Vergleich

Rallye-Triell: MG Metro Turbo, Peugeot 205 GTi & Talbot Sunbeam

In den 80er-Jahren sorgten die Rennversionen von MG Metro Turbo, Peugeot 205 GTi und Talbot Sunbeam Lotus auf den Schotterpisten der Welt für Furore. Wir bringen die Straßenautos noch einmal groß raus.

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Der MG Metro Turbo, Peugeot 205 GTi und Talbot Sunbeam Lotus fahrend von vorne fotografiert.
Fahren die Kraftzwerge MG Metro Turbo, Peugeot 206 GTI und Talbot Sunbeam Lotus nebeneinander, tauchen Bilder aus spektakulären Rallyetagen wieder auf. Foto: Wim Woeber
Der MG Metro Turbo fahrend von schräg vorne fotografiert.
Der Metro Turbo bietet mehr Platz, als man von außen erwartet – vor allem aber auch mehr Spaß. Foto: Wim Woeber
Der MG Metro Turbo fahrend von schräg hinten fotografiert.
Von hinten sieht der Metro aus, als wäre er mit dem Fallbeil gezeichnet worden. Foto: Wim Woeber
Das Cockpit des MG Metro Turbo.
Das Lenkrad sitzt leicht nach rechts versetzt vor der Person am Steuer. Foto: Wim Woeber
Der Motor des MG Metro Turbo.
Der 1,3 l kleine Turbomotor gibt seine Leistung auf sehr angenehme Weise ab. Foto: Wim Woeber
Der Peugeot 205 GTi fahrend von schräg vorne fotografiert.
Das Design des 205 gefällt noch immer. Die weißen Blinker trägt dieses 89er Modell allerdings zu Unrecht, sie kamen erst mit dem zweiten Facelift 1990. Foto: Wim Woeber
Der Peugeot 205 GTi fahrend von schräg hinten fotografiert.
Der fette Endtopf ist nicht original, bringt den satten Klang des Motors aber angemessen zur Geltung. Foto: Wim Woeber
Das Cockpit des Peugeot 205 GTi.
Erkennungszeichen des 1.9ers ist das Dreispeichen-Lenkrad. Das Armaturenbrett ist runder gestaltet im Vergleich zum GTi mit 1.6-l-Motor. Foto: Wim Woeber
Der Motor des Peugeot 205 GTi.
Der Leichtmetall-Vierzylinder hängt gierig am Gas, die Abgase reinigt ein Kat. Foto: Wim Woeber
Der Talbot Sunbeam Lotus fahrend von schräg vorne fotografiert.
Das relativ weiche Serienfahrwerk mit Starrachse lässt den Sunbeam eher unsportlich wirken. Foto: Wim Woeber
Der Talbot Sunbeam Lotus fahrend von schräg hinten fotografiert.
Das Heck mit der großen Glasklappe können heute die wenigsten zuordnen. Foto: Wim Woeber
Das Cockpit des Talbot Sunbeam Lotus.
Das Design des Cockpits mit viel schwarzem Kunststoff ist zweckmäßig. Foto: Wim Woeber
Der Motor des Talbot Sunbeam Lotus.
Der Lotus-Motor macht den braven Sunbeam zum Sportler. Foto: Wim Woeber

MG Metro Turbo, Peugeot 205 GTi & Talbot Sunbeam Lotus: Drei Rallyezwerge im Vergleich

Die Formel "Kleines Auto mit viel Leistung gleich großer Fahrspaß" hat in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder für unterhaltsame Überraschungen gesorgt. Man denke nur an die Erfolge des Mini Cooper S, der in den 60er-Jahren bei der Rallye Monte Carlo viel stärkeren Gegnern um die Ohren fuhr. In den Siebzigern mischte dann Volkswagen mit dem Golf GTI die Hierarchie der Schnellfahrenden kräftig durch. Motiviert durch den unerwarteten Erfolg, ließen Nachahmer nicht lange auf sich warten.

So schossen in der ersten Hälfte der 80er-Jahre schließlich immer mehr solcher Hot Hatches aus dem Boden. Renault beispielsweise pumpte den kleinen R5 Schritt für Schritt auf, und auch der ein oder andere japanische Hersteller legte Kompakt und Kleinwagen mit großem Herz auf, etwa Daihatsu mit dem kuriosen Dreizylinder Charade Turbo.

