E-Auto brennt (Tiefgarage/beim Laden): löschen Wie gefährlich sind Brände bei Elektroautos?

von Christina Finke 11.03.2021
Inhalt
  1. E-Auto brennt: Ist das Risiko für einen Brand höher als bei Verbrennern?
  2. Elektroauto-Brand: So geht die Feuerwehr beim Löschen vor
  3. E-Autos: Größere Brandgefahr in der Tiefgarage oder beim Laden?

Wenn ein E-Auto brennt, sorgt das immer wieder für Schlagzeilen und hitzige Diskussionen um die Brandgefahr von Batterie-elektrischen Fahrzeugen. AUTO ZEITUNG klärt die Frage, ob Elektroautos im Falle eines Fahrzeugbrands tatsächlich gefährlicher sind als Verbrenner. Auch dem Vorurteil erhöhter Brandgefahr in Tiefgaragen und beim Laden gehen wir auf den Grund.

Immer wieder sorgen brennende Elektroautos für negative Schlagzeilen und fördern so die Verunsicherung gegenüber dem Thema E-Mobilität. Dabei brennen E-Mobile Unfallstatistiken zufolge nicht häufiger oder heftiger ab, als konventionell angetriebene Autos. Es dauert jedoch länger, bis sie gelöscht sind. Da das Konzept Batterie-elektrischer Fahrzeuge aber immer noch verhältnismäßig neu und die Akzeptanz in der breiten Gesellschaft noch immer nicht wirklich vorhanden ist, wird in solchen Fällen ganz besonders aufmerksam und kritisch hingeschaut. Aber sind Elektroautos wirklich gefährlicher als Verbrenner? AUTO ZEITUNG klärt über Brandrisiko und -intensität auf und erklärt, warum von E-Autos auch in Tiefgaragen und beim Laden keine erhöhte Gefahr ausgeht. Mehr zum Thema: Vor- und Nachteile von Elektroautos

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E-Auto brennt: Ist das Risiko für einen Brand höher als bei Verbrennern?

Da aktuelle Elektroautos bei einem Unfall genauso sicher sind wie Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, ist auch das Risiko dafür, dass sie in Brand geraten entsprechend gering. Das wurde bereits in zahlreichen Crashtests überprüft und festgestellt. So hat etwa der VW ID.3 als einer der ersten den neuen, verschärften Crashtest der Euro NCAP absolviert und als Ergebnis die Fünf-Sterne-Höchstwertung erzielt. Die Batterie blieb in allen durchgeführten Tests unbeschädigt, womit keine Brandgefahr bestand. Hinzu kommt, dass alle Pkw, die eine Zulassung erhalten, bestimmte gesetzliche Anforderungen erfüllen müssen. Dabei ist es ganz egal, ob ein Auto mit Benzin, Diesel oder Gas betankt oder Batterie-elektrisch angetrieben wird. Hierbei ist auch vorgeschrieben, dass elektrische Komponenten eigensicher ausgelegt sein müssen. Heißt: Der Stromfluss der Batterie muss unterbunden werden, wenn ein Defekt vorliegt. Bei Elektroautos schaltet sich das Hochvolt-System im Ernstfall daher selbstständig ab. Der häufigste Grund für Fahrzeugbrände ist laut der Prüforganisation Dekra der Austritt von Kraftstoff oder Öl auf heiße Motorteile oder Motoranbauteile. Für den Fall, dass ein E-Auto brennt, kann das jedoch als Ursache ausgeschlossen werden. Hier stellt stattdessen die Beschädigung der Batterien den kritischsten Fall im Unfallgeschehen dar. Deswegen wird aber bereits bei der Konstruktion von E-Autos darauf geachtet, eine Deformation des Batteriepacks im Unterboden so weit wie möglich auszuschließen. Nicht vollständig auszuschließen ist, dass sich ein Fahrzeug aufgrund eines Defekts selbst entzündet – das gilt jedoch für alle Antriebsarten. Laut ADAC gibt es keinerlei Hinweise darauf, dass E-Autos eher zum Brennen neigen als Pkw mit Verbrennungsmotor – egal ob mit oder ohne Unfalleinwirkung. Darüber hinaus haben auch Experimente der Feuerwehren gezeigt, dass die Brandintensität unabhängig vom Antrieb des jeweiligen Fahrzeugs ist. Der ausschlaggebende Faktor für mehr Rauch- und Wärmefreisetzung im Vergleich zu früher sind demnach viel mehr die verwendeten Materialien. Da in modernen Fahrzeugen vor allem Kunststoffe zum Einsatz kommen, ist die Intensität eines Fahrzeugbrands daher entsprechend höher.

