Mercedes S 73 AMG T-Modell: V12-Kombi mit Pagani-Power
Mit dem Mercedes S 73 AMG T-Modell trieb es der Tuner aus Affalterbach 1996 so richtig bunt. Für den Sultan von Brunei entstanden eine Handvoll S-Klassen (W140), die mit der Front des 600 SEC, dem Kombi-Dach der W210er-E-Klasse und dem 7,3-l-V12 bestückt wurden, der später auch CLK GTR und Pagani Zonda in den Supercar-Olymp beförderte.
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Zehn Exemplare des Mercedes S 73 AMG T-Modells entstanden exklusiv für den Sultan von Brunei
Manchmal reicht es nicht, einfach nur Benzin im Blut zu haben. Wer Fahrzeuge wie das Mercedes S 73 AMG T-Modell besitzen möchte, muss schon eines der größten Erdölvorkommen der Welt unter seinen Füßen wissen. Zu diesen wenigen Glücklichen zählt die Familie des Sultans von Brunei. Im Auto-Kosmos ist sie seit Jahrzehnten dafür bekannt, die mit Abstand größte und wertvollste Luxusfahrzeug-Sammlung der Welt ihr Eigen zu nennen.
Die Oberhäupter des Inselstaates befanden sich Mitte der 90er mit ihrem Reichtum beziehungsweise der Art, diesen auf den Kopf zu hauen, auf einem völlig absurdem Level: Reihum tourte man von einer automobilen Edelmarke zur nächsten, klappte den Geldkoffer auf und orderte eine ganze Kleinserie an komplett durchindividualisierten Sammlerstücken. Nicht selten zahlte man Millionen von Mark nicht nur für deren Entwicklung, sondern auch für die absolute Exklusivität der künftigen Besitztümer.
Dann passierte das, was fast unweigerlich droht, wenn man rund 7000 Autos im Fuhrpark hat: Dem Sultan wuchs seine Sammlung über den Kopf. Seit Jahrzehnten stehen sich die Bentley, Bugatti, McLaren und Ferrari nun schon die Reifen platt. Auch die zehn Exemplare des Mercedes S 73 AMG T-Modells erlitten dieses Schicksal, wie im November 2024 geleakte Bilder bewiesen.
Aber die gelb-rote Karte vergeben wir nicht nur für die alles andere als artgerechte Haltung der Ausnahme-Kombis, sondern auch für die McDonalds-verdächtige Konfiguration des Autos im ersten Bild. Zum Glück besann sich der Monarch im größten Palast des Planeten bei den übrigen Exemplaren auf etwas netzhautschonendere Farbkombinationen. Nur den Gag mit den farblich passenden Monoblock-Felgen und Scheibenwischern konnte er wohl einfach nicht lassen.
Der Mercedes 560 SEC von Bruno Sacco im Fahrbericht (Video)

Drei Mercedes in einem und der größte Benz-Motor der Nachkriegszeit mittendrin
Das soll aber nicht von der beeindruckenden Arbeit ablenken, die AMG beim Fusionieren von gleich drei Mercedes-Modellen vollbracht hat. Ganz zu Schweigen vom größten Benz-Motor der Nachkriegszeit, den das Team aus Affalterbach gleichzeitig noch unter die Haube quetschte. Zu den einfacheren Fingerübungen dürfte die Front gehört haben, die sich AMG vom CL 600 (C140) geborgt hatte.
Ein cleverer Schachzug, denn die schnittigere Gestaltung von Frontscheinwerfern und Kühlergrill passte viel besser zur Urgewalt unter der Haube als die übergewichtige S-Klassen-Nase. Anders sah es da schon bei der Implementierung des E-Klassen-Elemente für das Kombi-Heck aus. Der W210er – Sie wissen schon, die Generation mit dem glupschigen Vieraugen-Gesicht – fiel in seiner Linienführung nicht nur organischer, sondern auch noch knapp zehn Zentimeter schmaler aus als die S-Klasse.

Dass hier zwei Design-DNA aufeinandertreffen, offenbart sich aber nur bei genauem Blick auf den Übergang von der D-Säule ins Heck. Um den typischen S-Klasse-Look mit den weit außen platzierten Hecklichtern und dem durchgehenden Reflektor nicht zu gefährden, entschied sich AMG für die kleinere – das Mercedes-Marketing würde sagen: lifestyligere – Heckklappen-Lösung mit dem originalen unteren Ausschnitt des W140.
Wie viele Bierkästen tatsächlich hinten reinpassten, dürfte den Sultan kaum interessiert haben, denn der Verkauf von Alkohol ist per Gesetz ohnehin verboten. Saufen dürfen hier nur die Motoren, und der Durst des 7,3-l-V12 dürfte in Kombination mit den knapp zweieinhalb Tonnen Lebendgewicht beinahe grenzenlos gewesen sein.
Der 7,3 l große V12 zielt mit 565 PS auf die Hinterräder
Es ist der gleiche Zwölfzylinder, der Ende der 90er optional auch den Über-Benz CLK GTR antrieb und wenige Jahre später sogar den Pagani Zonda C12 S auf die Reise jenseits der 330 km/h schickte. 565 PS (416 kW) und 750 Nm Drehmoment soll der M 297 auf die Hinterräder des T-Modells loslassen, mit ungeahnten Folgen für Beschleunigungswerte und Topspeed.
Im Gegensatz zu Pagani oder CLK GTR kam eine S-Klassen-würdige Fünfstufen-Automatik zum Einsatz, zusammengefasst in einem Schalter aus Leder und rot eigefärbter Kohlefaser-Optik. Auch der restliche Innenraum ist bis auf die letzte Türpappen-Leiste in Tierhäuten eingeschlagen, mal farblich passend zum Lack, mal im harten Kontrast dazu.
Es sind Kombinationen, nach denen sich Benz-affine Sammler-Gemeinschaften auf der ganzen Welt die Finger lecken. Doch nach nunmehr drei Jahrzehnten sind die zehn Exemplare des Mercedes S 73 AMG T-Modells noch immer von der Außenwelt abgeschottet.
Es reicht also auch nicht, riesige Erdölvorkommen zu besitzen. Ein bisschen Benzin im Blut müsste man auch haben, um dem wildesten Mercedes-Kombi aller Zeiten artgerechten Auslauf zu gewähren.
Fazit
Es ist eine Autosammlung, wie sie sonst nur entsteht, wenn man seine Kinder zu lange an der Hot-Wheels-Grabbelkiste alleine lässt. Ohne das Geld aus Brunei hätte sich AMG aber wohl nie getraut, etwas Derartiges wie das Mercedes S 73 AMG T-Modell auf die Räder zu stellen. Jetzt wird es nur mal Zeit, dass die außergewöhnlichen Kombis in bessere Hände gelangen und vor allem endlich mal wieder mit dem 7,2-l-V12 über den Asphalt brennen dürfen.


