Drei der sportlichsten Vertreter aus jener Zeit stammten von Talbot, MG und Peugeot. Für unseren Vergleichstest haben wir sie noch einmal in ganz Deutschland zusammengesucht – Vorhang auf für MG Metro Turbo, Peugeot 205 GTi und Talbot Sunbeam Lotus.

Der Peugeot 308 SW im Fahrbericht (Video)

Video Platzhalter
Video: AUTO ZEITUNG

Nur gut 200 Stück des Talbot Sunbeam Lotus in Deutschland verkauft

Die Rolle des Exoten übernimmt dabei der Talbot Sunbeam Lotus: Ursprünglich für den Einsatz im Motorsport konzipiert, liefen von 1979 bis 1981 nur 2308 Exemplare im schottischen Linwood vom Band, bis zur Übernahme durch Peugeot zunächst noch als Chrysler Sunbeam Lotus. Die Motoren setzte Lotus selbst in Norfolk ein. Nur gut 200 Stück wurden in Deutschland verkauft, die meisten fanden Käufer:innen in Großbritannien, gefolgt von Italien und Frankreich.

Heute einen serienmäßigen Sunbeam Lotus zu finden, ist bedeutend schwieriger als die Sache mit der Stecknadel im Heuhaufen. Aber die Leistungswerte motivieren: Der Lotus-Motor, zuvor bereits in den Modellen Eclat, Esprit und Elite anzutreffen, schickt 149 PS (110 kW) an die Hinterachse des 960 kg leichten Autos, das obendrein niemand mehr einordnen kann, wenn man heute damit im Straßenverkehr auftaucht.

Bei der Firma Car & Company Consult von Torsten Hose in Meerbusch wurden wir fündig: Er stellte uns seinen vollkommen unverbastelten Sunbeam in Sonderlackierung Moonstone Blau mit silbernem Zierstreifen und weniger als 50.000 km zur Verfügung.

MG Metro Turbo kaum weniger selten – aber mit Turbo

Nicht einfacher gestaltete sich die Suche nach einem fahrtauglichen MG Metro Turbo. Dieser Kraftzwerg wurde ab 1983 zwar immerhin fast 22.000 Mal gebaut, aber nach einem viel beachteten Debüt fanden sich hierzulande wohl nur wenige Fans, die es für sinnvoll hielten, den ersten Serienturbo von British Leyland zu pflegen und in den Oldtimerstatus zu überführen. Nicht wenige Fahrzeuge dürften zudem als Spender hergehalten haben für das beliebtere Vorgängermodell Mini, dessen Technik der Metro teilweise übernahm.

Mit Hilfe des MG Car Clubs kommt schließlich der Kontakt zu Olaf Kuls in Bremen zustande: Er findet auch heute noch großen Spaß daran, in dem nur 3,40 m kurzen und keine 800 kg schweren MG um die Ecken zu flitzen. Die Power dafür haucht ein Turbolader dem kleinen Briten ein, der es bei nur 1,3 l Hubraum auf stramme 90 PS (66 kW) bringt.

Der Peugeot 205 GTi lief mit Abstand am häufigsten vom Band

Dritter in diesem Trio ist ein alter Bekannter aus dem Hause Peugeot. Alle Varianten zusammengezählt, wurde er in den Werken Mulhouse, Sochaux, Poissy und im spanischen Villaverde weit mehr als fünf Millionen Mal gebaut. Die Rede ist vom Peugeot 205, jenem segensreichen Erfolgsmodell, ohne das die damals schwer angeschlagene Marke möglicherweise nicht überlebt hätte. 332.942 Stück liefen als Topmodell GTi vom Band, davon rund 295.000 Stück mit dem starken 1,9-l-Motor, nachdem 1984 zunächst die Version mit 1,6 l Hubraum Premiere gefeiert hatte.

Aber den Stückzahlen zum Trotz: Auch den Peugeot 205 GTi muss man heute suchen. Unser Exemplar, das Besitzer Alexander Treis zum Fototermin mitbrachte, ist ein 89er Baujahr und stand zwischenzeitlich schon mit zwei Rädern in der Schrottpresse, obwohl er praktisch keinen Rost aufwies. Sein Vorbesitzer hatte ihn auf sehr individuelle Weise optisch getunt, dann aber die Lust verloren. 

