Verbrauch von Elektroautos: Stromkosten So viel kosten 100 Kilometer im E-Auto

von AUTO ZEITUNG 24.09.2020
Inhalt
  1. Stromkosten: Verbrauch von Elektroautos
  2. Kosten von E-Autos pro 100 Kilometer
  3. Strompreise und Abrechnungsmethoden variieren
  4. Stromkosten: Ladeverluste bei Elektroautos berücksichtigen
  5. Kostenvergleich E-Auto & Verbrenner 

Es herrscht noch viel Unsicherheit, welchen Verbrauch ein Elektroauto hat und welche Stromkosten mit ihm verbunden sind. Tatsächlich können die Tarife stark variieren. Die AUTO ZEITUNG erklärt, wie viel 100 Kilometer im E-Auto kosten!

Welchen Verbrauch hat eigentlich ein Elektroauto auf 100 Kilometern? Und welche Stromkosten fallen dabei an? Während die meisten Fahrer von Fahrzeugen mit konventionellen Verbrennungsmotoren den Verbrauch ihres Wagens gut kennen und einschätzen können, sieht das Ganze bei Elektroautos noch anders aus. Den meisten E-Auto-Besitzern fehlt noch das Gefühl dafür, wie viel Energie ihr Stromer tatsächlich auf 100 Kilometern verbraucht und was der kWh-Wert aussagt. Die Unsicherheit bei den Kunden wird neben der noch immer präsenten Reichweitenangst und den Zweifeln an der Alltagstauglichkeit – Stichwort Lade-Infrastruktur – auch vom unsicheren Wiederverkaufswert befeuert. Denn Förderprämie und die bei manchen Herstellern zusätzlich gewährten Rabatte sorgen bei einigen Modellen für geradezu grotesk niedrige Neuwagenpreise – und damit auch für ungewisse Restwertentwicklungen. Wer aktuell sein zwei- oder dreijähriges E-Auto verkaufen möchte, muss sich jedenfalls mit teils dramatischen Werteinbußen auseinandersetzen. Mehr zum Thema: Kosten pro Kilometer Reichweite bei Elektroautos

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Stromkosten: Verbrauch von Elektroautos

In unserem Kostenvergleich zum Verbrauch von E-Autos berücksichtigen wir neben Anschaffungspreis samt Prämien und Rabatten auch Betriebskosten sowie den aktuell erwarteten Wiederverkaufswert. Die Berechnung der Strom- beziehungsweise Kraftstoffkosten erfolgt dabei nach den durchschnittlichen Preisen im Sommer 2020: Ein Kilowattstunde kostete zuletzt 0,31 Euro, der Liter Diesel 1,07 Euro und für Super wurden im Mittel 1,31 Euro fällig. Doch während die Preisschwankungen bei Kraftstoffen gering sind, variieren die Stromkosten viel stärker. Zwar legt der Stromvertrag feste Preise für die Kilowattstunde Haushaltsstrom fest, an öffentlichen Ladesäulen schwanken die Kosten jedoch stark. An den Schnellladestationen von Ionity etwa zahlt man seit Februar 2020 satte 0,79 Euro pro Kilowattstunde. Die AUTO ZEITUNG klärt, was aktuelle Elektroauto-Modelle auf 100 Kilometern verbrauchen und ob die Stromkosten tatsächlich einen Preisvorteil gegenüber Fahrzeugen mit konventionellen Verbrennungsmotoren bringen können. Mehr zum Thema: Die Stromtarife von Ionity

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Kosten von E-Autos pro 100 Kilometer