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Elektroauto-Brand: So geht die Feuerwehr beim Löschen vor

Während die Feuerwehr beim Brand eines herkömmlich angetriebenen Autos mit Diesel oder Benzin im Tank meist auf Löschschaum setzt, um so den notwendigen Sauerstoff zu entziehen, verhält es sich etwas anders, wenn ein E-Auto brennt. Bei Lithium-Ionen-Akkus ist laut dem Deutschen Feuerwehrverband Löschwasser das am besten geeignete Mittel. Dabei reiche es allerdings nicht, die sichtbaren Flammen des Feuers zu ersticken. Denn vor allem in Inneren des Akkus wird Energie freigesetzt, wenn Elektroautos in Brand geraten, und dieser Brand könne von Teilzelle zu Teilzelle überspringen. Nur durch eine möglichst frühzeitige und ausreichend lange Kühlung des Speichermediums könne dieses sogenannte thermische Durchgehen ("thermal runaway") verhindert werden. Löschmittel wie Metallbrandpulver, Sand, ABC-Pulver oder CO2 würden aber keinen ausreichenden Kühleffekt erzielen, weshalb in der Regel auch mehr Wasser zum Löschen benötigt werde. Damit die Einsatzkräfte der Feuerwehr nicht der Gefahr von überspringender Spannung in elektrischen Anlagen ausgesetzt sind, kommt bei solch einem Einsatz ein spezieller Wasserstrahl zum Einsatz. Außerdem sollte laut dem Deutschen Feuerwehrverband die Temperaturentwicklung auch nach dem Ablöschen im Bereich der Batterie mittels Wärmebildkamera kontrolliert werden, um ein drohendes Wiederentzünden frühzeitig erkennen zu können. Demnach dauert es einfach länger, bis der Brand bei einem Elektroauto vollständig gelöscht ist. Auch der im Anschluss anrückende Abschleppdienst wird nach E-Auto-Bränden wegen der möglichen Rückentzündungsgefahr darüber informiert, dass es sich um ein E-Fahrzeug handelt.

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E-Autos: Größere Brandgefahr in der Tiefgarage oder beim Laden?

Auch bei E-Autos in der Tiefgarage oder beim Laden von Elektro-Fahrzeugen konnte bislang keine erhöhte Brandgefahr nachgewiesen werden. Dennoch hat die Stadt Kulmbach für eine bestimmte Tiefgarage ein Einfahrverbot für Elektro- und Hybrid-Fahrzeuge verhängt. In Chemnitz liegt ein ähnlicher Vorstoß vor. Der ADAC kann diese Entscheidung jedoch nicht nachvollziehen. Im Gegenteil: "Sollten weitere Garagenbetreiber dem Kulmbacher Beispiel folgen, wäre dies ein fataler Rückschlag beim Ausbau der Elektro-Mobilität in Deutschland", heißt es vonseiten des Automobilclubs. Die Expert:innen weisen zudem darauf hin, dass Ladeeinrichtungen bedenkenlos auch in Tiefgaragen betrieben werden. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) weist derweil darauf  hin, dass die Bekämpfung von Fahrzeugbränden in geschlossenen Garagen wegen der hohen Temperaturen und der freigesetzten Rauchgase generell schwierig ist. Dies gelte sowohl für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor als auch für Elektrofahrzeuge. Bei den Brandgefahren gibt es demnach jedoch Unterschiede: Bei Elektroautos ergeben sich laut GDV Risiken beispielsweise durch die Ladeinfrastruktur, den Ladeprozess oder durch defekte beziehungsweise beschädigte Batterien. Bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor entstehen Brände durch ausgelaufene Betriebsflüssigkeiten (Benzin, Öl), die sich an heißen Fahrzeugteilen entzünden oder auch durch Kurzschlüsse im Kabelbaum. "Aus unseren Statistiken gibt es keinerlei Hinweise, dass Elektrofahrzeuge häufiger brennen als Autos mit Verbrennungsmotor“, sagt Alexander Küsel, Leiter der Schadenverhütung im GDV. Und: Wegen ihres brennbaren Treibstoffs besäßen Autos mit Verbrennungsmotor im Vergleich zu Stromern sogar eine höhere Brandlast. Für einen effektiven Brandschutz in geschlossenen Garagen haben sich dem GDV zufolge sich Sprinkleranlagen und Entrauchungssysteme bewährt. Sprinkleranlagen können demnach verhindern, dass sich ein Brand auf benachbarte Fahrzeuge ausbreitet. Die Sicherheit könne zudem durch eine gute Zugänglichkeit des Grundstücks beziehungsweise der Tiefgarage erhöht werden. Daneben sollten Ladeeinrichtungen für Elektrofahrzeuge an Stellen angebracht werden, die für die Feuerwehr leicht erreichbar sind – etwa in der Einfahrt- beziehungsweise Ausfahrtsebene. 

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