Fahrbericht

Mini Meanie: Ein 170.000 Euro teurer Extrem-Exot

Der Schweizer Autoimporteur Emil Frey macht es möglich: Hier ist nichts, wie es scheint. Meanie ist kein Mini, sondern ein Mutant mit 220-PS-Mittelmotor und ohne Fahrhilfen. Er ist ein Serienauto. Echt!

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Mini Meanie 2.0 T fahrend von schräg vorne fotografiert.
Produkt des süßen Wahnsinns: Er ist kein Mini, sondern ein Meanie. Mean, das heißt zu Deutsch fies oder böse. Foto: Hardy Mutschler
Mini Meanie 2.0 T fahrend von schräg hinten fotografiert.
Hans Dampf auf allen Pässen: Wenn der Schweizer Monster-Mini loslegt, beben die Alpen. Foto: Hardy Mutschler
Das Interieur des Mini Meanie 2.0 T.
Der Gitterrohrrahmen fordert beim Einsteigen viel Gelenkigkeit vom Fahrer. Klimaanlage oder Radio gibt es nicht. Foto: Hardy Mutschler
Der Motor des Mini Meanie 2.0 T.
Beim Öffnen der ehemaligen Kofferraumklappe fällt der Blick zunächst auf Endschalldämpfer und Ansaugrohr. Foto: Hardy Mutschler
Der Motor des Mini Meanie 2.0 T.
Der 220-PS-Turbomotor ist über eine Klappe im Innenraum zu erreichen. Er stammt vom VW Golf 7 GTI. Foto: Hardy Mutschler
Der Tank des Mini Meanie 2.0 T.
Der maßgeschneiderte Tank sitzt im Vorderwagen und trägt die wohl feinsten Schweißnähte der Schweiz. Foto: Hardy Mutschler

Mini Meanie: 220 PS starker Fiesling

Er würde 270 gehen, es wäre sogar legal. Und doch ist er bei 210 km/h abgeregelt, weil ihm der Luftdruck sonst die Türen aus den Öffnungen ziehen würde. Das Leben mit einem nagelneuen Oldtimer kann gemein sein, auch deshalb heißt dieses Produkt des süßen Wahnsinns so: Er ist kein Mini, sondern ein Meanie. Mean, das heißt zu Deutsch fies oder böse. Passt. Nicht zuletzt deshalb, weil die Erbauer schlecht den eigenen Namen draufschreiben konnten: Der eine heißt Heierli, der andere Frey. Klingt beides zu harmlos für einen Monster-Mini, über den 220 PS (162 kW) und 340 Nm Drehmoment herfallen. Und für eine irre Geschichte, die sich wie ein Wirtschaftswunder-Märchen für Benzinköpfe liest.

Laufen wir erst mal drum herum um den Mini, der gar keiner ist. Das geht schnell, die originalen Maße stimmen ja noch: 1,44 m breit, 1,35 m hoch, knapp über drei Meter lang. Sogar die Spaltmaße verlaufen so leger wie früher, aber das Logo auf der Motorhaube ist neu: Es zeigt ein Fabelwesen – halb Wolf, halb Schaf. Blick durch die Scheibe: Tacho bis 280. Wo ist die Rückbank? Der Meanie braucht sie nicht mehr. Hinter dem Rücken des:der Fahrer:in steht ein schwarzer Kasten, mit Teppich verkleidet. Drinnen steckt, auf einem Hilfsrahmen fixiert, der 220-PS-Motor (162 kW) des Golf 7 GTI.

Der Mini Cooper Electric (2024) im Fahrbericht (Video)

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Video: AUTO ZEITUNG

In 3,2 s auf 100 für 170.000 Euro

3,2 s auf 100 – das ist eines der Meanie-Superlative, allerdings ein erwartbares bei um die 900 kg Leergewicht. Rund 170.000 Euro Kaufpreis –das ist dann das wirklich Erstaunliche, denn das böse, kleine Auto ist kein Einzelstück, sondern ein – nun ja – Serienmodell. Von einer Schweizer Marke, der jüngsten nach Sbarro, Rinspeed und Monteverdi. Fünf Stück gibt es, alle per Einzelabnahme für die Straße zugelassen. Die Schweizer Emil Frey-Gruppe, Europas größter Automobilimporteur, hat sie verkauft, als wären sie ganz normale Jaguar oder Toyota.

