Motorradfahren mit Autoführerschein: Regeln Nachfrage nach 125er-Motorrädern deutlich gestiegen

von Christina Finke 27.10.2020
Inhalt
  1. Motorradfahren mit Autoführerschein bald möglich
  2. Kritik am Gesetzesvorhaben
  3. Wenig Zustimmung für Motorradfahren mit Autoführerschein
  4. Motorradfahren: Neue Führerscheinregelung sorgt für Kraftrad-Boom

Der Bundesrat stimmte dem Vorhaben, Autofahrern das Motorradfahren ohne zusätzliche Führerschein-Prüfung ermöglichen, Ende 2019 zu. Seitdem dürfen sie unter bestimmten Bedingungen leichte Krafträder der Klasse A1 mit bis zu 125 Kubikzentimeter Hubraum und bis zu 15 PS Leistung fahren!

Unter bestimmten Voraussetzungen ist seit Ende 2019 das Motorradfahren auch mit dem Autoführerschein möglich. Seitdem dürfen Autofahrer leichte Krafträder der Klasse A1 mit einem Hubraum von bis zu 125 Kubikzentimeter und einer Motorleistung von nicht mehr als 11 Kilowatt, also 15 PS, fahren. Eine zusätzliche Prüfung muss dafür nicht abgelegt werden. Wer ohne Motorradführerschein mit einem sogenannten 125er unterwegs sein will, muss aber mindestens 25 Jahre alt sein, seit fünf Jahren einen Führerschein der Klasse B haben und eine Schulung mit vier Theorie- und fünf Praxiseinheiten hinter sich bringen. Interessen sollten voraussichtlich mit Kosten zwischen 500 und 1000 Euro für die Führerschein-Erweiterung rechnen. Ziel des Motorrad-Vorstoßes war es, "mehr Mobilität – insbesondere auch im Bereich der Elektromobilität – zu ermöglichen und gleichzeitig die Verkehrssicherheit sicherzustellen", so das Bundesverkehrsministerium. Vor allem im ländlichen Raum solle das Motorradfahren mit dem Autoführerschein die individuelle Mobilität stärken und den Verkehr durch den Einsatz alternativer Antriebe klimafreundlicher machen. Mehr zum Thema: Führerschein-Test

Der teuerste Führerschein der Welt (Video):

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Motorradfahren mit Autoführerschein bald möglich

Welche Zweiräder nun mit dem Autoführerschein bewegt werden dürfen, hängt auch vom Führerschein-Typ beziehungsweise vom Datum der Fahrerlaubnis ab: Autofahrer mit dem Führerschein der Klasse B dürfen Fahrzeuge der Klasse AM (zuvor M) fahren. Dazu gehören sowohl zweirädrige Kleinkrafträder (Klasse L1e-B) als auch dreirädrige Kleinkrafträder (Klasse L2e) und vierrädrige Leichtkraftfahrzeuge (Klasse L6e). Sie dürfen maximal 45 km/h fahren, Hubräume von höchstens 50 ccm (Fremdzündungsmotoren) beziehungsweise 500 ccm (Selbstzündungsmotoren) und eine Höchstleistung von 5,5 PS (4 kW) haben. Wer vor dem 1. April 1980 den Autoführerschein der Klasse 3 erworben hat und noch immer in dessen Besitz ist, kann seit April 2013 Motorräder bis 48 PS fahren. Voraussetzung hierfür ist lediglich eine 40-minütige praktische Prüfung. Nach zwei Jahren ermöglicht der Gesetzgeber, ebenfalls mit nur einer praktischen Prüfung den vollwertigen Motorradführerschein zu machen. Mehr zum Thema: Dürfen Motorradfahrer im Stau durch die Mitte fahren?