Alle drei verbuchten spektakuläre Rallyetage

Als die drei Probanden blitzsauber nebeneinander in der Sonne stehen, scheint auf einmal die Zeit einen Sprung in die Vergangenheit zu machen. Plötzlich tauchen Bilder aus spektakulären Rallyetagen wieder auf. Namen. Rennszenen. Kein Wunder, schließlich haben alle drei Autos einmal für Furore gesorgt, als es um Bestzeiten und Weltmeisterschaften ging. Der Talbot Sunbeam Lotus hatte seinen großen Auftritt 1981: Damals lenkte ein junger Finne namens Henri Toivonen die Rennversion zum Titel. Sehr sehenswerte Videos auf Youtube zeugen noch heute davon.

Als es jedoch um die Titelverteidigung ging, zog der neue Markenbesitzer Peugeot schon wieder den Stecker – man hatte bereits ein eigenes Pferd im Stall, den 205. Entwicklungsleiter war damals Jean Todt. Womit die Brücke zum 205 Turbo 16 geschlagen wäre: Nachdem Todt 1981 noch als Copilot neben Guy Fréquelin im Sunbeam Lotus Rallye gesessen hatte und Vizeweltmeister in der Fahrerwertung geworden war, tüftelte er nun zusammen mit Ari Vatanen, ebenfalls Ex-Sunbeam-Pilot, für Peugeot an der Homologation des Allrad-Rennwagens.

Wie überlegen Todts Konzept war, stellte sich bald heraus: Nach ersten Erfolgen 1984 holte Peugeot mit dem 205 Turbo 16 in den Folgejahren zwei Titel hintereinander. Am Steuer: Timo Salonen und später Juha Kankkunen. Unvergessen sind schließlich auch die letzten Auftritte des Peugeot in der Gruppe B, jener überdrehten Krawallklasse des Rallyesports, die kurz nach ihrer Einführung schon wieder verboten werden musste.

Die Gruppe B war auch der Anlass für eine Extremversion des MG Metro namens 6R4: Mit längs eingebautem Dreiliter-Sechszylinder-Mittelmotor, Allradantrieb und respekteinflößendem Heckflügel sollte dieser Mega-Metro Jagd machen auf Konkurrenten vom Schlage eines Lancia Delta S4 oder Audi Quattro. Doch daraus wurde nichts. Der 6R4 kam erst 1985 – und damit zu spät. Kurioses Detail am Rande: Anders als die meisten Gruppe-B-Boliden und auch im Unterschied zum Topmodell aus der Serienfertigung besaß er keinen Turbolader.

Munterer Turbo im MG Metro

Mittlerweile steht der schwarze Metro Turbo für eine Probefahrt bereit. Die Ergonomie erweist sich als ziemlich ungewöhnlich: Das Lenkrad steht nicht nur ultraflach, es befindet sich auch leicht nach innen gerückt im Verhältnis zum Fahrersitz. Daran muss man sich erst gewöhnen. Die Sitze selbst sind komfortabel und bieten guten Halt. Erstaunlich: Im Metro haben auch große Personen reichlich Platz, die Kopffreiheit ist enorm.

Der MG Metro Turbo fahrend von schräg vorne fotografiert.
Foto: Wim Woeber

Die nächste Überraschung folgt beim Beschleunigen. Der erwartete Turboschlag bleibt aus. Eine Kombination aus niedrigem Ladedruck und hoher Verdichtung – sie liegt mit 9,4 auf dem Niveau der beiden Wettbewerber mit Saugmotor – machts möglich. Oberhalb von 4000 Umdrehungen wird der Metro dann richtig munter und motiviert zu flotter Fahrweise.

Das stramme, aber nicht unkomfortable Fahrwerk mit eigenwilliger Hydragas-Federung und die sehr direkte Lenkung tragen ebenfalls dazu bei. Dazu gibt es eine Rückbank, die ganz praktisch und für ihre Zeit sehr innovativ in einen Einzel- und einen Doppelsitz teilbar ist. Mit diesem Konzept war der Metro Turbo für nicht mal 15.000 Mark ein echtes Schnäppchen.

89er Peugeot 205 GTi mit Kat etwas gehemmt

Der Peugeot hätte zumindest 30 PS (22 kW) mehr zu bieten. Außerdem ist er das modernere Auto, was man unter anderem daran erkennt, dass der Motor sein Gemisch mit einer Bosch Motronic aufbereitet und es nach der Verbrennung mit einem Katalysator reinigt. Doch genau da liegt der Haken: Während der 1.9er ohne Kat noch stramme 128 PS (94 kW) leisten durfte und die Tester der AUTO ZEITUNG 1987 in Verzückung versetzte, wirkt die 89er Version mit Abgasreinigung etwas weniger spritzig als erwartet.

