Alle Infos zum Ford Mustang

Ford Mustang/Pontiac Firebird: Classic Cars Große Tierschau mit Mustang und Firebird

von AUTO ZEITUNG 03.06.2020
Inhalt
  1. Firebird und Camaro als Antwort auf den Mustang
  2. Mustang: Cruisen mit Wandlerautomatik
  3. Mustang und Firebird ohne nennenswerte Bremsleistung
  4. Kein Grip in Mustang und Firebird
  5. In Firebird und Mustang ist Platz für vier
  6. Ersatzteile sind gut zu bekommen
  7. Downsizing wurde in den 70ern ein Thema
  8. Technische Daten von Mustang und Firebird

Pony-Car gegen Feuervogel: Der berühmte Ford Mustang trifft auf einen Pontiac Firebird. Mit ihren bollernden V8-Motoren erzeugen die beiden Classic Cars Gänsehaut. Besonders sportlich sind sie aber nicht.

Ford Mustang – diesen Namen muss man kaum jemandem erklären, der für Autos auch nur einen Funken Leidenschaft emp?ndet. Selbst Laien können mit der Bezeichnung etwas anfangen. Der Ford Mustang gilt immerhin als Begründer der Gattung der so genannten Pony-Cars, zu der auch der Pontiac Firebird gehört. Damit sind ursprünglich PS-starke US-Fahrzeuge gemeint, die mit einem erschwinglichen Anschaffungspreis vor allem junge Käufer ansprachen. Während die Basismodelle meist mit braven Sechszylinder-Triebwerken motorisiert waren, konnte man auch potente V8-Versionen erwerben. Mehr zum Thema: Ford Mustang in der Kaufberatung

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Der Ford Mustang driftet über den Nürburgring (Video):

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Firebird und Camaro als Antwort auf den Mustang

Fords Hauptwettbewerber GM wollte nach dem erfolgreichen Aufgalopp des Ford Mustang im Jahr 1964 auch ein ordentliches Stück vom Kuchen des Pony-Car-Marktes abhaben und startete bereits 1965 den Chevrolet Camaro. Doch eigentlich war die neue Fahrzeugkategorie bei der sportlicher angehauchten Marke Pontiac besser aufgehoben – kein Wunder, dass General Motors schon ein halbes Jahr später das Camaro-Schwestermodell Pontiac Firebird ins Modellprogramm aufnahm. Allerdings hat der Pontiac Firebird hierzulande nie den Bekanntheitsgrad des Ford Mustang erreicht, der übrigens von seinem Debüt 1964 bis 1979 of?ziell in Deutschland vertrieben wurde. Hierzulande erhielt das Pony-Car allerdings die Modellbezeichnung T5, weil der Markenname Mustang rechtlich von Kreidler geschützt war – der Zweiradhersteller aus Kornwestheim bei Stuttgart vertrieb unter diesem Namen Mockicks.

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Mustang: Cruisen mit Wandlerautomatik

Dem Pontiac Firebird blieben die of?ziellen Importwürden verwehrt. General Motors exportierte indes den Camaro nach Europa. Ford hat den Mustang nach zwischenzeitlicher Pause seit 2015 wieder of?ziell nach Deutschland zurückgebracht. Doch zurück in die 60er-Jahre, aus denen unsere beiden Vergleichsexemplare stammen. Ein Ford Mustang 289 trifft hier auf einen Pontiac Firebird 400 – 200 V8-Pferdchen aus 4,7 Liter Hubraum messen sich bei dieser großen Tierschau mit 325 PS aus 6,6 Litern. Während der Ford-V8 durchaus drehen kann und auch muss, um das Coupé nachdrücklich voranzutreiben. Der Mustang-Reiter kommt mit der Dreigang-Wandlerautomatik im Alltag gut zurecht. Die fast fünf Liter Hubvolumen reichen aus, um meist im größten Gang unterwegs zu sein. Gefühlt hat der Mustang mehr als 200 PS, was umso erstaunlicher ist, da es sich dabei um einen SAE-Wert handelt, der ohne  Berücksichtigung der Verlustleistung durch die Nebenaggregate ermittelt wurde.