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Kritik am Gesetzesvorhaben

Das Vorhaben, das Motorradfahren künftig mit Autoführerschein zu ermöglichen, stieß im Vorfeld weitestgehend auf scharfe Ablehnung und Empörung. Unter anderem warnen Fahrlehrer, Ärzte und Verkehrsexperten vor den Gefahren, die von ungeübten Motorradfahrern ausgehen, und prognostizierten steigende Unfallzahlen. "Ich halte das für keine besonders glückliche Idee. Dadurch kann es zu noch mehr Unfällen kommen", sagte etwa Florian Reifferscheid von der Bundesvereinigung der Arbeitsgemeinschaften der Notärzte Deutschland (BAND). Autofahrer seien nicht darin geübt, mit der Energie eines Motorrads umzugehen. Auch der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) übte scharfe Kritik. Leichtkrafträder könnten schneller als 100 km/h fahren und seien nach besonders stark motorisierten Motorrädern die gefährlichste Fahrzeugklasse in der Unfallstatistik, hieß es in einer Stellungnahme. Zweifel äußerte auch der TÜV: Ein "Kurzprogramm" sei nicht genug und vor allem die praktischen Fahrstunden seien unzureichend. Fahrlehrer sahen das ähnlich. "Das zentrale Problem ist die fehlende fahrerische Kompetenz", so der Vorsitzende der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BVF), Dieter Quentin. Die geplante Schulung sei "völlig unzureichend".

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Wenig Zustimmung für Motorradfahren mit Autoführerschein

Zustimmung für das Vorhaben, das Motorradfahren mit Autoführerschein zu erlauben, kam von der FDP und dem Industrie-Verband Motorrad (IVM). "Der Vorschlag von Minister Scheuer geht in die richtige Richtung", so Verkehrsexperte Oliver Luksic (FDP). Mit zusätzlichen Fahrstunden könne man Autofahrern durchaus zutrauen, ein motorisiertes Zweirad mit 15 PS "sicher und verantwortlich" zu steuern. Und der IVM teilte mit: "Das Leichtkraftrad ist eine sofort verfügbare Option zur Entlastung des fließenden und ruhenden Verkehrs gerade in hoch frequentierten Ballungsräumen." Die sauberen und ökonomischen Fahrzeuge könnten die Mobilität in Städten aber auch ländlichen Regionen aufrecht erhalten.

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Motorradfahren: Neue Führerscheinregelung sorgt für Kraftrad-Boom

Ende 2020, also rund ein Jahr nachdem eine Verordnung das Motorradfahrern mit Autoführerschein erleichtert hat, verzeichnet das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) eine Rekord-Steigerung bei der Nachfrage nach kleineren Rollern und Motorrädern. Demnach sind zwischen Januar und September 2020 rund 185.000 Krafträder neu zugelassen worden – ein Zuwachs von mehr als 20 Prozent verglichen mit dem Vorjahreszeitraum. Und bei Motorrädern mit bis zu 126 Kubikzentimetern Hubraum stieg die Zahl der Neuzulassungen laut Industrie-Verband Motorrad (IVM) sogar um rund 67 Prozent auf knapp 30.000. Bei Rollern bis 125 Kubikzentimeter sogar um mehr als 90 Prozent auf rund 26.000. Mindestens seit Anfang der 1990er Jahre sei die Zahl der neu zugelassenen Krafträder in Deutschland im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nicht mehr so stark gestiegen wie jetzt, sagte Achim Marten vom IVM. Und weiter: "Aus unserer Sicht kommt da ein gewisser Lockdown-, Covid-19-Effekt dazu." Mit dem Motorrad oder Roller zu fahren, sei "neben dem Radfahren die pandemiesicherste Fortbewegungsart". Dennoch scheinen viele auf die Führerscheinreform gewartet zu haben: Wie das KBA mitteilte, haben allein im ersten Halbjahr 2020 (bis 30. Juni) 26.898 Autofahrerinnen und Autofahrer nach den neuen Regeln zusätzlich eine Fahrerlaubnis für 125er-Maschinen erworben.

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