Vorstellung

Mercedes 300 SL Replika: kurioser (Kot-)Flügeltürer erhältlich

Diese Mercedes 300 SL Replika will den Flair des Flügeltürers in die Moderne tragen, erinnert auf den zweiten Blick aber eher an die glücklose Ära von DaimlerChrysler. Technisch fußt sie auf dem Crossfire und steht für umgerechnet knapp 260.000 Euro zum Verkauf.

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Die Mercedes 300 SL Replika stehend von schräg vorne
Nur auf den ersten Blick wirkt dieser Mercedes 300 SL wie ein Outlaw-Gullwing. Foto: Signature Autosports
Die Mercedes 300 SL Replika stehend von schräg hinten
Die Replika basiert auf einem Chrysler Crossfire. Und wer genau hinsieht, erkennt die optischen Ungereimtheiten. Foto: Signature Autosports
Die Mercedes 300 SL Replika stehend von vorne
Der extrem ausgeformte Frontspoiler gibt nicht den besten Chromstoßstangen-Ersatz ab. Foto: Signature Autosports
Die Mercedes 300 SL Replika stehend seitlich
Kotflügelverbreiterungen zerschießen die ikonischen Radlaufsicken, der Kofferraum wirkt durch seinen zu flachen Aufbau langgestreckter als das Original. Foto: Signature Autosports
Die Mercedes 300 SL Replika stehend von hinten
Am Heck gibts statt Chrom einen mittigen Doppelrohrauspuff. Foto: Signature Autosports
Das Cockpit der Mercedes 300 SL Replika
Das Lenkrad haben die Amis in Leder gepackt, ebenso wie den Handschalter, der eigentlich gar keiner ist. Foto: Signature Autosports
Die Sitze der Mercedes 300 SL Replika
Die Sitze sind natürlich neu, verzichten wegen des Retro-Charakters aber auf ihre Kopfstützen. Foto: Signature Autosports
Der Motor der Mercedes 300 SL Replika
Der 3,2 l große V6 kam sowohl im Crossfire als auch im SLK 320 zum Einsatz. Immerhin trägt das Triebwerk die passende Motorabdeckung. Foto: Signature Autosports

Vom Hundepo zur Flügeltürer-Replika: Ein Chrysler Crossfire macht auf 300 SL

Schon seit langer Zeit gehört der Mercedes 300 SL (W 198) nicht nur zu den legendärsten, sondern auch zu den teuersten automobilen Klassikern. Siebenstellige Preise und die empfindliche Renntechnik der 50er-Jahre sorgen dafür, dass die meisten der 1400 gefertigten Flügeltürer nur äußerst selten auf der Straße anzutreffen sind. Signature Autosports aus dem US-Bundesstaat North Carolina hat sich auf die Fahnen geschrieben, dies zu ändern.

Die Firma bietet Repliken des Supersportwagens mit Stern an und bedient sich dabei nicht immer nur direkt aus dem Mercedes-Regal. Das hier gezeigte, in der Bentley Farbe „Sequin Blue Metallic“ lackierte Auto basiert beispielsweise auf einem 2004er Chrysler Crossfire.

Da das Ami-Coupé aber zur Zeit des DaimlerChrysler-Konzerns entstand, teilt es sich die Technik mit der ersten Generation des Mercedes SLK. Hätte Signature Autosports eine findige PR/Marketing-Abteilung, könnte man mit Hinblick auf die deutsch-amerikanischen Gene auf die Entstehung des ursprünglichen Flügeltürers hinweisen, die der US-Kundschaft und insbesondere des New Yorker Importeurs Max Hoffman zu verdanken war.

Stattdessen schwärmt die Firma von den Proportionen der Replika, die dem historischen Vorbild bei genauem Hinsehen allerdings nicht würdig werden. Die ikonischen Radhaus-Sicken werden von den Kotflügelverbreiterungen grob unterbrochen und das zu flache Heck polarisiert im Profil fast so sehr wie der krumme Rücken des Crossfire, den Jeremy Clarkson einst mit einem kackenden Hund verglich.

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Video: AUTO ZEITUNG

Dickes Merino-Leder bedeckt sowohl das Lenkrad als auch den Fake-Handschalter

Im Innenraum gibts statt klassischer Karo-Bezüge dickes Merino-Leder. Sogar das spindeldürre Bakelit-Volant inklusive der beiden Speichen wurde mit Tierhaut umwickelt, was dem Cockpit einen seltsam-organischen Touch verleiht. Ungewöhnlich kombiniert sind auch die nach Vorbild des Originals angeordneten Zusatz-Instrumente nebst schwarzem Kunststoff-Lichtschalter im nur bedingt filigranen Armaturenbrett.

Noch seltsamer wirds weiter unten, wo eine Klima- und Radiobedienung in einem Alu-artigen Gehäuse sitzt. Halb verdeckt wird sie von einem Automatik-Wählhebel, der sich in seinem Schaltsack vergeblich als Handschalter tarnt – das breite Bremspedal offenbart die Täuschung. Immerhin hat man sich in North Carolina dazu entschieden, im Sinne des Retro-Looks bei den Stühlen auf Kopfstützen zu verzichten.

Um dolle Nackenschmerzen muss man sich in der Replika aber kaum sorgen, denn als Antrieb dient die Basismotorisierung des Crossfire: ein 3,2 l großer V6 von Mercedes mit 218 PS (160 kW). Damit schließt sich dann wieder der Kreis zum 300 SL, der in den 50ern mit einem drei Liter großen Reihensechser 215 PS (158 kW) generierte. In Sachen Fahrleistungen sind sich Replika und Original also in etwa einig.

Ob sich das Fahrgefühl der beiden ähnelt, darf hingegen stark angezweifelt werden. Am Ende fährt man eben doch nur einen Chrysler, der unter großem Aufwand optisch zum Flügeltürer aufgebretzelt wurde. Ob das die umgerechnet 260.000 Euro wert sind, die Signature Autosports für das hier gezeigte Modell aufruft? Immerhin gibt es für das Geld nur wenige Fahrzeuge, die auf der Straße mehr Aufsehen erregen und gleichzeitig so entspannt Großserientechnik spazieren fahren.