Neuer Ferrari Amalfi Spider: Genussvolle erste Testfahrt
Vergessen Sie den Luce! Der Amalfi Spider ist ein offener Ferrari wie aus dem Bilderbuch: elegant, mit Biturbo-V8, Heckantrieb und Stoffmütze. So aufregend verlief die erste Testfahrt.
Erste Testfahrt mit dem neuen Ferrari Amalfi Spider
Es ist schon ungerecht, dass das Debüt des neuen Ferrari Amalfi Spider im Schatten des Luce steht. Dennoch: Brachte das erste Elektroauto aus Maranello das Internet und die Gemüter in ganz Italien zum Kochen, so hat der Amalfi das Zeug dazu, diese wie ein vollmundiger Caffè freddo wieder abzukühlen.
Das gelingt bereits mit der Optik: Ferrari gestaltet den Amalfi beinahe zurückhaltend und lässt lieber die stimmigen Proportionen für sich sprechen. Nur wenige Linien und Flächen ziehen sich von der langen Haube zum kurzen Heck. Auch das technische Layout lässt Traditionalist:innen erleichtert aufatmen: kein Downsizing, keine Elektrifizierung. Es bleibt wie beim Vorgänger Ferrari Roma bei einem 3,9 l großen V8-Biturbo als Frontmittelmotor, der den Amalfi ganz klassisch über die Hinterräder antreibt.
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Entspannt und unaufgeregt
Änderungen findet man eher im Detail: So senken leichtere Nockenwellen und ein entschlackter Block das Gewicht des Motors um 2,3 kg. Die Leistung steigt unter anderen dank eines neuen Turbolader-Managements um 20 auf 640 PS. Auch das Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe haben die Italiener:innen optimiert. Es schaltet nicht nur sanfter, sondern auch schneller. Für den Spurt auf Tempo 100 benötigt der Amalfi laut Ferrari nur noch 3,3 s.
Bei der ersten Ausfahrt überrascht der Spider jedoch eher mit seiner entspannten und unaufgeregten Art. Im Comfort-Modus nehmen das adaptive Fahrwerk und die bequemen Sportsitze schlechten Straßen ihren Schrecken. In dieser Einstellung gibt sich der Amalfi als klassischer Gran Tourer – für mehr Krawall sind seine stärkeren Brüder zuständig.
Das ändert sich schlagartig im Sport- oder gar Race-Modus: Der Amalfi schließt sich gefühlt enger um die Person am Steuer. Gaspedal, Bremsen und Lenkung reagieren nun direkter. Wenn der V8 satte 760 Nm Drehmoment Richtung Hinterachse schickt, kommt auch die verbesserte Aerodynamik des Ferrari zum Tragen: Der aktive Heckflügel kann je nach Geschwindigkeit und Beschleunigung drei Stellungen annehmen. So erzeugt er bei Tempo 250 einen um 110 kg erhöhten Abtrieb.
Ferrari-Sound versus strenge Lärmvorschriften
Wer den Genuss weiter steigern möchte, wird beim Schalten selbst aktiv: Die Gangwechsel über die großen Carbon-Schaltwippen am Lenkrad bleiben allerdings sanft, ein brachiales Rucken überlässt der Amalfi weniger selbstbewussten Sportwagen.
Vor großen Herausforderungen stand das Ingenieursteam in Maranello ausgerechnet beim Motorsound, denn auch ein Ferrari muss mittlerweile strengere Lärmschutzvorschriften einhalten. Die Abstimmung ist aber auf ganzer Linie gelungen, der Amalfi intoniert weiterhin den typischen Achtzylinder-Sound der Marke.
Am besten lässt sich dieser natürlich bei offenem Verdeck genießen. Das aus dem Roma bekannte Stoffverdeck öffnet sich in nur 13,5 s – und das auch während der Fahrt bei bis zu 60 km/h. Bei geschlossenem Verdeck fällt das Kofferraumvolumen des Spider mit 255 l nur geringfügig kleiner aus als beim Coupé (273 l). Faltet sich die Stoffmütze ins Heck, bleiben noch 172 l übrig.
Auch das Cockpit bietet für Traditionalist:innen einige Schmankerl: So sind am Lenkrad die Touchflächen des Roma verschwunden, es gibt wieder echte Tasten. Das verhindert vor allem bei zügigem Tempo Fehlbedienungen. Mit etwas Übung lassen sich alle Funktionen auch per Lenkrad steuern. Der markentypische Manettino bleibt hingegen unverändert, über den Drehschalter lassen sich die fünf Fahrprogramme abrufen.
Geschichte ist auch das Hochkant-Display im Tesla-Style aus dem Roma. Stattdessen findet sich in der Mitte des Armaturenbretts ein querformatiger 10,25-Zoll-Touchscreen. Und der entschlackte Mitteltunnel mit einer Oberfläche aus gefrästem Aluminium erinnert an jene klassischer Ferrari.
Das gilt aber auch für den Preis: 270.000 Euro werden dafür sorgen, dass der Amalfi Spider ein seltener Anblick bleibt.
Fazit
Der Amalfi Spider ist Balsam für die Seele der Ferraristi. Er ist keine Revolution, sondern das Ergebnis jahrzehntelanger Erfahrung. Wie bei einem typisch italienischen Gericht sind die Zutaten klassisch – Frontmittelmotor-V8, Heckantrieb, Stoffverdeck und ein Lenkrad mit echten Tasten. Doch wie beim mediterranen Essen ergibt auch beim Ferrari die feine Abstimmung eine genussvolle Synthese aus Emotion und Eleganz.
Technische Daten des Ferrari Amalfi Spider
AUTO ZEITUNG 17/2026 | Ferrari Amalfi Spider |
|---|---|
Technische Daten | |
Motor | V8-Zylinder, 4-Ventiler, Biturbo, 3855 cm³ |
Antrieb | 8-Gang, Doppelkupplung, Hinterradantrieb |
Leistung | 471 kW / 640 PS bei 7500 U/min |
Max. Drehmoment | 760 Nm bei 3000 – 5750 U/min |
Karosserie | |
Außenmaße (L / B / H) | 4660 / 1974 / 1305 mm |
Leergewicht / Zuladung | 1556 / k. A. kg |
Kofferraumvolumen | 255 / 172 l* |
Fahrleistungen | |
Beschleunigung (0 – 100 km/h) | 3,3 s |
Höchstgeschwindigkeit | 320 km/h |
Verbrauch auf 100 km | 11,2 l SP |
Kaufinformationen | |
Grundpreis | 270.000 € |
Marktstart | Sommer 2026 |
Alle Daten Werksangaben; * Verdeck geschlossen / geöffnet | |
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