Legt man bei einem Fahrzeug mit Benzinmotor einen durchschnittlichen Verbrauch von sieben Litern pro 100 Kilometer und einen Benzinpreis von 1,45 Euro pro Liter zugrunde, ergibt sich etwa ein Preis von rund 9,17 Euro für 100 gefahrene Kilometer. Zum Vergleich: Teslas Model S verbraucht nach Herstellerangaben 18,9 kWh pro 100 Kilometer. Bei einem durchschnittlichen Kilowattpreis für Haushalte von 31 Cent ergeben sich somit Stromkosten von 5,86 Euro für eine Strecke von 100 Kilometern. Mit dem Hyundai Ioniq Elektro, der sich den Koreanern zufolge mit 11,5 kWh pro 100 Kilometer zufrieden gibt, lägen die Stromkosten dementsprechend bei 3,56 Euro. Damit wäre das Elektroauto tatsächlich die günstigere Alternative, wenn es allein um den Verbrauch geht. Allerdings gibt es bei den Berechnungen ein Problem: Die Stromkosten hängen nämlich nicht nur davon ab, wie viel ein Elektroauto verbraucht. Es ist auch ausschlaggebend, wo geladen wird. E-Auto-Besitzer die Zuhause oder am Arbeitsplatz laden können, sind fein raus. Wer hingegen an öffentlichen Ladesäulen Strom zapft, muss oft mit Preisen rechnen, die deutlich über dem Durchschnittspreis für Haushaltsstrom (Sommer 2020: 30,1 Cent) liegen. Mehr zum Thema: Alles zur E-Auto-Prämie

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Strompreise und Abrechnungsmethoden variieren

Dass die Stromkosten beim Verbrauch von Elektroautos entscheidend vom jeweiligen Anbieter abhängig sind, hat der Ladesäulencheck 2019 von Lichtblick in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut statista ergeben. Demnach sei Eon mit 53 Cent pro Kilowattstunde Spitzenreiter, gefolgt von den Stadtwerken München mit 47 Cent/kWh. Die Monopolkommission, das Beratungsgremium der Bundesregierung, kritisiert gar den mangelnden Wettbewerb an Stromtankstellen. Der fehlende Wettbewerb könne zu überhöhten Preisen für den Ladestrom führen und "das Gelingen der Energiewende gefährden", warnte der Vorsitzende der Monopolkommission, Achim Wambach. Und wenn E-Auto-Fahrer Roaminganbieter für den Zugang zu mehreren Anbietern nutzen, kann es wegen zusätzlicher Gebühren sogar noch teurer werden. Der Ladesäulencheck 2019 ergab: Eine Ladung für 100 Kilometer Reichweite koste an einer Eon-Ladesäule 7,95 Euro. Wer an der gleichen Stelle über den Roaminganbieter "The New Motion" lädt, zahle bereits 14,88 Euro, bei "Plugsurfing" sogar 16,36 Euro. Damit wären die Stromkosten für ein Elektroauto teils deutlich teurer als Benzin für die gleiche Reichweite. Außerdem rechnen nicht alle Unternehmen kilowattstundenbasiert und damit verbrauchsabhängig ab: Stattdessen werden teilweise Pauschalpreise aufgerufen, anderswo wird nach Zeit abgerechnet. Eine vollständige, unabhängige Liste aller Ladesäulen in Deutschland gibt es bei der Bundesnetzagentur. Die Preise und Standorte für konventionelle Kraftstoffe sind hingegen unkompliziert und in Echtzeit – etwa per App – abfragbar. Mehr zum Thema: Parken an Elektroauto-Ladesäulen

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Stromkosten: Ladeverluste bei Elektroautos berücksichtigen

