Mercedes 400 E AMG 4.2: Das W124-Mysterium aus Japan
Eine W124 Mercedes E-Klasse – so selten, dass selbst eingefleischte AMG-Fans vielleicht noch nie von ihr gehört haben? Das ist der Mercedes 400 E AMG 4.2 und die leise Geschichte des „Nipponhammers“!
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Mercedes 400 E AMG 4.2: Der Nipponhammer
Von ihm haben selbst viele AMG-Enthusiast:innen noch nie gehört: der Mercedes 400 E AMG 4.2. Kein 500 E, kein E 60, kein offiziell katalogisiertes Serienmodell aus Affalterbach, sondern ein Exot aus Japan. Entstanden in einer Zeit, als AMG noch nicht vollständig vom Daimler-Konzern geschluckt war und sich regionale AMG-Niederlassungen eigene Interpretationen erlaubten. Acht? Sechzehn? Weniger als zwanzig? Die Quellenlage ist dünn. Sicher ist nur: Er ist extrem selten.
In den frühen 1990er-Jahren war AMG noch ein eigenständiger Veredler mit Sitz in Affalterbach. Für den japanischen Markt existierte mit der AMG Japan Ltd. eine eigene Abteilung. Ursprünglich sollten lediglich deutsche AMG-Fahrzeuge importiert werden. Doch mit wachsender Kundschaft entwickelte man bald eigene Umbauten, abgestimmt auf die Wünsche des japanischen Marktes.
Der Mercedes 560 SEC im Fahrbericht

Understatement-V8: Der 400 E als Basis
Ausgangspunkt für den sündhaft teuren Umbau war der Mercedes 400 E der Baureihe W124. Bis zum Facelift 1993 sicherte er sich als zweitstärkste Modell seinen Platz in der 124er-Hierarchie, nur überboten vom 500 E. Sein 4,2 l großer M119‑V8 leistete 279 PS (205 kW) – in Japan 275 PS/202 kW – und machte ihn zum klassischen Sleeper. Äußerlich war er für den Ottonormalverbraucher kaum von einem braven 200 D zu unterscheiden, technisch jedoch ein souveräner Autobahnexpress. Im Gegensatz zum breitbackigen 500 E blieb der 400 E schmal, unauffällig und rund 80 kg leichter. Genau dieses Understatement reizte AMG Japan.
Gefertigt wurde der Mercedes 400 E AMG 4.2 in Tokio. Die Bauzeit eines aufgemotzten 400 E soll rund vier Monate in Anspruch genommen haben. Offizielle Stückzahl-Listen existieren nicht mehr, weshalb die Stückzahlen bis heute nur rekonstruiert werden können. Öffentlich kursieren Angaben von weniger als 20 Stage‑III-Fahrzeugen, teils ist von 16 Exemplaren die Rede. In Kennerkreisen ist gar nur von acht jemals gebauten Stage III Mercedes 400 E AMG 4.2 die Rede.
Drei Stufen zur Eskalation
Nicht verwunderlich, betrachtet man den Preis: Ein Stage‑III-Modell lag 1993 bei rund 13,7 Mio. Yen – umgerechnet etwa 204.000 D-Mark. Ein enormer Betrag für eine E‑Klasse. Die Vollfettstufe erhielt alle Goodies des Stage I und II Ausbaus: Sportfahrwerk, Sportabgasanlage, verkürzte Übersetzung, 17‑Zoll-AMG-Räder sowie Motor-Tuning. Darüber hinaus ergänzte die S3 ein AMG-Bodykit mit neuer Frontschürze, Seitenschwellern, spezifischen Kotflügelverbreiterungen und Heckspoiler.

Feinschliff für den 4,2-l-V8
Anders als beim legendären 6,0‑l‑„Hammer“ verzichtete AMG Japan auf eine Hubraumerweiterung. Der M119-V8 bot mit vier obenliegende Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder und elektronischer Einspritzung bereits genug Spielraum. Schärfere Nockenwellen, eine angepasste Motorsteuerung sowie weiterer Feinschliff (u.a. 500 E-Einspritzdüsen) ließen die Leistung von 279 PS (205 kW) auf rund 312 PS (229 kW) und 425 Nm Drehmoment steigen.
Die Kraftübertragung übernahm weiterhin die Vierstufenautomatik, die Höchstgeschwindigkeit wurde bei 250 km/h elektronisch begrenzt. So aufgestellt, bewegte sich der Mercedes 400 E AMG 4.2 leistungsmäßig in unmittelbarer Nähe des 326 PS (240 kW) starken 500 E. In Japan erhielt er den Spitznamen „Nipponhammer“. Heute verbirgt er sich hinter seinen lauteren und breiteren AMG-Geschwistern als Modell für Kenner:innen – aus einer Zeit, als Affalterbach noch unabhängig agierte und für regionale Märkte eigene Spielarten entwickelte.
