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Mustang und Firebird ohne nennenswerte Bremsleistung

Allerdings haben die Marketingabteilungen seinerzeit bei ihren Sportwagen auf dem Papier gerne untertrieben, um teureren Versicherungsprämien zu entgehen. Dem Pony-Car-Reiter kann das heute egal sein, denn er zäumt sein Pferd nach Möglichkeit mit einem H-Kennzeichen auf. Der Pontiac-V8 wiederum fühlt sich kaum nach seinen 325 SAE-PS an, wenngleich er unter Ausnutzung  des  Drehzahlbandes ebenfalls ordentlich Druck ausübt. Auch er will in Sachen Fahrdynamik keine Trophäen gewinnen – lässiges Cruisen beherrscht er hingegen so überzeugend wie der T5. Vor Kurven ist man gut beraten, die Coupés rechtzeitig abzubremsen und die Biegungen mit moderatem Tempo anzugehen. Scheibenbremsen vorn gab es zwar jeweils gegen Aufpreis, aber unsere beiden Coupés müssen mit Trommeln ringsum auskommen. Auch wenn die amerikanischen Highways bereits in den 60er-Jahren Tempo-limitiert waren – überzeugende Bremsleistungen sehen anders aus. Beim Mustang fehlt gar ein Bremskraftverstärker, was einen besonders kräftigen Tritt auf das Pedal erfordert. Außerdem müssen sich die Pony-Car-Treiber über die Einkreis-Bremsanlage bewusst sein – die Kosten waren in den Staaten damals auch bei Sportwagen wichtiger als Sicherheit. Etliche Pony-Cars in Europa wurden später mit Zweikreis-Bremsanlagen nachgerüstet.

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Kein Grip in Mustang und Firebird

Das riesige Lenkrad des Firebird fühlt sich synthetisch an, und von Präzision um die Mittellage kann keine Rede sein. Kaum zu glauben, schließlich sollen Pony-Cars doch eigentlich  sportliche Autos  sein. Auch der Mustang kann mit dem Substantiv Fahrbahnkontakt wenig anfangen, obwohl unser Exemplarnicht einmal über eine Servolenkung verfügt. Also Lenkrad schön festhalten und mit Bedacht durch die Kehre. Die Lowtech-Fahrwerkskonstruktionen mit blattgefederten Starrachsen hinten lassen ohnehin kein verschärftes Tempo zu. Doch die beiden Triebwerke machen dieses Manko mehr als wett: Da können die Coupés auf Bodenwellen auch noch so heftig auskeilen – wenn die V8-Größen unter den langen Motorhauben bollern, ist  jeder Ansatz von Kritik wie weggepustet. Dabei tönen sowohl Ford als auch Pontiac nicht übermäßig laut, sondern eher zurückhaltend aus den Endrohren. Der T5 macht dank leichter Auspuffmodi?kationen etwas stärker auf sich aufmerksam, bleibt dabei aber immer noch zivil.

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In Firebird und Mustang ist Platz für vier

So dünn die zierlichen Kunstledersitze des Mustang auch aussehen, man ist doch recht kommod darauf untergebracht. Von Seitenhalt kann allerdings kaum die Rede sein – den bieten nur die Beckengurte. Im Fond gibt es eine satte Portion Kniefreiheit, und so sind Reisen mit vier Personen möglich. Gleiches gilt für den Firebird. Auf eine Klimaanlage müssen beide Amerikaner allerdings leider verzichten. Der Mustang besitzt schlicht keine. Und der Firebird hat zwar eine an Bord, aber das passende Kältemittel ist bei ihm wie bei so vielen alten Autos Mangelware. Da sind wir auch schon beim Kapitel Technik. Doch Besitzer Claus Erpenbach winkt ab: Was soll an einem alten Ami schon kaputtgehen? Hubraum bis zum Abwinken und eine spezi?sche Leistung wie ein Lkw-Motor – da passiere nicht viel.

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Ersatzteile sind gut zu bekommen

Ersatzteile sind ohne Probleme zu bekommen, schließlich ist die Fan-Gemeinde riesig, und es gibt genügend Autos hierzulande, ganz zu schweigen von den USA. Pontiac oder Ford – wirklich gegensätzlich sind diese Autos nicht. Der 6,6-Liter-V8 macht aus dem Firebird ein veritables Musclecar. So schön erhaltene Exemplare wie das von Claus Erpenbach ?ndet man selten. Bis auf das beim Firebird irgendwann einmal ein-gebaute Vierstufen-Automatikgetriebe ist alles original. Selbst der rechte Außenspiegel fehlt bei ihm in zeitgenössischer Manier ebenso wie beim T5. Dazu passen die schmalen Reifen, die speziell beim Firebird fast ein wenig unterdimensioniert aussehen. Doch ein bisschen Understatement tut den fahrenden Legenden ganz gut. Wer im Mustang mehr Punch möchte, sollte nach der High-Performance-Variante Ausschau halten, die ab 1966 zwar nicht mehr Hubraum offerierte, aber dank motorischer Modi?kationen und Vierfach-Ver-gaser 271 PS aus dem Achtzylinder herauskitzelte. Und acht Töpfe sollten es schon sein, um dem Ruf der beiden Coupés als starke US-Pony-Cars gerecht zu werden.

