehrsexperten vor den Gefahren, die von ungeübten Motorradfahrern ausgehen, und prognostizierten steigende Unfallzahlen. "Ich halte das für keine besonders glückliche Idee. Dadurch kann es zu noch mehr Unfällen kommen", sagte etwa Florian Reifferscheid von der Bundesvereinigung der Arbeitsgemeinschaften der Notärzte Deutschland (BAND) gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Autofahrer seien nicht darin geübt, mit der Energie eines Motorrads umzugehen. Auch der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) übte scharfe Kritik an den Andreas Scheuers Plänen. Leichtkrafträder könnten schneller als 100 km/h fahren und seien nach besonders stark motorisierten Motorrädern die gefährlichste Fahrzeugklasse i der Unfallstatistik, hieß es in einer Stellungnahme. Zweifel äußerte auch der TÜV: Ein "Kurzprogramm" sei nicht genug und vor allem die praktischen Fahrstunden seien unzureichend. Fahrlehrer sehen das ähnlich. "Das zentrale Problem ist die fehlende fahrerische Kompetenz", so der Vorsitzende der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BVF), Dieter Quentin. Die geplante Schulung sei "völlig unzureichend". Das Verkehrsministerium verwies hingegen darauf, dass die EU den Mitgliedsstatten die Möglichkeit gebe, Autofahrer auch A1-Motorräder fahren zu lassen und unter anderem Österreich die vorgeschlagene Regelung auch schon habe. Der DVR hält das für ein denkbar schlechtes Argument: Die Zahl der Zulassungen und die Unfälle hätten im Nachbarland zugenommen, nachdem die Regelung eingeführt worden sei. Mehr zum Thema: Dürfen Motorradfahrer im Stau durch die Mitte fahren?

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Motorradfahren mit Autoführerschein: Viel Kritik, wenig Zustimmung für Scheuer

Zustimmung für seine Pläne, das Motorradfahren mit Autoführerschein zu erlauben, erhielt Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer von der FDP und dem Industrie-Verband Motorrad (IVM). "Der Vorschlag von Minister Scheuer geht in die richtige Richtung", so Verkehrsexperte Oliver Luksic (FDP). Mit zusätzlichen Fahrstunden könne man Autofahrern durchaus zutrauen, ein motorisiertes Zweirad mit 15 PS "sicher und verantwortlich" zu steuern. Daher wolle die Fraktion den Vorschlag wohlhwollend prüfen. Und der IVM teilte mit: "Das Leichtkraftrad ist eine sofort verfügbare Option zur Entlastung des fließenden und ruhenden Verkehrs gerade in hoch frequentierten Ballungsräumen." Die sauberen und ökonomischen Fahrzeuge könnten die Mobilität in Städten aber auch ländlichen Regionen aufrecht erhalten.

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