Der Peugeot 205 GTi fahrend von schräg vorne fotografiert.
Foto: Wim Woeber

Hinzu kommt, dass der Peugeot mehr als 100 kg schwerer ist als der MG Metro Turbo. Doch für sich betrachtet bereitet auch er einen Riesenspaß, was vor allem an der tollen Lenkung, dem knackigen Fahrwerk und nicht zuletzt an den sündig-roten Teppichen liegt. Der GTi von Alexander Treis besitzt zudem schicke Teilledersitze, eine Zentralverriegelung und ein Glasschiebedach.

Schnell umsteigen in den Talbot Sunbeam Lotus. Wird der alte Haudegen den modernen Zwergen den Schneid abkaufen? Zugegeben, der Vergleich hinkt etwas. Sein 2,2-l-Motor mit den prachtvollen 45er Dell'Orto-Doppelvergasern und 16 Ventilen ist natürlich ein anderes Kaliber. Aber dass er so ein sensationelles Feuerwerk abbrennen würde, war dann doch nicht zu erwarten.

Der Talbot Sunbeam Lotus fahrend von schräg vorne fotografiert.
Foto: Wim Woeber

Die Lotus-Maschine erweist sich als absoluter Knaller. Ein echter Rennmotor mit Gruppe-2-Sound. Das Fünfgang-Getriebe mit erstem Gang hinten links ist schnell durchgeschaltet, aber die Hinterräder ringen eigentlich permanent um Halt. Die Starrachse kann die Haftungsprobleme nicht verhindern. Über die schludrige Verarbeitung und die weichen Sitze sieht man angesichts solcher Fahrdynamik locker hinweg. Ein echter Geheimtipp.

Fazit

Der erfolgsverwöhnte Peugeot 205 GTi, als Rallyemaschine zu seiner Zeit unschlagbar, ist selbst in der starken 1.9er Straßenversion kein echter Gegner für den Talbot Sunbeam Lotus. Dessen urgewaltiger 2,2-l-Motor ist zwar durstig, aber auch dermaßen begeisternd, dass er selbst deutlich jüngere und modernere Konkurrenten in Grund und Boden fährt. Das ändert natürlich nichts an den unbestrittenen Qualitäten des Franzosen: Solide gemacht, mit toller Lenkung und knackigem Fahrwerk, begeistert er nach alter GTi-Tradition. Ein Sonderpokal gebührt dem frivolen MG Metro Turbo: Ihm fliegen schon auf Grund seiner Größe die Herzen zu. Und wer seinen Turbo zündet, staunt, was die tolle kleine Kiste kann. Geldlich gesehen ist die Diskussion schnell zu Ende: Zum Preis eines Lotus bekommt man – zumindest theoretisch – MG und Peugeot im Doppelpack.

Technische Daten von MG Metro Turbo, Peugeot 205 GTi 1.9 und Talbot Sunbeam Lotus

Classic Cars 04/2017

MG Metro Turbo

Peugeot 205 GTi 1.9 Kat

Talbot Sunbeam Lotus

Zylinder/Ventile pro Zylin.

4/2; Turbo

4/2

4/4

Hubraum

1275 cm³

1905 cm³

2140 cm³

Leistung

66 kW/90 PS

88 kW/120 PS

110 kW/149 PS

Max. Gesamtdrehmoment bei

116 Nm 3650/min

150 Nm 3000/min

207 Nm 4800/min

Getriebe/Antrieb

4-Gang-Getriebe/Vorderrad

5-Gang-Getriebe/Vorderrad

5-Gang-Getriebe/Hinterrad

L/B/H

3405/1545/1360 mm

3705/1589/1355 mm

3830/2603/1395 mm

Leergewicht

775 kg

880 kg

960 kg

Bauzeit

1983-1990

1986-1995

1979-1981

Stückzahl

21.986

295.000

2308

Beschleunigung null auf 100 km/h

10,7 s

9,2 s

8,4 s

Höchstgeschwindigkeit

177 km/h

198 km/h

200 km/h

Verbrauch auf 100 km

9,3 l S

10,6 l S

ca. 13 l S

Grundpreis (Jahr)

14.550 Mark (1983)

25.425 Mark (1989)

22.500 Mark (1979)