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Downsizing wurde in den 70ern ein Thema

Das heute hochaktuelle Thema Downsizing spielte in der viele Jahrzehnte währenden Pontiac-Firebird- und Ford-Mustang-Geschichte nämlich schon eine bedeutende Rolle: Im Zuge der Ölkrise in den 70ern und dem damit zusammenhängenden Gesinnungswandel der Autoindustrie wurden die Basisversionen beider Coupés prompt auf vier Zylinder gestutzt. Das ist erschreckend für jeden echten Fan – für Sammler ist so ein Vierzylinder-Pony-Car heute jedoch durchaus interessant.

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Technische Daten von Mustang und Firebird

FORD MUSTANG: DATEN & FAKTEN
ANTRIEB
V8-Zylinder; vorn längs eingebaut; 2-Ventiler; eine zentrale Nockenwelle, Kettenantrieb; Gemischbildung: ein Fallstrom-Doppelvergaser; Bohrung x Hub: 101,6 x 72,9 mm; Hubraum: 4736 cm3 ; Verdichtung: 9,3:1; Leistung: 147 kW/200 PS bei 4400/min; maximales Drehmoment: 382 Nm bei 2400/min; Dreistufen-Automatik; Mittelschaltung; Hinterradantrieb
AUFBAU+FAHRWERK
Plattformrahmen, mittragende Stahlblechkarosserie mit zwei Türen; Radaufhängung vorn: Dreiecksquerlenker, Schraubenfedern; hinten: Starrachse, Blattfedern; v./h. Teleskopstoßdämpfer; Bremsen: v./h. Trommeln (vorn auf Wunsch Scheiben); Reifen: v./h. 205/70 x 14
ECKDATEN1
L/B/H: 4613/1732/1308 mm; Radstand: 2745 mm; Leergewicht:1326 kg; Tankinhalt: 61 l; Bauzeit: 1964 bis 1966; Stückzahl:ca. 1,29 Mio. (Mustang 1964-66 gesamt); Preis (1965): 18.600 Mark
FAHRLEISTUNGEN1
Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in ca. 9,0 s; Höchstgeschwindigkeit: 177 km/h; Verbrauch: ca. 16,0 l/100 km

1 Werksangaben

 

PONTIAC FIREBIRD: DATEN & FAKTEN
ANTRIEB
V8-Zylinder; vorn längs eingebaut; 2-Ventiler; eine zentrale Nockenwelle, Kettenantrieb; Gemischbildung: Vierfach-Vergaser; Bohrung x Hub: 104,7 x 95,3 mm; Hubraum: 6556 cm3 ; Verdichtung: 10,75:1; Leistung: 239 kW/325 PS bei 4800/min; maximales Drehmoment: 556 Nm bei 3400/min; Dreistufen-Automatik; Mittelschaltung; Hinterradantrieb
AUFBAU+FAHRWERK
Selbsttragende Stahlblechkarosserie mit zwei Türen; Radaufhängung vorn: doppelte Dreiecksquerlenker, Schraubenfedern; hinten: Starrachse, Halbelliptik-Blattfedern; v./h. Teleskopstoßdämpfer; Bremsen: v./h. Trommeln (vorn auf Wunsch Scheiben); Reifen: v./h. 215/70 x 14
ECKDATEN1
L/B/H: 4796/1844/1308 mm; Radstand: 2746 mm; Leergewicht: 1521 kg; Tankinh.: 58 l; Bauzeit: 1967 bis 1969; Stückzahl:
ca. 233.000 (Firebird Coupé); Preis (1967): 2777 US-Dollar
FAHRLEISTUNGEN1
Beschleunigung: 0 auf 100 km/h in ca. 6,5 s; Höchstgeschwindigkeit: 185 km/h; Verbrauch: k.A. l/100 km

1 Werksangaben

 

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Unser Fazit

Firebird und Mustang bewegen sich auf Augenhöhe, das gilt selbst für den Vergleich der 289er-T5-Version mit dem 400er-Boliden aus dem Hause General Motors. Klar beschleunigt der Pontiac mit einer Portion mehr Feuer und macht damit seinem Namen alle Ehre. Im Alltag jedochlassen sich die kein bisschen gegensätzlichen Coupés ähnlich lässig bewegen. Vorsicht ist indes in Kurven geboten, wenn man nicht vom Heck überholt werden möchte. Auch beim Bremsen ist Umgewöhnung erforderlich – Trommeln an der Vorderachse sind angesichts der Leistungen nicht ausreichend. Beide Coupés sind echte Hingucker und betören mit ihrem unwiderstehlichen V8-Sound. Wartung und Unterhalt sind überschaubare Posten.

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