Die Stromverbrauch und die damit verbundenen Stromkosten bei Elektroautos werden nicht nur davon beeinflusst, wie effizient die jeweiligen Motoren mit der Energie umgehen. auch Ladeverluste beim "Tanken" von Strom entscheidend sind. Heißt konkret: Elektroauto-Fahrer verbrauchen an der Ladesäule mehr Energie als tatsächlich in der Batterie ankommt. Bezahlen muss man sie natürlich trotzdem. Der ADAC hat 15 E-Autos auf ihren realen Verbrauch an der Ladesäule im Vergleich zur Angabe im Bordcomputer untersucht und festgestellt: Je nach Fahrzeug weichen die Angaben zehn bis 25 Prozent voneinander ab. Zusammen mit sonstigen Ungenauigkeiten von Bordcomputern addieren sich die Ladeverluste zum Teil erheblich: So muss man den Ergebnissen des ADAC-Tests zufolge beim Tesla Model 3 LR knapp 25 Prozent zur Bordcomputer-Angabe addieren, beim Seat Mii electric knapp 21 Prozent und beim Jaguar i-Pace gute 17 Prozent. Aber auch die Mittelklasse-Wagen Renault Zoe (knapp 19 Prozent), Nissan Leaf (17,6 Prozent) und VW e-up (15,6 Prozent) zeigen ein deutliches Plus. Lediglich der Kia e-Niro (9,9 Prozent) bleibt unter der Zehn-Prozent-Marke. Und: Am Ende kommt es beim Vergleich von Elektroautos und Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren nicht nur auf den Verbrauch und die Strom-, sondern die Gesamtkosten an: Während die meist höheren Anschaffungskosten und der damit verbundene Wertverlust noch viele Kunden vom Kauf eines Elektroautos abhalten, können Einsparungen bei Wartung und Versicherung einen Preisvorteil bringen. Mehr zum Thema: Sound von Elektroautos

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Kostenvergleich E-Auto & Verbrenner 

AUTO ZEITUNG 21/2020VW ID.3VW Golf 1.5 TSI
Grundpreis35.575 Euro27.031 Euro
Rabatt3380 Euro5655 Euro
Prämie9850 Euro-
Preis abzüglich Rabatt/Prämie22.615 Euro21.375 Euro
Leistung/Drehmoment204 PS / 310 Nm150 PS / 250 Nm
Verbrauch kWh/S l 100 km15,45,5
Reichweite km426909
Steuer0 Euro90 Euro
Versicherung HP/VK314/392 Euro314/519 Euro
Energiekosten/Kraftstoff 10.000 km477 Euro721 Euro
Energiekosten/Kraftstoff 20.000 km954 Euro1442 Euro
Wartung pro Jahr244 Euro345 Euro
Wertverlust 10.000/20.000 km3206/3551 Euro2912 Euro/3260 Euro
Kosten pro km 10.000/20.000 mit WV0,46/0,27 Euro0,49/0,30 Euro
Kosten pro km 10.000/20.000 ohne WV0,14/0,10 Euro0,20/0,14 Euro
Kosten pro Monat 10.000/20.000 mit WV368/455 Euro381/497 Euro
Kosten pro Monat 10.000/20.000 ohne WV119/159 Euro166/226 Euro

von AUTO ZEITUNG von AUTO ZEITUNG
Unser Fazit

Wer schon länger mit dem Umstieg auf ein Elektroauto liebäugelt, sollte jetzt aktiv werden: Die Verdoppelung der Förderprämie macht die Stromer preislich sehr attraktiv. In unserem Kostenvergleich haben Elektroautos oft die Nase vorn, vor allem, weil die Stromkosten meist deutlich geringer ausfallen als die Kraftstoffkosten der Kontrahenten mit Benzin- oder Dieselmotor. Aber Achtung: Die Stromtarife an öffentlichen Ladesäulen variieren stark, an Schnellladesäulen wird teilweise der doppelte Preis und mehr für die Kilowattstunde abgerufen als an der heimischen Steckdose. Und nach wie vor gilt: Das persönliche Fahrprofil entscheidet, ob ein E-Auto in den Alltag passt. Für Vielfahrer ist ein effzienter Turbodiesel noch immer die bessere Wahl, während man im urbanen Raum und bei hohem Kurzstreckenanteil mit einem elektrischen Auto gut bedient ist. Und wie es wirklich um die Restwerte der Stromer bestellt ist, wird die Zukunft zeigen.

von Christina Finke & Caspar Winkelmann

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