„Es war kein Geschäft, sondern mehr so etwas wie Enthusiasmus“, kommentiert Frey-Mitarbeiter Philip Ringier, der die Kleinserie als Verkäufer betreut hat. Raffael Heierli hat sich einen Vorserien-Meanie gesichert, der kleine Knaller hat einen Dauerparkplatz in seiner Biografie. Heierli, der Maschinenbaustudent aus Rapperswil, hatte 2012 eine Bachelorarbeit mit länglichem Titel abgeliefert: „Strukturanalyse zur Konstruktion eines Mittelmotor-Sportwagens in Oldtimer-Optik, zulassungsfähig und in kleiner Serie umsetzbar“.

Der Meanie aus Papier reichte für den Abschluss, aber Heierli, der Mini-Fan, wollte ihn jetzt auch bauen – und schrieb einen Brief an Walter Frey. Zwei Tage später hatte er die Antwort vom Chef persönlich. Es heißt, Frey erinnere sich ganz gern an seine jugendlichen Rennfahrer-Jahre im Cooper S. Bevor Frey als einer der ersten Probefahrer in den Meanie stieg, verbrachte Heierli mit zwei Kumpels rund 1000 Stunden in der Werkstatt. Er wühlte sich durch 22.000 Seiten Gesetzestexte, ließ zwei Prototypen crashen und bekam 2016 die Straßenzulassung – für ein Auto ohne ABS, ohne ESP, ohne Airbags, ohne Bremskraftverstärker oder Servolenkung. Halb Wolf, halb Schaf.

„„Der Grenzbereich des Meanie 2.0 T ist breit. Aber wehe, wenn der
zu Ende ist!““
Philip Ringier, Meanie-Verkäufe

Ein Gitterrohrrahmen erschwert den Einstieg

„Der Grenzbereich ist breit“, sagt Philip Ringier und reicht die Schlüssel, „aber wehe, wenn der zu Ende ist.“ Erst mal reinkommen. Für große Fahrer:innen ist das schon beim Original-Mini eine Faltstudie, aber hier steht noch der molybdänstählerne Gitterrohrrahmen im knappen Raum, der die ursprünglich selbsttragende Mini-Karosserie versteift. Sie ist nagelneu, ebenso wie der Dreh-Aschenbecher aus Hartplastik und die Lüftungsregler – sie gehören zu den wenigen Mini-Originalteilen, die es ins Interieur der Höllenmaschine geschafft haben. Der Rest ist Manufaktur oder VW. Das Radio fehlt: Selbst Motörhead wäre verloren im Soundtrack aus Auspuffbollern, Ansaugseufzen und Zahnradrauschen. Dazu ein trockenes Klonk, wenn der Gang einrastet.

Der Motor des Mini Meanie 2.0 T
Foto: Hardy Mutschler

Alle fünf Meanies bleiben in der Schweiz

Den ersten Gang braucht es nicht, selbst der dritte eignet sich zum Anfahren. Alle fünf Meanies sind übrigens in der Schweiz geblieben, sagt Ringier. Was die Schweizer in ihrem limitierten Land mit den Krachern machen, verrät er nicht. Nach Deutschland fahren? Rennstrecke mieten? Irre kichernd über nächtliche Alpenpässe ballern? Für heiße Sommertage taugt der Meanie jedenfalls nicht: Trotz der Isolierung treibt einem die abstrahlende Hitze aus der Motorkiste den Schweiß aus den Poren.

Auch für Regen eignet er sich nicht so gut. Erstens: Die zierlichen Scheibenwischer sind noch original Rover. Zweitens: der kurze Radstand. Drittens: das Fehlen jeder elektronischen Fahrhilfe. Viertens: die Tatsache, dass ihn schon auf trockenem Asphalt ein winziger Hauch zu viel Gas durch die Kurven kreiseln lässt. „Wir hätten auch zehn oder 15 verkaufen können“, sagt Ringier. Bis zu 1000 Meanies im Jahr wären den Schweizern erlaubt 
gewesen. Eine Produktionsstraße hätten sie dafür benötigt, dazu Marketing und Personal mit Manufaktur-Genen. Nicht rentabel im Hochlohnland Schweiz. Wie gemein …

Die technischen Daten des Mini Meanie 2.0 T

Classic Cars 02/2026

Mini Meanie 2.0 T

Zylinder / Ventile pro Zylin.

R4 / 4

Hubraum

1984 cm³

Leistung

162 kW/220 PS bei 5800 U/min

Max. Gesamtdrehmoment bei

340 Nm bei 3700 U/min

Getriebe / Antrieb

6-Gang-Getriebe / Hinterrad

L / B / H

3050 / 1440 / 1350 mm

Leergewicht

922 kg

Bauzeit

2016

Stückzahl

5

Beschleunigung null auf 100 km/h

3,2 s

Höchstgeschwindigkeit

210 km/h

Verbrauch auf 100 km

k.A.

Grundpreis (Jahr)

170.000 Euro (2016)