Corvette V7 Twin Turbo: Frühchen mit Mittelmotor
Offiziell hat die Corvette erst seit 2020 einen Mittelmotor. Doch lange zuvor gab es bereits eine C2 mit V8 hinter den Sitzen und verstörenden Proportionen.
Diese Mittelmotor-Corvette war ihrer Zeit weit voraus
Wo steckt in einem Sportwagen am besten der Motor? Diese anscheinend harmlose Frage ist viel verzwickter, als sie sich anhört. Selbst unter Porsche-Fans herrscht darüber kein hundertprozentiger Konsens. Bei den Ferraristi beharken sich die Befürworter des Frontmittelmotor-Prinzips und jene, die die Motormasse am liebsten hinter den Sitzen konzentrieren. Allein die Corvette galt 67 Jahre lang als sicherer Hafen für einen V8, der sich im Bug unter einer endlos langen, stilbildenden Motorhaube breit macht.
Doch auch dieser Konsens wurde aufgekündigt. Seit 2020 steckt in der Corvette C8 ein Mittelmotor. Die erste ihrer Gattung ist sie damit aber nicht. Denn schon zu Beginn der 2000er-Jahre sah sich die Edel-Tuningschmiede American Supercar mit dem Auftrag für eine vorausschauend rückwärtsgewandte Corvette konfrontiert. Vorhang auf für die Corvette V7 Twin Turbo!
Der Umbau basiert auf einer C2 mit geteiltem Heckfenster, wie sie nur 1963 in den Showrooms stand. Mit etwas mehr als 10.000 produzierten Einheiten ist die C2 Split-Window heute so selten und gefragt wie ein Brezelkäfer. Die V7 ist sogar ultimativ selten, nämlich ein Einzelstück.
Ihre Proportionen erscheinen stark vom Dekonstruktivismus beeinflusst: Wie Legosteine hat American Supercar den Fiberglasbomber auseinandergenommen, die Teile überarbeitet und neu zusammengesetzt. Die Fahrgastzelle wanderte um satte 60 cm nach vorne. Mit 25 cm mehr Breite und einer Längeneinbuße von fast acht Zentimetern wirkt die Corvette V7 erheblich bulliger als die C2. Aber auch irgendwie so seltsam wie ein Käfer, dem man einen Frontmotor eingepflanzt hätte.
Das Corvette C8 Stingray Cabrio im Video

Die spektakulären "Sui-slide Doors" gleiten majestätisch nach hinten
Das war wohl auch so gedacht. Denn American Supercar hat die Mittelmotor-Corvette zudem mit spektakulären „Sui-slide Doors“ versehen, die mittels Pantograph nach hinten gleiten und aus einem nostalgischen Transformers-Remake stammen könnten. Im Innenraum setzt sich die Gemengelage fort. Hochglanzpolierter Edelstahl und schwarzes Leder gemahnen an die Roaring Sixties, während die mit Carbonfaser eingefassten Sitze und Instrumente mit weißen Zifferblättern den Tuning-Charme der 2000er-Jahre versprühen. Auch die mehrteiligen Felgen, vorne 18 und hinten 19 Zoll groß, passen nicht recht ins Nostalgie-Konzept.
Am ehesten konsensfähig ist wohl das, was sich unter der gigantischen, elektrisch öffnenden Fiberglas-Heckklappe verbirgt. Dieser Small Block, auf für europäische Verhältnisse gar nicht smalle 6,5 l aufgebohrt, ist an sich schon eine Ode an den Maschinenbau. Doch sorgen hier zwei Turbolader von Re-Source für zusätzlichen Druck. Damit dürfte der LS1, der erst 1997 auf den Markt kam, erheblich mehr Leistung und Drehmoment rausblubbern als die damals üblichen 350 PS (257 kW) der Saugerversion.
Genaue technische Daten hat die Auktionsplattform Bring a Trailer leider nicht überliefert. Dafür darf das Einzelstück als Schnäppchen gelten: Im August 2026 kam es für nur 65.500 Dollar, umgerechnet rund 56.000 Euro, unter den Hammer. Selbst Purist:innen dürften bei dem Discount-Preis damit leben können, dass der Motor in dieser Corvette hinter ihnen steckt.
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